Er nahm die drei am wenigsten abstoßenden Dinge aus seinem Kühlschrank,
legte sie auf einen Teller und nachdem sie auch nach fünf Minuten keine
Anstalten gemacht hatten, sich zu bewegen, beschloß er, dies sei sein
Frühstück.
		-- Douglas Adams aus Hitchhiker's Guide
%
"... daß es sehr leicht ist, sich durch die Genugtuung darüber, daß
man sie überhaupt zum Funktionieren bringt, über ihre grundsätzliche
Nutzlosigkeit hinwegtäuschen läßt..."
		-- Douglas Adams (Macht's gut und danke für den Fisch)
(gilt zum Beispiel für Computer oder Programme)
%
Mit einer Quitscheente ist man nie allein.
		-- frei nach Douglas Adams "Per Anhalter durch die Galaxis"
%
Für den Ingenieur ist die Welt eine Spielzeugkiste voller halbfertiger
und schlecht ausgestatteter Spielsachen.
		-- Scott Adams
%
Gott hat auch die Dummheit geschaffen, aber er hat sie gerecht verteilt.
		-- Konrad Adenauer
%
20-Uhr-Nachrichten

Irgendwo herrscht Krieg.
Die Nachrichtensprecherin erzählt von 100 Toten, an einem Tag.
Fotos der Kriesenregionen werden gezeigt.
Blutüberströhmte Leichen, schreiende Frauen und halbverhungerte
weinende Kinder.
Dann folgt der Wetterbericht.
Es wird warm, warm genug, um morgen schwimmen zu gehen.
Dann wird umgeschaltet.
Mist - der Krimi läuft schon 5 Minuten.
Die reiche Witwe, deren Mann erschossen wurde, ist wirklich zu
bemittleiden.
		-- A good friend
%
Arbeitsbedürfnis ist ein unerläßliches Kriterium menschlicher Würde.
		-- Tschingis Aitmatow
%
Mein Gehirn ist mein zweitliebstes Organ.
		-- Woody Allen
%
Geld ist besser als Armut - wenn auch nur aus finanziellen Gründen.
		-- Woody Allen
%
Es hot kaan Zweck dos'd dositzt und mi aanheulst.
		-- Wolfgang Ambros
%
Frauen möchten ohne warum und wofür geliebt werden.  Nicht weil sie
hübsch, liebenswert, wohlerzogen, anmutig oder intelligent sind,
sondern einfach nur weil sie sie selbst sind.
		-- Amiel
%
Zufrieden seyen, ist große Kunst. Zufrieden scheinen, großer Dunst.
Zufrieden werden, großes Glück, zufrieden bleiben, Meisterstück.
		-- Eduard Arrer
%
Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.
		-- Augustinus
%
Zorn macht langweilige Menschen geistreich.
		-- Francis Bacon
%
Glaube alles, was Du über die Welt hörst; nichts ist so schlecht, daß es
nicht möglich wäre.
		-- Honore de Balzac
%
Intelligenz ist, die Realität zu verändern, nicht sie niederzureißen
und aus den Stücken zu rekonstruieren.
		-- Jean Baudrillard
%
Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht, dann sollte man den Kopf
nicht hängen lassen.
		-- Jürgen Becker
%
Die Summe aller Pleiten nennt man Erfahrung
		-- Oliver Behre
%
Ich habe Fehler begangen, doch ich beging nie den Fehler zu behaupten,
ich hätte keine begangen.
		-- James Gordon Bennett
%
Geige: Ein Instrument, das menschliche Ohr zu kitzeln, indem man
einen Pferdeschwanz an Katzendärmen reibt.
		-- Ambrose Gwinnet Bierce
%
Wen nichts umhaut, der hat nie gestanden.
		-- Wolfgang Biermann
%
Es ist besser, Genossenes zu bereuen, als zu bereuen, daß man nichts
genossen hat.
		-- Giovanni Boccacio
%
Software ist der geglückte Versuch, die Fehler der Computerhardware
zu optimieren und durch Weiterentwicklung neue Fehler hinzuzufügen.
		-- Oliver Böhm
%
Voraussagen sind schwer, insbesondere die der Zukunft.
		-- Niels Bohr
%
Es ist immernoch leichter einen ausgebildeten Ausländer reinzuholen,
als aus einem eingebildeten Inländer was rauszuholen.
		-- Lother Bölk (Magdeburger Zwickmühle)
%
Die Menschen sind wenn sie handeln höchst alltäglich
und man mag ihnen höchstens wenn sie träumen einiges
Interesse abgewinnen.
		-- Bonaventura, Nachtwachen
%
Die Liebe allein versteht das Geheimnis, andere zu beschenken und
dabei selbst reich zu werden.
		-- Clemens von Brentano
%
Ich kann ja nicht schneller jehn, wie Tage sind.
		-- Brocken-Benno
%
Das Drama aller Zeiten hat eigentlich nur ein einziges Thema gehabt:
die Unfähigkeit der Menschen, miteinander zu leben.
		-- Gerhard Bronner
%
Einstein vertrat die Ansicht, daß es für die Natur einfache
Erklärungen geben müsse, da Gott weder launisch noch willkürlich ist.
Diesen Glauben setzt man jedoch nicht in einen Programmierer.
		-- Fred Brooks
%
Eliminiere das Unmögliche. Was immer übrig bleibt, so unwahrscheinlich
es auch wirkt, muß die Wahrheit sein. Aber was ist, wenn einmal NICHTS
mehr übrig bleibt?
		-- John Brunner - Mehr Dinge zwischen Himmel und Erde
%
Es gibt uns seit ungefähr zwei Millionen Jahren, und die Dinosaurier
liefen neunzig Millionen Jahre herum, also haben wir mit ein wenig
Glück noch viel Zeit vor uns.
		-- John Brunner, "Ein irrer Orbit"
%
Versprechen, die im Freudenrausch gemacht wurden
verlieren zu Hause ihre Gültigkeit.
		-- Al Bundy
%
Und schon erfolgt der Griff, der rasche,
in die besagte Westentasche.
Die Lippe sprüht, das Auge leuchtet,
des Lauschers Bart wird angefeuchtet.
		-- Wilhelm Busch
%
Gott war zufrieden mit seinem Werk -- und das ist das Problem.
		-- Samuel Butler
%
Mit einem freundlichen Wort und einer Pistole kann man mehr erreichen,
als nur mit einem freundlichen Wort.
		-- Al Capone
%
Glück bedeutet Gelassenheit. Wer glücklich sein will, muß Zeit für die
Ewigkeit haben.
		-- Truman Capote
%
Klatschsucht und Gerüchte werden sich ausbreiten und die Fundamente
der Staaten erschüttern!

Psychische und physische Schäden bei den 'dem Telehphonieren verfallenenen
Personen' werden das öffentliche Gesundheitswesen vor ungeahnte Probleme
stellen.
		-- Prof. E. Cautious, 1. Internationaler Fernsprechkongreß, 1.4.1877, London
%
Mache einen anständigen Menschen aus dir selbst - und du kannst sicher
sein, daß ein Schuft weniger auf der Welt ist.
		-- Thomas Carlyle
%
Diese Spezies träumt seit mindestens 2000 Jahren von einer
Gesellschaftsordnung in der alle Menschen zufrieden leben
können. Bisher hat sie aber nur Gesetzeswerke produziert, die immer
wieder Ungerechtigkeit hervorriefen. Die Gesetze, sprich die
gesellschaftlichen Normen, werden von UNS gemacht. 
		-- Günter Cave
%
Abgesehen davon, daß nicht jeder Mensch von einer Welt träumt, in der
_alle_ zufrieden sind (noch weniger von einer _Gesellschaftsordnung_)
können Gesetze keine Gerechtigkeit oder deren Gegenteil
_produzieren_. Gesellschaftsordnungen und Herrschaft der Gesellschaft
werden und wurden immer nur von wenigen (machthungrigen) Menschen
bestimmt. Das sind diejenigen, die daran Interesse haben. Die meisten
Menschen wollen einfach nur leben und kümmern sich so gut wie nicht um
Gesellschaftsordnungen. Das zu ändern, könnte meiner Meinung nach nur
gelingen, indem das Interesse der passiven Menschen geweckt wird (was
das Problem ist).
		-- Günter Cave
%
Das Vergnügen kann auf der Illusion beruhen, doch das Glück beruht
allein auf der Wahrheit.
		-- Nicholas Chamfort
%
Der verlorenste aller Tage ist der, an dem man nicht gelacht hat.
		-- Nicolas Chamfort
%
Jeder Tag an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag.
		-- Charles Chaplin
%
Eine Rede soll ein Thema erschöpfen, nicht die Zuhörer.
		-- Winston Churchill
%
Wenn zwei Menschen immer wieder die gleichen Ansichten haben, ist einer
von ihnen überflüssig.
		-- Winston Churchill
%
Politik ist die Fähigkeit vorherzusagen, was morgen, nächste Woche
und nächstes Jahr sein wird.  Weiterhin die Fähigkeit hinterher zu
erklären, warum es doch nicht passiert ist.
		-- Winston Churchill
%
Es ist ein großer Vorteil im Leben, die Fehler aus denen man lernen
kann, möglichst frühzeitig zu machen.
		-- Winston Churchill
%
Sage nicht immer was du weißt, aber wisse immer was Du sagst.                   
		-- Matthias Cladius
%
Ich habe drei Haustiere, die dieselbe Funktion erfüllen wie ein
Ehemann: einen Hund, der jeden Morgen knurrt, einen Papagei, der den
ganzen Nachmittag lang flucht, und eine Katze, die nachts spät nach
Hause kommt.
		-- Marie Corelli
%
Jeder Mensch ist einzigartig.
		-- Benedetto Croce
%
Verwirrung ist die höchste Form der Kommunikation.
		-- Dali
%
Realität ist das, was nicht verschwindet wenn man aufhört daran zu glauben.
		-- Philip K. Dick
%
Die meisten Frauen setzen alles daran, einen Mann zu ändern, und
wenn sie ihn dann geändert haben, mögen sie ihn nicht mehr.
		-- Marlene Dietrich
%
Für ein gutes Gespräch sind die Pausen genauso wichtig wie die Worte.
		-- Heimito von Doderer
%
Das Bedürfnis, zu Klumpen geballt herumzujubeln, ist in Berlin nicht
tot zu kriegen.
		-- Wiglaf Droste
%
Verstand heißt die Hürde, die nehmen muß, wer das viel gepriesene positive
Denken hinkriegen möchte.  Bei Dr. Motte und seinen Anhängern ist das
Hindernis niedrig und wird einfach überrannt.  Dieser Vorgang heißt bis
heute Love Parade.
		-- Wiglaf Droste
%
Es zählt zu den Schrecken der Demokratie, daß wirklich jeder Esel sich auf
sie berufen darf, wenn es um seinen Vorteil geht.
		-- Wiglaf Droste
%
Jeder Mensch sollte einige Stunden am Tag, einige Tage in der Woche
und einige Wochen im Jahr allein sein, um zu sich selbst zu finden.
		-- Georges Duhamel
%
Um einen Freund zu finden, muß man ein Auge schließen,
um ihn zu halten zwei.
		-- Norman Douglas
%
Zwischen Wahnsinn und Verstand ist oft nur eine dünne Wand.
		-- Daniel Düsentrieb
%
Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.
		-- Marie von Ebner-Eschenbach
%
Gute Manieren bestehen aus lauter kleinen Opfern.
		-- Ralph Waldo Emerson
%
Unkraut nennt man die Pflanzen, deren Vorzüge noch nicht erkannt
worden sind.
		-- Ralph Waldo Emerson
%
Es ist sinnlos von den Göttern zu fordern,
was man selber zu leisten vermag
		-- Epikur
%
[...] denke niemals an die Zukunft.  Sie kommt früh genug.
		-- Albert Einstein
%
Wenige sind imstande, von den Vorurteilen der Umgebung
abweichende Meinungen gelassen auszusprechen; die meisten
sind sogar unfähig, überhaupt zu solchen Meinungen zu
gelangen.
		-- Albert Einstein
%
Die Zeit ist auch nicht mehr, was sie mal war!
		-- Albert Einstein
%
Ich habe zu Hause im Schrank einen Schlips,
notfalls bin ich bereit ihn auch zu tragen.
		-- Albert Einstein
%
Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit
aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.
		-- Albert Einstein
%
Mache alles so einfach wie möglich, doch nicht einfacher.
		-- Albert Einstein
%
Raffiniert ist der Herrgott aber boshaft ist er nicht.
		-- Albert Einstein
%
Die Majorität der Dummen ist unüberwindlich und für alle
Zeiten gesichert.
Der Schrecken ihrer Tyrannei indes wird gemindert durch Mangel
an Konsequenz.
		-- Albert Einstein.
%
In nur vier Zeilen was zu sagen,
scheint zwar leicht, doch ist es schwer.
Man braucht ja nur mal nachzuschlagen,
die meisten Dichter brauchen mehr...
		-- Heinz Erhardt
%
Das Leben ist wie eine Brille - man macht viel durch!
		-- Heinz Erhardt
%
Manche Konferenzen finden unter vier Wänden statt.
		-- Heinz Erhardt
%
Am besten ist, man macht sich einen Knoten ins Notizbuch.
		-- Heinz Erhardt
%
Große Schatten werfen ihre Ereignisse hinter sich.
		-- Heinz Erhardt
%
Steh nicht immer auf! Sonst nimmt dir noch jemand deinen Platz weg,
und dann sitzt du da!
		-- Heinz Erhardt
%
Das Leben ist das Wichtigste des menschlichen Daseins.
		-- Heinz Erhardt
%
Vor dem Tode habe ich keine Angst - denn alle, die gestorben sind,
lassen nicht wieder davon ab.
		-- Heinz Erhardt
%
Man sieht es manchen Damen noch jetzt an,
daß sie einmal recht häßlich gewesensein mögen.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich könnte manchmal vor Glück eine ganze Allee von Purzelbäumen schlagen.
		-- Heinz Erhardt
%
Was ist paradox: wenn man ein eingefleischter Vegetarier ist.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich hatte die Stirn, sie zu runzeln.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich fletschte meine Faust.
		-- Heinz Erhardt
%
Haben Sie Ihre Begabung von der Mutter? -
Nein, ich habe sie mit der Vatermilch eingesogen.
		-- Heinz Erhardt
%
Das Brot ging den Weg allen Fleisches.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich schoß ihn über seinen eigenen Haufen.
		-- Heinz Erhardt
%
Von der Muse geküßt? - Von der Pampelmuse.
		-- Heinz Erhardt
%
Der Kaiser belohnte ihn königlich.
		-- Heinz Erhardt
%
Sie haben den falschen Idioten, Sie Nummer.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich muß brechen, und zwar eine Lanze.
		-- Heinz Erhardt
%
Das Programm neigt sich seinem Anfang zu.
		-- Heinz Erhardt
%
Als ich geboren wurde, war ich noch sehr jung.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich habe die Muttersprache mit den Kindesbeinen eingesogen.
		-- Heinz Erhardt
%
Das ewige schwimmen gegen den Strom wird noch einmal
der Nagel zu meinem letzten Atemzug sein.
		-- Heinz Erhardt
%
Wenn schon Nietzsche sagt, daß zum Leben drei Dinge gehören, nämlich
Geld, Geld und Geld, so möchte ich diesen klugen Satz dahin erweitern,
daß zum Leben vier Dinge gehören, nämlich Geld, Geld, Geld und Geld.
		-- Heinz Erhardt
%
Auch die Sonne hat ihre Flecken.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich bin ein richtiger Pechpilz, niemals fällt mir das kleinste Schwein
in den Schoß.
		-- Heinz Erhardt
%
Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung.
		-- Heinz Erhardt
%
Es hat keinen Sinn, den Brunnen zuzuschütten, wenn das Kind bereits
verbrannt ist.
		-- Heinz Erhardt
%
Man darf im Leben nichts auslassen, außer Butter.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich brauche nur Fettgedrucktes zu lesen, und schon nehme ich zu.
		-- Heinz Erhardt
%
Bei manchen Menschen geht alles schnell zum einen Ohr rein und zum
anderen raus - die haben auch nicht viel dazwischen.
		-- Heinz Erhardt
%
Wenn der Kragen am Hemd nicht sitzt, handelt es sich oft um einen
Stehkragen.
		-- Heinz Erhardt
%
Solange es Haare gibt, liegen sich die Menschen in denselben.
		-- Heinz Erhardt
%
Das Ei darf nicht klüger sein als Kolumbus.
		-- Heinz Erhardt
%
Bei glatten Straßen muß man sechzehn geben, also doppelt acht.
		-- Heinz Erhardt
%
Viele Menschen lassen gute Ratschläge links im Papierkorb liegen,
den man ihnen höher hängen sollte.
		-- Heinz Erhardt
%
Es lohnt sich nicht, sich an einen Strohhut zu klammern.
		-- Heinz Erhardt
%
Frieden auf Erden - hoffentlich wird es keinen Zaun mehr geben,
von dem man einen Streit brechen kann.
		-- Heinz Erhardt
%
Der liebe Gott hat das Gras nicht wachsen lassen, damit man in
dasselbe beißt.
		-- Heinz Erhardt
%
Man muß im rechten Augenblick die Gelegenheit bei der Hand fassen
und seinen Schwiegerpapa um den Schopf seiner Tochter bitten.
		-- Heinz Erhardt
%
Manche Hab- und Gutseligkeiten sind nur ein Tropfen auf den hohlen Zahn.
		-- Heinz Erhardt
%
Viele Menschen scheinen aus dem linken Bett zuerst aufgestanden zu sein.
		-- Heinz Erhardt
%
Möge der Himmel seine Geigen über alle Glücklichen ausschütten.
		-- Heinz Erhardt
%
Man darf im Leben weder sich noch Verdacht erregen.
		-- Heinz Erhardt
%
Manchmal hilft nur noch: Zähne hoch und den Kopf zusammenbeißen.
		-- Heinz Erhardt
%
Vorläufig habe ich noch keine Lust ins bessere Jenseits zu beißen.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich kann keinen Wurm krümmen, der mir am Herzen nagt.
		-- Heinz Erhardt
%
Wenn ich Käse esse, lasse ich die Made links liegen.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich lasse mich nie weit und breit schlagen.
		-- Heinz Erhardt
%
Gerichtsvollzieher sind wie kleine Kinder: was sie sehen wollen sie
gleich haben.
		-- Heinz Erhardt
%
Ich rede mir nicht ein, den Stein der Weisen wachsen zu hören.
		-- Heinz Erhardt
%
Jeder sollte sein eigener Hirte sein - jeder sollte sich hüten, und
zwar davor, daß einem die anderen das Fell über die Ohren hauen.
		-- Heinz Erhardt
%
Manchmal kommt man mit einem blauen Auge davon,
das man einem anderen geschlagen hat.
		-- Heinz Erhardt
%
Es darf kein äußerstes geben, zu dem wir nicht entschlossen wären,
und keine Lauer, auf der wir nicht lägen.
		-- Heinz Erhardt
%
Raphael wäre auch dann ein großer Maler geworden, wenn er ohne Ölfarben
auf die Welt gekommen wäre.
		-- Heinz Erhardt
%
Ein blindes Huhn bekommt auch mal ein Gerstenkorn und hat dann keine Lust,
die Flinte in dasselbe zu werfen.
		-- Heinz Erhardt
%


Ein Test für außerordentliche Intelligenz ist die Fähigkeit zwei
gegensätzliche Ideen gleichzeitig zu verfolgen, ohne dabei verrückt zu werden.
		-- F. Scott Fitzgerald
%
Menschen kann man nicht besitzen. Man muß sie immer wieder neu gewinnen.
		-- Bruno Frank
%
Wer Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen,
der wird am Ende beides verlieren.
		-- Benjamin Franklin
%
Jemand, der aufhört zu werben, um Geld zu sparen -
Könnte genausogut seine Uhr stehen lassen, um Zeit zu sparen.
		-- Henry Ford
%
Wer niemals gelitten hat, verdient auch kein Glück.
		-- Ugo Foscolo
%
Viele können nicht unterscheiden zwischen einer Viererkette und
einer Fahrradkette. 
		-- Karl-Heinz Rummenigge
%
Das wird doch alles von den Medien hochsterilisiert.
		-- Bruno Labbadia
%
Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.
		-- Lothar Matthäus
%
Ich hab gleich gemerkt, das ist ein Druckschmerz, wenn man drauf drückt.
		-- Lothar Matthäus
%
Manchmal spreche ich zuviel.
		-- Lothar Matthäus
%
Es ist wichtig, daß man neunzig Minuten mit voller Konzentration an
das nächste Spiel denkt.
		-- Lothar Matthäus
%
Für uns war die Trainerfrage nie eine Trainerfrage.
		-- Roland Schmider
%
Das nächste Spiel ist immer das nächste.
		-- Matthias Sammer
%
Ich habe ihn ausgewechselt, weil ich einen anderen Spieler einwechseln
wollte. Da mußte ich einen auswechseln!
		-- Ewald Lienen
%
Der Jürgen Klinsmann und ich sind schon ein tolles Trio,
.... äh Quartett.
		-- Fritz Walter jun.
%
Die Sanitäter haben mir sofort eine Invasion gelegt.
		-- Fritz Walter jun.
%
Wir haben ein Abstimmungsproblem - das müssen wir automatisieren.
		-- Berti Vogts
%
Kompliment an meine Mannschaft und meinen Dank an die Mediziner.
Sie haben Unmenschliches geleistet.
		-- Berti Vogts
%
Die Breite an der Spitze ist dichter geworden.
		-- Berti Vogts
%
Ich glaube, daß der Tabellenerste jederzeit den Spitzenreiter schlagen
kann.
		-- Berti Vogts
%
Wenn ich über's Wasser laufe, dann sagen meine Kritiker, nicht mal
schwimmen kann er.
		-- Berti Vogts
%
Sex vor einem Spiel? Das können meine Jungs halten, wie sie wollen.
Nur in der Halbzeit, da geht nichts.
		-- Berti Vogts
%
Die Kroaten sollen ja auf alles treten, was sich bewegt - da hat unser
Mittelfeld ja nichts zu befürchten.
		-- Berti Vogts (vor dem WM-Spiel gegen Kroatien) 
%
Wir waren bereits klinisch tot.
		-- Ulf Kirsten
%
Es ist ein Sehnenabriss am Schambeinknochen. Hört sich lustig an, ist
aber trotzdem beim Fußball passiert.
		-- Thomas Strunz
%
Wenn man ein 0:2 kassiert, dann ist ein 1:1 nicht mehr möglich.
		-- Aleksander Ristic
%
Wir wollten in Bremen kein Gegentor kassieren. Das hat auch bis zum
Gegentor ganz gut geklappt.
		-- Thomas Häßler
%
In der Schule gab's für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der
Fußball.
		-- Thomas Häßler
%
Ich bin körperlich und physisch topfit.
		-- Thomas Häßler
%
Ich hatte vom Feeling her ein gutes Gefühl. 
   Andreas Möller
%
Mailand oder Madrid - Hauptsache Italien!
		-- Andreas Möller
%
Mein Problem ist, daß ich immer sehr selbstkritisch bin, auch mir
selbst gegenüber.
		-- Andreas Möller
%
Ich habe mit Erich Ribbeck telefoniert, und er hat zu mir gesagt, ich
stehe für die Maltareise nicht zur Verfügung.
		-- Andreas Möller
%
Zwei Chancen, ein Tor - das nenne ich 100% Chancenauswertung.
		-- Roland Wohlfahrt
%
Wir werden nur noch Einzelgespräche führen, damit sich keiner verletzt.
		-- Frank Pagelsdorf
%
Man hetzt die Leute auf mit Tatsachen, die nicht der Wahrheit entsprechen.
		-- Toni Polster
%
Wir lassen uns beide von unseren Frauen scheiden und ziehen zusammen.
		-- Toni Polster (über sein verbessertes Verhältnis zu Trainer Peter Neururer)
%
Ich kann nicht mehr als schießen. Außerdem standen da 40 Leute auf der Linie.
		-- Toni Polster (über eine vergebene Torchance)
%
Fur mich gibt es nur "entweder-oder". Also entweder voll oder ganz!
		-- Toni Polster
%
Wir waren alle vorher überzeugt davon, daß wir das Spiel gewinnen. So
war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten
zweieinhalb Minuten.
		-- Peter Neururer
%
Wenn der Ball am Torwart vorbei geht, ist es meist ein Tor.
		-- Mario Basler
%
Das habe ich ihm dann auch verbal gesagt.
		-- Mario Basler
%
Eigentlich bin ich ein Supertyp. Aber ich kann wohl auch ein richtiger
Arsch sein.
		-- Mario Basler
%
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon
phänomenal.
		-- Dragoslaw Stepanovic
%
Zuerst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu.
		-- Uwe Wegmann
%
Ich habe immer gesagt, daß ich niemals nach Österreich wechseln würde.
		-- Jürgen Wegmann (auf die Frage, ob er zum FC Basel wechselt)
%
Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.
		-- Jürgen Wegmann
%
Da muß dann auch mal einer die Hand ins Heft nehmen.
		-- Thomas Helmer
%
Ich habe bei MW in Frankreich keine Probleme mit der Verständigung, ich
kann kein Französisch.
		-- Hans Krankl
%
Wir müssen gewinnen, alles andere ist primär.
		-- Hans Krankl
%
Wir spielen Mann gegen Mann. Und ich spiel gegen den Mann.
		-- Olaf Thon
%
Wir liefen beim Zweikampf nebeneinander her, und da habe ich ihn wohl
leicht retouchiert.
		-- Olaf Thon
%
Wir lassen uns nicht nervös machen, und das geben wir auch nicht zu!
		-- Olaf Thon
%
Man hetzt die Leute auf mit Tatsachen, die nicht der Wahrheit
entsprechen.
		-- Olaf Thon
%
In erster Linie stehe ich voll hinter dem Trainer, in zweiter Linie
hat er recht.
		-- Olaf Thon
%
Ich habe nie an unserer Chancenlosigkeit gezweifelt.
		-- Richard Golz
%
Vor lauter Philosophieren über Schopenhauer kommen wir gar nicht mehr zum
Trainieren.
		-- Richard Golz
(auf die Frage, was beim sog. Studentenklub SC Freiburg anders sei)
%
Ich brauche keinen Butler. Ich habe eine junge Frau!
		-- Thomas Doll
(Diese ist mittlerweile übrigens mit Olaf Bodden verheiratet.)
%
Es war ein wunderschöner Augenblick, als der Bundestrainer sagte:
"Komm, Stefan, zieh deine Sachen aus, jetzt geht's los."
		-- Steffen Freund
%
Ich lese keine Bücher.
		-- Klaus Fischer (auf die Frage nach seinem Lieblingsbuch)
%
Manni Bananenflanke, ich Kopf, Tor!
		-- Horst Hrubesch (schildert die Entstehung eines seiner Tore)
%
Das ist Schnee von morgen.
		-- Jens Jeremies
%
Das Tor gehört zu 70% mir und zu 40% dem Wilmots.
		-- Ingo Anderbrügge
%
Zu 50 Prozent stehen wir im Viertelfinale, aber die halbe Miete ist
das noch nicht!
		-- Rudi Völler
%
Ja gut, der arbeitet von morgens bis abends. Ja gut, sowas nennt man
im Volksmund glaube ich Alcoholic.
		-- Rudi Völler (über Rainer Calmund)
%
Soll ich etwa ein Lagerfeuer im Wohnzimmer machen?
		-- Anthony Yeboah
(auf die Feststellung des "Kicker", er wohne "wie ein deutscher
Musterbürger")
%
Ich wollte den Ball treffen, aber der Ball war nicht da.
		-- Anthony Yeboah (er hatte gegen Michael Schulz nachgetreten)
%
Mann, wir Schwatten müssen doch zusammenhalten!
		-- Anthony Baffoe (nach gelber Karte zum Schiri)
%
Du kannst auf meiner Plantage arbeiten.
		-- Anthony Baffoe (zu einem weißen Gegenspieler)
%
Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos
ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verpraßt.
		-- George Best
%
Nein, die spielen immer mittwochs, da habe ich keine Zeit.
		-- Paul Steiner
(auf die Frage, ob die Nationalmannschaft für ihn ein Thema sei)
%
Also bei mir geht das mit dem linken Fuß genauer und mit dem rechten
fester!  
Moderator: "Und mit welchem Fuß schießen sie jetzt auf die Torwand?"
Ja, mit dem rechten!
		-- Andreas Brehme
(im Sportstudio auf die Frage, mit welchem Fuß er schießt)
%
Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber
bei mir lief's ganz flüssig.
		-- Paul Breitner
%
Ich bleibe auf jeden Fall wahrscheinlich beim KSC.
		-- Sean Dundee
%
Im Moment nicht, Yeboah und Chapuisat sind besser drauf.
		-- Uwe Fuchs
(im Sportstudio auf die Frage, ob die (deutsche) Nationalmannschaft
für ihn noch ein Thema sei)
%
Ich mache nie Voraussagen und werde das auch niemals tun.
		-- Paul Gascoigne
%
Wir sind hierher gefahren und haben gesagt: Okay, wenn wir verlieren,
fahren wir wieder nach Hause.
		-- Marco Rehmer
%
Ich weiß auch nicht, wo bei uns der Wurm hängt.
		-- Fabrizio Hayer
%
Entweder ich gehe links vorbei, oder ich gehe rechts vorbei.
		-- Ludwig Kögl
%
Seither bemühe ich mich, bei jeder leichten Berührung, bei jedem
Zusammenstoß, bei jedem Foul im Gegner zuerst den Menschen zu sehen.
		-- Toni Schumacher (in bezug auf das Foul an Battiston) 
%
Es ist mir völlig egal, was es wird. Hauptsache, er ist gesund.
		-- Mehmet Scholl (als werdender Vater)
%
Ein Drittel mehr Geld? Nee, ich will mindestens ein Viertel.
		-- Horst Szymaniak
%
In der ersten Liga die Balle zu halten find ich total geil. Da geht
mir voll einer bei ab.
		-- Klaus Thomforde
%
Am Montag nehme ich mir vor, zur nächsten Partie zehn Spieler
auszuwechseln.  Am Dienstag sind es sieben oder acht, am Donnerstag
noch vier Spieler. Wenn es dann Samstag wird, stelle ich fest, daß
ich doch wieder dieselben elf Scheißkerle einsetzen muß wie in der
Vorwoche.
		-- John Toshack (als Trainer von Real Madrid)
%
Konzepte sind Kokolores.
		-- Erich Ribbeck
%
Grundsätzlich werde ich versuchen zu erkennen, ob die subjektiv geäußerten
Meinungen subjektiv sind oder objektiv sind. Wenn sie subjektiv sind, werde
ich an meinen objektiven festhalten. Wenn sie objektiv sind, werde ich
überlegen und vielleicht die objektiven subjektiv geäußerten Meinungen der
Spieler mit in meine objektiven einfließen lassen.
		-- Erich Ribbeck
%
Vieles was darin geschrieben wurde, ist auch wahr.
		-- Werner Lorant (über sein Buch "Eine beinharte Story")
%
Berkant Oktan ist erst siebzehn. Wenn er Glück hat, wird er nächsten
Monat achtzehn.
		-- Franz Beckenbauer
%
Ich bin immer noch am überlegen, welche Sportart meine Mannschaft an
diesem Abend ausgübt hat.  Fußball war's mit Sicherheit nicht.
		-- Franz Beckenbauer (nach einer Bayern-Niederlage) 
%
Damals hat die halbe Nation hinter dem Fernseher gestanden.
		-- Franz Beckenbauer (über das WM-Finale 1990)
%
Die Schweden sind keine Holländer - das hat man ganz genau gesehen.
		-- Franz Beckenbauer
%
Irgendwelche Fragen, bevor ich gehe und mich aufhänge?
		-- Bert Papon
(der Trainer von Dumfernline auf einer Pressekonferenz nach einer
0:7-Niederlage)
%
Das größte Problem beim Fußball sind die Spieler.
Wenn wir die abschaffen könnten, wäre alles gut.
		-- Helmut Schulte
%
Ich wage mal eine Prognose: Es könnte so oder so ausgehen.
		-- Ron Atkinson
%
Die Eintracht ist vom Pech begünstigt.
		-- Karl-Heinz Korbel
%
Meine Mannschaft ist 15- oder 16mal ins Abseits gerannt. Das haben wir
auch die ganze Woche geübt.
		-- Manfred Krafft
%
Ich habe zwei verschiedene Halbzeiten gesehen.
		-- Volker Finke
%
Die Situation ist bedrohlich, aber nicht bedenklich.
		-- Friedhelm Funkel
%
Fußball ist Ding, Dang, Dong. Es gibt nicht nur Ding.
		-- Giovanni Trappatoni
%
Es gibt nur einen Ball. Wenn der Gegner ihn hat, muß man sich fragen:
Warum!?
Ja, warum? Und was muß man tun? Ihn sich wiederholen!
		-- Giovanni Trappatoni
%
Franz Bohmert hat versucht, Wolfgang Sidka den Abgang so schön wie
möglich zu machen.
		-- Felix Magath
%
Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger in der Abwehr, Bruce
Willis im Mittelfeld und Jean Claude van Damme im Sturm.
		-- Rainer Bonhof
(auf die Frage, wie er die verletzten Spieler zu ersetzen gedenke)
%
Wenn wir hier nicht gewinnen, dann treten wir ihnen wenigstens den
Rasen kaputt.
		-- Rolf Rüssmann
%
Haben Sie eine Stunde Zeit?
		-- Leo Beenhakker
(auf die Frage, wie dem deutschen Fußball zu helfen sei)
%
Wenn ich den Martin Schneider weiter aufstelle, glauben die Leute am
Ende wirklich noch, ich sei schwul.
		-- Friedel Rausch
%
Den größten Fehler, den wir jetzt machen könnten, wäre, die Schuld
beim Trainer zu suchen.
		-- Karl-Heinz Körbel (als Trainer von Eintracht Frankfurt) 
%
Ihr Fünf spielt jetzt vier gegen drei.
		-- Fritz Langner
%
Würden wir jede Woche so spielen, wären unsere Leistungen nicht so
schwankend.
		-- Bryan Robson
%
Im Training habe ich mal die Alkoholiker meiner Mannschaft gegen die
Antialkoholiker spielen lassen. Die Alkoholiker gewannen 7:1. Da war's
mir wurscht. Da hab i g'sagt: Sauft's weiter.
		-- Max Merkel
%
Jürgen Klinsmann ist inzwischen 694 Minuten ohne Tor. Das hat vor ihm,
glaube ich, nur Sepp Maier geschafft.
		-- Harald Schmidt
%
Wie soll das denn dann heißen? Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion?
		-- Johannes Rau
(zum Vorschlag, Fußballstadien nach Frauen zu benennen)
%
Bei der Fußball-WM habe ich mir Österreich gegen Kamerun
angeschaut. Auf der einen Seite Exoten, fremde Kultur, wilde Riten -
und auf der anderen Seite: Kamerun!
		-- Dieter Nuhr
%
Gewinnen ist wie verlieren - nur umgekehrt.
		-- Mark Kevin Gölner
%
Jemand, der auf die Innenseite einer ungeschälten Banane Geburtstagsgrüße
an seine Tochter schreibt, ist natürlich geistig verwirrt.
		-- Jostein Gaarder
%
Mein Großvater erklärte mir, daß es zwei Arten von Menschen gäbe:
Solche, die arbeiten und solche, die den Lohn dafür erhalten.
Er riet mir zu versuchen, in der erstgenannten Gruppe zu sein,
denn dort ist der Konkurrenzkampf geringer.
		-- Indira Gandhi
%
Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht genug für
jedermanns Gier.
		-- Mahatma Gandhi
%
Ein "Nein" ausgesprochen mit der tiefsten Überzeugung ist besser
und größer als ein "Ja" um zu gefallen oder noch schlimmer, um
Schwierigkeiten zu umgehen.
		-- Mahatma Gandhi
%
Wasimmer du auch tust ist nicht entscheidend, doch es ist wichtig, daß
Du es richtig tust.
		-- Mahatma Gandhi
%
Erst lachen sie über Euch,
dann bekämpfen Sie Euch,
und dann siegt Ihr.
		-- Mahatma Gandhi
%
Früher war ich eitel. Heute weiß ich, daß ich schön bin.
		-- Garfield
%
Die Historiker verfälschen die Vergangenheit,
Die Ideologen die Zukunft.
		-- Phillip Gerhardt
%
Der Panther

Der Panther, der Panther,
erst lag er, dann stand er,
worauf er so erschrak,
daß er gleich wieder lag.

		-- Robert Gernhardt
%
An eine Landschaft muß man sich mit den Füßen erinnern, nicht mit den
Autoreifen.
		-- Jean Giono
%
Hart im Hirn, weich in der Birne, ohne Halt, einfältig und klein.
Auf der Suche nach einem Führer, es ist hart, allein beschränkt zu sein.
		-- Grönemeyer - "Die Härte"
%
Arm ist nicht der, der wenig hat, sondern der, der nicht genug
bekommen kann.
		-- Jean Guéhenno
%
Ein Kritiker ist eine Henne, die gackert, wenn andere legen.
		-- Giovanni Guareschi
%
Unsere Weisheit kommt aus unserer Erfahrung. Unsere Erfahrung kommt
aus unseren Dummheiten.
		-- Sascha Guitry
%
Eigentlich lernen wir nur aus Büchern, die wir nicht beurteilen
können. Der Autor eines Buches, das wir beurteilen können, müßte von
uns lernen.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Mephistopheles:
  Du weißt wohl nicht, mein Freund, wie grob du bist?
Baccalaureus:
  Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist.
		-- Johann Wolfgang von Goethe (Faust II)
%
Baccalaureus:
  Anmaßlich find' ich, daß zur schlechtsten Frist
  Man etwas sein will, wo man nichts mehr ist.
  Des Menschen Leben lebt im Blut, und wo
  Bewegt das Blut sich wie im Jüngling so?
  Das ist lebendig Blut in frischer Kraft,
  Das neues Leben sich aus Leben schafft.
  Da regt sich alles, da wird was getan,
  Das Schwache fällt, das Tüchtige tritt heran.
  Indessen wir die halbe Welt gewonnen,
  Was habt Ihr denn getan? genickt, gesonnen,
  Geträumt, erwogen, Plan und immer Plan.
  Gewiß! das Alter ist ein kaltes Fieber
  Im Frost von grillenhafter Not.
  Hat einer dreißig Jahr vorüber,
  So ist er schon so gut wie tot.
  Am besten wär's, euch zeitig totzuschlagen.
%
Du gleichst dem Geist, den du begreifst, nicht mir!
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Es irrt der Mensch, so lang er strebt.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Ich bin der Geist, der stets verneint!
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Irrend lernt man.
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Auch was Geschriebnes forderst du Pedant?
		-- Johann Wolfgang von Goethe
%
Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse
sich dabei doch auch was denken lassen.
		-- Goethe, Faust I
%
Es ist lächerlich, wenn jemand darum kämpft ein Mensch zu werden,
denn die Affen haben das schon vor etwa einer Million Jahren geschafft.
Man sollte lieber darum kämpfen, ein Papagei oder ähnliches zu werden.
		-- Jack Handley, The New Mexican, 1988.
%
Angenommen Du würdest Dich in einer Situation befinden, in der Du
entweder einen ertrinkenden Mann retten könntest oder ein
Pulitzerpreis verdächtiges Foto seines Untergangs schießen
könntest.  Welche Blende und Verschlußzeit würdest Du wählen?
		-- Paul Harvey
%
Sobald einer in einer Sache Meister geworden ist, sollte er in einer
neuen Sache Schüler werden.
		-- Gerhard Hauptmann
%
Europa: Die Zehn Gebote haben 279 Wörter, die amerikanische
Unabhängigkeitserklärung hat 300 Wörter. Die EU-Verordnung zur
Einfuhr von Karamelbonbons hat 25911 Wörter
		-- Bodo H. Hauser in "Noch Fragen Kienzle? Ja, Hauser"
%
Die Annahme, das Universum sähe in jede Richtung gleich aus, ist in
der Realität offensichtlich nicht wahr.
		-- Stephen Hawking
%
Der Weg zur Weisheit?  Er ist geradlinig und einfach auszudrücken:
  Irren
  und irren
  und nochmals irren
  doch weniger
  und weniger
  und immer weniger.
		-- Piet Hein
%
Manche Dinge sind so ernst, daß man nur im Spaß über sie reden kann.
		-- Werner Heisenberg
%
Man braucht zwei Jahre, um sprechen zu lernen, fünfzig, um schweigen
zu lernen.
		-- Ernest Hemingway
%
Viel Wissen bedeutet noch nicht Verstand.
		-- Heraklit
%
Unter zuviel Analyse leidet die Wahrheit.
		-- Frank Herbert - Dune Messiah
%
Wer immer die Wahrheit sagt, kann sich ein schlechtes Gedächtnis
leisten.
		-- Theodor Heuss
%
[Politiker] Ja, wir bezahlen ja die Leute dafür, daß sie sich
Gedanken machen, sonst könnten wir uns ja selber welche machen.
		-- Dieter Hildebrand
%
Mit zunehmendem Alter verdingsen sich die Erinnerungen.
		-- Dieter Hildebrand
%
Nicht alles Originelle ist gut, aber alles Gute ist originell.
		-- Paul Hindemith
%
Dialog ist nur ein anderer Soundeffekt.
		-- Alfred Hitchcock
%
Der Teufelspakt des Wissenschaftlers ist seine Finanzierung durch
die Rüstungsindustrie.
		-- Rolf Hochhuth
%
Es gibt soziale Situationen, wo es schwierig ist, "nein" zu sagen.
Ich habe das mal ausprobiert, indem ich an einem ampelgesteuerten
Polizisten zu Fuß auf der anderen Seite eine immanent gegebene Information
ausnutzte: Bei Fußgängergegenverkehr will der andere in der Regel genau
entgegengesetzt zu meiner Wegrichtung gehen.

Als wir Fußgänger GRÜN bekamen, ging ich auf ihn zu und fragte ihn
mitten auf der Straße nach dem Weg mit Ziel in meiner Gehrichtung, der so
kompliziert war, daß die Grünphase nicht zur Erklärung reichte.  Er stand
in einem Gewissenskonflikt, als ROT wurde, weil er entweder unhöflich sein
mußte und in meine Richtung zurückgehen oder mich bitten, in seine
Richtung zu gehen und für meinen Rückweg auf das nüchste GRÜN zu
warten.
		-- Wau Holland, CCC
%
Wer in der Scheiße sitzt, sollte nicht zwitschern.
		-- Lotti Huber
%
Geld allein mach auch nicht unglücklich.
		-- Howard Hughes
%
Melancholie ist das Vergnügen, traurig zu sein.
		-- Victor Hugo
%
Wenn die Wunder nicht bald aufhören, komme ich noch ganz von Sinnen.
		-- Alexander von Humbold (bei Aufenthalt auf Kanarischen Inseln)
%
Die Zukunft ist immer ein Abenteuer.
		-- Aldous Huxley
%
So ein paar grundgelehrte Zitate sind eine Zier für den Menschen.
		-- Heinrich Heine
%
Beine hat uns zwei gegeben
Gott der Herr, um fortzustreben,
Wollte nicht, daß an der Scholle
Unsre Menschheit kleben solle.
Um ein Stillstandsknecht zu sein,
Gnügte uns ein einzges Bein.

Augen gab uns Gott ein Paar,
Daß wir schauen rein und klar;
Um zu glauben was wir lesen,
Wär ein Auge gnug gewesen.
Gott gab uns die Augen beide,
Daß wir schauen und begaffen
Wie er hübsch die Welt erschaffen
Zu des Menschen Augenweide;
Doch beim Gaffen in den Gassen
Sollen wir die Augen brauchen
Und uns dort nicht treten lassen
Auf die armen Hühneraugen,
Die uns ganz besonders plagen,
Wenn wir enge Stiefel tragen.
		-- Heinrich Heine (Zur Teleologie)
%
Gott versah uns mit zwei Händen,
Daß wir doppelt Gutes spenden;
Nicht um doppelt zuzugreifen
Und die Beute aufzuhäufen
In den großen Eisentruhn,
Wie gewisse Leute tun -
(Ihren Namen auszusprechen
Dürfen wir uns nicht erfrechen -
Hängen würden wir sie gern.
Doch sie sind so große Herrn,
Philanthropen, Ehrenmänner,
Manche sind auch unsre Gönner,
Und man macht aus deutschen Eichen
Keine Galgen für die Reichen.)
		-- Heinrich Heine (Zur Teleologie)
%
Gott gab uns nur eine Nase,
Weil wir zwei in einem Glase
Nicht hineinzubringen wüßten,
Und den Wein verschlappern müßten.

Gott gab uns nur einen Mund,
Weil zwei Mäuler ungesund.
Mit dem einen Maule schon
Schwätzt zu viel der Erdensohn.
Wenn er doppeltmäulig wär,
Fräß und lög er auch noch mehr.
Hat er jetzt das Maul voll Brei,
Muß er schweigen unterdessen,
Hätt er aber Mäuler zwei,
Löge er sogar beim Fressen.
		-- Heinrich Heine (Zur Teleologie)
%
Mit zwei Ohren hat versehn
Uns der Herr. Vorzüglich schön
Ist dabei die Symmetrie.
Sind nicht ganz so lang wie die,
So er unsern grauen braven
Kameraden anerschaffen.
Ohren gab uns Gott die beiden,
Um von Mozart, Gluck und Hayden
Meisterstücke anzuhören -
Gäb es nur Tonkunst-Kolik
Und Hämorrhoidal-Musik
Von dem großen Meyerbeer,
Schon ein Ohr hinlänglich wär! -
		-- Heinrich Heine (Zur Teleologie)
%
Die Briten zeigten sich sehr rüde
Und ungeschliffen als Regizide.
Schlaflos hat König Karl verbracht
In Whitehall seine letzte Nacht.
Vor seinem Fenster sang der Spott
Und ward gehämmert an seinem Schafott.
   Viel höflicher nicht die Franzosen waren.
   In einem Fiaker haben diese
   Den Ludwig Capet zum Richtplatz gefahren;
   Sie gaben ihm keine Calèche de Remise,
   Wie nach der alten Etikette
   Der Majestät gebühret hätte.
Noch schlimmer ergings der Marie Antoinette,
Denn sie bekam nur eine Charrette;
Statt Chambellan und Dame d'atour
Ein Sansculotte mit ihr fuhr.
Die Witwe Capet hob höhnisch und schnippe
Die dicke habsburgische Unterlippe.
   Franzosen und Briten sind von Natur
   Ganz ohne Gemüt; Gemüt hat nur
   Der Deutsche, er wird gemütlich bleiben
   Sogar im terroristischen Treiben.
   Der Deutsche wird die Majestät
   Behandeln stets mit Pietät.
   In einer sechsspännigen Hofkarosse,
   Schwarz panaschiert und beflort die Rosse,
   Hoch auf dem Bock mit der Trauerpeitsche
   Der weinende Kutscher - so wird der deutsche
   Monarch einst nach dem Richtplatz kutschiert
   Und untertänigst guillotiniert.
       -- Heinrich Heine
%
Einem Abtrünnigen

O des heilgen Jugendmutes!
O, wie schnell bist du gebändigt!
Und du hast dich, kühlern Blutes,
Mit den lieben Herrn verständigt.

Und du bist zu Kreuz gekrochen,
Zu dem Kreuz, das du verachtest,
Das du noch vor wenig Wochen
In den Staub zu treten dachtest!

O, das tut das viele Lesen
Jener Schlegel, Haller, Burke -
Gestern noch ein Held gewesen,
Ist man heute schon ein Schurke.

		-- Heinrich Heine
%
Der neue Alexander  I

Es ist ein König in Thule, der trinkt
Champagner, es geht ihm nichts drüber;
Und wenn er seinen Champagner trinkt,
Dann gehen die Augen ihm über.
  Die Ritter sitzen um ihn her,
  Die ganze historische Schule;
  Ihm aber wird die Zunge schwer,
  Es lallt der König von Thule:
»Als Alexander, der Griechenheld,
Mit seinem kleinen Haufen,
Erobert hatte die ganze Welt,
Da gab er sich ans Saufen.
  Ihn hatten so durstig gemacht der Krieg
  Und die Schlachten, die er geschlagen;
  Er soff sich zu Tode nach dem Sieg,
  Er konnte nicht viel vertragen.
Ich aber bin ein stärkerer Mann
Und habe mich klüger besonnen:
Wie jener endete, fang ich an,
Ich hab mit dem Trinken begonnen.
  Im Rausche wird der Heldenzug
  Mir später weit besser gelingen;
  Dann werde ich, taumelnd von Krug zu Krug,
  Die ganze Welt bezwingen.«
    -- Heinrich Heine
%
Der neue Alexander  II  (Erster Feldzug)

Da sitzt er und schwatzt, mit lallender Zung,
Der neue Alexander;
Den Plan der Welteroberung,
Den setzt er auseinander:
  »Lothringen und Elsaß, das weiß ich längst,
  Die fallen uns zu von selber;
  Der Stute folgt am End der Hengst,
  Es folgen der Kuh die Kälber.
Mich lockt die Champagne, das beßre Land,
Wo jene Reben sprießen,
Die lieblich erleuchten unsern Verstand
Und uns das Leben versüßen.
  Hier soll sich erproben mein Kriegesmut,
  Hier soll der Feldzug beginnen;
  Es knallen die Pfropfen, das weiße Blut
  Wird aus den Flaschen rinnen.
Hier wird mein junges Heldentum
Bis zu den Sternen moussieren!
Ich aber verfolge meinen Ruhm,
Ich will auf Paris marschieren.
  Dort vor der Barriere mach ich Halt,
  Denn vor den Barriere-Pforten
  Da wird kein Oktroi bezahlt
  Für Wein von allen Sorten.«
    -- Heinrich Heine
%
Der neue Alexander  III

»Mein Lehrer, mein Aristoteles,
Der war zuerst ein Pfäffchen
Von der französischen Kolonie,
Und trug ein weißes Beffchen.
  Er hat nachher als Philosoph
  Vermittelt die Extreme,
  Und leider Gottes hat er mich
  Erzogen nach seinem Systeme.
Ich ward ein Zwitter, ein Mittelding
Das weder Fleisch noch Fisch ist,
Das von den Extremen unsrer Zeit
Ein närrisches Gemisch ist.
  Ich bin nicht schlecht, ich bin nicht gut,
  Nicht dumm und nicht gescheute,
  Und wenn ich gestern vorwärts ging,
  So geh ich rückwärts heute.
Ein aufgeklärter Obskurant,
Und weder Hengst noch Stute!
Ja, ich begeistre mich zugleich
Für Sophokles und die Knute.
  Herr Jesus ist meine Zuversicht,
  Doch auch den Bacchus nehme
  Ich mir zum Tröster, vermittelnd stets
  Die beiden Götterextreme.«
    -- Heinrich Heine
%
Antwort

Es ist der rechte Weg, den du betreten,
Doch in der Zeit magst du dich weidlich irren;
Das sind nicht Düfte von Muskat and Myrrhen,
Die jüngst aus Deutschland mir verletzend wehten.

Wir dürfen nicht Viktoria trompeten,
So lang noch Säbel tragen unsre Sbirren;
Mich ängstet, wenn die Vipern Liebe girren,
Und Wolf und Esel Freiheitslieder flöten

		-- Heinrich Heine
%
Augen, die nicht ferne blicken,
Und auch nicht zur Liebe taugen,
Aber ganz entsetzlich drücken,
Sind des Vetters Hühneraugen.

		-- Heinrich Heine
%
Bamberg und Würzburg

In beider Weichbild fließt der Gnaden Quelle,
Und tausend Wunder täglich dort geschehen.
Umlagert sieht man dort von Kranken stehen
Den Fürsten, der da heilet auf der Stelle.

Er spricht: »Steht auf und geht!« und flink und schnelle
Sieht man die Lahmen selbst von hinnen gehen;
Er spricht: »Schaut auf und sehet!« und es sehen
Sogar die Blindgebornen klar und helle.

Ein Jüngling naht, von Wassersucht getrieben,
Und fleht: »Hilf, Wundertäter, meinem Leibe.«
Und segnend spricht der Fürst: »Geh hin und schreibe!«

In Bamberg und in Würzburg machts Spektakel,
Die Handlung Göbhardts rufet laut: »Mirakel!« -
Neun Dramen hat der Jüngling schon geschrieben.

		-- Heinrich Heine
%
Mittelalterliche Roheit
Weicht dem Aufschwung schöner Künste:
Instrument moderner Bildung
Ist vorzüglich das Klavier.

Auch die Eisenbahnen wirken
Heilsam aufs Familienleben,
Sintemal sie uns erleichtern
Die Entfernung von der Sippschaft.

Wie bedaur ich, daß die Darre
Meines Rückgratmarks mich hindert,
Lange Zeit noch zu verweilen
In dergleichen Fortschrittswelt!

		-- Heinrich Heine
%
An Fritz von Beughem!

Mein Fritz lebt nun im Vaterland der Schinken,
Im Zauberland, wo Schweinebohnen blühen,
Im dunkeln Ofen Pumpernickel glühen,
Wo Dichtergeist erlahmt, und Verse hinken.

Mein Fritz, gewohnt, aus heilgem Quell zu trinken
Soll nun zur Tränke gehn mit fetten Kühen,
Soll gar der Themis Aktenwagen ziehen, -
Ich fürchte fast er muß im Schlamm versinken.

Mein Fritz, gewohnt auf buntbeblümten Auen
Sein Flügelroß, mit leichter Hand, zu leiten,
Und sich zu schwingen hoch, wo Adler horsten;

Mein Fritz wird nun, will er sein Herz erbauen,
Auf einem dürren Prosagaul durchreuten
Den Knüppelweg von Münster bis nach Dorsten.

		-- Heinrich Heine
%
Das Bild

Lessing-Da Vinzis Nathan und Galotti,
Schiller-Raffaels Wallenstein und Posa,
Egmont und Faust von Goethe-Buonarotti -
Die nimm zum Muster, Houwald-Spinarosa!

		-- Heinrich Heine
%
Wenn sich die Blutegel vollgesogen,
Man streut auf ihren Rücken bloß
Ein bißchen Salz, und sie fallen ab -
Doch dich, mein Freund, wie werd ich dich los?

Mein Freund, mein Gönner, mein alter Blutsauger,
Wo find ich für dich das rechte Salz?
Du hast mir liebreich ausgesaugt
Den letzten Tropfen Rückgratschmalz.

Auch bin ich seitdem so abgemagert,
Ein ausgebeutet armes Skelett -
Du aber schwollest stattlich empor,
Die Wänglein sind rot, das Bäuchlein ist fett.

O Gott, schick mir einen braven Banditen,
Der mich ermordet mit raschem Stoß -
Nur diesen langweilgen Blutegel nicht,
Der langsam saugt - wie werd ich ihn los?

		-- Heinrich Heine
%
Burleskes Sonett

Wie nähm die Armut bald bei mir ein Ende,
Wüßt ich den Pinsel kunstgerecht zu führen
Und hübsch mit bunten Bildern zu verzieren
Der Kirchen und der Schlösser stolze Wände.

Wie flösse bald mir zu des Goldes Spende,
Wüßt ich auf Flöten, Geigen und Klavieren
So rührend und so fein zu musizieren,
Daß Herrn und Damen klatschten in die Hände.

Doch ach! mir Armen lächelt Mammon nie:
Denn leider, leider! trieb ich dich alleine,
Brotloseste der Künste, Poesie!

Und ach! wenn andre sich mit vollen Humpen
Zum Gotte trinken in Champagnerweine,
Dann muß ich dürsten, oder ich muß - pumpen.

		-- Heinrich Heine
%
Charade

Das Erste, das ist immer,
Und wenn auch die Welt vergeht;
Das Zweite ist man und bleibt man,
Wenn man zu lesen versteht.

		-- Heinrich Heine
%
Duelle
  Zwei Ochsen disputierten sich
  Auf einem Hofe fürchterlich.
  Sie waren beide zornigen Blutes,
  Und in der Hitze des Disputes
  Hat einer von ihnen, zornentbrannt,
  Den andern einen Esel genannt.
  Da »Esel« ein Tusch ist bei den Ochsen,
  So mußten die beiden John Bulle sich boxen.
Auf selbigem Hofe zu selbiger Zeit
Gerieten auch zwei Esel in Streit,
Und heftig stritten die beiden Langohren,
Bis einer so sehr die Geduld verloren,
Daß er ein wildes I-A ausstieß,
Und den andern einen Ochsen hieß.
Ihr wißt, ein Esel fühlt sich tuschiert,
Wenn man ihn »Ochse« tituliert.
Ein Zweikampf, die beiden stießen
Sich mit den Köpfen, mit den Füßen,
Gaben sich manchen Tritt in den Podex,
Wie es gebietet der Ehre Kodex.
  Und die Moral? Ich glaub, es gibt Fälle,
  Wo unvermeidlich sind die Duelle;
  Es muß sich schlagen der Student,
  Den man einen dummen Jungen nennt.
    -- Heinrich Heine
%
Man beginnt als Herr seines Lebensstandards und endet als sein Sklave.
		-- Roger Ikor
%
Ignoranz ist der Boden, auf dem der Glaube an Wunder wächst.
		-- Robert G. Ingersoll
%
Eine spitze Zunge ist der einzige Gegenstand, der durch ständigen
Gebrauch nur noch spitzer wird.
		-- Washington Irving
%
Am X-Copyright-Header kann man also auch sehen, daß die Techniker und
insbesondere Kristian zum Recht ein pragmatisches Verhältnis haben.
Fehlt nur noch ein pragmatisches Verhältnis der Juristen zur Technik,
und alles wird gut.
		--  Ulf Möller
%
<Joey> Ich habe es damals als Unix-DAU aus der Manpage rausgelesen.
Wenn Du das heute nicht auf die Reihe bekommst, ist das peinlich.
		-- #LinuxGER
%
Martin Schulze schrieb am 30. Mai 1998:
> Oh dear... Well, it's late so just a short note, please take
> a look at http://www.debian.org/ .  Debian is Debian GNU/Linux
> which is the one an only 100% free Linux distribution.  If you
> have further questions don't hesitate to contact me.

Du hast »Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott
und Gott war das Wort« deutlich verständlicher geschrieben
:-)))
		-- Hanno Wagner
%
Wissenschaft ist wie Ostereier suchen.  Man versteckt etwas,
gräbt es später wieder aus und schreit: "Hurra!".
		-- Prof. Möbus
%
Oh man, wenn ich bei Windows so viele Programme installiert hätte,
dann hätte ich schon 100mal rebooten müssen.
		-- RealTimo unter Linux
%
Wer nachts nicht schläft, braucht mittags auch nichts zu essen.
		-- Joey
%
Mit Kirch und Thoma geht's ins Medienkoma!
		-- Jörg Prante <PranteJ@aol.com>
%
Eigentlich wollte ich mich nicht mehr zu religioesen Themen äußern,
seit ich einmal mit einem Moslem über Emacs diskutiert habe.
		-- Christian Anzenberger, dcolm
%
Du hast Erklärungen...  Soviel Fantasie braucht man wohl für W95...
Um sich vorzustellen es wäre ein BS
		-- Soenke Lange
%
Wenn mir Altavista in Reaktion auf meinen Suchbegriff eine
Senioren-Kontakt-Börse als Bannerwerbung anbietet...
Wie ernsthaft muß ich mir dann Gedanken machen?
		-- #LinuxGER
%
Ich hatte gehofft, daß das durch je höher der Kirchturm desto
bim aufgefangen wird.  *lautdenk*
		-- banshee auf #LinuxGER
%
Ich bemühe mich, Programme zum Abschießen von W95 zu bekommen...
Dabei liefert M$ die für W95 Enduser schon gleich beim BS mit
		-- Soenke Lange
%
Schon wieder Telefon... Ein noier Juser... :-)
Aber der tippt so langsam, da kann ich locker bei ircen ]:-)
		-- Quelle bekannt
%
Manchmal bekomme ich sogar vor mir selber Angst
		-- AnsgarX
%
Wenn ich deinen Hals berühr,
Deinen Mund zu meinem führ'
Oh, wie sehn' ich mich nach Dir,
Heiß geliebte Flasche Bier.
		-- Sascha auf #Artis
%
Ich hoffe Du hast für PGP 6.0 - das ist die Integration von PGP in M$
Windows - schon die c't Seiten freigehalten.  Endlich Klicken statt Denken.
		-- Lutz Donnerhacke
%
Ich würde meinen Kindern lieber Drogen geben als DOS...
		-- Scott McNeely (Sun-Chef)
%
Hört man eigentlich das Meer rauschen, wenn man sich die bash ans Ohr hält?
		-- stesch auf #LinuxGER
%
Sag bloß, du bestellst deine Pizza immer noch per Snailmail?
Ich lasse sie mir immer faxen, da kommt sie garantiert noch heiß an.
		-- Dieter Brügmann in de.talk.bizarre
%
Wenn Du nur klicken willst, dann stell Dich an einen Flipper.
		-- Lutz Donnerhacke
%
<Sascha> Tja, der Mensch lebt nicht vom Netz allein...
		-- #Artis
%
Wer ActiveX unterstützt, handelt grob fahrlässig!
		-- Wau Holland, CCC
%
Eine Firma, deren Schwerpunkte sich alle 3 Monate verlagern fährt
einen Schlingerkurs .... es sei denn sie heißt Apple, dann heißt
das kontinuierliche Restrukturierung.
		-- Herwig Henseler
%
Was ein Sysop ist weiß ein BWL'er doch nicht.
Der weiß ja nicht mal, daß er ein DAU ist :)
		-- JeLuF on #LinuxGER
%
Ansgar behauptet ernsthaft, der Schneider CPC wäre ein besserer Compi als ein C64
  ... absolut lächerlich
Das wäre genauso als wenn er behaupten würde, Win95 wäre ein stabileres OS als Linux.
		-- RealTimo
%
Eine Schneeböhe hat mein /sbin/init.d/network start erfaßt und das ist umgefallen ;)
		-- Banzai auf #LinuxGER
%
Legt euch doch alle auf die Datenautobahn und laßt euch überfahren.
		-- Volker 'Yegg' Paulsen, 1995
%
UNIX ist wie SEX: Wenn du es nicht kennst vermisst du es nicht.
                  Wenn du es kennst willst du es immer wieder.
		-- Unknown source
%
Die Realität ist eine Illusion, die durch Mangel an Alkohol hervorgerufen
wird.  Durch Alkohol wird die Illusion der Realität zerstört und die
wahre Realität offenbart sich einem.
		-- Drogos on #Artis
%
<NICK_1> nick_2: heisst das also daß mein 486er schneller ist als ein
         Pentium 75 ?  pentium: 35.xx  486er: 49.xx bogomips  !!
<NICK_2> nick_1: nein, es heißt nur, daß dein 486er schneller warten
         kann als die pentium.
		-- Seen on #LinuxGER
%
Warum ich für NeXT und nicht für Windows programmiere?
Ich könnte ja auch Banken überfallen und in Schulen Drogen
verkaufen, aber man muß sich ein gewisses Maß an Würde bewahren.
		-- Unbekannte .signature
%
Mittlerweise besteht das Internet zu 90% aus Homepage-Inhabern, die
andere Homepage-Inhaber besuchen, um beruhigt festzustellen, daß die
anderen auch keine Ahnung haben.
		-- Lindemann, se0088@aixrs1.hrz.uni-essen.de in de.comm.internet.software
%
	Der Bildschirm ist das Präservativ der Realität.
		-- Werner Schneyder
%
»Plonk« ist das Geräusch, das eine Mailadresse macht, wenn sie im
Killfile landet. Üblicherweise das Zeichen dafür, daß man keine Zeit
mehr mit Postings von der betroffenen Person verschwenden will.
		-- Peter Brülls
%
Ich bin dagegen, Computer zu vermenschlichen.
Sie mögen es nicht!"
		-- Helge Baumann
%
Schreiben Sie langsam, ich bin AOL-User
		-- cbbln@aol.com
%
Es gibt für keinen Menschen einen Grund, zu Hause einen Computer zu
haben.
		-- Ken Olson, President of DEC, World Future Society Convention, 1977
%
Wer nach allen Seiten offen ist kann nicht ganz dicht sein.
		-- stesch on #LinuxGER
%
NT IST SCHROTT!  Ich habe nie was anderes gesagt...
Ich meine... Is ja ganz nett, wenn die hohen Lizenzgebühren nicht wären...
Ich meine, da zahlt man 1000ende Mark für nen Betriebsystem, das buggy ist,
für das Du keine Source und keinen Support bekommst, und das weniger kann
als ein Umsonstbetriebsystem...
		-- lolo on #LinuxGER
%
Man darf perl m.E. nicht als Erstsprache lernen.  Man _kann_ sich mit Perl
klares Denkvermögen für den Rest des Lebens versauen, man muß es aber nicht.
		-- Gefunden in de.comp.lang.perl
%
"Router" auf PC-MSDOS-Basis sind bestenfalls Geröll...
		-- Gert Doering
%
Meiner Meinung nach sind die Netscape-Programmierer auch alle betrunken.
		-- Patrick Feldhusen
%
IRC ist ein Dienst, der von den IRCADMINS in ihrer Freizeit verwaltet wird.
IRC ist kein RECHT, es ist ein PRIVILEG! Und aus diesem Grund sind IRCADMINS
auch nicht dazu verpflichtet ihr Handeln mit irgendwem abzusprechen.
		-- Bytewurm
%
Der Trick besteht ganz einfach darin, kein Windows zu laden. Es ist
immer wieder erstaunlich, wie viel Leistung dann auf einmal da ist
und wie wenig RAM man noch braucht.
		-- Tilman Schmidt in de.comm.internet.routing
%
Diese [..] machen das Unix-95-Branding so sinnvoll wie eine
Nichtdurchrostungsgarantie für Formel-1-Rennwagen.
		-- Juergen Seeger im Editorial zur iX 12/96
%
Die Leute sprechen ja auch in einem Atemzug von "DOS" und "Betriebssystem".
Hier wäre "Spielestarter" sicher passender, die meisten würden es aber
nur als Gag empfinden.
		-- Hubert Mantel
%
Auch wenn es für das Netz kein Mindestalter gibt, so
brauchen wir uns nicht in Kindergartensprache zu unterhalten,
wo funzende Proggies Messies ins Brett stellen.
		-- Heiko Schlichting
%
Mittlerweile sehe ich das so, daß "Sysop" per Definition
inkompetent bedeutet.  Wer sich so bezeichnet, ist ein Idiot.
Punkt.
		-- Christian 'naddy' Weisgerber
%
Die Faszination des Internet macht schließlich aus, daß es sich um
eine Vision in der Tradition klassischer Utopien handelt.  Hier
tummelt sich ein großer Teil derer, die auf der Suche nach anderen,
besseren Werten sind.  Es sind diejenigen, welchen im Kampf um
Parkplätze, Fernreisen und die längste Praline der Welt noch nicht
völlig abgestumpft sind und die ihr Unbehagen an der Kultur des
Postkapitalismus noch immer spüren.
		-- c't 9/95, "Das Netz, der Müll und der Tod"
%
Wer meint, LINUX sei umsonst, der irrt.  LINUX kostet (nur etwas)
Mühe. (Ergänzung: Andere Systeme kosten Geld und viel Mühe.)
		-- Thomas Corell
%
TeXse [...chs...] die; -, -n (ugs. abwertend für: TeX-Schreiberin)
		-- Eberhard Mattes
%
Ich bin müde, also bin ich.
		-- Andreas Porr
%
Es wird Zeit, auch bei Rechnern das Zwei-Schichten-System einzuführen.
Eine Schicht DOS, eine Schicht Erde, ....
		-- Jens-Goerke
%
Laß Dich mit Hirn füttern, bevor man Dich mit X11 füttert.
		-- Heiko Schlichting
%
<F> Hat hier schon jemand Erfahrungen gemacht mit dem Provider contrib.net?
<A> Ja, man nennt ihn neuerdings timeout.net
		-- Oliver Raupach
%
Bernd Eckenfels: gut geklaut :)
Lutz Donnerhacke: Natürlich, auf gute Gedanken komme ich eh' nicht von allein.
%
Es wird hier viele Leser geben die den englischen Namen
einer Newsgruppe zwar _übersetzen_ aber nicht _interpretieren_
können.  Da liegt der Haken.
		-- Martin Spott
%
Um Rekursion zu verstehen, muß man entweder einen kennen,
der sie versteht, oder sie schon verstanden haben. 
		-- M. Freericks
%
> Betriebssystem ...  : MS-DOS
Falsche Angabe.  Hier dürfen nur Betriebsysteme eingetragen werden.
		-- Nora E. Etukudo
%
Durchsetzen wird sich das, was am meisten Machtinteressen hinter sich
vereint.
		-- AK Datenbürgersteige, KIF 23,0
%
Es braucht dann allerdings Tage, bis jemand sehr lange Ohren bekommt.
		-- Lutz Donnerhacke zu Spamcancels
%
Merke: Das Wort ALLE gibts im Internet nur einmal:
ALLE Hosts verwenden die TCP/IP-Protokolle. 
		-- Wulf Alex
%
Wenn ich mir so die Qualität mancher Gateways anschaue, wundert es mich nicht,
daß die Programmierer sich nicht trauen, den Source rauszurücken.  Wo sollten
sie den auch posten?  In de.talk.jokes? 
		-- Heiko Schlichting, de.admin.news.misc
%
Hacker beim Surfen auf Datenautobahn schwer verunglückt.
		-- Helge Oldachs Überschriftenvorschlag für Boulevardpresse
%
<K> Versionen 1 und 2 von ZConnect sind niemals an die Öffentlichkeit gelangt
<A> Man haette diese Vertriebspolitik beibehalten sollen....
		-- Kristian Köhntopp und Axel Zinser in de.admin.news.misc
%
Nachklausuren sind ja so etwas enttäuschendes ... 
wenn der Spreu versucht, sich als Weizen zu tarnen.
		-- Herwig Henseler, Uni Oldenburg
%
TELEKOM und CHAOS stehen immer in einer SEHR engen Beziehung.
		-- Thomas Meier
%
Mit Gateways wächst zusammen, was nicht zusammen gehört.
		-- Heiko Schlichting
%
Der Auslieferungszustand manches kommerziellen Un*xes ist unsicherer
als ein Linux-System ohne root Passwort...
		-- Bernd Eckenfels
%
Ein Auto mit KAT pustet weniger Schadstoffe in die Umwelt als eins
ohne KAT. Aber deshalb verpestet es trotzdem weiterhin die Umwelt.
Und deshalb sollte man sich weiterhin genau überlegen, wann man
das Auto benutzt und wann man es lieber mal stehen läßt.

Das gleiche gilt für Crosspostings...
		-- Andreas M. Kirchwitz
%
Du sollstest nach einem InterNet Anschluß suchen, was Du momentan
hast ist ein Anschluß bei Germany.Net und das ist vergleichbar mit einem
Telefon ohne Wählscheibe und Klingel...
Klar daß Dir ein Telefonbuch nichts nützt.
		-- Lutz Donnerhacke
%
Ihr seid alle durchgeknallt.
		-- Olaf Titz zu Mail Wars zwischen P. Mandrella und R. Babel
%
Nur ein isoliertes ZConnect-System ist ein gutes ZConnect-System.
		-- Christian 'naddy' Weisgerber
%
Wenn mich einer "Sysop" nennt, schmeiß ich ihn gleich wieder zur Tür
raus. Ich laß mich doch nicht von jedem dahergelaufenen DAU beleidigen.

PS: Die korrekte Anrede ist latürnich "Herr Datenrat". :-)
		-- Ulli 'Framstag' Horlacher
%
Hattest du mal länger nichts zu tun oder woher weißt du das alles???
		-- Thomas Heyligers über Joey
%
Wenn eine Gruppe "sex" im Namen hat, dann ist sie schon
von Vornherein als Sex-Gruppe abgestempelt.
		-- Florian Koelln (koelln@cs.tu-berlin.de)
%
"Wie schreibt man SunOS?" "SunOS. Wie man es spricht. Mit großem SOS."
		-- gewidmet Roland Kaltefleiter
%
Internet? Das ist doch dieses WWW-Netz?
		-- IBM Technischer Support, November 1994
%
Nicht derjenige, der Datenschutz fordert, attakiert das Netz, sondern
derjenige, der ihn aus Jux und Dollerei (aus Neugier, Spieltrieb, ...)
verletzt.
		-- Werner Icking (icking@sunick.gmd.de)
%
Jaja. Die Heisenbergsche Unschärferelation soll nur die Rechenfehler
der Simulationshardware verdecken.
		-- lutz@iks-jena.de (Lutz Donnerhacke) über simulierte Realitüt
%
> Zur Strafe, weil Du nicht rechnen kannst, musst Du zwei Wochen lang
> ein "Rechenzentrum" mit 25 NT Servern administrieren.
Heisst das nicht Rebootzentrum? :)
		-- Roger Schwentker u. Philipp Buehler in d.a.s.r 
%
Ein Programm sollte nicht nur Hand und Fuß, sondern auch Herz und Hirn haben.
		-- Michael Anton
%
Wenn man sich näher mit Linux beschäftigt, wird man nie versuchen,
WinNT das Attribut "stabil" aufzudrücken!
		-- b_rad.fire@wolfsburg.de
%
Windows ist der One-Night-Stand unter den Betriebssystemen. Man fühlt
sich so billig, wenn man es benutzt hat.
		-- Illiad in uf
%
MS-Benutzer zu verhohnepiepeln ist eigentlich so
unweidmännisch wie tote Schafe zu treten. Trotzdem sehr
angenehm wollig-warm im Tritt.
		-- Andreas Kabel in de.admin.net-abuse.misc
%
Wenn Schwachsinn Beine hätte, würde er weglaufen.
		-- Andreas Kalbitz <felix-hh@t-online.de> in Pingos-Mailingliste
%
Mit doppelseitig bestrichenen Sandwiches baut man das
Perpetuum Mobile nach Murphy.
		-- Kristian Koehntopp in dasr
%
Außerdem noch [..] die Distribution für Puristen, denen technische
Eleganz und Qualität und philosophisch reine Lehre der `freien Software'
über totale Einfachheit geht (Debian) und viele mehr.
		-- Anselm Lingnau in de.comp.os.unix.discussion
%
Als Newbie möchte ich wissen ob man unter Linux Vieren befürchten muß?       
Rein statisch gesehen, ist die Wahrscheinlichkeit, unter Linux von einer     
Vier erwischt zu werden, nicht größer, als eine Null verpaßt zu bekommen.  
		-- Christoph Lorentz in dcoulm
%
Was ist das, ein Winword-Dokument? Stell' Dir vor, es gibt tatsächlich
noch Leute, deren Anwendersoftware oder sogar Betriebssystem nicht von
der kleinen unbedeutenden Klitsche aus Redmond stammen.
		-- Ulf Neumann in d.r.t.k
%
NT ist auch ein UNIX - es ist ja schließlich in C geschrieben.
		-- Compaq Techsupport Hotline
%
Administrator kann sich heute anscheinend jeder nennen, der NT ohne
Mami installieren kann.
		-- Sebastian Seitz in de.comp.os.ms-windows.nt
%
Das ist aber was Xiges. Und ich bin doch was consoliges ... :(
		-- Sven Paulus in de.alt.sysadmin.recovery
%
Assembler ist eine Methode, Programme, die zu langsam laufen,
so umzuschreiben, daß sie überhaupt nicht mehr laufen.
		-- Programmiererweisheit
%
Wenn ich einem Schwein eine RedHat-CD um den Hals binde und es trete
kann man sagen, dass KDE & Co. auch ohne Ram schnell laufen.
		-- Robin S. Socha in de.comp.os.unix.linux.newusers--
%
Wir alle wissen, daß Linux großartig ist.  Es benötigt für unendliche
Schleifen lediglich 5 Sekunden.
		-- Linus Torvalds
%
Portablilität ist für Leute, die keine neuen Programm schreiben können.
		-- Linus Torvalds
%
Wahre Männer machen kein Backup.
Sie legen ihre Quellen auf öffentliche FTP-Server und lassen die Welt kopieren.
		-- Linus Torvalds
%
Du hast eine API. Ob Du diese API mit Assembler, C, C++ oder in
Keilschrift ansprichst ist eigentlich egal.
		-- Christian Palmes (in einer Assemblernewsgroup zum Thema VC++ und
  DirectX/OpenGL-API)
%
Die drei Feinde des Programmierers? Sonnenlicht, Frischluft und das 
unerträgliche Gebrüll der Vögel.
		-- Spruch in einer Newsgroup.
%
[GEMA-freie Musik:] Hört sich an wie Hardcore-Esotherik-Gesynthesize
aus dem Bachblüten-Shop.
		-- Thomas Schreyegg 
%
Jeden Tag werden wir mit Anrufern konfrontiert, die einfach die
Dokumentation nicht gelesen haben und deswegen unseren User Help Desk
in Anspruch nehmen. Deshalb hat sich hier der Spruch "Wer lesen kann,
ist klar im Vorteil!" eingebürgert.

Da wir viele ausländische Kollegen haben und Englisch Umgangssprache
ist, habe ich das mal vom Babelfish übersetzen lassen. Aus dem Spruch
"Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!" wurde
"Who can read is clear in the advantage", 
logisch, daß wir seither die englische Übersetzung verwenden..."
%
Wenn sie ihre E-Mail verschlüsseln wollen, dann stecken sie die 
Nachricht doch einfach in eine PowerPoint-Datei. Die können die 
meisten sowieso nicht lesen.
 -- Scott McNealy, Sun.
%
Es ist weder nötig, noch sinnvoll, vor Satzzeichen ein Leerzeichen
einzufügen (plenken). Tut man es dennoch , wie in diesem Beispiel
, könnte das so aussehen .
		-- Hajo Pflüger in d.n.q.
%
"Frag mal, auf was für uptimes man kommt, wenn man Software-Entwicklung
 unter NT macht..."
"Das können bis zu dreißig Minuten werden - in der  Mittagspause."
		-- Andreas Bogk, Kai Fett, de.alt.sysadmin.recovery
%
Der SM-BOFH empfiehlt wild geschwungenes AUI-Kabel mit aufgesteckten
Transceivern, während man auf seinem RAID-Rack, gezogen von 12 Winword-Usern,
durch die Gänge brettert. (Dazu Wagner_Walkuerenritt.mp3)
		-- Daniel Moehwald in d.c.o.l.m.
%
Geh doch z.B. mal zu Vobis und frag nach einem Token Ring. Die schicken
Dich wahrscheinlich ins nächste Sportgeschäft.
%
Linux: die Schweizer Offizierskettensäge
%
> Naja, kann aber nicht das Heilmittel sein. Ich hab IE5 mit OE5
Klingt richtig gut! Wann kommt aeeeh5 und wann ueeeh5?
		-- Helmut Hullen
%
Sie: "Sie werden primär mit NT arbeiten, ..."
Ich: "... wenn ich ab und an mal fluchen darf..."
Sie: "Ach - das geht sowieso unter."
%
> Spiele ich halt wieder Frisbee mit der NT CD.  [Ulrich Eckhardt]
Funktioniert nicht. Stürzt immer ab.           [Hans Pueschel]
%
Was ist der Name für einen Tag, an dem jeder Computer in Deiner Nähe
nur Scheisse baut?
Ein Wochentag.
  de.alt.sysadmin.recovery
%
Ein Computer, dessen System schlauer sein will als der Benutzer, ist
wie ein Hammer, der nur Nägel mit exakt 5 cm Länge in die Wand schlägt.
		-- A. Schwenke
%
Microsoft Gesundheit 2000 konfiguriert Ihr Immunsystem.  Dies kann
einige Zeit dauern. Wenn Ihr Körper für längere Zeit nicht reagiert,
sterben Sie bitte: Die Installation wird dann nach Ihrer Auferstehung
fortgesetzt.
		-- A. Skau in asr
%
Werden bei "NT Server" die Turnschuhe eigentlich mitgeliefert?
		-- Jens Dittmar in de.comp.os.unix.discussion
%
Eine root shell ist wie eine ungesicherte Pump gun:  Einmal husten und 
Du hast Schuhgröße 82.
		-- Jens Benecke
%
Heute kann man ja noch nicht einmal mehr eine AOL-CD aus dem Fenster
werfen, ohne jemanden zu erschlagen, der gerade einen SUSE Karton nach
Hause schleppt.
		-- dasr
%
Witz des Tages: Habe Suse 6.x installiert, beim booten bricht linux
mit der Fehlermeldung "login" ab. Was mache ich falsch?
%
> Ich seh da nur Kästchen und Hyrogliephen (oder wie die Dinger heißen)
Es sind Dortoglyphen, denn sie sind ja nicht hier. Sonst wären es
Hieroglyphen.
		-- Falk Dübbert <falk.duebbert@gmx.de> in de.rec.fotografie
%
> Dann hast du keine japanischen Fonts installiert. Aber Bilder sagen
> mehr als 1000 Worte.
DAS habe ich gesehen. Ich hab jap. Fonts einfach aus
Kompabilitätsgründen mit meinem Gehirn nicht installiert.
		-- Andreas Gugau <postmaster@andreas-gugau.de> in de.rec.fotografie
%
>>Habt Ihr noch alle Tassen im Schrank ?
>Die vi-Referenztassen?
Nun, das Emacs - Referenzfaß war jedenfalls nicht gemeint ...
		-- Hans Bonfigt und Christoph Moench-Tegeder, de.org.ccc
%
Zitat aus einer Microsoft-Veröffentlichung zu Linux im Handel:
   'Geringe Sicherheit
     "Open Source" heißt, jeder Anwender erhält eine Kopie des Quellcodes.
     Dabei stoßen Entwickler, die mit Linux arbeiten, häufig auf
     Sicherheitslücken. Auf Microsoft Windows trifft dies nicht zu.'

So formuliert würde der Satz stimmen:
'"Open Source" heißt, jeder Anwender erhält eine Kopie des Quellcodes.
 Auf Microsoft Windows trifft dies nicht zu.'

Man muss nur dieses komische, zusammenhanglose Ding in der Mitte streichen.

		-- Patrick von der Hagen (in debian-user-de@jfl.de)
%
... Schade. Einer, der den grossen Durchblickstrudel überstanden
hatte, und gerade andgefangen hatte, über das Gesehene zu plaudern....
 -- Boris Harss (als Kommentar zu Douglas Adams Tod in de.rec.fotografie)
%
Quick C ist nicht Quick, SMTP ist nicht Simple, LDAP ist nicht
Lightweight, SQL ist nicht Structured, Windows 2000 Professional ist
nicht Professional.  Seht ihr?  Ist doch ganz einfach.
		-- Felix von Leitner in de.comp.security.misc
%
Man könnte doch heute keinen NT Rechner mehr aus dem Fenster schmeißen,
ohne auf dem Gehweg jemanden zu treffen, der gerade ein SuSE Linux Paket
unter dem Arm schleppt? 
		-- Detlef Bosau in de.comp.os.unix.networking
%
>| X-Mailer: Mozilla 4.73 [en] (Win98; I)
Wie sollst Du auch verstehen können?
		-- Stefan Scholl in dasr
%
"Wie haben andere Linux Benutzer ihr `erstes Mal' mit Linux erlebt??"
"Wir haben danach gemeinsam eine Gitanes geraucht und nochmal über
alles geredet."
		-- P.Vollmann und Stefanie Teufel in dcolm
%
Man tut was man kann. Kann man aber wirklich immer das was man tut?
		-- WoKo in dag
%
Genie ist oft nur die Fähigkeit, auf ungewöhnliche Art zu schauen.
		-- William James
%

Man kann den 20-bändigen Brockhaus auf eine Rolle Tesafilm schreiben.
Das wird dann wohl Tesa-Rom heißen.
		-- Günter Jauch am 10.2.99 in Stern TV
%
Erfolg ist die Kunst, Fehler zu machen, die kein anderer bemerkt.
		-- Martin Jente
%
Der Krieg ist das Ergebnis entsetzlicher Phantasielosigkeit!
		-- Franz Kafka
%
Und falls Sie sich fragen, wie wohl die ersten Versuche des Homo
Sapiens aussahen, halbwegs aufrecht zu gehen, dann schauen Sie
einfach mal Dieter Bohlen beim Gitarrespielen an.
		-- Oliver Kalkofe
%
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten
Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne
Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit,
wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der
Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu
bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines Verstandes zu bedienen! ist also
der Wahlspruch der Aufklärung!
		-- Immanuel Kant (Was ist Aufklärung 1784)
%
Vier Heilmittel empfehle ich für unsere Zeit: das Gewissen, das
Vorbild, die Kindheit, den Humor.
		-- Erich Kästner
%
Auf dieser Welt lebt keiner vergebens, der die Bürde eines anderen
leichter zu machen sucht.
		-- Helen Keller
%
Jeder sollte etwas Freundliches tun in einer unfreundlichen Zeit.
		-- Helen Keller
%
Der Mensch ist immer noch der beste Computer.
		-- John F. Kennedy
Tot sein ist stinklangweilig.  Wenn man Pech hat, wird man
nämlich nicht mehr lebendig.
		-- King Loui aus dem Dschungelbuch
%
%
Wir neigen dazu, Erfolg eher nach der Höhe unserer Gehälter oder nach
der Größe unserer Autos zu bestimmen als nach dem Grad unserer
Hilfsbereitschaft und dem Maß unserer Menschlichkeit.
  - Martin Luther King
%
Bevor ich eine meiner üblichen Fehlentscheidungen treffe, möchte ich
erstmal ein Schlückchen Kaffee zu mir nehmen.
		-- J.T. Kirk in "Was summt denn da?"
%
Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: erstens durch
nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch nachahmen, das ist der
leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.
		-- Konfuzius
%
Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen
zweiten.
		-- Konfuzius
%
Ich versuche mich mit den Menschen zu solidarisieren, sie jedoch, wenn
es mir nötig scheint, für ihr Handeln zu kritisieren.  Ich bin
hoffnungsvoll, daß dies anderen, die dies noch nicht so handhaben,
irgendwann auch gelingt!
		-- Gerold Korbus
%
Beim Rauchen bleibt mir einfach die Luft weg.
Bin ich deshalb Antiraucher?
Oder sind die anderen nicht vielmehr Anti-Nichtraucher?
		-- Gerold Korbus
%
Talente finden Lösungen, Genies entdecken Probleme.
		-- Krailsheimer
%
Das sind die wahren Wunder der Technik, daß sie das, wofür sie
entschädigt auch wirklich kaputt macht.
		-- Karl Kraus
%
Nach Ägypten wär's nicht so weit. Aber bis man zum Südbahnhof kommt.
		-- Karl Kraus
%
Was mich immer tief alteriert hat, das ist die
Selbstverständlichkeit, mit der die meisten Menschen ihr Gesicht tragen.
		-- Karl Kraus
%
Helmut Kohl stand für die Wahl 1998 wieder als Kanzlerkandidat zur
Verfügung. Er war damals ein Jahr länger im Amt als Adenauer, fünf
Jahre länger als Helmut Schmidt und fünfzehn Jahre länger als nötig.
		-- Friedrich Küppersbusch
%
Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch
für das, was man unterläßt.
		-- Laotse
%
Nichtstun ist besser als mit viel Mühe nichts schaffen.
		-- Laotse
%
Der Eigennutz, dem man alle unsere Vergehen aufbürdet, verdient oft
das Lob für unsere guten Handlungen.
		-- LaRochefoucauld
%
Die Großmut ist durch ihren Namen hinlänglich bezeichnet; gleichwohl
könnte man sagen, sie sei der Scharfsinn des Stolzes und das edelste
Mittel, bewundert zu werden.
		-- LaRochefoucauld
%
Wir verzeihen oft denen, die uns langweilen, aber niemals denen, die
wir langweilen.
		-- LaRochefoucauld
%
Die gefährlichsten Menschen auf der Welt sind die enttäuschten
Individualisten.
		-- Halldor Laxness
%
Des Menschen Gewissen ist ein unzuverlässiger Richter über Recht und
Unrecht.  Es ist weiter nichts denn der Hund in uns, der, mehr oder
weniger gut abgerichtet, seinem Herrn, dem Gebot der Umgebung, gehorcht.
Es kann, je nach den Umständen, einen guten oder einen schlechten Herrn
haben.  Manchmal kann es einen Herrn haben, der selber ein Schurke ist.
		-- Halldor Laxness
%
Das Telefon ist eine gute Möglichkeit mit anderen Menschen zu reden
ohne ihnen etwas zu Trinken abbieten zu müssen.
		-- Fran Lebowitz, "Interview"
%
Es kommt anders als man denkt, deshalb denken viele nicht, damit es nicht
anders kommt. Heute haben die ewig gestrigen wieder Zukunft.
		-- Isgard Lechleitner
%
Ich hätte viele Dinge begriffen, hätte man sie mir nur nicht erklärt.
		-- Stanislaw Jerzy Lec
%
Nicht geschehene Taten ziehen oft einen erstaunlichen Mangel an Folgen
nach sich.
		-- Stanislaw Jerzy Lec
%
Es mögen Situationen eintreten, in denen den Interessen der gesamten
Menschheit der Vorrang von den Klasseninteressen des Proletariats
eingeräumt werden muß.
		-- Wladimir Iljitsch Lenin
%
Leben ist das was passiert, während Du andere Pläne schmiedest.
		-- John Lennon
%
Zuerst wollen sie eine bessere Welt, aber am Ende glauben sie, ihr Ziel
nur dadurch erreichen zu können, daß sie alles aus dieser Welt tilgen,
was zu ihrer Vorstellung von der Welt nicht paßt.  Sie werden auf dem
Scheiterhaufen enden ...
		-- Donna Leon, Venezianische Scharade --
%
Es gibt Kreativität auch ohne totale Kontrolle.
		-- Lawrence Lessig
%
Enzyme sind von Biologen erfundene Dinge, die Dinge erklären, die
ansonsten tieferes Nachdenken erfordern würden.
		-- Jerome Lettvin
%
Auf die Arbeit schimpft man nur so lange, bis man keine mehr hat.
		-- Sinclair Lewis
%
Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu
tragen, ohne jemanden den Bart zu versengen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Gott bevorzugt gewöhnliche Menschen.  Darum schuf er so viele von ihnen.
		-- Abraham Lincoln
%
Es gibt wirklich viele Menschen die bloß lesen, damit sie nicht
zu denken brauchen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der große Kunstgriff kleine Abweichungen von der Wahrheit für die
Wahrheit selbst zu halten, worauf die ganze Differential- Rechnung
gebaut ist, ist auch zugleich der Grund unsrer witzigen Gedanken, wo
oft das Ganze hinfallen würde, wenn wir die Abweichungen in einer
philosophischen Strenge nehmen würden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist eine Frage ob in den Wissenschaften und Künsten ein Bestes
möglich sei, über welches unser Verstand nicht gehen kann. Vielleicht
ist dieser Punkt unendlich weit entfernt, ohnerachtet wir bei jeder
Näherung weniger vor uns haben.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Um eine allgemeine Charakteristik zustande zu bringen, müssen wir erst
von der Ordnung in der Sprache abstrahieren, die Ordnung ist eine
gewisse Musik, die wir festgesetzt, und die in wenigen Fällen (z. E.
femme sage, sage femme) einen sonderbaren Nutzen hat. Eine solche
Sprache die den Begriffen folgt müssen wir erst haben, oder wenigstens
für besondere Fälle suchen, wenn wir in der Charakteristik fortkommen
wollen. Weil aber unsere wichtigsten Entschlüsse, wenn wir sie ohne
Worte denken, oft nur Punkte sind, so wird eine solche Sprache ebenso
schwer sein zu entwerfen, als die andere, die daraus gefolgert werden
soll.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Gesichter der Menschen sind oft bis zum Ekelhaften häßlich. Warum
dieses? Vermutlich konnte die nötige Verschiedenheit der Gemüts-Arten
nicht erhalten werden ohne eine solche Einrichtung; man kann dieses
als eine Seelen-Charakteristik ansehen, welche zu lesen wir uns
vielleicht mehr befleißigen sollten. Um einigen Grund in dieser
schweren und weitläufigen Wissenschaft zu legen müßte man, bei
verschiednen Nationen, die größten Männer, die Gefängnisse und die
Tollhäuser durchsehen, denn diese Fächer sind so zu reden die 3
Hauptfarben, durch deren Mischung gemeiniglich die übrigen entstehen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn man, wie die Metaphysiker oft verfahren, glaubt man verstehe
etwas, das man nicht versteht, so kann man dieses nennen affirmative
nescire.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Pythagoras konnte einer einzigen Erfindung halber hundert Ochsen
opfern, Kepler würde bei seinen vielen Entdeckungen zufrieden gewesen
sein, wenn er 2 gehabt hätte.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Bei einem großen Genie gehet das in einem Augenblicke vor, was oft bei
einem andern ganze Stunden dauert. Ein gewisser Mensch, der eben keine
großen Gaben hatte, hielt einen zum Betrug mit der Feder nachgemachten
Druck eine Stunde wirklich dafür, andere sahen es im ersten
Augenblick.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Elastizität der Körper (und es wird wohl keine völlig harten oder
völlig weichen geben) ist gleichsam das Leben derselben, wir bekommen
dadurch ein Gefühl ihrer Gegenwart durch das Gehör, Gesicht und öfters
das Gefühl, ein Körper, welcher dieses Lebens beraubt ist, würde,
unkenntlich und unbrauchbar, seine Lücke ausfüllen. Die elastischen
Kräfte der Körper sind die Dolmetscher wodurch sie so zu sagen mit uns
sprechen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist schwer anzugeben, wie wir zu den Begriffen gekommen sind die
wir jetzo besitzen, niemand, oder sehr wenige werden angeben können,
wenn sie den Herrn von Leibniz zum erstenmal haben nennen hören: weit
schwerer aber wird es noch sein, anzugeben, wenn wir zum erstenmal zu
dem Begriff gekommen, daß alle Menschen sterben müssen, wir erlangen
ihn nicht so bald, als man wohl glauben sollte. So schwer ist es den
Ursprung der Dinge anzugeben, wenn wir hierin (etwas) in Dingen außer
uns zustande bringen wollen?
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Da schon Herr Goguet leugnet, daß wir die Geometrie dem Nil zu danken
hätten, sondern vielmehr der frühzeitigen guten Einrichtung des
ägyptischen Staats, der unmöglich [ohne] eine Geometrie lang hätte
bestehen können, so ist die Frage, ob man wirklich durch die
Einteilung der Felder auf die Geometrie gekommen sei oder ob man eine
schon vorher gefundene Theorie angewendet habe? Diese Einteilung kann
freilich nicht ohne Geometrie verrichtet werden, und der dümmste Bauer
wird auf geometrische Lehrsätze verfallen, wenn er ein Feld in gleiche
Teile teilen wollte. Allein ein Volk kann es hierin sehr weit bringen
ohne ohne jemals auf den Satz von der Gleichheit der Dreiecke zu
verfallen. Unsere Kunstgärtner sind keine Geometers, allein sie wissen
sich aus allen Fällen oft sehr geschickt zu helfen. Es wäre eine
Frage, was wohl im gemeinen Leben am geschicktesten die Menschen auf
wichtige geometrische Sätze zu führen. Gewiß ist es, daß man nicht von
der graden Linie darauf gekommen sei.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Erfindung der wichtigsten Wahrheiten hängt von einer feinen
Abstraktion ab, und unser gemeines Leben ist eine beständige
Bestrebung uns zu derselben unfähig zu machen, alle Fertigkeiten,
Angewohnheiten, Routine, bei einem mehr, als bei dem andern, und die
Beschäftigung der Philosophen ist es, diese kleinen blinden
Fertigkeiten, die wir durch Beobachtungen von Kindheit an uns erworben
haben, wieder zu verlernen. Ein Philosoph sollte also billig als ein
Kind schon besonders erzogen werden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Am Ende der Sammlung von Leibnizischen Schriften, die Herr Raspe in
Hannover besorgt hat, steht eine Abhandlung unsers großen Weltweisen
von der Characteristica universali, wo verschiedene schöne Sachen von
ihm selbst vorkommen. Er sagt unter anderem, er habe in allen
Wissenschaften, die er gelernet hätte, gleich erfinden wollen, auch
wenn er öfters mannigmal die principia noch nicht inne gehabt hätte,
dieses habe ihn endlich bewogen, auf die ersten Grundstriche der
Wissenschaften zurückzugehen und daher sich aus allen Fällen durch
eigene Regeln herauszuhelfen. Bei dieser Gelegenheit, fährt er fort,
Incidi in contemplationem admirandam, quod scilicet excogitari possit
quoddam Alphabetum cogitationum humanarum, et quoad litterarum hujus
alphabeti combinatione et vocabulorum ex ipsis factorum analalysi
omnia inveniri et dijudicari possent. Eine Art, wie dieses zu
bewerkstelligen sei, sagt er, habe er schon, nur fehle es ihm noch an
geschickten Zeichen. Es ist dieses diejenige Wissenschaft, wovon ein
undeutliches Gefühl die Menschen auf die Cabbala gebracht hat, welches
aber lauter elende Irrwege waren. Jacobus Bohemus hat unter seiner
Natursprache vielleicht etwas ähnliches verstanden. Niemand, sagt
Leibniz, würde mehr hierin haben leisten können, als Joachim Jung aus
Lübeck, ein großes und tiefsinniges Genie, das aber wenig bekannt
geworden ist. Dabei äußert er einige sehr artige Gedanken: er sagt
numerus est quasi figura metaphysica, et arithmetica statica universi,
qua rerum potentiae explorantur.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn wir auf einen Gegenstand hinsehen, so sehen wir noch viele andere
zugleich mit, aber weniger deutlich. Es ist die Frage, ob dieses
Gewohnheit ist, oder ob es eine andere Ursache habe? Im ersten Fall
müßten wir uns auch angewöhnen können Dinge deutlich zu sehen,
ohnerachtet wir unsere Augen nicht unmittelbar darauf wenden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Man könnte in einer besonderen Wissenschaft die niedrigeren Stufen so
wohl als die höheren der Dinge betrachten, wie sie jetzo sind, und das
Größte und kleinste darinnen bestimmen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
So wie das Ohr Verhältnisse mißt, so berechnet vielleicht die Zunge
Flächen von Körpern.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Eine geringe Veränderung in der gemeinsten Verknüpfung der Dinge kann
unsere Abstraktion leicht so sehr verwirren, daß man mit leichter Mühe
Taschenspieler-Künste aus den gewöhnlichsten Dingen herauslockt, wenn
man kleine Umstände verändert.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Bemühung ein allgemeines Principium in manchen Wissenschaften zu
finden ist vielleicht öfters ebenso fruchtlos, als die Bemühung
derjenigen sein würde, die in der Mineralogie ein erstes Allgemeines
finden wollten durch dessen Zusammensetzung alle Mineralien entstanden
seien. Die Natur schafft keine genera und species, sie schafft
individua und unsere Kurzsichtigkeit muß sich Ähnlichkeiten aussuchen
um vieles auf ein Mal behalten zu können. Diese Begriffe werden immer
unrichtiger je größer die Geschlechter sind, die wir uns machen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
In Werken des Geschmacks ist es sehr schwer weiter zu kommen, wenn man
schon einigermaßen weit ist, weil leicht hierin ein gewisser Grad von
Vollkommenheit unser Vergnügen werden kann, so daß wir nur diesen Grad
zum Endzweck unserer Bemühungen setzen weil dieser unsern ganzen
Geschmack ausfüllt, in andern Stücken, die nicht bloß auf das
Vergnügen ankommen, verhält es sich ganz anders, daher haben wir in
den letzteren den Alten es weit zuvorgetan, in den ersten aber sind
wir noch tief unter ihnen, ohnerachtet wir sogar Muster von ihnen vor
uns haben. Dieses kommt daher, das Gefühl des neueren Künstlers ist
nicht scharf genug, es geht nur bis auf die körperliche Schönheiten
seines Musters, und nicht auf die moralischen wenn ich so reden darf.
Man kann das Gesicht eines redlichen Menschen sehen, man kann es aber
auch gewissermaßen fühlen, das letztere ist das erstere verbunden mit
einer Rücksicht auf das moralische Gute, womit wir in ihm oft die
Mienen begleitet sehen. Was ich hier sagen will wird wohl jeder
verstehen für den ich eigentlich schreibe. Solange der Künstler nur
bloß nach den Augen zeichnet, wird er nie einen Laokoon herausbringen,
der etwas mehr als Zeichnung hat, der mit Gefühl verfertigt ist.
Dieses Gefühl ist dem Künstler unumgänglich nötig, aber wo soll er es
lernen und wie? Unsre Ästhetiken sind bei weitem noch nicht praktisch
genug.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die größten Dinge in der Welt werden durch andere zuwege gebracht, die
wir nichts achten, kleine Ursachen, die wir übersehen, und die sich
endlich häufen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist nicht so angenehm, wenn uns andere von einem Taschenspieler
erzählen, als ihn selbst zu sehen, weil uns bei dem ersten immer ein
Grad von Unglauben zurückbleibt, oder wir denken, die erzählende
Person sei nicht fein genug gewesen, wie sie die Sache betrachtet
habe.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Rousseau nennt mit Recht den Akzent die Seele der Rede (Emile p. 96 T.
1.) und Leute werden von uns oft für dumm angesehn und wenn wir es
untersuchen, so ist es bloß der einfache Ton in ihren Reden. Weil nun
dieses bei den Schriften wegfällt, so muß der Leser auf den Akzent
geführt werden, dadurch daß man deutlicher durch die Wendung anzeigt,
wo der Ton hingehört, und dieses ist es, was die Rede im gemeinen
Leben vom Brief unterscheidet und was auch eine bloß gedruckte Rede
von derjenigen unterscheiden sollte, die man wirklich hält.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Einfluß des Stils auf unsere Gesinnungen und Gedanken, von dem ich
an einem andern Ort geredet habe, zeigt sich sogar bei dem sonst
genauen Linnaeus, er sagt die Steine wachsen, die Pflanzen wachsen und
leben, die Tiere wachsen leben und empfinden, das erste ist falsch,
denn der Wachstum der Steine hat keine Ähnlichkeit mit dem Wachstum
der Tiere und Pflanzen. Vermutlich hat ihn das Steigende des
Ausdrucks, den er bei den letzten gespürt hat, auf den Gedanken
gebracht, auch die erstem mit unter diese Klasse zu bringen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Versart den Gedanken anzumessen ist eine sehr schwere Kunst, und
eine Vernachlässigung derselben ist ein wichtiger Teil des
Lächerlichen. Sie verhalten sich beide zusammen wie im gemeinen Leben
Lebens-Art und Amt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Was mögen dieses wohl für verborgene Gesetze und Wege sein, durch
welche die Natur die Triebe in dem nämlichen Tier abändert und ihn
seine vorige vergessen macht. Das Hühnchen kriecht unter seine Glucke.
Es wird endlich selbst eine Glucke und kriecht nicht mehr unter,
sondern läßt unter sich kriechen. Bei allen Tieren ist der äußere
Zustand ihres Körpers und die Veränderung der sinnlichen Werkzeuge
derselben allzeit eine Funktion ihrer Handlungen und ihrer Lebensart.
Bei dem Menschen ist dieses zwar auch wahr, allein indem eine der
veränderlichen Größen zunimmt, kann die andere abnehmen und umgekehrt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Da alle Glieder der Tiere eine sehr weisliche Absicht ihres großen
Schöpfers zeigen, so fragt sich, warum die Menschen oft Gewächse,
Glieder ohne Absicht bekommen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Esel haben die traurige Situation, worin sie jetzo in der Welt
leben, vielleicht bloß dem witzigen Einfall eines losen Menschen zu
danken, dieser ist schuld, daß sie zum verächtlichsten Tier auf immer
geworden sind und es auch bleiben werden, denn viele Eselstreiber
gehen deswegen mit ihren Eleven so fürchterlich um, weil es Esel,
nicht weil es träge und langsame Tier sind.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Plato sagt das poetische Genie werde durch die Harmonie und die
Versart rege gemacht, und dieses setze den Dichter in den Stand ohne
Überlegung seine Gedichte zu verfertigen. Plato thou reason'st well,
ein jeder wird dieses bei sich verspürt haben, wenn er mit Feuer Verse
gemacht hat, vielleicht könnten wir durch ähnliche Kunstgriffe unsre
übrige Fähigkeiten ebenso in Bewegung setzen, hauptsächlich auch die
Ausübung der Tugend. Eine große Fertigkeit im Dividieren und zwar nach
der Methode, die man über sich dividieren heißt, die ich bei jemand
bemerkte, brachte mir zuerst den Lusten zur Rechenkunst bei; ich
dividierte mehr der eiförmigen Gestalt der Auflösung willen, als aus
einer andern Absicht. Ich habe junge Mathematicos gekannt (Herrn
Klügel und Herrn von Hahn) die oft ein solches Vergnügen darin
(fanden) die Worte Calcul und Vues in dem Calcul auszusprechen, daß
ich nicht zweifle, daß kleine Neben-Ergötzlichkeiten, die sie in
dergleichen Vorstellungen fanden, ihren Fleiß munter erhalten haben.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn wir uns eine Philosophie entwerfen wollen die uns im Leben nützen
soll, oder wenn wir allgemeine Regeln zu einem beständig vergnügten
Leben geben wollen, so müssen wir freilich von dem abstrahieren, was
eine gar zu große Verschiedenheit in die Betrachtungen bringt,
ohngefähr wie wir in der Mechanik oft tun, wenn wir Friktion und
andere dergleichen besondere Eigenschaften der Körper vergessen um uns
die Berechnung nicht zu schwer zu machen, oder wenigstens nur einen
Buchstaben an ihre Stelle setzen. Kleine Unglücksfälle bringen
ohnstreitig eine große Ungewißheit in diese praktische Regeln hinein,
daher müssen wir uns dieser entschlagen, und uns nur gegen die
Bezwingung der größeren wenden. Dieses ist ohnstreitig der wahre
Verstand verschiedner Sätze der stoischen Philosophie.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Aberglauben gemeiner Leute rührt von ihrem frühen und allzu
eifrigen Unterricht in der Religion her, sie hören von Geheimnissen,
Wundern, Wirkungen des Teufels, und halten es für sehr wahrscheinlich
daß dergleichen Sachen überall in allen Dingen geschehen könnten.
Hingegen wenn man ihnen erst die Natur selbst zeigte, so würden sie
leichter das Übernatürliche und Geheimnisvolle der Religion mit
Ehrfurcht betrachten, da sie hingegen jetzo dieses für etwas sehr
Gemeines halten, so daß sie es für nichts Sonderliches halten, wenn
ihnen jemand sagte, es wären heute 6 Engel über die Straße gegangen.
Auch die Bilder in den Bibeln taugen nicht für Kinder.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es gibt keine Synonyma, die Wörter die wir dafür halten haben ihren
Erfindern gewiß nicht Einerlei sondern vermutlich Species ausgedruckt.
Büttner.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Schnecke baut ihr Haus nicht, sondern es wächst ihr aus dem Leib.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Man könnte die Gewohnheit eine moralische Tradition nennen, etwas, was
den Geist nicht leicht über die Dinge hinstreichen läßt, sondern ihn
damit verbindet, so daß es ihm schwer wird, sich davon los zu machen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Aus den Träumen der Menschen, wenn sie dieselben gnau anzeigten, ließe
sich vielleicht vieles auf ihren Charakter schließen. Es gehörte aber
dazu nicht etwa einer sondern eine ziemliche Menge.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Jeder Gedanke hat gewiß bei uns eine besondere relative Stellung der
Teile unsers Körpers, die ihn allemal begleitet, allein Furcht oder
überhaupt Zwang ersticken und hemmen sie oft ohnerachtet sie freilich
nicht allemal so heftig sind, daß sie andern in die Sinne fallen, so
sind sie doch da und der Geist zeigt sich desto freier je weniger er
diese äußere Bewegungen an sich halten darf, denn ein solches
Zurückhalten schadet dem freieren Fortgang der Gedanken ebensosehr als
der Zorn, den man nicht darf ausbrechen lassen. Daher sieht man warum
in einer Versammlung von den vertrautesten Freunden die guten Gedanken
sich selbst nach und nach herbeiführen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Am 4ten Julii 1765 lag ich an einem Tag, wo immer heller Himmel mit
Wolken abwechselte, mit einem Buche auf dem Bette, so daß ich die
Buchstaben ganz deutlich erkennen konnte, auf einmal drehte sich die
Hand, worin ich das Buch hielt, unvermutet, ohne daß ich etwas
verspürte, und weil dadurch mir einiges Licht entzogen wurde, so
schloß ich es müßte eine dicke Wolke vor die Sonne getreten sein, und
alles schien mir düster, da sich doch nichts von Licht in der Stube
verloren hatte. So sind oft unsere Schlüsse beschaffen, wir suchen
Gründe in der Ferne, die oft in uns selbst ganz nahe liegen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Eine sehr nützliche und wichtige Frage, die wir allezeit an uns selbst
tun sollten, ist ohnstreitig diese: Wie kann ich dieses Ding oder den
gegenwärtigen Augenblick am besten nützen? Das Maximum das hier
stattfindet wird sich wohl schwerlich allemal sogleich finden lassen,
zwischen allen den möglichen Verrichtungen,die sich mit gleichen
Kräften in einem Augenblick tun lassen, ist eine große
Verschiedenheit, und eine ebenso große zwischen denjenigen die sich
mit der stärksten Kraft die in meiner Macht stehet, in einem jeden
Augenblick tun läßt. Das Maß des inneren Werts unserer moralischen
Handlungen wird also wohl dieses sein, daß wir sie so weit treiben bis
auf den Punkt, da sie uns verdrüßlich werden würden, wenn wir ihn
überschritten, alsdenn sind wir versichert, daß wir die größte Kraft
angewendet haben, und dieses tun auch tugendhafte Leute würklich, ohne
es zu wissen. Die größte Kraft aber am besten zu gebrauchen ist eine
Sache die schwerer zu bestimmen ist, und solange wir hier noch keine
Tafel über unserer Pflichten haben, wo sie nach ihrem Wert geordnet
sind, so wird sich wohl schwerlich das perfice te mit einigem Nutzen
anwenden lassen, alsdann werden wir berechnen können, wenn in jeder
Handlung die wir unternehmen, das was darin Gott, uns selbst und
andere Geschöpfe angeht die größte Summe geben.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
In den Fragen im gemeinen Leben, wie man etwas am besten tun könnte,
wird ein gewisses Maximum gesucht.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Man sollte in der Woche wenigstens einmal diätetische Predigten in der
Kirche halten, und wenn diese Wissenschaft auch von unsern Geistlichen
erlernt würde, so könnte man doch geistliche Betrachtungen
einflechten, die sich gewiß hier sehr gut würden anbringen lassen,
denn es ist nicht zu glauben (wie) geistliche Betrachtungen mit etwas
Physik vermischt die Leute aufmerksam erhält, und ihnen Gott stärker
darstellt, als die oft übel angebrachten Exempel seines Zorns.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wir würden gewiß Menschen von sonderbarer Gemüts-Art kennen lernen,
wenn die großen Striche die jetzo Meer sind, bewohnt wären, und wenn
vielleicht in einigen Jahrtausenden unser gegenwärtiges festes Land
Meer und unsere Meere Länder sein werden, so werden ganz neue Sitten
entstehen, über die wir uns jetzo sehr wundern sollten.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Furcht vor dem Tod, die den Menschen eingeprägt ist, ist zugleich
ein großes Mittel, dessen sich der Himmel bedient, sie von Untaten
abzuhalten, vieles wird aus Furcht vor Lebensgefahr oder Krankheit
unterlassen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Daß der Mensch grob sündigen kann, daran ist mehr die Beschaffenheit
der äußeren Dinge als seine eigene Schuld, könnte er nicht die Wirkung
gewisser Dinge hindern, andere zerstören, wie könnte er stehlen, wenn
alles, was er gegen die Wesen außer ihm vornähme, denselben zum
Vorteil gereichte?
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Beweis der Philosophen, daß es ein künftiges Leben gebe, wenn sie
sagen, Gott könne sonst den letzten Augenblick nicht belohnen, gehöret
mit unter die Beweise durch Exempel, wir belohnen immer nach der Tat,
daher belohnt Gott auch so, wir tun es aus Mangel der Voraussehung, wo
uns diese nicht hindert, so belohnen wir auch zum voraus, wir
praenumerieren ja auf Universitäten. Kann Gott nicht auch
praenumeriert haben? Wenn Plutarch sagt: Während dem Streit werden die
Sieger nicht gekrönt, sondern nach demselben; ist mit dem
vorhergehenden verdeckt einerlei, ein bloßes Gleichnis, eine Art zu
beweisen, die so falsch und so gemein ist.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Speisen haben vermutlich einen sehr großen Einfluß auf den Zustand
der Menschen, wie er jetzo ist, der Wein äußert seinen Einfluß mehr
sichtbarlich, die Speisen tun es langsamer, aber vielleicht ebenso
gewiß, wer weiß ob wir nicht einer gut gekochten Suppe die Luftpumpe
und einer schlechten den Krieg oft zu verdanken haben. Es verdiente
dieses eine gnauere Untersuchung. Allein wer weiß ob nicht der Himmel
damit große Endzwecke erreicht, Untertanen treu erhält, Regierungen
ändert und freie Staaten macht, und ob nicht die Speisen das tun was
wir den Einfluß des Klima nennen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wir müssen uns freilich unsre gegenwärtigen Augenblicke allemal zu
Nutz zu machen suchen, und dieses wäre nicht sehr schwer, denn wir
dürften nur jeden Augenblick tun, was uns am meisten gefällt, allein
wer sieht nicht daß uns bald Stoff dazu fehlen würde. 2 Jahre so
hingebracht würden uns alle künftige verderben; jeder gegenwärtige
Augenblick ist ein Spiegel aller künftigen und unser gegenwärtiges
Vergnügen, verglichen mit dem daß er ein künftiger wird kann darin ein
größtes werden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wir finden nur alsdann Vergnügen, wo wir Absicht bemerken, wenigstens
urteilt unser Auge und Ohr nach diesem Grundsatz, der Flügel des
Schmetterlings gefiel anfangs wegen der regelmäßigen Farben, dieses
ward man gewohnt, und jetzt gefällt er wieder von neuem, wenn man
sieht, daß er aus Federn besteht, der Quarz mehr als [der] unförmliche
Sandstein. Vergnügen zu erwecken müssen wir dieses aufsuchen in den
Dingen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Heftigen Ehrgeiz und Mißtrauen habe ich noch allemal beisammen
gesehen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wir arbeiten öfters daran einen lasterhaften Affekt zu dämpfen, und
wollen dabei unsere übrigen guten alle behalten, dieses kommt aus
unserer Methode her, womit wir den Menschen schildern, wir sehen den
Charakter desselben nicht als ein sehr richtig zusammengefügtes Ganzes
an, das nur in seinen Teilen verschiedene relative Stellungen annehmen
kann, sondern wir sehen die Affekte wie aufgeklebte Schönpflästerchen
an, die wir verlegen und wegwerfen könnten. Viele dergleichen Irrtümer
beruhen auf den dabei so nötigen Sprachen, weil diese keine Verbindung
notwendig unter sich haben, sondern sie erst durch die beigefügte
Erinnerungen bekommen, so kommt die gewöhnlichste Bedeutung uns immer
in den Sinn, sobald man die Erinnerung ein wenig nur aus der Acht
läßt, daher wenn eine allgemeine Charakteristik erfunden werden soll,
so muß notwendig erst eine solche Sprache hervorgesucht werden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Zu den Werken unsrer Kunst werden beständig Dinge verschwendet, alles
muß bei uns stärker gemacht werden, als der Gebrauch es erfordert,
weil wir nicht alle Umstände übersehen können, bei unsern Kleidern,
Schränken, Stühlen, Häusern müssen wir allzeit in die wahre Gleichung
der Dinge noch eine unbestimmte Größe hinzusetzen, die wir nach
Gefallen annehmen. Wenn ab hinlänglich wäre, etwas zu erreichen, ohne
daß man das geringste davon nehmen könnte, so müssen wir ab + x dafür
nehmen, da die Natur allemal ab + d setzt und auf einmal alles
bestimmt, durch Veränderung dieses d macht die Natur Varietäten und
befördert die nötige gänzliche Veränderung, wenn es negativ wird.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Ich habe etliche mal bemerkt, daß ich Kopf-Weh bekam, wenn ich mich
lange in einem Hohl-Spiegel betrachtete.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn ich bisweilen viel Kaffee getrunken hatte und daher über alles
erschrak, so konnte ich ganz gnau merken, daß ich eher erschrak, ehe
ich den Krach hörte, wir hören also gleichsam noch mit anderen
Werkzeugen als mit den Ohren.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Leute, die nicht die feine Verstellungskunst völlig inne haben, und
andere mit Fleiß hintergehen wollen, entdecken uns gemeiniglich das
Generelle ihrer ganzen Denkungs-Art bei der ersten Zusam- menkunft,
wer also der Neigung eines andern schmeicheln will und sich in
dieselbe schicken lernen will, der muß bei der ersten Zusammenkunft
sehr acht geben, dort findet man gemeiniglich die bestimmende Punkte
der ganzen Denkungs-Art vereinigt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Ich träumte neulich an einem Morgen, ich läge wachend im Bette und
könnte keinen Atem bekommen, darauf erwachte ich ganz helle und
spürte, daß ich nur ganz mäßig Mangel nach meiner damaligen Lage daran
hatte, einem bloß fühlenden Körper kommen böse Empfindungen allzeit
größer vor, als einem, der mit einer denkenden Seele verknüpft ist, wo
selbst oft der Gedanke, daß die Empfindungen nichts zu bedeuten haben,
oder daß man sich, wenn man nur wollte, davon befreien könnte, vieles
vom unangenehmen vermindert. Wir liegen öfters mit unserm Körper so,
daß gedrückte Teile uns heftig schmerzen, allein, weil wir wissen, daß
wir uns aus dieser Lage bringen könnten, wenn wir nur wollten, so
empfinden wir wirklich sehr wenig. Dieses bestärkt eine Anmerkung, die
ich unten gemacht habe, nämlich, daß man sich durch drücken die
Kopfschmerzen vermindern kann.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Tod ist eine unveränderliche Größe, allein der Schmerz ist eine
veränderliche, die unendlich wachsen kann. Dieses ist ein Satz, den
die Verteidiger der Folter zugeben müssen, denn sonst foltern sie
vergeblich, allein in vielen wird der Schmerz ein Größtes und kleiner
als der Tod.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
vid auf der 5t. S. dieses Buchs. Herr Unzer beweist in seinem Arzt T.
VI. St. 146 aus denen Nachrichten des Herrn Köhlers, der selbst in
Italien war, daß die Krankheit, die man mit Musik kuriert gar nicht
von der Tarantel herkomme, sondern man mutmaße es nur, es sei in der
Tat eine Art von Milzsucht, wobei Personen würklich sehr alt werden
können, und nur allemal im Junius tanzen, sollte nicht diese Meinung
daß diese Spinne den Stich hervorbringe aus der Sprache können
hergeleitet werden. Denn es ist mir sehr wahrscheinlich daß die
meisten Irrtümer des Pöbels aus der Sprache stammen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der berühmte Bauer Jededioh Buxton nicht weit von Chesterfield in
Derbishire dessen im Gentlemans Magazin Febr: 1751 Erwähnung geschieht
hatte ein so erstaunliches Gedächtnis und Einbildungskraft daß er das
Quadrat dieser Zahl 725958238096074907868531656993638851106 im Kopf
machte, er brachte aber drittehalb Monate mit zu, wobei er lange
ausruhte und dann wieder fortfuhr. Er fand sie
5270153634595573856737335426385917212132989660793075249043813894992516
37423236. Er hatte niemals schreiben gelernt und vermutlich würde er
nicht so haben rechnen lernen, wenn er schreiben gekonnt hätte. Diesen
Punkt sollte alle die Personen recht durchdenken, welche Leute zu
einer gewissen Absicht erziehn wollen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Das Argument gegen die Materialisten, welches Herr Untzer. Arzt T. VI
148 St. negiert, und welches von der Veränderung unseres Körpers
hergeholt ist, hat wirklich einiges Gewicht. Es ist klar, die Teile
sind nicht mehr wir, wenn wir einige Jahre älter sind, wie könnten
sukzessive Seelen so zu sagen sich ihr Bewußtsein mitteilen. Man kann
freilich antworten, daß die Veränderung sehr allmählich geschehe, so
wie sich in der ersten Welt Dinge durch Tradition fortgepflanzt haben,
ohneracht die Welt alle 80 Jahre eine andere war. So wird Lamettrie
antworten. Ein anderer Beweis, auf den Herr Fontenelle sehr viel hält,
daß nämlich sich die erstaunten Wirkungen eines Gedankens auf den
Körper nicht erklären ließen, wenn der Gedanke nach den Regeln der
Mechanik wirkte, ist nicht viel erheblicher. Es ist wahr, ein Mensch,
dem ich ganz sachte ins Ohr sage er werde arretiert werden, wenn er
sich nicht augenblicklich fortmachte, geht durch und lauft viele
Meilen mit der erschrecklichsten Bewegung fort. Allein nicht zu
gedenken, daß wir die Wirkung eines Dings nicht nach dem Schalle
schätzen müssen, den das Wort [macht], welches ihn erregt, so wenig,
als man ein Crimen laesae majest[atis]. nach dem Knalle schätzt, den
es tut, so wirkt der Gedanke beständig, und vielleicht auf eine Art,
wie der Funke auf das Pulver.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Herr Gunkel kann die Pupille willkürlich kleiner und größer machen, im
ersten Fall kann er kein Objekt mehr unterscheiden, ich [habe] mir
diesen Versuch von ihm 100mal machen lassen. Ob nun sein Wille
unmittelbar auf die Trauben-Haut wirkt, oder ob er sonst einen dem
Willen mehr unterworfenen Teil des Auges in Bewegung setzt, auf den
die Verengerung der Pupille mechanisch folgt, weiß ich nicht.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Vorurteile sind so zu reden die Kunsttriebe der Menschen, sie tun
dadurch vieles, das ihnen zu schwer werden würde bis zum Entschluß
durchzudenken, ohne alle Mühe.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Eine Sprache, die allemal die Verwandschaft der Dinge zugleich
ausdrückte, wäre für den Staat nützlicher als Leibnitzens Charak-
teristik. Ich meine solche wie zum Ex. Seelsorger statt Prediger,
Dummkopf statt Stutzer, Wassertrinker statt Anakreontischer Dichter.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Ich wünschte mir an jedem Abend die Sekunde des vergangenen Tages zu
wissen, da mein Leben den geringsten Wert hatte, das ist, da, wenn
Reinigkeit der Absichten, und Sicherheit des Leben Geld wert sind, ich
am allermeisten würde gegolten haben.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Debitum naturae reddere heißt auf lateinisch gemeiniglich sterben. O
es könnte noch mehr heißen! Viele Schwachheiten die wir begehen sind
Schulden, die wir der Natur bezahlen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Man muß sich in acht nehmen, daß man um die Möglichkeit mancher Dinge
zu erweisen nicht gar zu bald auf die Macht eines höchstvollkommenen
Wesens appelliert, denn sobald man z.E. glaubt [daß] Gott die Materie
denken mache, so kann man nicht mehr erweisen, daß ein Gott außer der
Materie sei.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der dreifache Punkt bei den krummen Linien ist wenigstens ein eben so
schickliches Bild der Dreieinigkeit, als die Leibnizsche 1 ein Bild
des Heiligen Geistes bei der Schöpfung ist.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Unser Leben hängt so gnau in der Mitte zwischen Vergnügen und Schmerz,
daß uns schon zuweilen Dinge schädlich werden können, die uns zu
unserm Unterhalt dienen, wie ganz natürlich veränderte Luft, da wir
doch in die Luft geschaffen sind. Allein wer weiß, ob nicht vieles von
unserm Vergnügen von diesem Balancement aghängt, diese Empfindlichkeit
ist vielleicht ein wichtiges Stück von dem, was unsern Vorzug vor den
Tieren ausmacht.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Eine Empfindung die mit Worten ausgedruckt wird, ist allzeit wie Musik
die ich mit Worten beschreibe, die Ausdrücke sind der Sache nicht
homogen genug. Der Dichter, der Mitleiden erregen will, verweist doch
noch den Leser auf eine Malerei und durch diese auf die Sache. Eine
gemalte schöne Gegend reiße augenblicklich hin, da eine besungene erst
im Kopf des Lesers gemalt werden muß. Bei der ersten hat der Zuschauer
nichts mehr mit der Einrichtung zu tun, sondern er schreitet gleichsam
zum Besitz, wünscht sich die Gegend, das gemalte Mädgen, bringt sich
in allerlei Situationen, vergleicht sich mit allerlei Umständen bei
der Sache.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist in der Tat ein sehr blindes und unsern aufgeklärten Zeiten sehr
unanständiges Vorurteil, daß wir die Geographie und die römische
Historie eher lernen, als die Physiologie und Anatomie, ja die
heidnische Fabellehre eher, als diese für Menschen beinah so
unentbehrliche Wissenschaft daß sie nächst der Religion sollte
getrieben werden. Ich glaube daß einem höheren Geschöpfe, als wir
Menschen sind, dieses das reizendste Schauspiel sein muß, wenn er
einen großen Teil des menschlichen Geschlechts starr ein paar tausend
Jahre hinter sich gehen sähe, und aufs Ungewisse und unter dem
Freibrief Regeln für die Welt aufzusuchen sich und der Welt unnütz
sterben, [die] ihren Körper der doch ihr vornehmster Teil war nicht
kannten, da ein Blick auf ihn sie, ihre Kinder, ihren Nächsten, ihre
Nachkommen, hätte glücklich machen können.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Ein gewisses großes Genie fängt aus einem besondern Hang an eine
Verrichtung vorzüglich zu treiben, weil es schwer war, so wird er
bewundert, andere reizt dieses. Nun demonstriert man den Nutzen dieser
Beschäftigungen. So entstehen Wissenschaften.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es wäre zu untersuchen, was man zum allgemeinen Maßstab der
Bedienungen in der Welt annehmen soll, um gleich einer Nation
begreiflich zu machen, wie hoch ein gewisser Mann anzusehen sei. Es
fragt [sich] also gleich, gibt es Leute, die solche Verrichtungen
haben, die bei allen Nationen nötig sind und bei allen gleich hoch
geschätzt werden. Die Priester lassen sich wohl nicht dazu annehmen,
dieser Maßstab ist sehr ungewiß und in vielen Ländern zu klein. Ein
Mädgen ginge noch eher an, diese werden ziemlich gleichförmig in
Europa wenigstens geliebt. So daß ich glaube, daß der Ausdruck
bedeutender ist: er liebte ihn, wie sein Mädgen, als der: er liebte
ihn wie seinen Vater.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Mensch scheint eine Kreatur zu sein, die sehr zur abgeänderten
Witterung gemacht zu sein scheint, weil er unter der Linie und an den
Polen dumm ist.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wir empfinden nicht die unmittelbare Berührung äußerer Körper beim
Sehen und Hören, sagt Home, wie bei den übrigen Sinnen. (Wenn wir
keine Augen hätten, so würde vielleicht die Empfindung des Gefühls
ebenso innerhalb uns vorzugehen scheinen; allein unsere Augen machen,
daß wir die Empfindung dahin versetzen, wo wir sehen, daß der Grund
liegt p. m.)
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Um uns ein Glück, das uns gleichgültig scheint, recht fühlbar zu
machen müssen wir immer denken, daß es verloren sei, und daß wir es
diesen Augenblick wieder erhielten. Es gehört aber etwas Erfahrung in
allerlei Leiden dazu um diese Versuche glücklich anzustellen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Diejenigen verba, welche die Leute täglich im Munde führen, sind in
allen Sprachen die irregulärsten. Sum, Sono, eimi, ich bin, Je suis,
Jag är, I am.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Kritiker lehren uns, uns an die Natur zu halten, und die
Schriftsteller lesen es, sie halten es aber immer für sicherer sich an
Schriftsteller zu halten, die sich an die Natur gehalten haben. Die
meisten lesen die Regeln des Hume und wenn sie schreiben wollen denken
sie an eine Stelle des Shakespeare. Es ist freilich gut ein so großes
Original vor Augen zu haben, allein es ist klar, daß, wenn man eine
solche Kopie nicht erreicht, die Entfernung davon nach der Seite zu
geschieht die von der Natur noch weiter abweicht, oder es muß ein
großes Genie sein, das sich der Natur noch mehr nähert als die erste
Kopie derselben. Geschieht aber dieses, so muß notwendig der Verfasser
mehr die Natur als die Kopie zu erreichen gesucht haben, und man kann
eigentlich alsdann nicht mehr sagen, daß er nach einer Malerei
gezeichnet hat, sondern er bedient sich derselben nur so wie man sich
in der praktischen Geometrie des Augenmaßes zuweilen bedient Messungen
zu probieren, nicht um dadurch überhaupt zu sehen ob man gnau gemessen
hat, sondern zu sehen ob man nicht durch einen Irrtum in der Rechnung
einen Fehler begangen hat, der die Hälfte des Gesuchten beträgt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Entschuldigungen, die man bei sich selbst sich macht wenn man
etwas unternehmen will, sind ein vortrefflicher Stoff für Monologen,
denn sie werden selten anders gemacht, als wenn man allein ist und
sehr oft laut.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn man einen guten Gedanken liest, so kann man probieren, ob sich
etwas Ähnliches bei einer andern Materie denken und sagen lasse. Man
nimmt hier gleichsam an, daß in der andern Materie etwas enthalten sei
das diesem ähnlich sei. Dieses ist eine Art von Analysis der Gedanken,
die vielleicht mancher Gelehrter braucht ohne es zu sagen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist etwas Unbegreifliches, daß es uns schwer wird, in Komödien
natürlich zu schreiben, da uns doch das natürliche am natürlichsten
ist. Es kommt bloß daher, daß wir das natürliche mit einem Ausdrucke
zuweilen verbinden müssen, der nicht so ganz gemein ist, und man ist
sehr geneigt, wenn der Geschmack sich nicht auf Philosophie und
Vernunft und das menschliche Herz gründet, die Grenzen zu
überschreiten.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Dinge, die man täglich vor Augen sieht von einer anderen Seite zu
betrachten, oder vielmehr durch ein Vergrößerungsglas anzusehen, ist
oft ein Mittel, die Welt mit Erfolg zu lehren. Lebermüllersche
Belustigungen ließen sich auch in der Moral schreiben. Eins solches
Mikroskop würde uns unglaubliche Dinge zeigen. Man sehe nur in den
Home. Rousseau sagt Heloise T. I. Lettre XII Le Gout est le Microscope
du Jugement.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Ein allgemeines Maß für das Verdienst oder für die Wichtigkeit einer
Verrichtung, das allen Ständen sogleich die Größe einer Tat angäbe,
wäre eine Erfindung, die eines moralischen Newton würdig wäre. Z.E.
eine Compagnie vor des Kommandanten Haus zu exerzieren ist gewiß nicht
so schwer als ein paar Schuh zu sohlen (ich weiß es freilich, daß die
Ehre eine Besoldung ist, sie auszuzahlen legt der Fürst eine Steuer
auf die Hüte und den Nacken der Untertanen. Wenn ein Handwerkspursche
vor dem Offizier den Hut zieht, so denke ich immer, dieser Pursche ist
eine Art von Kriegszahlmeister. Und wie ungeschliffen sind die
Offiziers, die sie ohne Quittung annehmen, ich meine die nicht wieder
an den Hut greifen) und ich behaupte ein Kleid gut zu schneiden ist
zuverlässig schwerer, als Hof-Kavalier zu sein, zuverlässig schwerer,
ich meine den Hof-Kavalier in abstracto. Eine solche Rangordnung, die
aber gewiß dem Verfasser und dem Verleger den Kopf kosten würde,
wünschte ich gedruckt zu sehen, sie existiert gewiß in dem Kopf jedes
rechtschaffenen Mannes. Man könnte zu einem solchen Maß das
Balancieren auf der Nase nehmen, weil dieses ohngefähr alle Menschen
mit gleicher Geschwindigkeit lernen, und durch die Länge der
Tabakspfeife in Zollen die Grade der Schwierigkeit messen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Plato hat schon den Gedanken geäußert, daß man die Menschen zu bessern
bei den Frauenzimmern anfangen müsse, Rousseau in der bekannten
Schrift über die Schädlichkeit der schönen Wissenschaften sagt in
einer Note eben das und wünscht, daß ein großer Mann den Anfang machen
möge, vielleicht hat Herr Fordyce mit seinen Frauenzimmerpredigten
diesen Wunsch erfüllt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Rousseau selbst (in einer Antwort auf eine Widerlegung der
vorhergehenden Schrift) gesteht, daß die schönen Wissenschaften etwas
göttliches seien, abstrakt betrachtet, aber nicht für den Menschen; so
entschuldigt er die Widersprüche, die sich in der Preisschrift
befinden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Dante Alighieri nennt in seiner Komödie den Vergil mit einem Respekt
seinen Lehrer, und hat ihn, wie Herr Meinhard bemerkt, doch so
schlecht genützt, eine deutliche Probe, daß man schon damals die Alten
lobte, ohne zu wissen warum, sie zu loben und andere Sachen tun,
dieser Respekt gegen Dichter, die man nicht versteht und doch
erreichen will, ist die Quelle unserer schlechten Schriften.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn wir so vollständig sprechen könnten als wir empfinden, die Redner
würden wenige Widerspenstige, und die Verliebten wenig Grausame
finden. Unser ganzer Körper wünschet bei der Abreise eines geliebten
Mädgens, daß sie da bleiben möchte, kein Teil drückt es aber so
deutlich aus als der Mund: wie soll er sich aber ausdrücken, daß man
auch etwas von den Wünschen der übrigen Teile empfindet? Gewiß das ist
sehr schwer zu raten, wenn man noch nicht in dem Fall wirklich ist,
und noch schwerer wenn man nie darin war.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Bei einem Verbrechen ist das was die Welt das Verbrechen nennt selten
das was die Strafe verdient, sondern da ist es, wo unter der langen
Reihe von Handlungen womit es sich gleichsam als mit Wurzeln in unser
Leben hinein erstreckt diejenige ist, die am meisten von unserm Willen
dependierte, und die wir am allerleichtesten hätten nicht tun können.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist ein Fehler in unsern Erziehungen, daß wir gewisse Wissen-
schaften so früh anfangen, sie verwachsen sozusagen in unsern
Verstand, und der Weg zum Neuen wird gehemmt. Es wäre die Frage ob
sich die Seelenkräfte nicht stärken ließen ohne sie auf eine
Wissenschaft anzuwenden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn sich das menschliche Geschlecht noch mehr vermehrt, so muß man
mehr als 2 oder drei Vornamen haben, um der Verwechslung vorzubeugen,
die Kinder der eigentlichen Huren bringen neue Namen herein, noch ein
Nutzen den sie haben.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn die Substanzen Eigenschaften besitzen, die sich andern
vergegenwärtigen lassen, so können wir zugleich Glieder in
verschiedenen Welten sehn ohne uns jedoch in mehr als einer bewußt zu
sein, denn Eigenschaften der Substanzen sind so zu reden
durchdringlich. So können wir sterben und in einer andern Welt
fortleben.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Shakespear unterscheidet sich in seinen Ausdrücken häufig dadurch von
allen übrigen Schriftstellern, daß er nicht so leicht Metaphern wählt,
die im Gemeinleben rezipiert sind, als zum Exempel Triebfeder, der
G.... sondern lieber statt dessen ein besonderes [Bild,] aus eben
dieser Sache hergeholtes, wählt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Ein gewisser Philosoph sagt man müsse [bei] Zeiten den Geist mit
nützlichen Wahrheiten [speisen]. Herr N. hatte ihn zuweilen halbe
Jahre [hun]gern lassen und auf einmal wieder so gefüttert, daß man auf
allen Messen sagte: Mein Gott der Mensch hat sich übernommen (pm).
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es gibt eine gewisse Art Menschen, die mit jedem leicht Freundschaft
machen, ihn eben so bald wieder hassen und wieder lieben, stellt man
sich das menschliche Geschlecht als ein Ganzes vor, wo jeder Teil in
seine Stelle paßt, so werden dergleichen Menschen zu solchen
Ausfüll-Teilen die man überall hinwerfen kann. Man findet unter dieser
Art von Leuten selten große Genies, ohneracht sie am leichtesten dafür
gehalten werden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Man kann sich das menschliche Geschlecht als einen Polypen denken, so
kommt man schon auf mein System von Seelenwanderung.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Um ein Stückgen Fleisch wieder in Erde zu verwandeln, damit es andern
Vegetabilien oder Tieren nützen könne, läßt es die Natur nicht bloß
durch eine Verwesung auflösen, sondern hat lieber andere kleine
Kreaturen hervorgebracht, die es auffressen, sie hätte vielleicht
dieses ohne diese Tiere erhalten können, allein es ist dadurch die
Summe des Vergnügens in empfindenden Geschöpfen auf der Welt vermehrt
worden, und es läßt sich wahrscheinlich mutmaßen, daß allzeit das
Vergnügen der empfinden[en ]Substanzen in der Welt ein Größtes ist, so
daß, wenn es bei einer Gattung wüchse, es bei den andern abnehmen
müßte.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die wahre Bedeutung eines Wortes in unsrer Muttersprache zu verstehen
bringen wir gewiß oft viele Jahre hin. Ich verstehe auch zugleich hier
mit die Bedeutungen die ihm der Ton geben kann. Der Verstand eines
Wortes wird uns um mich mathematisch auszudrücken durch eine Formul
gegeben, worin der Ton die veränderliche und das Wort die beständige
Größe ist. Hier eröffnet sich ein Weg die Sprachen unendlich zu
bereichern ohne die Worte zu vermehren. Ich habe gefunden, daß die
Redens-Art: Es ist gut auf fünferlei Art von uns ausgesprochen wird,
und allemal mit einer andern Bedeutung, die freilich auch oft noch
durch eine dritte veränderliche Größe nämlich die Miene bestimmt wird.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Geschöpfe machen nicht sowohl eine Kette aus wie die Poeten (Pope)
öfters sich ausdrücken, sondern ein Netz, denn sie kommen auch öfters
von der Seite wieder zusammen. Wie die Übergänge der Tiere und Steine
aus einer Species in die andere und aus einem Genus in das andere
deutlich zeigen. Büttner.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Reim ist etwas, das mehr den nordlichern Ländern eigen ist, so wie
das Silben-Maß mehr in den südlichern verehrt wurde, bei diesen ist
alles Musik, da bei jenen nur zuweilen aber desto stärker die Kunst
und Harmonie sichtbar wird; ich zweifle nicht, daß die Griechen und
Römer nicht mannigmal auf Reime verfallen seien, es war aber dieses
Künstliche in ihnen allzu fühlbar und ihnen daher verhaßt, so wie uns
die Reime schmetterte und kletterte, dahingegen ihr zärteres Ohr schon
eher Füße zählen konnte, als wie unseres, das sich daher ein fühlbares
Silbenmaß, den Reim erfand. Daher haben die alten deutschen Verse oft
nur Reime und fast gar kein metrum.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn man die Charaktere der Menschen, oder besser, wenn man die
Menschen nach den Charakteren ordnen könnte, welches leicht möglich
wäre, wenn wir mehr Erfahrungen in diesem Stück sammelten, so würde
man die Klassen für die Künstler und Gelehrten leicht merken, und
würde sich alsdann nicht mehr bemühen einem aus dem Genere passerum
sprechen zu lernen, da es ausgemacht ist, daß dieses nur den Picis
zukommt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn wir die abstrakten Wahreiten, die unsere Vernunft ohne viele
vorhergegangene Empfindungen erkennt, so ordnen könnten, daß wir den
Übergang zu den angewandten treffen könnten, so würde vieles eine
brauchbare Metaphorik geben, allein dieser Übergang fehlt noch jetzo
unserer Metaphorik.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Zu Dorlar einem Dorf an der Lahn nicht weit von Gießen haben fast alle
Leute rote Haare.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Herr Fielding sucht in der Vorrede zu seinem Andrews den Grund des
Lächerlichen in einer gezwungenen Nachahmung, allein er hat nicht
bedacht, daß alsdann allemal das lächerliche nur im affektierten
bestünde, da es doch viele Handlungen gibt, die an sich ohne Beziehung
auf etwas anderes lächerlich sind; und auf diese Art fällt eine der
größten Quellen des lächerlichen weg, nämlich wenn jemand etwas für
sehr wichtig im Ernst hält, was nur eine Kleinigkeit ist, wie Orgon,
da er von einer Fliege gestochen wird, oder der Verweis des Don
Sylvio, den er dem Pedrillo gibt, weil er so frei im Palast der weißen
Katze schwatzt, und dergleichen mehr.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Herr Home beantwortet in seinen Elements of Criticism (Kapitel 12) die
Frage, ob sich die Wahrheit durch das belachenswerte prüfen lasse, mit
Ja, und begegnet dem Einwurf: daß sich auch das ernsthafteste
lächerlich machen ließe, dadurch, daß er sagt, ein solcher Witz werde
die Prüfungen eines feinen Geschmacks nicht aushalten. Dennoch glaube
ich aber, daß das ernsthafteste öfters mit Geschmack kann lächerlich
gemachte werden, wenn man anders davon abstrahiert, daß es schon an
sich nicht viel Geschmack verrät, wenn man ernsthafte Sachen
lächerlich machen will.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Home sagt in der Einleitung zu seinen Elements of Criticism, daß eine
gesunde Kritik die Tugend unterstütze, dieses ist sehr richtig, wenn
man eine Kritik versteht, die nach den feinen Grundsätzen des Herrn
Home agiert, allein es gibt oft eine angeborne Kritik, die ihrem
Subjekt das Schöne augenblicklich zeigt, ohne daß es merkt, auf was
für Regelmäßige Übereinstimmungen sich diese Empfindungen gründen. So
bald dieser feine Geschmack erworben ist, und nicht angeboren, so hat
Herr Home recht, und vielleicht versteht er auch nur einen solchen
erworbenen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Man hat bisher in der Abhandlung andrer Wahrheiten, als der
mathemat[ischen] und physikalischen, die Sätze, die man erweisen,
andern erläutern wollte gleich zu verwickelt angenommen, und man
geriet notwendigerweise in Verwirrungen. Wenn man den Ursprung der
Winde erläutern will, so betrachtet man eine Luftkugel, ohne auf
Wasser oder Erde zu sehen und sieht, was die anziehende Kraft des
Monds für Veränderungen in derselben hervorbringen kann. Wenn man die
Regeln des Geschmacks aussuchen will, sollte man erst überhaupt die
Veränderung einer empfinden[den] Substanz betrachten, hernach immer
Leidenschaften zusetzen, immer neues Interesse addieren, bis wir
endlich den Menschen heraus hätten.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Worte sind eine Art von Buchstabenrechenkunst für die natürlichen
Zeichen der Begriffe, welche in Gebärden und Stellungen besteht, die
Casus der Substantiven sind die Zeichen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Sind wohl solche Zahlzeichen möglich, die wenn ich das Blatt
herumkehre und alsdann ausspreche z.E. so viel bedeuten als die Hälfte
der vorhergehenden..
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Herr Home bemerkt (T. 1 Abschn. 3) daß man bei Erblickung einer
tugendhaften Handlung eben eine solche Bewegung fühlt, die eben die
Absicht hat, als wie der Trieb zur Fortpflanzung seines Geschlechts,
eine Empfindung, die derjenigen ähnlich ist, wie diejenige, die die
Handlung hervorgebracht hat.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Das aimer par compagnie das Perrault, welches auch Home kennt, ist die
Seele der Mode, und eine Definition des Schönen würde sehr leicht
werden, wenn wir dieses von dem eigentlich gefallenden trennen
könnten.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die sonderbare Empfindung, die ich habe, wenn mit einem spitzigen
Instrument gegen die Augen zu fahre?
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Jedermann gesteht, daß schmutzige Historien, die man selbst aufsetzet,
lange nicht die gefährliche Wirkung auf uns tun, als die von Fremden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die animalcula infusoria sind Blasen mit Neigungen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Das Maß des Wunderbaren sind wir, wenn wir ein allgemeines Maß
suchten, so würde das Wunderbare wegfallen und würden alle Dinge
gleich groß sein.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Geister ohne eine Welt außer ihnen müssen seltsame Geschöpfe sein,
denn da von jedem Gedanken der Grund in ihnen liegt, so sind die
seltsamsten Verbindungen von Ideen allzeit recht. Leute nennen wir
rasend, wenn sich die Ordnung ihrer Begriffe nicht mehr aus der Folge
der Begebenheiten in unsrer ordentlichen Welt bestimmen läßt, deswegen
ist gewiß eine sorgfältige Betrachtung der Natur, oder auch die
Mathematik das sicherste Mittel wider Raserei, die Natur ist sozusagen
das Laufseil, woran unsere Gedanken geführt werden, daß sie nicht
ausschweifen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Einrichtung unserer Natur ist so weise, daß uns sowohl vergangener
Schmerz, als vergangene Wollust Vergnügen erweckt; da wir nun ferner
eher eine zukünftige Wollust voraussehen als einen zukünftigen
Schmerz, so sehen wir daß wirklich nicht einmal die traurige und
angenehme Empfindung in der Welt gleich verteilt sind, sondern daß
wirklich auf Seiten des Vergnügens ein größeres stattfindet.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Krämer, der etwas abwiegt, schafft so gut die unbekannten Größen
auf die eine Seite und die bekannten auf die andere als der
Algebraist.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Streit über bedeuten und sein, der in der Religion so viel Unheil
angestiftet hat, wäre vielleicht heilsamer gewesen, wenn man ihn über
andere Materien geführt hätte, denn es ist eine allgemeine Quelle
unsers Unglücks, daß wir glauben die Dinge seien das wirklich, was sie
doch nur bedeuten.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Das Leben kann als eine Linie angesehen werden, die mit verschiedenen
Krümmungen über einen Graben (der Grenze des Lebens) hinläuft. Der
plötzliche Tod ist ein perpendikulärer Lauf nach dieser Linie,
Krankheit auf Parallelen mit derselben.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Das Glück der Menschen besteht in einer richtigen Verhältnis seiner
Gemüts-Eigenschaften und seiner Affekten, wenn eine wächst, so leiden
alle andern, daraus entstehen unzählige Mischungen. Das was man einen
großen Geist nennt kann so gut eine Mißgeburt sein, als es ein großer
Spieler ist, aber eine nützliche Mißgeburt, so waren Savage und
Günther wahrhafte Mißgeburten, der Mann der ruhig und vergnügt lebt,
ist der eigentliche Mensch, und ein solcher Mensch wird es selten sehr
weit in einer Wissenschaft bringen, weil jede Maschine die zu Vielem
nützen soll selten zu jedem so stark nützen kann als eine die nur
allein zu einer einzigen Absicht gemacht ist. Deswegen ist es ebenso
weis eingerichtet, daß wenige Leute Genie haben, als es weislich ist,
daß nicht alle Leute taub oder blind sind. Newton war am Geist ein
Macrochir, er konnte höher hinauflangen, die Offenbarung Johannis
erklärte er schlecht, weil vielleicht dazu eine große Nase nötig war.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Ein Narr, der sich einbildet, ein Fürst zu sein, ist von dem Fürsten,
der es in der Tat ist, durch nichts unterschieden, als daß jener ein
negativer Fürst und dieser ein negativer Narr ist, ohne Zeichen
betrachtet sind sie gleich.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist ein ganz unvermeidlicher Fehler aller Sprachen, daß sie nur
genera von Begriffen ausdrücken, und selten das hinlänglich sagen was
sie sagen wollen. Denn wenn wir unsere Wörter mit den Sachen
vergleichen, so werden wir finden daß die letzteren in einer ganz
andern Reihe fortgehen als die erstem. Die Eigenschaften die wir an
unserer Seele bemerken hängen so zusammen, daß sich wohl nicht leicht
eine Grenze wird angeben lassen, die zwischen zweien wäre, die Wörter,
womit wir sie ausdrücken, sind nicht so beschaffen, und zwei auf
einander folgende und verwandte Eigenschaften werden durch Zeichen
ausgedrückt, die uns keine Verwandtschaft zu erkennen geben. Man
sollte die Wörter philosophisch deklinieren können, das ist ihre
Verwandtschaft von der Seite durch Veränderungen angeben können. In
der Analysi nennt man einer Linie a unbestimmtes Stück x, das andere
nicht y wie im gemeinen Leben, sondern a - x. Daher hat die
mathematische Sprache so große Vorzüge für der gemeinen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Kein Fürst wird jemals den Wert eines Mannes durch seine Gunst
bestimmen, denn es ist ein Schluß, der nicht auf eine einzige
Erfahrung etwa gegründet ist, daß ein Regent meistens ein schlechter
Mann ist. Der in Frankreich backt Pasteten und betrügt ehrliche
Mädgen, der König von Spanien haut unter Pauken und Trompeten Hasen in
Stücken, der letzte König in Polen der Kurfürst von Sachsen war schoß
seinem Hofnarren mit dem Blasrohr nach dem Arsch, der Fürst von
Löwenstein beklagt bei einem großen Brand nichts als seinen Sattel,
der Landgraf von Kassel fährt einer Tänzerin zu Gefallen in der Suite
eines Fürsten der nicht viel mehr ist als er und wird durch die
erbärmlichsten Leute betrogen, der Herzog von Württemberg ist ein
Wahnsinniger, der König von Engelland macht....... Engelländerin P....
., der Fürst von Weilburg badet sich öffentlich in der Lahn; die
meisten übrigen Beherrscher dieser Welt sind Tambours, Fourriers,
Jäger. Und dieses sind die Obersten unter den Menschen; wie kann es
denn in der Welt nur erträglich hergehen; was helfen die Einleitungen
ins Kommerzien-Wesen, die arts de s'enrichir par l'agriculture, die
Hausväter, wenn ein Narr der Herr von allen ist, der keine Oberen
erkennt als seine Dummheit, seine Caprice, seine Huren und seinen
Kammerdiener, o wenn doch die Welt einmal erwachte, und wenn auch drei
Millionen am Galgen stürben, so würden doch vielleicht so bis 8o
Millionen dadurch glücklich; so sprach einst ein Perückenmacher in
Landau auf der Herberge, man hielt ihn aber mit Recht für völlig
verrrückt, er wurde ergriffen, und von einem Unteroffizier noch ehe er
in Verhaft gebracht wurde mit dem Stock todgeschlagen, der
Unteroffizier verlor den Kopf.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Wenn Plato sagt die Leidenschaften und die natürlichen Triebe seien
die Flügel der Seele, so drückt er sich sehr lehrreich aus, solche
Vergleichungen erläutern die Sache und sind gleichsam Übersetzung der
schweren Begriffe eines Mannes in eine jedermann bekannte Sprache,
wahrhafte Definitionen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es kann ohnstreitig Kreaturen geben, deren Organe so fein sind, daß
sie nicht imstande sind durch einen Lichtstrahl durchzugreifen, so wie
wir nicht durch einen Stein durchgreifen können, weil unsere Hände
eher zerstört werden würden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist eine richtige Beobachtung wenn [man] sagt daß Leute die zu
stark nachahmen ihre eigene Erfindungskraft schwächen. Dieses ist die
Ursache des Verfalls der italienischen Baukunst, wer nachahmt und die
Gründe der Nachahmung nicht einsieht fehlt gemeiniglich so bald ihn
die Hand verläßt, die ihn führte.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Vielleicht ist ein Gedanke der Grund aller Bewegung in der Welt, und
die Philosophen, welche gelehrt haben, daß die Welt ein Tier sei, sind
vielleicht durch diesen Weg darauf gekommen, sie haben sich vielleicht
nur nicht so eigentlich ausgedruckt wie sie vielleicht hätten tun
sollen. Unsere ganze Welt ist nichts als die Wirkung eines Gedankens
von Gott auf die Materie.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Die Welt ist ein allen Menschen gemeiner Körper, Veränderungen in ihr
bringen Veränderung in der Seele aller Menschen vor die just diesem
Teil zugekehrt sind.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Träume führen uns oft in Umstände, und Begebenheiten hinein, in die
wir wachend nicht leicht hätten können verwickelt werden, oder lassen
uns Unbequemlichkeiten fühlen welche wir vielleicht als klein in der
Ferne verachtet hätten, und eben dadurch mit der Zeit in dieselben
verwickelt worden wären. Ein Traum ändert daher oft unsern Entschluß,
sichert unsern moralischen Fond besser als alle Lehren, die durch
einen Umweg ins Herz gehen.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Nicht da sein heißt bei den Naturforschern, wenigstens bei einer
gewissen Klasse so viel als nicht empfunden werden.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Für das Künftige sorgen, muß bei Geschöpfen die das Künftige nicht
kennen sonderbare Einschränkungen leiden. Sich auf sehr viele Fälle
zugleich schicken, wovon oft eine Art die andern zum Teil aufheben
muß, kann von einer vernünftigen Gleichgültigkeit gegen das Zukünftige
wenig unterschieden sein.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Mit einem erstaunenden Vergnügen finde ich in des Herrn Lavaters
Aussichten in die Ewigkeit T.I. p. 43 seq., daß er vor dem Schlaf
ähnliche Empfindungen mit mir hat, ich habe jahrelang vorher ehe
dieses Buch erschien schon Herrn Ljungberg die Eröffnung getan, ja als
ich noch auf Schulen war habe ich meinem Freund Herrn Eßwein schon
etwas davon gesagt, aber nie gehört, daß er oder Herr Ljungberg jemals
etwas ähnliches empfunden, meine Betrachtungen in diesem Zustand gehen
gemeiniglich auf den Tod, oder die Seele überhaupt, und das was
Empfindung ist, und endigen sich in einer Bewunderung der Einrichtung
des Menschen, alles ist mehr Gefühl als Reflexion und unbeschreiblich.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Der Bauer, welcher glaubt, der Mond sei nicht größer als ein
Pflug-Rad, denkt niemals daran daß in einer Entfernung von einigen
Meilen eine ganze Kirche nur wie ein weißer Fleck aussieht, und daß
der Mond hingegen immer gleich groß scheint, was hemmt bei ihm diese
Verbindung von Ideen, die er einzeln alle hat? Er verbindet in seinem
gemeinen Leben auch wirklich Ideen vielleicht durch künstlichere
Bande, als diese. Diese Betrachtung sollte den Philosophen aufmerksam
machen, der vielleicht noch immer der Bauer in gewissen Verbindungen
ist. Wir denken früh genug aber wir wissen nicht daß wir denken, so
wenig als wir wissen daß wir wachsen oder verdauen, viele Menschen
unter den Gemeinen erfahren es niemals. Eine gnaue Betrachtung der
äußeren Dinge führt leicht auf den betrachtenden Punkt, uns selbst,
zurück und umgekehrt wer sich selbst einmal erst recht gewahr wird
gerät leicht auf die Betrachtung der Dinge um ihn. Sei aufmerksam,
empfinde nichts umsonst, messe und vergleiche; dieses ist das ganze
Gesetz der Philosophie.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es gibt Grade des Verlierens, ein Ding in keiner einzigen gegebenen
Zeit wieder finden können, heißt dieses Ding verloren haben, zuweilen
läßt sich aus den Umständen nicht schließen, ob diese Zeit unendlich
werden wird oder nicht, wird aber oft endlich befunden. Man kann etwas
wirklich verloren haben, wenn man auch gleich weiß, daß man es nach
einer halben Stunde Fleiß wieder finden könnte.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Was ist es, das macht, daß wir uns zuweilen eines geheimen Kummers
standhaft entschlagen können, da die Vorstellung, daß wir unter dem
Schutz einer höchstgütigen Vorsicht stehen, die größte Wirkung auf uns
hat, und dennoch oft in der nächsten halben Stunde diesem nämlichen
Kummer beinah unterliegen. Mit mir ist es wenigstens so, ohne daß ich
sagen könnte, daß ich bei der 2ten Vorstellung meinen Kummer von einer
neuen Seite betrachte, andere Relationen einsehe, nichts weniger.
Fände dieses statt, so wurde ich diese Anmerkung nicht einmal
niedergeschrieben haben. Ich glaube vielmehr, daß die moralische
Empfindlichkeit im Menschen zu unterschiedenen Zeiten verschieden ist,
des Morgens stärker als des Abends.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Was man sieht, tut oder liest, suche man immer auf den Grad der
Deutlichkeit zurückzubringen, daß wir wenigstens die gemeinsten
Einwürfe dagegen beantworten können, alsdann läßt es sich zu dem
errichteten Fond unserer Wissenschaft schlagen. Kein streitiges
Vermögen muß je darunter gerechnet werden. Will sich etwas allgemein
angenommenes nicht mit unserem System vereinigen, so fehlen uns
vielleicht noch Grundideen, und Erlernung solcher ist ein großer
Gewinn.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es donnert, heult, brüllt, zischt, pfeift, braust, saust, summet,
brummet, rumpelt, quäkt, ächzt, singt, rappelt, prasselt, knallt,
rasselt, knistert, klappert, knurret, poltert, winselt, wimmert,
rauscht, murmelt, kracht, gluckset, röcheln, klingelt, bläset,
schnarcht, klatscht, lispeln, keuchen, es kocht, schreien, weinen,
schluchzen, krächzen, stottern, lallen, girren, hauchen, klirren,
blöken, wiehern, schnarren, scharren, sprudeln. Diese Wörter und noch
andere, welche Töne ausdrücken, sind nicht bloße Zeichen, sondern eine
Art von Bilderschrift für das Ohr.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Das Zurücktreten von Personen die heftig mit andern zanken kann
zuweilen seinen Grund in einer Furcht vor der eigenen Unenthaltsamkeit
anzeigen. So tritt Apollo beim Homer zurück nachdem er den Diomed der
ihn bekämpfen wollte an seinen unermeßlichen Abstand von Göttern und
an seinen Raupenstand erinnert hat. Iliad. Book V. v. 539 Pope's
Übersetzung.
So spoke the God who darts celestial fires,
He dreads his fury and some steps retires.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Menschliche Philosophie überhaupt ist die Philosophie eines einzelnen
gewissen Menschen durch die Philosophie der andern selbst der
Menschliche Philosophie überhaupt ist die Philosophie eines einzelnen
gewissen Menschen durch die Philosophie der andern selbst der Narren
korrigiert und dieses nach den Regeln einer vernünftigen Schätzung der
Grade der Wahrscheinlichkeit. Sätze worüber alle Menschen
übereinkommen sind wahr, sind sie nicht wahr, so haben wir gar keine
Wahrheit. Andere Sätze für wahr zu halten zwingt uns oft die
Versicherung solcher Menschen, die in der Sache viel gelten, und jeder
Mensch würde das glauben, der sich in eben den Umständen befände, so
bald dieses nicht ist, so ist eine besondere Philosophie und nicht
eine die in dem Rat der Menschen ausgemacht ist, Aberglaube selbst ist
Lokal-Philosophie, er gibt seine Stimme auch.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Weiser werden heißt immer mehr und mehr die Fehler kennen lernen,
denen dieses Instrument, womit wir empfinden und urteilen, unterworfen
sein kann. Vorsichtigkeit im Urteilen ist was heutzutage allen und
jeden zu empfehlen ist, gewönnen wir alle 10 Jahre nur eine
unstreitige Wahrheit von jedem philosophischen Schriftsteller, so wäre
unsere Ernte immer reich genug.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es gibt Menschen, die sogar in ihren Worten und Ausdrücken etwas
Eigenes haben, (die meisten haben wenigstens etwas, das ihnen eigner
ist) da doch Redensarten durch eine lange Mode so und nicht anders
sind, solche Menschen sind allzeit einer Aufmerksamkeit würdig, es
gehört viel Selbstgefühl und Unabhängigkeit der Seele [dazu] bis man
so weit kommt. Mancher fühlt neu und sein Ausdruck womit der dieses
Gefühl andern deutlich machen will ist alt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Den Männern in der Welt haben wir so viel seltsame Erfindungen in der
Dichtkunst zu danken, die alle ihren Grund in dem Erzeugungstrieb
haben, alle die Ideale von Mädchen und dergleichen. Es ist schade, daß
die feurigen Mädchen nicht von den schönen Jünglingen schreiben dürfen
wie sie wohl könnten, wenn es erlaubt wäre. So ist die männliche
Schönheit noch nicht von denjenigen Händen gezeichnet, die sie allein
recht mit Feuer zeichnen könnten. Es ist wahrscheinlich, daß das
Geistige, was ein Paar bezauberte Augen in einem Körper erblicken, der
sie bezaubert hat, ganz von einer andern Art sich den Mädchen in
männlichen Körpern zeigt, als es sich dem Jüngling in weiblichen
Körpern entdeckt.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Es ist zum Erstaunen, wie wenig dasjenige oft, was wir für nützlich
halten, und was auch leicht zu tun wäre, doch von uns getan wird. Die
Begierde, geschwind viel wissen zu wollen, hindert oft die gnauen
Untersuchungen, allein es ist selbst dem Menschen, der dieses weiß,
sehr schwer etwas gnau zu prüfen, da er doch weiß, er kommt auch nicht
zu seinem Endzwecke viel zu lernen, wenn er nicht prüft.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
%
Aus einer Menge von unordentlichen Strichen bildet man sich leicht
eine Gegend, aber aus unordentlichen Tönen keine Musik.
		-- Georg Christoph Lichtenberg
Das Problem ist, daß es eine endlose Zahl weißer Männer, doch nur eine
begrenzte Anzahl von Menschen gibt.
		-- Little Big Man
%
Nichts ist einfacher als beschäftigt zu sein, doch nichts ist schwerer
als effektiv zu sein.
		-- R. Alec Mackenzie
%
Die Sprache, dünkt mich, ist reich, ist überschwenglich reich
im Vergleich mit der Dürftigkeit und Begrenztheit des Lebens.
Der Schmerz hat seine Grenzen: der körperliche in der Ohnmacht,
der seelische im Stumpfsinn, -- es ist mit dem Glück nicht anders!
Das menschliche Mitteilungsbedürfnis aber hat sich Laute erfunden,
die über diese Grenzen hinweglügen.
		-- Thomas Mann, Enttäuschung
%
Militärische Intelligenz ist ein Widerspruch in sich.
		-- Groucho Marx
%
Deutschland ist ein geheimnisvolles Land und muß es auch sein. Wegen
Nostradamus X,31. 
		-- Norbert Marzahn
%
Aufrichtigkeit ist wahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit.
		-- William Sommerset Maugham
%
Man soll dort bleiben, wo man sich glücklich fühlt. Glück ist ein
transportempfindliches Möbelstück.
		-- William Somerset Maugham
%
Es ist unser aller Fehler, daß wir die Worte für wichtiger halten als
die Taten.
		-- André Maurois
%
Das Verhalten von Gates hatte mir bewiesen, daß ich auf ihn und seine
beiden Gefährten nicht rechnen durfte.
		-- Karl May, Winnetou Bd. 3
%
Je älter ich werde desto mehr zweifle ich an der altbekannten Tatsache,
daß das Alter die Weisheit bringt.
		-- H.L. Mencken
%
Gewissen ist die innere Stimme, die uns warnt, daß jemand zuschauen könnte.
		-- H.L. Mencken
%
Wenn es stimmt, daß Zeit Geld ist, ist es jetzt genau 7 Mark und 20 Pfennige
		-- John Ment, Radio Hamburg
%
Gut ist auch das Emporkommen von Linux als Herausforderer von Microsoft.
		-- CDU-Vorsitzende Angela Merkel im Interview mit der "Zeit" vom 4. Mai
%
Je schärfer man die Parteispendengesetze faßt, desto schwerer ist es ja,
sich daran zu halten
		-- CDU-Vorsitzende Angela Merkel
Das sieht der Bundesverband der Berufsverbrecher ähnlich.
  (Anmerkung von Volker Pispers)
%
Es gibt keine Personaldiskussion in der CDU und deshalb wird sie jetzt
auch sofort eingestellt.
		-- CDU-Vorsitzende Angela Merkel bei der Verabschiedung von Ruprecht Polenz
%
Wenn die Katze ein Pferd wäre, könnte man die Bäume hinaufreiten.
		-- Rolf Miller
%
Wer den Himmel auf Erden sucht, hat im Erdkundeunterricht nicht aufgepaßt.
		-- Rolf Miller
%
Zeitknappheit ist die Rache des Wohlstandes.
Die Navacho Indianer kannten 256 Gegenstände.  All unsere Gegenstände
erfordern unsere Zeit, das Resultat ist Hektik und Streß.
		-- Misereor --
%
Wenn sich zwei männliche Wildschweine treffen, gibt es eine Keilerei.
		-- Werner Mitsch
%
Wir wissen wenig und zweifeln an allem.
		-- Robert Mösbauer
%
Die Radfahrer haben eien alten Wunsch der Menschheit verwirklicht:
im Sitzen zu wandern.
		-- Franz Molnar
%
Alkohol ist keine Antwort, aber man vergißt beim Trinken die Frage.
		-- Henry Mon
%
Jedem kann es mal passieren, daß er Unsinn redet, schlimm wird es
erst, wenn er es feierlich tut.
		-- Montaigne
%
Wer Pfefferminztee nachmacht oder verfälscht, nachgemachten oder
verfälschten sich verschafft oder in Umlauf bringt, ist ein Falschminzer.
		-- MTS
%
Zehn Deutsche sind blöder als fünf Deutsche.
		-- Heiner Müller
%
Gut honorierte zornige junge Männer haben große Mühe, zornige junge
Männer zu bleiben.
		-- Malcolm Muggeridge
%
Mit dem Aberglauben ist das so eine Sache. Ich habe noch keinen
Menschen getroffen, der sein 13. Monatsgehalt zurückgegeben hätte.
		-- Fritz Muliar
%
Ich beurteile eine Religion danach, ob seine Anhänger durch sie
bessere Menschen werden oder nicht.
		-- Joe Mullally
%
Die zur Wahrheit wandern, wandern allein.
		-- Christian Morgenstern 
%
Es gibt kaum eine größere Enttäuschung, als wenn Du mit einer recht
großen Freude im Herzen zu gleichgültigen Menschen kommst.
		-- Christian Morgenstern
%
Einander kennenlernen heißt lernen, wie fremd man einander ist.
		-- Christian Morgenstern
%
Die Ameisen oder Emsen
sind so weit jetzt, daß sie Gemsen
sich als Sklaven halten (aus
Gründen ihres Körperbaus).
  Da sie selber sehr viel kleiner,
  so bedienen sie sich einer
  Gemse oder zweier Gemsen
  zu Gebirgspartien, die Emsen.
Ist sodann ein Adlernest
abgesucht bis auf den Rest,
gehn sie endlich, zog der Weih
schon den Ameisbären bei,
  wieder ihm aus Horst und Rock --
  und besteigen ihren Bock,
  der sie, wie ein Stein, der springt,
  heim zu ihrem Hügel bringt.
Angepflöckt, so stehn die Gemsen
In der Nähe dort der Emsen,
bei den Läusen u.s.w.
und verwünschen ihre Reiter.
		-- Christian Morgenstern
%
    Anto-logie
Im Anfang lebte, wie bekannt,
als größter Säuger der Gig-ant.
  Wobei gig eine Zahl ist, die
  es nicht mehr gibt, - so groß war sie!
Doch jene Größe schwand wie Rauch.
Zeit gab's genug -- und Zahlen auch.
  Bis eines Tags, ein winzig Ding,
  der Zwölef-ant das Reich empfing.
Wo blieb sein Reich? Wo blieb er selb?-
Sein Bein wird im Museum gelb.
  Zwar gab die gütige Natur
  den Elef-anten uns dafur.
Doch ach, der Pulverpavian,
der Mensch, voll Gier nach seinem Zahn,
  erschießt ihn, statt ihm Zeit zu lassen,
  zum Zehen-anten zu verblassen.
O »Klub zum Schutz der wilden Tiere«,
hilf, daß der Mensch nicht ruiniere
  die Sprossen dieser Riesenleiter,
  die stets noch weiter führt und weiter!
Wie dankbar wird der Ant dir sein,
läßt du ihn wachsen und gedeihn, --
  bis er dereinst im Nebel hinten
  als Nulel-ant wird stumm verschwinden.

		-- Christian Morgenstern
%
   Bim, Bam, Bum

Ein Glockenton fliegt durch die Nacht,
als hätt' er Vogelflügel,
er fliegt in römischer Kirchentracht
wohl über Tal und Hügel.

Er sucht die Glockontönin BIM,
die ihm vorausgeflogen;
d. h. die Sache ist sehr schlimm,
sie hat ihn nämlich betrogen.

»O komm« so ruft er, »komm, dein BAM
erwartet dich voll Schmerzen.
Komm wieder, BIM, geliebtes Lamm,
dein BAM liebt dich von Herzen!«

Doch BIM, daß ihr's nur alle wißt,
hat sich dem BUM ergeben;
der ist zwar auch ein guter Christ,
allein das ist es eben.

Der BAM fliegt weiter durch die Nacht
wohl über Wald und Lichtung.
Doch, ach, er fliegt umsonst! Das macht,
er fliegt in falscher Richtung.

		-- Christian Morgenstern
%
Bundeslied der Galgenbrüder

O schauerliche Lebenswirrn,
wir hängen hier am roten Zwirn!
Die Unke unkt, die Spinne spinnt,
und schiefe Scheitel kämmt der Wind.

O Greule, Greule, wüste Greule!
Du bist verflucht! so sagt die Eule.
Der Sterne Licht am Mond zerbricht.
Doch dich zerbrach's noch immer nicht.

O Greule, Greule, wüste Greule!
Hört ihr den Ruf der Silbergäule?
Es schreit der Kauz: pardauz! pardauz!
da taut's, da graut's, da braut's, da blaut's!

		-- Christian Morgenstern
%
Die Fingur

Es lacht die Nachtalp-Henne,
es weint die Windhorn-Gans,
es bläst der schwarze Senne
zum Tanz.

Ein Uhu-Tauber turtelt
nach seiner Uhuin.
Ein kleiner Sechs-Elf hurtelt
von Busch zu Busch dahin..

Und Wiedergänger gehen,
und Raben rufen kolk,
und aus den Teichen sehen
die Fingur und ihr Volk...

		-- Christian Morgenstern
%
Fisches Nachtgesang

                                     -
                                    U U
                                    -- -
                                  U U U U
                                    -- -
                                  U U U U
                                    -- -
                                  U U U U
                                    -- -
                                  U U U U
                                    -- -
                                    U U
                                     -

		-- Christian Morgenstern
%
Die beiden Flaschen

Zwei Flaschen stehn auf einer Bank,
die eine dick, die andre schlank.
Sie möchten gerne heiraten.
Doch wer soll ihnen beiraten?

Mit Ihrem Doppel-Auge leiden
sie auf zum blauen Firmament . .
Doch niemand kommt herabgerennt
und kopuliert die beiden.

		-- Christian Morgenstern
%
Galgenbruders Frühlingslied

Es lenzet auch auf unserm Spahn,
o selige Epoche!
Ein Hälmlein will zum Lichte nahn
aus einem Astwurmloche.

Es schaukelt bald im Winde hin
Und schaukelt bald drin her.
Mir ist beinah, Ich wäre wer,
der ich doch nicht mehr bin . .

		-- Christian Morgenstern
%
    Der Gaul
Es lautet beim Professor Stein.
Die Köchin rupft die Hühner.
Die Minna geht: Wer kann das sein? --
Ein Gaul steht vor der Türe.
   Die Minna wirft die Türe zu.
   Die Köchin kommt: Was gibt's denn?
   Das Fräulein kommt im Morgenschuh.
   Es kommt die ganze Familie.
»Ich bin, verzeihn Sie«, spricht der Gaul,
»der Gaul vom Tischler Bartels.
Ich brachte Ihnen dazumaul
die Tür und Fensterrahmen!«
   Die vierzehn Leute samt dem Mops,
   sie stehn, als ob sie träumten.
   Das kleinste Kind tut einen Hops,
   die andern stehn wie Bäume.
Der Gaul, da keiner ihn versteht,
schnalzt bloß mal mit der Zunge,
dann kehrt er still sich ab und geht
die Treppe wieder hinunter.
   Die dreizehn schaun auf lhren Herrn,
   ob er nicht sprechen möchte.
   Das war, spricht der Professor Stein,
   ein unerhörtes Erlebnis!..

		-- Christian Morgenstern
%
Das Gebet

Die Rehlein beten zur Nacht,
hab acht!
Halb neun!
Halb zehn!
Halb elf!
Halb zwölf!
Zwölf!
Dle Rehlein beten zur Nacht,
hab acht!
Sie falten die kleinen Zehlein,
die Rehlein.

		-- Christian Morgenstern
%
Der Gingganz

Ein Stiefel wandern und sein Knecht
von Knickebühl gen Entenbrecht.
Urplötzlich auf dem Felde drauß
begehrt der Stiefel: Zich mich aus!
Der Knecht drauf: Es ist nicht an dem;
doch sagt mir, lieber Herre, -- : wem?
Dem Stiefel gibt es einen Ruck:
Fürwahr, beim heiligen Nepomuk,
ich GING GANZ in Gedanken hin . . .
Du weißt, daß ich ein andrer bin,
seitdem ich meinen Herrn verlor. . .
Der Knecht wirft beide Arm' empor,
als wollt' er sagen: Laß doch, laß!
Und weiter zieht das Paar fürbaß.

		-- Christian Morgenstern
%
Das Hemmed

Kennst du das einsame Hemmed?
Flattertata, flattertata.
Der's trug, ist baß verdämmet!
Flattertata, flattertata.
Es knattert und rattert im Winde.
Windurudei, windurudei.
Es weint wie ein kleines Kinde.
Windurudei, windurudei.
Das ist das einsame
Hemmed.

		-- Christian Morgenstern
%
Himmel und Erde

Der Nachtwindhund weint wie ein Kind,
dieweil sein Fell von Regen rinnt.
Jetzt jagt er wild das Neumondweib,
das hinflicht mit gebognem Leib.
Tief unten geht, ein dunkler Punkt,
querüberfeld ein Forstadjunkt.
		-- Christian Morgenstern
%
  Das Huhn

In der Bahnhofhalle, nicht für es gebaut,
geht ein Huhn
hin und her...
Wo, wo ist der Herr Stationsvorsteh'r?
Wird dem Huhn
man nichts tun?
Hoffen wir es! Sagen wir es laut:
daß ihm unsre Sympathie gehört,
selbst an dieser Stätte, wo es -- ,stört'!
		-- Christian Morgenstern
%
  Die Hystrix

Das hinterindische Stachelschwein
(hystrix grotei Gray),
das hinterindische Stachelschwein
aus Siam, das tut weh.
Entdeckst du wo im Walde drauß
bei Siam seine Spur,
dann tritt es manchmal, sagt man, aus
den Schranken der Natur.
Dann gibt sein Zorn Ihm so Gewalt,
daß, eh' du dich versiehst,
es seine Stacheln jung und alt
auf deinen Leib verschießt.
Von eben bis hinab sodann
stehst du gespickt am Baum,
ein heiliger Sebastian,
und traust den Augen kaum.
Die Hystrix aber geht hinweg,
an Leib und Seele wüst.
Sie sitzt im Dschungel im Versteck
und büßt.
		-- Christian Morgenstern
%
  Igel und Agel

Ein Igel saß auf einem Stein
und blies auf einem Stachel sein.
Schalmeiala, schalmeialü!
Da kam sein Feinslieb Agel
und tat ihm schnigel schnagel
zu seinen Melodein.
Schnigula schnagula
schnaguleia lü!
Das Tier verblies sein Flötenhemd...
»Wie siehst Du aus so furchtbar fremd!?«
Schalmeiala, schalmeialü -- .
Feins Agel ging zum Nachbar, ach!
Den Igel aber hat der Bach
zum Weiher fortgeschwemmt.
Wigula wagula
waguleia wü
tü tü .
		-- Christian Morgenstern
%
  Km 21

Ein Rabe saß auf einem Meilenstein
und rief Ka-em-zwei-ein, Ka-em-zwei-ein..
Der Werhund lief vorbei, im Maul ein Bein,
Der Rabe rief Ka-em-zwei-ein, zwei-ein.
Vorüber zottelte das Zapfenschwein,
der Rabe rief und rief Ka-em-zwei-ein.
»Er ist besessen!« - kam man überein.
»Man führe ihn hinweg von diesem Stein!«
Zwei Hasen brachten ihn zum Kräuterdachs.
Sein Hirn war ganz verstört und weich wie Wachs.
Noch sterbend rief er (denn er starb dort) sein
Ka-em-zwei-ein, Ka-em-Ka-em-zwei-ein . .
		-- Christian Morgenstern
%
  Das Knie

Ein Knie geht einsam durch die Welt.
Es ist ein Knie, sonst nichts!
Es ist kein Baum! Es ist kein Zelt!
Es ist ein Knie, sonst nichts.
Im Kriege ward einmal ein Mann
erschossen um und um.
Das Knie allein blieb unverletzt --
als wär's ein Heiligtum.
Seitdem geht's einsam durch die Welt.
Es ist ein Knie, sonst nichts.
Es ist kein Baum, es ist kein Zelt.
Es ist ein Knie, sonst nichts.
		-- Christian Morgenstern
%
  Das Lied vom blonden Korken

Ein blonder Korke spiegelt sich
In einem Lacktablett --
allein er säh' sich dennoch nich',
selbst wenn er Augen hätt'!
Das macht, dieweil er senkrecht steigt
zu seinem Spiegelbild!
Wenn man ihn freilich seitwärts neigt,
zerfällt, was oben gilt.
O Mensch, gesetzt, du spiegelst dich
Im, sagen wir, -- im All!
Und senkrecht! -- wärest du dann nich'
ganz in demselben Fall?
		-- Christian Morgenstern
%
  Kronprätendenten

-- »Ich bin der Graf von Réaumur
und hass' euch wie die Schande!
Dient nur dem Celsio für und für,
Ihr Apostatenbande!«
Im Winkel König Fahrenheit
hat still sein Mus gegessen.
-- »Ach Gott, sie war doch schön, die Zeit,
die man nach mir gemessen!«
		-- Christian Morgenstern
%
  Das Weiblein mit der Kunkel

Um 'stille Stübel schleicht des Monds
barbarisches Gefunkel --
im Gäßchen hoch im Norden wohnt's,
das Weiblein mit der Kunkel.
Es spinnt und spinnt. Was spinnt es wohl?
Es spinnt und spintisieret...
Es trägt ein weißes Kamisol,
das seinen Körper zieret.
Um stille Stübel schleicht des Monds
barbarisches Gefunkel-
im Gäßchen hoch im Norden wohnt's,
Das Weiblein mit der Kunkel.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Lattenzaun

Es war einmal ein Lattenzaun,
mit Zwischenraum, hindurchzuschaun.
Ein Architekt, der dieses sah,
stand eines Abends plötzlich da --
und nahm den Zwischenraum heraus
und baute draus ein großes Haus.
Der Zaun indessen stand ganz dumm,
mit Latten ohne was herum,
Ein Anblick gräßlich und gemein.
Drum zog ihn der Senat auch ein.
Der Architekt jedoch entfloh
nach Afri -- od -- Ameriko.
		-- Christian Morgenstern
%
Lunovis

Lunovis in planitie stat
Cultrumque magn' expectitat
Lunovis.
Lunovis herba rapta it
In montes, unde cucurrit.
Lunovis.
Lunovis habet somnium:
Se culmen rer' ess' omnium.
Lunovis.
Lunovis mane mortuumst.
Sol ruber atque ips' albumst.
Lunovis.
		-- Christian Morgenstern
%
  Die Mitternachtsmaus

Wenn's mitternächtigt und nicht Mond
noch Stern das Himmelshaus bewohnt,
läuft zwölfmal durch das Himmelshaus
die Mitternachtsmaus.
Sie pfeift auf ihrem kleinen Maul, --
lm Traume brüllt der Höllengaul . . .
Doch ruhig läuft ihr Pensum aus
die Mitternachtsmaus.
Ihr Herr, der große weiße Geist,
ist nämlich solche Nacht verreist.
Wohl ihm! Es hütet ihm sein Haus
die Mitternachtsmaus.
		-- Christian Morgenstern
%
  Möwenlied

Die Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.
Ich schieße keine Möwe tot,
Ich laß sie lieber leben --
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.
O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.
		-- Christian Morgenstern
%
  Mondendinge

Dinge gehen vor im Mond,
die das Kalb selbst nicht gewohnt.
Tulemond und Mondamin
liegen heulend auf den Knien.
Heulend fletschen sie die Zähne
auf der schwefligen Hyäne.
Aus den Kratern aber steigt
Schweigen, das sie überschweigt.
Dinge gehen vor im Mond,
die das Kalb selbst nicht gewohnt.
Tulemond und Mondamin
liegen heulend auf den Knien . . .
		-- Christian Morgenstern
%
  Das Mondschaf

Das Mondschaf steht auf weiter Flur.
Es harrt und harrt der großen Schur.
Das Mondschaf.
Das Mondschaf rupft sich einen Halm
Und geht dann heim auf seine Alm.
Das Mondschaf.
Das Mondschaf spricht zu sich im Traum:
»Ich bin des Weltalls dunkler Raum.«
Das Mondschaf.
Das Mondschaf liegt am Morgen tot.
Sein Leib ist weiß, die Sonn' ist rot.
Das Mondschaf.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Mond

Als Gott den lieben Mond erschuf,
gab er ihm folgenden Beruf:
Beim Zu-sowohl wie beim Abnehmen
sich deutschen Lesern zu bequemen,
ein A formierend und ein Z --
daß keiner groß zu denken hätt'.
Befolgend dies ward der Trabant
ein völlig deutscher Gegenstand.
		-- Christian Morgenstern
%
  Das Nasobém

Auf seinen Nasen schreitet
einher das Nasobém,
von seinem Kind begleitet.
Es steht noch nicht im Brehm.
Es steht noch nicht im Meyer.
Und auch im Brockhaus nicht.
Es trat aus meiner Leyer
zum ersten Mal ans Licht.
Auf seinen Nasen schreitet
(wie schon gesagt) seitdem,
von seinem Kind begleitet,
einher das Nasobém.
		-- Christian Morgenstern
%
  Nein!

Pfeift der Sturm?
Keift ein Wurm?
Heulen
Eulen
hoch vom Turm?
Nein!
Es ist des Galgenstrickes
dickes
Ende, welches ächzte,
glelch als ob
Im Galopp
eine müdgehetzte Mähre
nach dem nächsten Brunnen lechzte
(der vielleicht noch ferne wäre).
		-- Christian Morgenstern
%
  Palmström

Palmström steht an einem Teiche
und entfaltet groß ein rotes Taschentuch:
Auf dem Tuch ist eine Eiche
dargestellt, sowie ein Mensch mit einem Buch.
Palmström wagt nicht sich hineinzuschneuzen, --
er gehört zu jenen Käuzen,
die oft unvermittelt-nackt
Ehrfurcht vor dem Schönen packt.
Zärtlich faltet er zusammen,
was er eben erst entbreitet.
Und kein Fühlender wird ihn verdammen,
weil er unzeschneuzt entschreitet.
		-- Christian Morgenstern
%
  Philanthropisch

Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
wäre besser ohne sie daran;
darum seh' er, wie er ohne diese
(meistens mindstens) leben kann.
Kaum daß er gelegt sich auf die Gräser
naht der Ameis, Heuschreck, Mück und Wurm,
naht der Tausendfuß und Ohrenbläser,
und die Hummel ruft zum Sturm.
Ein nervöser Mensch auf einer Wiese
tut drum besser, wieder aufzustehn
und dafür in andre Paradiese
(beispielshalber: weg) zu gehn.
		-- Christian Morgenstern
%
  Die Probe

Zu einem seltsamen Versuch
erstand ich mir ein Nadelbuch.
Und zu dem Buch ein altes zwar,
doch äußerst kühnes Dromedar.
Ein Reicher auch daneben stand,
zween Säcke Gold in jeder Hand.
Der Reiche ging alsdann herfür
und klopfte an die Himmelstür
Drauf Petrus sprach: »Geschrieben steht,
daß ein Kamel weit eher geht
durchs Nadelöhr, als Du, du Heid
durch diese Türe groß und breit!«
Ich, glaubend fest an Gottes Wort,
ermunterte das Tier sofort,
Ihm zeigend hinterm Nadelöhr
ein Zuckerhörnchen als Douceur.
Und in der Tat! Das Vieh ging durch,
obzwar sich quetschend wie ein Lurch!
Der Reiche aber sah ganz stier
und sagte nichts als: Wehe mir!
		-- Christian Morgenstern
%
  Das Problem

Der Zwölf-Elf kam auf sein Problem
und sprach: Ich heiße unbequem.
Als hieß' ich etwa Drei-Vier
statt Sieben -- Gott verzeih mir!
Und siche da, der Zwölf-Elf nannt' sich
von jenem Tag ab Dreiundzwanzig.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der heroische Pudel

Ein schwarzer Pudel, dessen Haar
des abends noch wie Kohle war,
betrübte sich so höllenheiß,
weil seine Dame Flügel spielte,
trotzdem er heulte; daß (o Preis
dem Schmerz, der solchen Sieg erzielte!)
er beim Gekräh der Morgenhähne
aufstand als wie ein hoher Greis --
mit einer silberweißen Mähne.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Purzelbaum

Ein Purzelbaum trat vor mich hin
und sagte: »Du nur siehst mich
und weißt, was für ein Baum ich bin:
Ich schieße nicht, man schießt mich.
Und trag' ich Frucht? Ich glaube kaum;
auch bin ich nicht verwurzelt.
Ich bin nur noch ein Purzeltraum,
sobald ich hingepurzelt.«
Jenun, so sprach ich, bester Schatz,
du bist doch klug und siehst uns; --
nun, auch für uns besteht der Satz:
wir schießen nicht, es schießt uns.
Auch Wurzeln treibt man nicht so bald,
und Früchte nun erst recht nicht.
Geh heim in deinen Purzelwald,
und lästre dein Geschlecht nicht.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Rabe Ralf

Der Rabe Ralf
will will hu hu
dem niemand half
still still du du
half sich allein
am Rabenstein
will will still still
hu hu
Die Nebelfrau
will will hu hu
nimmt's nicht genau
still still du du
sie sagt nimm nimm
's ist nicht so schlimm
will will still still
hu hu
Doch als ein Jahr
will will hu hu
vergangen war
still still du du
da lag im Rot
der Rabe tot ,
will will still still
du du
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Schaukelstuhl
  auf der verlassenen Terrasse.

»Ich bin ein einsamer Schaukelstuhl
und wackel im Winde, im Winde.
Auf der Terrasse, da ist es kuhl,
und ich wackel im Winde, im Winde.
Und ich wackel und nackel den ganzen Tag.
Und es nackelt und rackelt die Linde
Wer weiß, was sonst wohl noch wackeln mag
		-- Christian Morgenstern
%
  Unter Schwarzkünstlern

Eines Mittags las man:
»Pfiffe zu mieten gesucht!
Hundertweis, zu jedem Preis!
Victor Emanuel Wasmann!«
Um sechs Uhr kam der erste Pfiff
von einem alten Kohlenschiff.
Um acht Uhr waren's tausend schon.
Um neun Uhr eine halbe Million.
Victor Emanuel Wasmann schlug
die Türe zu: Nun ist's genug!
Hört zu, ihr Pfiffe!
Ich habe einen Feind (hört! hört!),
der mir des nachts die Ruhe stört,-
auf den sollt ihr marschieren!
Er hat Gelächter angestellt,
die schickt er nachts mir an mein Bett,
da hocken sie auf der Decke,
mit Flügeln weiß und Flügeln rot,
und krähn und flattern mich zu Tod. --
Doch alles hat sein Ende.
Die Pfiffe pfiffen wie Ein Mann;
empfingen ihren Sold sodann.
(Ein Schusterjungenpfiff sogar
bot Wasmann sich als Bravo dar.)
Drauf ließ er sie durchs Ofenloch..
Doch lange stand er brütend noch,
schrieb Zeichen, hob die Hand und schwur,
ein schwarzer Meister der Natur..
*
Bald nach diesem ging
ein Herr Axel Ring
kurzerhand
außer Land. --
Wasmann hatte gesiegt.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Seufzer

Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis
und trämte von Liebe und Freude.
Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß
glänzten die Stadtwallgebäude.
Der Seufzer dacht' an ein Maidelein
und blieb erglühend stehen.
Da schmolz die Eisbahn unter ihm --
und er sank -- und ward nimmer gesehen.
		-- Christian Morgenstern
%
  Galgenbruders Lied an Sophie, die Henkersmaid

Sophie, mein Henkersmädel,
komm, küsse mir den Schädel!
Zwar ist mein Mund
ein schwarzer Schlund --
doch du bist gut und edel!
Sophie, mein Henkersmädel,
komm, streichle mir den Schädel!
Zwar ist mein Haupt
des Haars beraubt --
doch du bist gut und edel!
Sophie, mein Henkersmädel,
komm, schau mir in den Schädel!
Die Augen zwar,
sie fraß der Aar --
doch du bist gut und edel!
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Tanz

Ein Vierviertelschwein und eine Auftakteule
trafen sich im Schatten einer Säule,
die im Geiste Ihres Schöpfers stand.
Und zum Spiel der Fiedelbogenpflanze
reichten sich die zwei zum Tanze
Fuß und Hand.
Und auf seinen dreien rosa Beinen
hüpfte das Vierviertelschwein graziös,
und die Auftakteul' auf ihrem einen
wiegte rhythmisch ihr Gekrös.
Und der Schatten fiel,
und der Pflanze Spiel
klang verwirrend melodiös.
Doch des Schöpfers Hirn war nicht von Eisen,
und die Säule schwand, wie sie gekommen war;
und so mußte denn auch unser Paar
wieder in sein Nichts zurücke reisen.
Einen letzten Strich
tat der Geigerich-
und dann war nichts weiter zu beweisen.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Traum der Magd

Am Morgen spricht die Magd ganz wild:
Ich hab heut nacht ein Kind gestillt --
ein Kind mit einem Käs als Kopf --
und einem Horn am Hinterschopf!
Das Horn, o denkt euch, war aus Salz
und ging zu essen, und dann --
»Halt's --
halt's Maul!« so spricht die Frau, »und geh
an deinen Dienst, Zä-zi-li-é!«
		-- Christian Morgenstern
%
                                Die Trichter
                                      
                   Zwei Trichter wandeln durch die Nacht.
                    Durch ihres Rumpfs verengten Schacht
                          fließt weißes Mondlicht
                              still und heiter
                                 auf ihren
                                  Waldweg
                                   U. S.
                                     W.
		-- Christian Morgenstern
%
  Unter Zeiten

Das Perfekt und das Imperfekt
tranken Sekt.
Sie stießen aufs Futurum an
(was man wohl gelten lassen kann).
Plusquamper und Exaktfutur
blinzten nur.
		-- Christian Morgenstern
%
  Geiß und Schleiche

Die Schleiche singt ihr Nachtgebet,
die Waldgeiß staundend vor ihr steht.
Die Waldgeiß schüttelt ihren Bart,
wie ein Magister Hochgelahrt.
Sie weiß nicht, was die Schleiche singt,
sie hört nur, daß es lieblich klingt.
Die Schleiche fällt in Schlaf alsbald.
Die Geiß geht sinnend durch den Wald.
		-- Christian Morgenstern
%
       Der Werwolf
Ein Werwolf eines Nachts entwich
von Weib und Kind und sich begab
an eines Dorfschullehrers Grab
und bat ihn: Bitte, beuge mich!
  Der Dorfschulmeister stieg hinauf
  auf seines Blechschilds Messingknauf
  und sprach zum Wolf, der seine Pfoten
  geduldig kreuzte vor dem Toten:
»Der Werwolf« -- sprach der gute Mann,
»des Weswolfs«, Genitiv sodann,
»dem Wemwolf«, Dativ, wie man's nennt,
»den Wenwolf«, -- »damit hat's ein End«.
  Dem Werwolf schmeichelten die Fälle,
  er rollte seine Augenbälle.
  Indessen, bat er, füge doch
  zur Einzahl auch die Mehrzahl noch!
Der Dorfschulmeister aber mußte
gestehn, daß er von ihr nichts wußte.
Zwar Wölfe gäb's in großer Schar,
doch »Wer« gäb's nur im Singular.
  Der Wolf erhob sich tränenblind --
  er hatte ja doch Weib und Kind!!
  Doch da er kein Gelehrter eben,
  so schied er dankend und ergeben.

		-- Christian Morgenstern
%
       Die Werwölfe

Doch als er so nach Hause kam
ward seine Frau mit ihm ganz gram.
'Was!', rief sie aus, 'die Mehrzahl fehlt?
Das kann nicht sein! Wie mich das quält!
  Du hast den falschen Mann gefragt,
  der dumm geblieben bis in's Grab.
  Sofort zurück zum nächsten Ort,
  erneut gefragt und dann Rapport!'
Der Werwolf also schlich bekümmert
erneut zum Fridhof als es dämmert.
Dort findet er nach langem Suchen
das Grab von Meister Konrad Duden.
  Verneigt sich dort und bittet höflich
  um Beugung seiner Frau (falls möglich).
  Und auch sein Kind. - Sie all'mit Bangen
  nach Beugung Plural sie verlangen.
Zunächst Herr Duden ist empört,
im Grabe fühlt er sich gestört.
Doch als er das Problem vernommen,
ist Mitleid über ihn gekommen.
  Er legt die blasse Stirn in Falten,
  wirkt freundlich, nicht mehr ungehalten
  und spricht nach kurzer Überlegung
  (nicht ohne innere Erregung):
'Sag'deinem Weib und deinem Kind,
wo drei Werwölf zusammen sind
und Beugung aller drei erbeten,
ein Plural ist wie folgt vonnöten:
  Die Werwölfe', hob er dann an,
  'der Weswölfe, die folgen dann.
  Den Wemwölfen - man sieht sie selten,
  die Wenwölfe, als Spuk sie gelten.'
Der Werwolf dankte hocherfreut
und rannte heim zu seiner Meut'.
Und seitdem feiern jedes Jahr
die Werwölfe auch im Plural.

		-- Udo Bahntje (Nachfahre Christian Morgensterns zu dessen Werwolf)
%
  Die Weste

Es lebt in Süditalien eine Weste
an einer Kirche dämmrigem Altar.
Versteht mich recht: Noch dient sie Gott aufs beste.
Doch wie in Adam schon Herr H&alig;ckel war,
(zum Beispiel bloß), so stockt in diesem Reste
Brokat voll Silberblümlein wunderbar
schon heut der krause Übergang verborgen
vom Geist von gestern auf den Wanst von morgen.
		-- Christian Morgenstern
%
  Die Westküsten

Die Westküsten traten eines Tages zusammen
und erklärten, sie seien keine Westküsten,
weder Ostküsten noch Westküsten-
»daß sie nicht wüßten!«
Sie wollten wieder ihre Freiheit haben
und für immer das Joch des Namens abschütteln,
womit eine Horde von Menschenbütteln
sich angemaßt habe, sie zu begaben.
Doch wie sich befreien, wie sich erretten
aus diesen widerwärtigen Ketten?
Ihr Westküsten, fing eine an zu spotten,
gedenkt ihr den Menschen etwan auszurotten?
Und wenn schon! rief eine andre schrill.
Wenn ich seine Magd nicht mehr heißen will? --
Dann blieben aber immer noch die Atlanten --
meinte eine von den asiatischen Tanten.
Schließlich, wie immer in solchen Fällen,
tat man eine Resolution aufstellen.
FünfhundertTintenfische wurden aufgetrieben,
und mit ihnen wurde folgendes geschrieben;
Wir Westküsten erklären hiermit einstimmig,
daß es uns nicht gibt, und zeichnen hoch-achtungsvoll:
Die vereinigten Westktüsten der Erde.-
Und nun wollte man, daß dies verbreitet werde.
Sie riefen den Walfisch, doch er tat's nicht achten;
sie riefen die Möwen, doch die Möwen lachten;
sie riefen die Wolke, doch die Wolke vernahm nicht;
sie riefen ich weiß nicht was, doch ich weiß nicht was kam nicht
Ja, wieso denn, wieso? schrie die Küste von Ecuador:
Wärst du etwa kein Walfisch, du grober Tor?
Sehr richtig, sagte der Walfisch mit vollkommener Ruh:
Dein Denken, liebe Küste, dein Denken macht mich erst dazu.
Da war's den Küsten, als säh'n sie sich im Spiegel;
ganz seltsam erschien ihnen plötzlich Ihr Gewiegel.
Still schwammen sie heim, eine jede nach ihrem Land.
Und die Resolution, die blieb unversandt.
		-- Christian Morgenstern
%
  Das
ästhetische
Wiesel

Ein Wiesel
saß auf einem Kiesel
Inmitten Bachgeriesel.
Wißt ihr
weshalb?
Das Mondkalb
verriet es mir
Im Stillen:
Das raffinier-
te Tier
tat's um des Reimes willen.
		-- Christian Morgenstern
%
  Der Würfel

Ein Würfel sprach zu sich: Ich bin
mir selbst nicht völlig zum Gewinn!
Denn meines Wesens sechste Seite,
und sei es auch Ein Auge bloß
sieht immerdar statt in die Weite,
der Erde ewig dunklen Schoß.
Als dies die Erde, drauf er ruhte,
vernommen, ward ihr schlimm zu Mute.
Du Esel, sprach sie, ich bin dunkel,
weil dein Gesäß mich just bedeckt!
Ich bin so licht wie ein Karfunkel,
sobald du dich hinweggefleckt.
Der Würfel, innerlichst beleidigt,
hat sich nicht weiter drauf verteidigt.
		-- Christian Morgenstern
%
  Die Beichte des Wurms

Es lebt in einer Muschel
ein Wurm gar seltner Art;
der hat mir mit Getusches
sein Herze offenbart.
Sein armes kleines Herze,
hei, wie das flog und schlug!
Ihr denket wohl, ich scherze?
Ach, denket nicht so klug.
Es lebt in einer Muschel
ein Wurm gar seltner Art;
der hat mir mit Getuschel.
sein Herze offenbart.
		-- Christian Morgenstern
%
  Die zwei Wurzeln

Zwei Tannenwurzeln groß und alt
unterhalten sich im Wald.
Was droben in den Wipfeln rauscht,
das wird hier unten ausgetauscht.
Ein altes Eichhorn sitzt dabei
und strickt wohl Strümpfe für die zwei.
Die eine sagt: knig. Die andre sagt: knag.
Das ist genug für einen Tag.
		-- Christian Morgenstern
%
       Der Zwölf-Elf
Der Zwölf-Elf hebt die linke Hand:
Da schlägt es Mitternacht im Land.
Es lauscht der Teich mit offnem Mund
Ganz leise heult der Schluchtenhund.
Die Dommel reckt sich auf im Rohr
Der Moosfrosch lugt aus seinem Moor.
Der Schneck horcht auf in seinem Haus
Desglelchen die Kartoffelmaus.
Das Irrlicht selbst macht Halt und Rast
auf einem windgebrochnen Ast-
Sophie, die Maid, hat ein Gesicht:
Das Mondschaf geht zum Hochgericht.
Die Galgenbrüder wehn im Wind.
Im fernen Dorfe schreit ein Kind.
Zwei Maulwürf küssen sich zur Stund
als Neuvermählte auf den Mund.
Hingegen tief im finstern Wald
ein Nachtmahr seine Fäuste ballt:
Dieweil ein später Wanderstrumpf
sich nicht verlief in Teich und Sumpf.
Der Rabe Ralf ruft schaurig: »Kra!
Das End ist da! Das End ist da!«
Der Zwölf-Elf senkt die linke Hand:
Und wieder schläft das ganze Land.
		-- Christian Morgenstern
%
      Der Glaube
Eines Tags bei Kohlhasficht
sah man etwas Wunderbares.
Doch daß zweifellos und wahr es,
dafür bürgt das Augenlicht.
  Nämlich standen dort zwei Hügel,
  höchst solid und wohl bestellt;
  einen schmückten Windmühlflügel
  und den andern ein Kornfeld.
Plötzlich eines Tags um viere
wechselten die Plätze sie;
furchtbar brüllten die Dorfstiere,
und der Mensch fiel auf das Knie.
  Doch der Bauer Anton Metzer,
  weit berühmt als frommer Mann,
  sprach: »Ich war der Landumsetzer,
  zeigt mich nur dem Landrat an.
Niemand anders als mein Glaube
hat die Berge hier versetzt.
Daß sich keiner was erlaube:
Denn ich fühle stark mich jetzt.«
  Aller Auge stand gigantisch
  offen, als er dies erzählt.
  Doch das Land war protestantisch,
  und in Dalldorf starb ein Held.
 
		-- Christian Morgenstern
%
   Gruselett

Der Flügelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert,
und grausig gutzt der Golz.

		-- Christian Morgenstern
%
    Die Kugeln

Palmström nimmt Papier aus seinem Schube.
Und verteilt es kunstvoll in der Stube.

Und nachdem er Kugeln draus gemacht.
Und verteilt es kunstvoll, und zur Nacht.

Und verteilt die Kugeln so (zur Nacht),
daß er, wenn er plötzlich nachts erwacht,

daß er, wenn er nachts erwacht, die Kugeln
knistern hört und ihn ein heimlich Grugeln

packt (daß ihn dann nachts ein heimlich Grugeln
packt) beim Spuk der packpapiernen Kugeln ...

		-- Christian Morgenstern
%
    Der Schnupfen

Ein Schnupfen hockt auf der Terasse,
auf daß er sich ein Opfer fasse

- und stürzt alsbald mit großem Grimm
auf einen Menschen namens Schrimm.

Paul Schrimm erwidert prompt: "Pitschü!"
und hat ihn drauf bis Montag früh.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Elster

Ein Bach, mit Namen Elster, rinnt
durch Nacht und Nebel und besinnt
inmitten dieser stillen Handlung
sich seiner einstigen Verwandlung,
die ihm vor mehr als tausend Jahren
von einem Magier widerfahren.

Und wie so Nacht und Nebel weben,
erwacht in ihm das alte Leben,
Er fährt in eine in der Nähe
zufällig eingeschlafene Krähe
und fliegt, dieweil sein Bett verdorrt,
wie dermaleinst als Vogel fort.

		-- Christian Morgenstern
%
  Entwurf zu einem Trauerspiele

Ein Fluß, namens Elster,
besinnt sich auf seine wahre Gestalt
und fliegt eines Abends
einfach weg.

Ein Mann, namens Anton,
erblickt ihn auf seinem Acker und schießt
ihn mit seiner Flinte
einfach tot.

Das Tier, namens Elster,
bereut zu spät seine selbstische 'Tat
(denn - Wassersnot tritt
einfach ein).

Der Mann, namens Anton,
(und das ist leider kein Wunder) weiß
von seiner Mitschuld
einfach nichts.

Der Mann, namens Anton,
(und das versöhnt in einigem Maß)
verdurstet gleichwohl
einfach auch.

		-- Christian Morgenstern
%
  Es ist Nacht

Es ist Nacht,
und mein Herz kommt zu dir,
hält's nicht aus,
hält's nicht aus mehr bei mir.

Legt sich dir auf die Brust,
wie ein Stein,
sinkt hinein,
zu dem deinen hinein.

Dort erst,
dort erst kommt es zur Ruh,
liegt am Grund
seines ewigen Du.

		-- Christian Morgenstern
%
  Gespenst

Es gibt ein Gespenst,
das frißt Taschentücher;
Es begleitet dich
auf deiner Reise,
es frißt dir aus dem Koffer,
aus dem Bett,
aus dem Nachttisch,
wie ein Vogel
aus der Hand,
vieles weg, -
nicht alles, nicht auf ein Mal.
Mit achtzehn Tüchern,
stolzer Segler,
fuhrst du hinaus
aufs Meer der Fremde,
mit acht bis sieben
kehrst du zurück,
ein Gram der Hausfrau.

		-- Christian Morgenstern
%
  Gruselett

Der Flügelflagel gaustert
durchs Wiruwaruwolz,
die rote Fingur plaustert,
und grausig gutzt der Golz.

		-- Christian Morgenstern
%
  Palmström legt des Nachts sein Chronometer

Palmström legt des Nachts sein Chronometer,
um sein lästig Ticken nicht zu hören,
in ein Glas mit Opium oder Äther.

Morgens ist die Uhr dann ganz 'herunter'.
Ihren Geist von neuem zu beschwören,
wäscht er sie mit schwarzem Mokka munter.

		-- Christian Morgenstern
%
  Zäzilie

Zäzilie soll die Fenster putzen,
sich selbst zum Gram, jedoch dem Haus zum Nutzen.

"Durch meine Fenster muß man," spricht die Frau,
"so durchsehn können, daß man nicht genau,
erkennen kann, ob dieser Fenster Glas
Glas oder bloße Luft ist. Merk dir das."
Zäzilie ringt mit allen Menschen-Waffen ...
Doch Ähnlichkeit mit Luft ist nicht zu schaffen.
Zuletzt ermannt sie sich mit einem Schrei -
und schlägt die Fenster allesamt entzwei!
Dann säubert sie die Rahmen von den Resten,
und ohne Zweifel ist es so am besten.
Sogar die Dame spricht zunächst verdutzt:
"So hat Zäzilie ja noch nie geputzt"

Doch alsobald ersieht man, was geschehn,
und sagt einstimmig: "Diese Magd muß gehn!"

		-- Christian Morgenstern
%
  Auf dem Fliegenplaneten

Auf dem Fliegenplaneten,
da geht es dem Menschen nicht gut:
Denn was er hier der Fliege,
die Fliege dort ihm tut.

An Bändern voll Honig kleben
die Menschen dort allesamt,
und andere sind zum Verleben
in süßliches Bier verdammt.

In einem nur scheinen die Fliegen
dem Menschen vorauszustehn:
Man bäckt uns nicht in Semmeln,
noch trinkt man uns aus Versehn.

		-- Christian Morgenstern
%
Der Träumer

Palmström stellt ein Bündel Kerzen
auf des Nachttischs Marmorplatte
und verfolgt es beim Zerschmelzen.

Seltsam formt es ein Gebirge
aus herabgefloßner Lava,
bildet Zotteln, Zungen, Schnecken.

Schwankend über dem Gerinne
stehn die Dochte mit den Flammen
gleichwie goldene Zypressen.

Auf den weißen Märchenfelsen
schaut des Träumers Auge Scharen
unverzagter Sonnenpilger.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Enten laufen Schlittschuh

Die Enten laufen Schlittschuh
auf ihrem kleinen Teich.
Wo haben sie denn die Schlittschuh her -
sie sind doch gar nicht reich?

Wo haben sie denn die Schlittschuh her?
Woher? Vom Schlittschuhschmied!
Der hat sie ihnen geschenkt, weißt du,
für ein Entenschnatterlied.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Nabelschnur

Auch der Kaufmann hier in Babel
ist ein heimlicher Feldwabel,
treibt's in seinen Auslagscheiben,
wie's die Tempelhofer treiben,
  läßt die Waren aufmarschieren,
  sich in Reih und Glied formieren,
  rechts Console, links Console,
  mittendrin Tablett mit Bowle.
Weiter vorn am Rand der Rampe
links ne Lampe, rechts ne Lampe.
Oben in der Mitte Gips
und im Halbkreis unten Nippes.
  Steht so alles stramm gefüget,
  hat er seiner Pflicht genüget
  und beim Zwölfuhr-Wache-Schritt
  klirn sein Fenster lustig mit.
Ja, es trägt in diesem Babel
jeder noch die Schnur am Nabel,
welche zu dem Korporal
führt von anno dazumal.

		-- Christian Morgenstern
%
  Das Polizeipferd

Palmström führt ein Polizeipferd vor.
Dieses wackelt mehrmals mit dem Ohr
und berechnet den ertappten Tropf
logarhythmisch und auf Spitz und Knopf.

Niemand wagt von nun an einen Streich:
denn der Gaul berechnet ihn sogleich.
Offensichtlich wächst im ganzen Land
menschliche Gesittung und Verstand.

		-- Christian Morgenstern
%
  Von dem großen Elefanten

Kennst du den großen Elefanten,
du weißt, den Onkel von den Tanten,
den ganz ganz großen, weißt du, der -
der immer so macht, hin und her.

Der läßt dich nämlich vielmals grüßen,
er hat mit seinen eignen Füßen
hineingeschrieben in den Sand:
Grüß mir Sophiechen Windelband!

Du darfst mir ja nicht drüber lachen.
Wenn Elefanten so was machen,
so ist dies selten, meiner Seel!
Weit seltner als bei dem Kamel.

		-- Christian Morgenstern
%
  Der Sperling und das Känguruh

In seinem Zaun das Känguruh -
es hockt und guckt dem Sperling zu.

Der Sperling sitzt auf dem Gebäude -
doch ohne sonderliche Freude.

Vielmehr, er fühlt, den Kopf geduckt,
wie ihn das Känguruh beguckt.

Der Sperling sträubt den Federflaus -
die Sache ist auch gar zu kraus.

Ihm ist, als ob er kaum noch säße . . .
Wenn nun das Känguruh ihn fräße?!

Doch dieses dreht nach einer Stunde
den Kopf aus irgend einem Grunde,

vielleicht auch ohne tiefern Sinn,
nach einer andern Richtung hin.

		-- Christian Morgenstern
%
  Das Auge der Maus

Das rote Auge einer Maus
lugt aus dem Loch heraus.

Es funkelt durch die Dämmerung . . .
Das Herz gerät in Hämmerung.

"Das Herz von wem?" Das Herz von mir!
Ich sitze nämlich vor dem Tier.

O Seele, denk an diese Maus!
Alle Dinge sind voll Graus.

		-- Christian Morgenstern
%
  Nachtbild

Es horcht ein Hofhund hinterm Zaun -
("Achtung! Hunde!")
Es horcht ein Hofhund hinterm Zaun
zur mitternächtigen Stunde.
Mit glühenden Augen steht der Hund
an einem Möbelwagen . . .
Der Mensch ist fort. Die Nacht ist rund
mit Sternen ausgeschlagen.

		-- Christian Morgenstern
%
  Kleine Geschichte

Litt einst ein Fähnlein große Not,
halb war es gelb, halb war es rot
und wollte gern zusammen
zu einer lichten Flammen.

Es zog sich, wand sich, wellte sich,
es knitterte, es schnellte sich -
umsonst! es mocht nicht glücken,
die Naht zu überbrücken.

Da kam ein Wolkenbruch daher
und wusch das Fähnlein kreuz und quer,
daß Rot und Gelb, zerflossen,
voll Inbrunst sich genossen.

Des Fähnleins Herren freilich war
des Vorgangs Freudigkeit nicht klar -
indes, die sich besaßen,
nun alle Welt vergaßen.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die zwei Parallelen

Es gingen zwei Parallelen
ins Endlose hinaus,
zwei kerzengerade Seelen
und aus solidem Haus.
  Sie wollten sich nicht schneiden
  bis an ihr seliges Grab:
  Das war nun einmal der beiden
  geheimer Stolz und Stab.
Doch als sie zehn Lichtjahre
gewandert neben sich hin,
da wards dem einsamen Paare
nicht irdisch mehr zu Sinn.
  Warn sie noch Parallelen?
  Sie wußtens selber nicht, -
  sie flossen nur wie zwei Seelen
  zusammen durch ewiges Licht.
Das ewige Licht durchdrang sie,
da wurden sie eins in ihm;
die Ewigkeit verschlang sie
als wie zwei Seraphim.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die drei Spatzen

In einem leeren Haselstrauch,
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
und mittendrin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und obendrüber, da schneit es, hu!

Sie rücken zusammen dicht an dicht,
so warm wie Hans hat's niemand nicht.

Sie hör'n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

		-- Christian Morgenstern
%
  Der Ästhet

Wenn ich sitze, will ich nicht
sitzen, wie mein Sitz-Fleisch möchte,
sondern wie mein Sitz-Geist sich,
säße er, den Stuhl sich flöchte.

Der jedoch bedarf nicht viel,
schätzt am Stuhl allein den Stil,
überläßt den Zweck des Möbels
ohne Grimm der Gier des Pöbels.

		-- Christian Morgenstern
%
  Mägde am Sonnabend

Sie hängen sie an die Leiste,
die Teppiche klein und groß,
sie hauen, sie hauen im Geiste
auf ihre Herrschaft los.

Mit einem wilden Behagen,
mit wahrer Berserkerwut,
für eine Woche voll Plagen
kühlen sie sich den Mut.

Sie hauen mit splitternden Rohren
im infernalischen Takt.
Die vorderhäuslichen Ohren
nehmen davon nicht Akt.

Doch hinten jammern, zerrissen
im Tiefsten, von Hieb und Stoß,
die Läufer, die Perserkissen
und die dicken deutschen Plumeaus.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Vogelscheuche

Die Raben rufen: "Krah, krah, krah!
Wer steht denn da, wer steht denn da?
Wir fürchten uns nicht, wir fürchten uns nicht
vor dir mit deinem Brillengesicht.

Wir wissen ja ganz genau,
du bist nicht Mann, du bist nicht Frau.
Du kannst ja nicht zwei Schritte gehn
und bleibst bei Wind und Wetter stehn.

Du bist ja nur ein bloßer Stock,
mit Stiefeln, Hosen, Hut und Rock.
Krah, krah, krah!"

		-- Christian Morgenstern
%
  Das Geierlamm

Der Lämmergeier ist bekannt,
das Geierlamm erst hier genannt.

Der Geier, der ist offenkundig,
das Lamm hingegen untergrundig.

Es sagt nicht hu, es sagt nicht mäh
und frißt dich auf aus nächster Näh.

Und dreht das Auge dann zum Herrn.
Und alle habens herzlich gern.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Windhosen

Beim Windhosenschneider Amorf
erstehen sich Palmström und Korf
zwei Windbeinkleider aus best-
empfohlenem Nordnordwest.

So angetan wirbeln sie quer
und kreuz über Festland und Meer
und fassen die Schurken beim Schopf
und lassen die Guten beim Topf.

Der Wetterwart schaut sie und stutzt:
Zum ersten Mal sieht er verdutzt,
was sonst rein phänomenal,
im Dienst einer klaren Moral.

		-- Christian Morgenstern
%
  Fips

Ein kleiner Hund mit Namen Fips
erhielt vom Onkel einen Schlips
aus gelb und roter Seide.

Die Tante aber hat, o denkt,
ihm noch ein Glöcklein drangehängt
zur Aug- und Ohrenweide.

Hei, war der kleine Hund da stolz.
Das merkt sogar der Kaufmann Scholz
im Hause gegenüber.

Den grüßte Fips sonst mit dem Schwanz;
jetzt ging er voller Hoffart ganz
an seiner Tür vorüber.

		-- Christian Morgenstern
%
  Der Papagei

Es war einmal ein Papagei,
der war beim Schöpfungsakt dabei
und lernte gleich am rechten Ort
des ersten Menschen erstes Wort.

Des Menschen erstes Wort war A
und hieß fast alles, was er sah,
z. B. Fisch, z. B. Brot,
z. B. Leben oder Tod.

Erst nach Jahrhunderten voll Schnee
erfand der Mensch zum A das B
und dann das L und dann das Q
und schließlich noch das Z dazu.

Gedachter Papagei indem
ward älter als Methusalem,
bewahrend treu in Brust und Schnabel
die erste menschliche Vokabel.

Zum Schlusse starb auch er am Zips.
Doch heut noch steht sein Bild in Gips,
geschmückt mit einem grünen A,
im Staatsschatz zu Ekbatana.

		-- Christian Morgenstern
%
      Bahn frei!
Nur müßt ihr mich nicht halten wollen,
wenn die Rosse der Phantasie
vor meiner Geißel dahinrasen!
Wehe dem Schurken,
der mir in die Zügel fällt, -
siebenmal schleif ich ihn
um den Bezirk
meiner Welt.
Wehe vor allem dem Rezensenten,
der mir
mit höchst ungriechischem Feuer
den Weg bedräut.
Meine Peitsche ist länger noch
als seine Ohren,
von stärkerem Leder
als seine Hirnhaut,
die Schnur noch gespaltner
als seine Zunge.
Bahn frei!
Kurz ist zur Fahrt die Zeit.
Springt mit herauf,
wenn's euch lüstet!
Tausend gewähr ich Platz,
hier an den Mähnen,
hier an den Schweifen,
hier auf den Rücken der Rosse,
und hier oben bei mir
auf dem Wagen
weiteren tausend.
Herauf, Freunde!
Sturm um die Stirn,
Sonnen im Aug,
so laßt uns jauchzend
die tausendundein Weltwege
durchbrausen.
		-- Christian Morgenstern
%
  Die wirklich praktischen Leute

Es kommen zu Palmström heute
die wirklich praktischen Leute,
  die wirklich auf allen Zehen
  im wirklichen Leben stehen.
Sie klopfen ihm auf den Rücken
und sind in sehr vielen Stücken -
  so sagen sie - ganz die Seinen.
  Doch wer, der mit beiden Beinen
im wirklichen Leben stände,
der wüßte doch und befände,
  wie viel, so gut auch der Wille,
  rein idealistische Grille.
Sie schütteln besorgt die Köpfe
und drehn ihm vom Rock die Knöpfe
  und hoffen zu postulieren:
  er wird auch einer der Ihren,
ein Glanzstück erlesenster Sorte,
ein Bürger, mit einem Worte.

		-- Christian Morgenstern
%
  Herr Meier

Herr Meier hält sich für das Maß der Welt.
Verständlich ist allein, was ihm erhellt.

Herr Meier sagt, wozu doch eure Kunst,
wenn nicht für mich! Sonst ist sie eitel Dunst.

Noch mehr, bei weitem mehr: Herr Meier meint,
daß dann die Kunst im Grunde sträflich scheint.

Man muß sich eiligst von Herrn Meier wenden,
um nicht mit Mord und Raserei zu enden.

		-- Christian Morgenstern
%
  Wenn von links mich Feld und Dickicht riefe
und von rechts der Mensch der "bessern Kreise" -

zög ich meinen Hut in aller Tiefe
und begäbe mich zu Fuchs und Meise.

Denn was dort nicht dumm ist, ist verbogen.
Deutsche Bürgerwelt, du bist verlogen.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Behörde

Korf erhält vom Polizeibüro
ein geharnischt Formular,
wer er sei und wie und wo.
  Welchen Orts er bis anheute war,
  welchen Stands und überhaupt,
  wo geboren, Tag und Jahr.
Ob ihm überhaupt erlaubt,
hier zu leben und zu welchem Zweck,
wieviel Geld er hat und was er glaubt.
  Umgekehrten Falls man ihn vom Fleck
  in Arrest verführen würde, und
  drunter steht: Borowsky, Heck.
Korf erwidert darauf kurz und rund:
"Einer hohen Direktion
stellt sich, laut persönlichem Befund,
  untig angefertigte Person
  als nichtexistent im Eigen-Sinn
  bürgerlicher Konvention
vor und aus und zeichnet, wennschonhin
mitbedauernd nebigen Betreff,
Korf. (An die Bezirksbehörde in -.)"
  Staunend liests der anbetroffne Chef.

		-- Christian Morgenstern
%
  Der fromme Riese

Korf lernt einen Riesen kennen,
dessen Frau ihm alles in den Mund gibt,
was sie nicht mag.
  Nacht und Tag,
  wenn sie ihm solchen Willen kundgibt,
  sieht man ihn seine Lippen geduldig trennen
und vorsichtig hinter sein Zahngehege
alles schieben, was seiner Frau im Wege.
  Und es ist ihr viel im Wege, der Frau.
  Ganz unmöglich wäre, zu sagen genau,
was von Mücke bis Mammut gewissermaßen
ihr mißfällt. Man findet da ganze Straßen,
ganze Städte voll Menschen, man findet Gärten,
  Flüsse, Berge neben Perücken, Bärten,
  Stöcken, Tellern, Kleidern; mit einem Worte:
  eine Welt versammelt sich an gedachtem Orte.
v. Korf mißfällt und wird von dem frommen
Riesengatten still in den Mund genommen.
  Und nur, weil er ein "Geist", wie schon beschrieben,
  ist er nicht in diesem Gelaß verblieben.

		-- Christian Morgenstern
%
    Korfs Verzauberung
Korf erfährt von einer fernen Base,
einer Zauberin,
die aus Kräuterschaum Planeten blase,
und er eilt dahin,
eilt dahin gen Odelidelase,
zu der Zauberin . . .
  Findet wandelnd sie auf ihrer Wiese,
  fragt sie, ob sie sei,
  die aus Kräuterschaum Planeten bliese,
  ob sie sei die Fei,
  sei die Fei von Odeladelise.
  Ja, sie sei die Fei!
Und sie reicht ihm willig Krug und Ähre,
und er bläst den Schaum,
und sieh da, die wunderschönste Sphäre
wölbt sich in den Raum,
wölbt sich auf, als obs ein Weltball wäre,
nicht nur Schaum und Traum.
  Und die Kugel löst sich los vom Halme,
  schwebt gelind empor,
  dreht sich um und mischt dem Sphärenpsalme,
  mischt dem Sphärenchor
  Töne, wie aus ferner Hirtenschelme,
  dringen sanft hervor.
In dem Spiegel aber ihrer Runde
schaut v. Korf beglückt,
was ihm je in jeder guten Stunde
durch den Sinn gerückt:
Seine Welt erblickt mit offnem Munde
Korf entzückt.
  Und er nennt die Base seine Muse,
  und sieh da! sieh dort!
  Es erfaßt ihn was an seiner Bluse
  und entführt ihn fort,
  führt ihn fort aus Odeladeluse
  nach dem neuen Ort . . .
   -- Christian Morgenstern
%
 
    Ausflug mit der Eisenbahn
Puff-puff Eisenbahn -
jetzt fahren wir nach Wiesenplan!
  Wiesenplan, das ist die Stadt,
  die den Kohlweißling zum Bürger hat.
Der Kohlweißling bewohnt ein Haus,
das sieht wie eine Glocke aus -
  wie eine Glockenblume blau!
  Da wohnt der Kohlweißling mit seiner Frau.
Und weht der Wind, macht die Glocke kling, kling,
und da freuen sich Herr und Frau Schmetterling.
  Puff-puff Eisenbahn!
  Jetzt fahren wir wieder aus Wiesenplan
hinaus, hinaus, dem Walde zu . . .
wohin? wohin? . . . Nach - Quellwaldruh!
  Der Bahnwärter von Quellwaldruh,
  das ist ein Frosch und quakt dazu.
"Quak, quak, aussteigen! quak!
in Quellwaldruh ist heut Ostertag!
  In Quellwaldruh ist heut Osterfeier,
  da versteckt der Osterhas bunte Eier!
Rote und gelbe und allerlei,
und das Suchen steht allen Fahrgästen frei!
  Quak, quak, quak! Guten Tag!"
  Guten Tag! Schönen Dank! Herr Bahnwärter Quak!
Und jetzt wollen wir unter den Eichen und Buchen
und Tannen und Birken die Ostereier suchen!
  Und im Moos und unter den großen Wurzeln,
  darüber die kleinen Kinder purzeln.
Nicht wahr? Und haben wir alle gefunden
und in unsre Sacktücher eingebunden,
  dann fahren wir am Abend wieder nach Haus
  und packen das Wunder vor Großmutter aus! -
    -- Christian Morgenstern
%
  Waldmärchen

Es lebt ein Ries' im Wald,
der hat ein Ohr so groß,
wenn da ein Donner schallt,
ist's ihm ein Jucken bloß.

Er macht so mit der Hand,
als wie nach einer Hummel -
sein eigenes Gehrummel
erschreckt das ganze Land.

Und kommt die Regenzeit,
dann schläft er, und es wird
aus seinem Ohr ein Teich,
und dort sitzt dann der Hirt

und tränkt dran seine Schaf;
doch manchmal dreht, o Graus,
der Ries' sich um im Schlaf -
und dann ist alles aus.

		-- Christian Morgenstern
%
  Der Leu

Auf einem Wandkalenderblatt
ein Leu sich abgebildet hat.

Er blickt dich an, bewegt und still,
den ganzen 17. April.

Wodurch er zu erinnern liebt,
daß es ihn immerhin noch gibt.

		-- Christian Morgenstern
%
       Der Sündfloh

Als schauerlich und grausenvoll
die Sündflut um die Berge schwoll,
kam noch im siebenten Moment
ein junger Floh herzugerennt.

Doch da das obligate Paar
von Flöhen schon im Kasten war,
so mußte Noah ihn bestimmen,
ins nasse Grab zurückzuschwimmen.

Voll Eifer gleichfalls protestierten
die beiden, die bereits logierten,
weil - riefen sie (besonders er) -
ein dritter nicht gestattet wär.

Der Sündfloh (denn er war es) blieb,
obschon verborgen wie ein Dieb -
und zwar (trotz Jahwen in der Höhe)
von einem der zwei beiden Flöhe.

Von welchem braucht man nicht zu sagen.
Doch ward hierdurch aus Vorzeittagen
das Dreieck, von dem Ibsen schreibt,
der Neuzeit wieder einverleibt.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die beiden Esel

Ein finstrer Esel sprach einmal
zu seinem ehlichen Gemahl:

"Ich bin so dumm, du bist so dumm,
wir wollen sterben gehen, kumm!"

Doch wie es kommt so öfter eben:
Die beiden blieben fröhlich leben.

		-- Christian Morgenstern
%
  Eine Stimmung aus dem vierten Kreis

Zwei Hände, die so weiß, so weiß
als wie ein schlohweiß Laken,
vereinten sich im vierten Kreis,
während sie sonst gewohnterweis
in zwei verschiednen Taschen staken.

Sie zitterten, jedoch nur leis,
als ob sie vor sich selbst erschraken,
sie fühlten sich auf fremdem Gleis,
und dennoch taten sie mit Fleiß
sich ineinander haken.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Nähe

Die Nähe ging verträumt umher . . .
Sie kam nie zu den Dingen selber.
Ihr Antlitz wurde gelb und gelber,
und ihren Leib ergriff die Zehr.

Doch eines Nachts, derweil sie schlief,
da trat wer an ihr Bette hin
und sprach: "Steh auf, mein Kind, ich bin
der kategorische Komparativ!

Ich werde dich zum Näher steigern,
ja, wenn du willst, zur Näherin!" -
Die Nähe, ohne sich zu weigern,
sie nahm auch dies als Schicksal hin.

Als Näherin jedoch vergaß
sie leider völlig, was sie wollte,
und nähte Putz und hieß Frau Nolte
und hielt all Obiges für Spaß.

		-- Christian Morgenstern
%
  Das Löwenreh

Das Löwenreh durcheilt den Wald
und sucht den Förster Theobald.

Der Förster Theobald desgleichen
sucht es durch Pirschen zu erreichen,

und zwar mit Kugeln, deren Gift
zu Rauch verwandelt, wen es trifft.

Als sie sich endlich haben, schießt
er es, worauf es ihn genießt.

Allein die Kugel wirkt alsbald:
Zu Rauch wird Reh nebst Theobald . . .

Seitdem sind beide ohne Frage
ein dankbares Objekt der Sage.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Tagnachtlampe

Korf erfindet eine Tagnachtlampe,
die, sobald sie angedreht,
selbst den hellsten Tag
in Nacht verwandelt.

Als er sie vor des Kongresses Rampe
demonstriert, vermag
niemand, der sein Fach versteht,
zu verkennen, daß es sich hier handelt -

(Finster wirds am hellerlichten Tag,
und ein Beifallssturm das Haus durchweht.)
(Und man ruft dem Diener Mampe:
"Licht anzünden!") - daß es sich hier handelt

um das Faktum: daß gedachte Lampe,
in der Tat, wenn angedreht,
selbst den hellsten Tag
in Nacht verwandelt.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die zwei Turmuhren

Zwei Kirchturmuhren schlagen hintereinander,
weil sie sonst widereinander schlagen müßten.
Sie vertragen sich wie zwei wahre Christen.
Es wäre dementsprechend zu fragen:
warum nicht auch die Völker
hintereinander statt widereinander schlagen.
Sie könnten doch wirklich ihren Zorn
auslassen, das eine hinten, das andre vorn.
Aber freilich: Kleine Beispiele von Vernunft
änderten noch nie etwas am großen Narreteispiele der Zunft.

		-- Christian Morgenstern
%
  Gleichnis

Palmström schwankt als wie ein Zweig im Wind . . .
Als ihn Korf befrägt, warum er schwanke,
meint er: weil ein lieblicher Gedanke,
wie ein Vogel, zärtlich und geschwind,
auf ein kleines ihn belastet habe -
schwanke er als wie ein Zweig im Wind,
schwingend noch von der willkommnen Gabe . . .

		-- Christian Morgenstern
%
  Steine statt Brot

Ja, wenn die ganze Siegesallee
aus Mehl gebacken wäre -
das wäre eine gute Idee,
auf Ehre!

Man spräche zum Hungernden: Iß dich rund
(dein Landesvater will es!)
an Otto dem Faulen, an Siegismund,
an Cicero, an Achilles!

Zu Dank zerflösse bei arm und reich
des Mißvergnügens Wolke:
es wäre geholfen auf einen Streich
dem ganzen deutschen Volke.

Ein Loblied sänge der deutsche Geist
vom Pregel bis zum Rheine.
Gib Kunst, o Fürst, die nährt und speist!
Gib Brot, o Fürst, nicht Steine!

		-- Christian Morgenstern
%
  Muhme Kunkel

Palma Kunkel ist mit Palm verwandt,
doch im übrigen sonst nicht bekannt.
Und sie wünscht auch nicht bekannt zu sein,
lebt am liebsten ganz für sich allein.

Über Muhme Palma Kunkel drum
bleibt auch der Chronist vollkommen stumm.
Nur wo selbst sie aus dem Dunkel tritt,
teilt er dies ihr Treten treulich mit.

Doch sie trat bis jetzt noch nicht ans Licht,
und sie will es auch in Zukunft nicht.
Schon, daß hier ihr Name lautbar ward,
widerspricht vollkommen ihrer Art.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Brille

Korf liest gerne schnell und viel;
darum widert ihn das Spiel
all des zwölfmal unerbetnen
Ausgewalzten, Breitgetretnen.

Meistens ist in sechs bis acht
Wörtern völlig abgemacht,
und in ebensoviel Sätzen
läßt sich Bandwurmweisheit schwätzen.

Es erfindet drum sein Geist
etwas, was ihn dem entreißt:
Brillen, deren Energieen
ihm den Text - zusammenziehen!

Beispielsweise dies Gedicht
läse, so bebrillt, man - nicht!
Dreiunddreißig seinesgleichen
gäben erst - Ein - - Fragezeichen!!

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Mittagszeitung

Korf erfindet eine Mittagszeitung,
welche, wenn man sie gelesen hat,
ist man satt.
Ganz ohne Zubereitung
irgendeiner andern Speise.
Jeder auch nur etwas Weise
hält das Blatt.

		-- Christian Morgenstern
%
      Die Mausefalle
           I
Palmström hat nicht Speck im Haus,
dahingegen eine Maus.
  Korf, bewegt von seinem Jammer,
  baut ihm eine Gitterkammer.
Und mit einer Geige fein
setzt er seinen Freund hinein.
  Nacht ists, und die Sterne funkeln,
  Palmström musiziert im Dunkeln.
Und derweil er konzertiert,
kommt die Maus hereinspaziert.
  Hinter ihr, geheimerweise,
  fällt die Pforte leicht und leise.
Vor ihr sinkt in Schlaf alsbald
Palmströms schweigende Gestalt.
           II
Morgens kommt v. Korf und lädt
das so nützliche Gerät
  in den nächsten, sozusagen
  mittelgroßen Möbelwagen,
den ein starkes Roß beschwingt
nach der fernen Waldung bringt,
  wo in tiefer Einsamkeit
  er das seltne Paar befreit.
Erst spaziert die Maus heraus
und dann Palmström, nach der Maus.
  Froh genießt das Tier der neuen
  Heimat, ohne sich zu scheuen.
Während Palmström, glückverklärt,
mit v. Korf nach Hause fährt.
		-- Christian Morgenstern
%
  
Der Hecht

Ein Hecht, vom heiligen Anton
bekehrt, beschloß, samt Frau und Sohn,
am vegetarischen Gedanken
moralisch sich emporzuranken.

Er aß seit jenem nur noch dies:
Seegras, Seerose und Seegrieß.
Doch Grieß, Gras, Rose floß, o Graus,
entsetzlich wieder hinten aus.

Der ganze Teich ward angesteckt.
Fünfhunden Fische sind verreckt.
Doch Sankt Antön, gerufen eilig,
sprach nichts als: "Heilig! heilig! heilig!"

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Lampe

Es steht eine Lampe am weiten Meer.
Wo kommt denn die Lampe, die Lampe her?

Sie trägt ein Reformhemd aus grünem Tang
und steht auf der Insel Fragnichtlang.

Die Lampe, die Lampe, die Lampe, weh,
sie kommt aus der Werweißwosisee!

Da liegt ein Schiff ganz unten kaputt,
und aus seinen Fenstern schaun Molch und Butt.

Die Wellen, die Wellen, die haben sie geschwemmt?
Jetzt träumt sie, den Fuß auf die Küste gestemmt,

in ihrem Reformkleid aus grünem Tang . . .
Und im Hintergrund, da liegt - Fragnichtlang.

		-- Christian Morgenstern
%
  Gespräch einer Hausschnecke mit sich selbst

Soll i aus meim Hause raus?
Soll i aus meim Hause nit raus?
Einen Schritt raus?
Lieber nit raus?
Hausenitraus -
Hauseraus
Hauseritraus
Hausenaus
Rauserauserauserause . . .

(Die Schnecke verfängt sich in ihren eigenen Gedanken oder vielmehr
diese gehen mit ihr dermaßen durch, daß sie die weitere Entscheidung
der Frage verschieben muß.)

		-- Christian Morgenstern
%
  Der Vergeß

Er war voll Bildungshung, indes,
soviel er las
und Wissen aß,
er blieb zugleich ein Unverbeß,
ein Unver, sag ich, als Vergeß;
ein Sieb aus Glas,
ein Netz aus Gras,
ein Vielfraß -
doch kein Haltefraß.

		-- Christian Morgenstern
%
  Vormittag am Strand

Es war ein solcher Vormittag,
wo man die Fische singen hörte;
kein Lüftchen lief, kein Stimmchen störte,
kein Wellchen wölbte sich zum Schlag.

Nur sie, die Fische, brachen leis
der weit und breiten Stille Siegel
und sangen millionenweis
dicht unter dem durchsonnten Spiegel.

		-- Christian Morgenstern
%
  Wenn es Winter wird

Der See hat eine Haut bekommen,
so daß man fast drauf gehen kann,
und kommt ein großer Fisch geschwommen,
so stößt er mit der Nase an.
  Und nimmst du einen Kieselstein
  und wirfst ihn drauf, so macht es klirr
  und titscher - titscher - titscher - dirr . . .
  Heißa, du lustiger Kieselstein!
  Er zwitschert wie ein Vögelein
  und tut als wie ein Schwälblein fliegen -
  doch endlich bleibt mein Kieselstein
  ganz weit, ganz weit auf dem See draußen liegen.
Da kommen die Fische haufenweis
und schaun durch das klare Fenster von Eis
und denken, der Stein wär etwas zum Essen;
doch sosehr sie die Nase ans Eis auch pressen,
das Eis ist zu dick, das Eis ist zu alt,
sie machen sich nur die Nasen kalt.
  Aber bald, aber bald
  werden wir selbst auf eignen Sohlen
  hinausgehn können und den Stein wiederholen.

		-- Christian Morgenstern
%
  
An meine Taschenuhr

Du schlimme Uhr, du gehst mir viel zu schnell;
und doch - dich schauend, sah ich selber hell.
Unschuldig Räderwerk, was schalt ich dich?
Ich geh zu langsam, ach zu langsam - ich.

		-- Christian Morgenstern
%
  Denkmalswunsch

Setze mir ein Denkmal, cher,
ganz aus Zucker, tief im Meer.

Ein Süßwassersee, zwar kurz,
werd ich dann nach meinem Sturz;

doch so lang, daß Fische, hundert,
nehmen einen Schluck verwundert. -

Diese ißt in Hamburg und
Bremen dann des Menschen Mund. -

Wiederum in eure Kreise
komm ich so auf gute Weise,

während, werd ich Stein und Erz,
nur ein Vogel seinen Sterz

oder gar ein Mensch von Wert
seinen Witz auf mich entleert.

		-- Christian Morgenstern
%
  Segelfahrt

Nun sänftigt sich die Seele wieder
und atmet mit dem blauen Tag,
und durch die auferstandnen Glieder
pocht frischen Bluts erstarkter Schlag.

Wir sitzen plaudernd Seit an Seite
und fühlen unser Herz vereint;
gewaltig strebt das Boot ins Weite,
und wir, wir ahnen, was es meint.

		-- Christian Morgenstern
%
  Es pfeift der Wind . . .

Es pfeift der Wind. Was pfeift er wohl?
Eine tolle, närrische Weise.
Er pfeift auf einem Schlüssel hohl,
bald gellend und bald leise.

Die Nacht weint ihm den Takt dazu
mit schweren Regentropfen,
die an der Fenster schwarze Ruh
ohn End eintönig klopfen.

Es pfeift der Wind. Es stöhnt und gellt.
Die Hunde heulen im Hofe. -
Er pfeift auf diese ganze Welt,
der große Philosophe.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Unterhose

Heilig ist die Unterhose,
wenn sie sich in Sonn und Wind,
frei von ihrem Alltagslose,
auf ihr wahres Selbst besinnt.

Fröhlich ledig der Blamage
steter Souterränität,
wirkt am Seil sie als Staffage,
wie ein Segel leicht gebläht.

Keinen Tropus ihr zum Ruhme
spart des Malers Kompetenz,
preist sie seine treuste Blume
Sommer, Winter, Herbst und Lenz.

		-- Christian Morgenstern
%
  Sprachstudien

Korf und Palmström nehmen Lektionen,
um das Wetter-Wendische zu lernen.
Täglich pilgern sie zu den modernen
Ollendorffschen Sprachlehrgrammophonen.

Dort nun lassen sie mit vielen andern,
welche gleichfalls steile Charaktere
(gleich als obs ein Ziel für Edle wäre),
sich im Wetter-Wendischen bewandern.

Dies Idiom behebt den Geist der Schwere,
macht sie unstet, launisch und cholerisch . . .
Doch die Sache bleibt nur peripherisch.
Und sie werden wieder - Charaktere.

		-- Christian Morgenstern
%
  Der Papagei

Palma Kunkels Papagei
spekuliert nicht auf Applaus;
niemals, was auch immer sei,
spricht er seine Wörter aus.

Deren Zahl ist ohne Zahl:
denn er ist das klügste Tier,
das man je zum Kauf empfahl,
und der Zucht vollkommne Zier.

Doch indem er streng dich mißt,
scheint sein Zungenglied verdorrt.
Gleichviel, wer du immer bist,
er verrät dir nicht ein Wort.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Zirbelkiefer

Die Zirbelkiefer sieht sich an
auf ihre Zirbeldrüse hin;
sie las in einem Buche jüngst,
die Seele säße dort darin.

Sie säße dort wie ein Insekt
voll wundersamer Lieblichkeit,
von Gottes Allmacht ausgeheckt
und außerordentlich gescheit.

Die Zirbelkiefer sieht sich an
auf ihre Zirbeldrüse hin;
sie weiß nicht, wo sie sitzen tut,
allein ihr wird ganz fromm zu Sinn.

		-- Christian Morgenstern
%
  Erntelied

Wo gestern noch der Felder Meer
gewogt in allen Farben,
steht heut in Reih und Glied ein Heer
festlich gegürteter Garben.

Es will der goldne Heeresbann
vor Frost und Hungers Wüten
das ganze Dorf mit Maus und Mann
bis übers Jahr behüten.

Und liegen die Bataillone erst
im sichern Scheunquartiere,
du fändst, und wenn du der König wärst,
nicht bessre Grenadiere.

		-- Christian Morgenstern
%
  Nach Norden

Palmström ist nervös geworden;
darum schläft er jetzt nach Norden.

Denn nach Osten, Westen, Süden
schlafen, heißt das Herz ermüden.

(Wenn man nämlich in Europen
lebt, nicht südlich in den Tropen.)

Solches steht bei zwei Gelehrten,
die auch Dickens schon bekehrten -

und erklärt sich aus dem steten
Magnetismus des Planeten.

Palmström also heilt sich örtlich,
nimmt sein Bett und stellt es nördlich.

Und im Traum, in einigen Fällen,
hört er den Polarfuchs bellen.

		-- Christian Morgenstern
%
  Die Lämmerwolke

Es blökt eine Lämmerwolke
am blauen Firmament,
sie blökt nach ihrem Volke,
das sich von ihr getrennt.

Zu Bomst das Luftschiff "Gunther"
vernimmts und fährt empor
und bringt die Gute herunter,
die, ach, so viel verlor.

Bei Bomst wohl auf der Weide,
da schwebt sie nun voll Dank,
drei Jungfraun in weißem Kleide,
die bringen ihr Speis und Trank.

Doch als der Morgen gekommen,
der nächste Morgen bei Bomst, -
da war sie nach Schrimm verschwommen,
wohin du von Bomst aus kommst . . .

		-- Christian Morgenstern
%
      Zukunftssorgen
Korf, den Ahnung leicht erschreckt,
sieht den Himmel schon bedeckt
von Ballonen jeder Größe
und verfertigt ganze Stöße
von Entwürfen zu Statuten
eines Klubs zur resoluten
Wahrung der gedachten Zone
vor der Willkür der Ballone.
  Doch er ahnt schon, ach, beim Schreiben
  seinen Klub im Rückstand bleiben:
  Dämmrig, dünkt ihn, wird die Luft
  und die Landschaft Grab und Gruft.
  Er begibt sich drum der Feder,
  steckt das Licht an (wie dann jeder),
  tritt damit bei Palmström ein,
  und so sitzen sie zu zwein.
Endlich, nach vier langen Stunden,
ist der Alpdruck überwunden.
Palmström bricht zuerst den Bann:
"Korf", so spricht er, "sei ein Mann!
Du vergreifst dich im Jahrzehnt:
Noch wird all das erst ersehnt,
was, vom Geist dir vorgegaukelt,
heut dein Haupt schon überschaukelt."
  Korf entrafft sich dem Gesicht.
  Niemand fliegt im goldnen Licht!
  Er verlöscht die Kerze schweigend.
  Doch dann, auf die Sonne zeigend,
  spricht er: "Wenn nicht jetzt, so einst -
  kommt es, daß du nicht mehr scheinst,
  wenigstens nicht uns, den - grausend
  sag ichs -: unteren Zehntausend!" . . .
Wieder sitzt v. Korf danach
stumm in seinem Schreibgemach
und entwirft Statuten eines
Klubs zum Schutz des Sonnenscheines.
		-- Christian Morgenstern
%
  Scholastikerprobleme
         I
Wieviel Engel sitzen können
auf der Spitze einer Nadel -
wolle dem dein Denken gönnen,
Leser sonder Furcht und Tadel!
  "Alle!" wirds dein Hirn durchblitzen.
  "Denn die Engel sind doch Geister!
  Und ein ob auch noch so feister
  Geist bedarf schier nichts zum Sitzen."
Ich hingegen stell den Satz auf:
Keiner! - Denn die nie Erspähten
können einzig nehmen Platz auf
geistlichen Lokalitäten.
         II
Kann ein Engel Berge steigen?
Nein. Er ist zu leicht dazu.
Menschenfuß und Menschenschuh
bleibt allein dies Können eigen.
  Lockt ihn dennoch dieser Sport,
  muß er wieder sich ver-erden
  und ein Menschenfräulein werden
  etwa namens Zuckertort.
Allerdings bemerkt man immer,
was darin steckt und von wo -
denn ein solches Frauenzimmer
schreitet anders als nur so.
		-- Christian Morgenstern
%
        Das Warenhaus
Palmström kann nicht ohne Post
leben:
Sie ist seiner Tage Kost.
  Täglich dreimal ist er ganz
  Spannung.
  Täglich ists der gleiche Tanz:
Selten hört er einen Brief
plumpen
in den Kasten breit und tief.
  Düster schilt er auf den Mann,
  welcher,
  wie man weiß, nichts dafür kann.
Endlich kommt er drauf zurück,
auf das:
"Warenhaus für Kleines Glück".
  Und bestellt dort, frisch vom Rost
  (quasi):
  ein Quartal - "Gemischte Post"!
Und nun kommt von früh bis spät
Post von
aller Art und Qualität.
  Jedermann teilt sich ihm mit,
  brieflich,
  denkt an ihn auf Schritt und Tritt.
Palmström sieht sich in die Welt
plötzlich
überall hineingestellt . . .
  Und ihm wird schon wirr und weh . . .
  Doch es
  ist ja nur das - "W. K. G."
    -- Christian Morgenstern
%
   Das Butterbrotpapier
Ein Butterbrotpapier im Wald, -
da es beschneit wird, fühlt sich kalt . . .
  In seiner Angst, wiewohl es nie
  an Denken vorher irgendwie
gedacht, natürlich, als ein Ding
aus Lumpen usw., fing,
  aus Angst, so sagte ich, fing an
  zu denken, fing, hob an, begann,
zu denken, denkt euch, was das heißt,
bekam (aus Angst, so sagt ich) - Geist,
  und zwar, versteht sich, nicht bloß so
  vom Himmel droben irgendwo,
vielmehr infolge einer ganz
exakt entstandnen Hirnsubstanz -
  die aus Holz, Eiweiß, Mehl und Schmer,
  (durch Angst) mit Überspringen der
sonst üblichen Weltalter, an
ihm Boden und Gefäß gewann -
  [(mit Überspringung) in und an
  ihm Boden und Gefäß gewann].
Mit Hilfe dieser Hilfe nun
entschloß sich das Papier zum Tun, -
  zum Leben, zum - gleichviel, es fing
  zu gehn an - wie ein Schmetterling . . .
zu kriechen erst, zu fliegen drauf,
bis übers Unterholz hinauf,
  dann über die Chaussee und quer
  und kreuz und links und hin und her -
wie eben solch ein Tier zur Welt
(je nach dem Wind) (und sonst) sich stellt.
  Doch, Freunde! werdet bleich gleich mir! -
  Ein Vogel, dick und ganz voll Gier,
erblickts (wir sind im Januar . . .) -
und schickt sich an, mit Haut und Haar -
  und schickt sich an, mit Haar und Haut -
  (wer mag da endigen!) (mir graut) -
(Bedenkt, was alles nötig war!) -
und schickt sich an, mit Haut und Haar - -
  Ein Butterbrotpapier im Wald
  gewinnt - aus Angst - Naturgestalt . . .
Genug!! Der wilde Specht verschluckt
das unersetzliche Produkt . . .
		-- Christian Morgenstern
%
      Der Droschkengaul
"Ich bin zwar nur ein Droschkengaul, -
doch philosophisch regsam;
der Freß-Sack hängt mir kaum ums Maul,
so werd ich überlegsam.
Ich schwenk ihn her, ich schwenk ihn hin,
und bei dem trauten Schwenken
geht mir so manches durch den Sinn,
woran nur Weise denken.
  Ich bin zwar nur ein Droschkengaul, -
  doch sann ich oft voll Sorgen,
  wie ich den Hafer brächt ins Maul,
  der tief im Grund verborgen.
  Ich schwenkte hoch, ich schwenkte tief,
  bis mir die Ohren klangen.
  Was dort in Nacht verschleiert schlief,
  ich konnt es nicht erlangen.
Ich bin zwar nur ein Droschkengaul, -
doch mag ich Trost nicht missen
und sage mir: So steht es faul
mit allem Erdenwissen;
es frißt im Weisheitsfuttersack
wohl jeglich Maul ein Weilchen,
doch nie erreichts - o Schabernack -
die letzten Bodenteilchen."
		-- Christian Morgenstern
%
Ein modernes Märchen
  I. Früchte der Bildung
Schränke öffnen sich allein,
Schränke klaffen auf und spein
Fräcke, Hosen aus und Kleider
nebst den Attributen beider.
  Und sie wandeln in den Raum
  wie ein sonderbarer Traum,
  wehen hin und her und schreiten
  ganz wie zu benutzten Zeiten.
Auf den Sofas, auf den Truhn
sieht man sitzen sie und ruhn,
auf den Sesseln, an den Tischen,
am Kamin und in den Nischen.
  Seltsam sind sie anzuschaun,
  kopflos, handlos, Männer, Fraun;
  doch mit Recht verwundert jeden,
  daß sie nicht ein Wörtlein reden.
Dieser Frack und jener Rock,
beide schweigen wie ein Stock,
lehnen ab, wie einst im Märchen,
sich zu rufen Franz und Klärchen.
  Ohne Mund entsteht kein Ton,
  lernten sie als Kinder schon:
  Und so reden Wams und Weste
  lediglich in stummer Geste.
Ein Uhr schlägts, die Schränke schrein:
"Kommt, und mög euch Gott verzeihn!"
Krachend fliegen zu die Flügel,
und - nur eins hängt nicht am Bügel!
		-- Christian Morgenstern
%
   Im Reich der Interpunktionen
Im Reich der Interpunktionen
nicht fürder goldner Friede prunkt:
  Die Semikolons werden Drohnen
  genannt von Beistrich und von Punkt.
Es bildet sich zur selben Stund
ein Antisemikolonbund.
  Die einzigen, die stumm entweichen
  (wie immer), sind die Fragezeichen.
Die Semikolons, die sehr jammern,
umstellt man mit geschwungnen Klammern
  und setzt die so gefangnen Wesen
  noch obendrein in Parenthesen.
Das Minuszeichen naht, und - schwapp!
da zieht es sie vom Leben ab.
  Kopfschüttelnd blicken auf die Leichen
  die heimgekehrten Fragezeichen.
Doch, wehe! neuer Kampf sich schürzt:
Gedankenstrich auf Komma stürzt -
  und fährt ihm schneidend durch den Hals,
  bis dieser gleich - und ebenfalls
(wie jener mörderisch bezweckt)
als Strichpunkt das Gefild bedeckt! . . .
  Stumm trägt man auf den Totengarten
  die Semikolons beider Arten.
Was übrig von Gedankenstrichen,
kommt schwarz und schweigsam nachgeschlichen.
  Das Ausrufszeichen hält die Predigt;
  das Kolon dient ihm als Adjunkt.
Dann, jeder Kommaform entledigt,
stapft heimwärts man, Strich, Punkt, Strich, Punkt . . .
		-- Christian Morgenstern
%
     Die unmögliche Tatsache
Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.
  "Wie war" (spricht er, sich erhebend
  und entschlossen weiterlebend)
  "möglich, wie dies Unglück, ja -:
  daß es überhaupt geschah?
Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?
  Oder war vielmehr verboten,
  hier Lebendige zu Toten
  umzuwandeln, - kurz und schlicht:
  Durfte hier der Kutscher nicht -?"
Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!
  Und er kommt zu dem Ergebnis:
  "Nur ein Traum war das Erlebnis.
  Weil", so schließt er messerscharf,
  "nicht sein kann, was nicht sein darf."
    -- Christian Morgenstern
%
Neue Bildungen, der Natur vorgeschlagen

Der Ochsenspatz
die Kamelente
der Regenlöwe
die Turtelunke
die Schoßeule
der Walfischvogel
die Quallenwanze
der Gürtelstier
der Pfauenochs
der Werfuchs
die Tagtigall
der Sägeschwan
der Süßwassermops
der Weinpinscher
das Sturmspiel
der Eulenwurm
der Giraffenigel
das Rhinozepony
die Gänseschmalzblume
der Menschenbrotbaum.

		-- Christian Morgenstern
%
Es gab einmal eine Zeit, da war der Fortschritt eine gute Sache.
Doch das ist schon lange her.
		-- Ogden Nash
%
Was wir wissen, ist ein Tropfen; was wir nicht wissen, ein Ozean.
		-- Isaac Newton
%
Die Bedingungen, unter denen man mich versteht und dann mit
Nothwendigkeit versteht <, -> ich kenne sie nur zu genau. Man muss
rechtschaffen sein in geistigen Dingen bis zur Härte, um auch nur
meinen Ernst, meine Leidenschaft auszuhalten. Man muss geübt sein, auf
Bergen zu leben - das erbärmliche Zeitgeschwätz von Politik und
Völker-Selbstsucht unter sich zu sehn. Man muss gleichgültig geworden
sein, man muss nie fragen, ob die Wahrheit nützt, ob sie Einem
Verhängniss wird ... Eine Vorliebe der Stärke für Fragen, zu denen
Niemand heute den Muth hat; der Muth zum Verbotenen ; die
Vorherbestimmung zum Labyrinth. Eine Erfahrung aus sieben
Einsamkeiten. Neue Ohren für neue Musik. Neue Augen für das Fernste.
Ein neues Gewissen für bisher stumm gebliebene Wahrheiten. Und der
Wille zur Ökonomie grossen Stils: seine Kraft, seine Begeisterung
beisammen behalten ... Die Ehrfurcht vor sich; die Liebe zu sich; die
unbedingte Freiheit gegen sich ...
   
Wohlan! Das allein sind meine Leser, meine rechten Leser, meine
vorherbestimmten Leser: was liegt am Rest? - Der Rest ist bloss die
Menschheit. - Man muss der Menschheit überlegen sein durch Kraft,
durch Höhe der Seele, - durch Verachtung ...

		-- Friedrich Nietzsche (Der Antichrist)
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
1.
- Sehen wir uns ins Gesicht. Wir sind Hyperboreer, - wir wissen gut
genug, wie abseits wir leben. "Weder zu Lande, noch zu Wasser wirst du
den Weg zu den Hyperboreern finden": das hat schon Pindar von uns
gewusst. Jenseits des Nordens, des Eises, des Todes - unser Leben,
unser Glück ... Wir haben das Glück entdeckt, wir wissen den Weg, wir
fanden den Ausgang aus ganzen Jahrtausenden des Labyrinths. Wer fand
ihn sonst? - Der moderne Mensch etwa? "Ich weiss nicht aus, noch ein;
ich bin Alles, was nicht aus noch ein weiss" - seufzt der moderne
Mensch ... An dieser Modernität waren wir krank, - am faulen Frieden,
am feigen Compromiss, an der ganzen tugendhaften Unsauberkeit des
modernen ja und Nein. Diese Toleranz und largeur des Herzens, die
Alles "verzeiht", weil sie Alles "begreift", ist Scirocco für uns.
Lieber im Eise leben als unter modernen Tugenden und andren Südwinden!
... Wir waren tapfer genug, wir schonten weder uns, noch Andere: aber
wir wussten lange nicht, wohin mit unsrer Tapferkeit. Wir wurden
düster, man hiess uns Fatalisten. Unser Fatum - das war die Fülle, die
Spannung, die Stauung der Kräfte. Wir dürsteten nach Blitz und Thaten,
wir blieben am fernsten vom Glück der Schwächlinge, von der "Ergebung"
... Ein Gewitter war in unsrer Luft, die Natur, die wir sind,
verfinsterte sich - denn wir hatten keinen Weg. Formel unsres Glücks:
ein Ja, ein Nein, eine gerade Linie, ein Ziel ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
2.
Was ist gut? - Alles, was das Gefühl der Macht, den Willen zur Macht,
die Macht selbst im Menschen erhöht.

Was ist schlecht? - Alles, was aus der Schwäche stammt.

Was ist Glück? - Das Gefühl davon, dass die Macht wächst, dass ein
Widerstand überwunden wird.

Nicht Zufriedenheit, sondern mehr Macht; nicht Friede überhaupt,
sondern Krieg; nicht Tugend, sondern Tüchtigkeit (Tugend im
Renaissance-Stile, virtù, moralinfreie Tugend)

Die Schwachen und Missrathnen sollen zu Grunde gehen: erster Satz
unsrer Menschenliebe. Und man soll ihnen noch dazu helfen.

Was ist schädlicher als irgend ein Laster? - Das Mitleiden der That
mit allen Missrathnen und Schwachen - das Christenthum ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
3.
Nicht, was die Menschheit ablösen soll in der Reihenfolge der Wesen,
ist das Problem, das ich hiermit stelle (- der Mensch ist ein Ende -):
sondern welchen Typus Mensch man züchten soll, wollen soll, als den
höherwerthigeren, lebenswürdigeren, zukunftsgewisseren.

Dieser höherwerthigere Typus ist oft genug schon dagewesen: aber als
ein Glücksfall, als eine Ausnahme, niemals als gewollt. Vielmehr ist
er gerade am besten gefürchtet worden, er war bisher beinahe das
Furchtbare; - und aus der Furcht heraus wurde der umgekehrte Typus
gewollt, gezüchtet, erreicht: das Hausthier, das Heerdenthier, das
kranke Thier Mensch, - der

Christ ...

		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
4.
Die Menschheit stellt nicht eine Entwicklung zum Besseren oder
Stärkeren oder Höheren dar, in der Weise, wie dies heute geglaubt
wird. Der "Fortschritt" ist bloss eine moderne Idee, das heisst eine
falsche Idee. Der Europäer von Heute bleibt, in seinem Werthe tief
unter dem Europäer der Renaissance; Fortentwicklung ist
schlechterdings nicht mit irgend welcher Nothwendigkeit Erhöhung,
Steigerung, Verstärkung.

In einem andren Sinne giebt es ein fortwährendes Gelingen einzelner
Fälle an den verschiedensten Stellen der Erde und aus den
verschiedensten Culturen heraus, mit denen in der That sich ein
höherer Typus darstellt: Etwas, das im Verhältniss zur
Gesammt-Menschheit eine Art Übermensch ist. Solche Glücksfälle des
grossen Gelingens waren immer möglich und werden vielleicht immer
möglich sein. Und selbst ganze Geschlechter, Stämme, Völker können
unter Umständen einen solchen Treffer darstellen.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
5.
Man soll das Christenthum nicht schmücken und herausputzen: es hat
einen Todkrieg gegen diesen höheren Typus Mensch gemacht, es hat alle
Grundinstinkte dieses Typus in Bann gethan, es hat aus diesen
Instinkten das Böse, den Bösen herausdestillirt, - der starke Mensch
als der typisch Verwerfliche, der "verworfene Mensch". Das
Christenthum hat die Partei alles Schwachen, Niedrigen, Missrathnen
genommen, es hat ein Ideal aus dem Widerspruch gegen die
Erhaltungs-Instinkte des starken Lebens gemacht; es hat die Vernunft
selbst der geistigstärksten Naturen verdorben, indem es die obersten
Werthe der Geistigkeit als sündhaft, als irreführend, als Versuchungen
empfinden lehrte. Das jammervollste Beispiel - die Verderbniss
Pascals, der an die Verderbniss seiner Vernunft durch die Erbsünde
glaubte, während sie nur durch sein Christenthum verdorben war! -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
6.
Es ist ein schmerzliches, ein schauerliches Schauspiel, das mir
aufgegangen ist: ich zog den Vorhang weg von der Verdorbenheit des
Menschen. Dies Wort, in meinem Munde, ist wenigstens gegen Einen
Verdacht geschützt: dass es eine moralische Anklage des Menschen
enthält. Es ist - ich möchte es nochmals unterstreichen - moralinfrei
gemeint: und dies bis zu dem Grade, dass jene Verdorbenheit gerade
dort von mir am stärksten empfunden wird, wo man bisher am
bewusstesten zur "Tugend", zur "Göttlichkeit" aspirirte. Ich verstehe
Verdorbenheit, man erräth es bereits, im Sinne von décadence: meine
Behauptung ist, dass alle Werthe, in denen jetzt die Menschheit ihre
oberste Wünschbarkeit zusammenfasst, décadence - Werthe sind.
  Ich nenne ein Thier, eine Gattung, ein Individuum verdorben, wenn es
seine Instinkte verliert, wenn es wählt, wenn es vorzieht, was ihm
nachtheilig ist. Eine Geschichte der "höheren Gefühle", der "Ideale
der Menschheit" - und es ist möglich, dass ich sie erzählen muss -
wäre beinahe auch die Erklärung dafür, weshalb der Mensch so verdorben
ist.
  Das Leben selbst gilt mir als Instinkt für Wachsthum, für Dauer, für
Häufung von Kräften, für Macht - wo der Wille zur Macht fehlt, giebt
es Niedergang. Meine Behauptung ist, dass allen obersten Werthen der
Menschheit dieser Wille fehlt, - dass Niedergangs-Werthe,
nihilistische Werthe unter den heiligsten Namen die Herrschaft führen.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
7.
Man nennt das Christenthum die Religion des Mitleidens. - Das
Mitleiden steht im Gegensatz zu den tonischen Affekten, welche die
Energie des Lebensgefühls erhöhn: es wirkt depressiv. Man verliert
Kraft, wenn man mitleide<t>. Durch das Mitleiden vermehrt und
vervielfältigt sich die Einbusse an Kraft noch, die an sich schon das
Leiden dem Leben br<ingt.> Das Leiden selbst wird durch das Mitleiden
ansteckend; unter Umständen kann mit ihm eine Gesammt-Einbusse an
Leben und Lebens-Energie erreicht werden, die in einem absurden
Verhältniss zum Quantum der Ursache steht (- der Fall vom Tode des
Nazareners) Das ist der erste Gesichtspunkt; es giebt aber noch einen
wichtigeren. Gesetzt, man misst das Mitleiden nach dem Werthe der
Reaktionen, die es hervorzubringen pflegt, so erscheint sein
lebensgefährlicher Charakter in einem noch viel helleren Lichte. Das
Mitleiden kreuzt im Ganzen Grossen das Gesetz der Entwicklung, welches
das Gesetz der Selection ist. Es erhält, was zum Untergange reif ist,
es wehrt sich zu Gunsten der Enterbten und Verurtheilten des Lebens,
es giebt durch die Fülle des Missrathnen aller Art, das es im Leben
festhält, dem Leben selbst einen düsteren und fragwürdigen Aspekt. Man
hat gewagt, das Mitleiden eine Tugend zu nennen (- in jeder vornehmen
Moral gilt es als Schwäche -); man ist weiter gegangen, man hat aus
ihm die Tugend, den Boden und Ursprung aller Tugenden gemacht, - nur
freilich, was man stets im Auge behalten muss<,> vom Gesichtspunkte
einer Philosophie aus, welche nihilistisch war, welche die Verneinung
des Lebens auf ihr Schil<d schr>rieb. Schopenhauer war in seinem
Rechte damit: durch das Mit<leid> wird das Leben verneint,
verneinungs-wü<rdiger> gemacht, - Mitleiden ist die Praxis des
Nihilismus. Nochmals gesagt: dieser depressive und contagiöse Instinkt
kreuzt jene Instinkte, welche auf Erhaltung und Werth-Erhöhung des
Lebens aus sind: er ist ebenso als Multiplikator des Elends wie als
Conservator alles Elenden ein Hauptwerkzeug zur Steigerung der
décadence - Mitleiden überredet zum Nichts! ... 
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Man sagt nicht "Nichts": man sagt dafür "Jenseits"; oder "Gott"; oder
"das wahre Leben"; oder Nirvana, Erlösung, Seligkeit ... Diese
unschuldige Rhetorik aus dem Reich der religiös-moralischen
Idiosynkrasie erscheint sofort viel weniger unschuldig, wenn man
begreift, welche Tendenz hier den Mantel sublimer Worte um sich
schlägt: die lebensfeindliche Tendenz. Schopenhauer war
lebensfeindlich: deshalb wurde ihm das Mitleid zur Tugend
... Aristoteles sah, wie man weiss, im Mitleiden einen krankhaften und
gefährlichen Zustand, dem man gut thäte, hier und da durch ein
Purgativ beizukommen: er verstand die Tragödie als Purgativ. Vom
Instinkte des Lebens aus müsste man in der That nach einem Mittel
suchen, einer solchen krankhaften und gefährlichen Häufung des
Mitleides, wie sie der Fall Schopenhauers (und leider auch unsrer
gesammten litterarischen und artistischen décadence von St. Petersburg
bis Paris, von Tolstoi bis Wagner) darstellt, einen Stich zu
versetzen: damit sie platzt ... Nichts ist ungesunder, inmitten unsrer
ungesunden Modernität, als das christliche Mitleid. Hier Arzt sein,
hier unerbittlich sein, hier das Messer führen - das gehört zu uns,
das ist unsre Art Menschenliebe, damit sind wir Philosophen, wir
Hyperboreer! - - -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche (Der Antichrist)
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
8.
Es ist nothwendig zu sagen, wen wir als unsern Gegensatz fühlen - die
Theologen und Alles, was Theologen-Blut im Leibe hat - unsre ganze
Philosophie ... Man muss das Verhängniss aus der Nähe gesehn haben,
noch besser, man muss es an sich erlebt, man muss an ihm fast zu
Grunde gegangen sein, um hier keinen Spaass mehr zu verstehn (- die
Freigeisterei unsrer Herrn Naturforscher und Physiologen ist in meinen
Augen ein Spaass,- ihnen fehlt die Leidenschaft in diesen Dingen, das
Leiden an ihnen -) jene Vergiftung reicht viel weiter als man denkt:
ich fand den Theologen-Instinkt des Hochmuths überall wieder, wo man
sich heute als "Idealist" fühlt, - wo man, vermöge einer höheren
Abkunft, ein Recht in Anspruch nimmt, zur Wirklichkeit überlegen und
fremd zu blicken ... Der Idealist hat, ganz wie der Priester, alle
grossen Begriffe in der Hand (- und nicht nur in der Hand!), er spielt
sie mit einer wohlwollenden Verachtung gegen den "Verstand", die
"Sinne", die "Ehren", das "Wohlleben", die "Wissenschaft" aus, er
sieht dergleichen unter sich, wie schädigende und verführerische
Kräfte, über den<en> "der Geist" in reiner Für-sich-heit schwebt: -
als ob nicht Demuth, Keuschheit, Armut, Heiligkeit mit Einem Wort dem
Leben bisher unsäglich mehr Schaden gethan hätten als irgend welche
Furchtbarkeiten und Laster ... Der reine Geist ist die reine Lüge...
So lange der Priester noch als eine höhere Art Mensch gilt, dieser
Verneiner, Verleumder, Vergifter des Lebens von Beruf , giebt es keine
Antwort auf die Frage: was ist Wahrheit? Man hat bereits die Wahrheit
auf den Kopf gestellt, wenn der bewusste Advokat des Nichts und der
Verneinung als Vertreter der "Wahrheit" gilt...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
9.
Diesem Theologen-Instinkte mache ich den Krieg: ich fand seine Spur
überall. Wer Theologen-Blut im Leibe hat, steht von vornherein zu
allen Dingen schief und unehrlich. Das Pathos, das sich daraus
entwickelt, heisst sich Glaube: das Auge Ein-für-alle Mal vor sich
schliessen, um nicht am Aspekt unheilbarer Falschheit zu leiden. Man
macht bei sich eine Moral, eine Tugend, eine Heiligkeit aus dieser
fehlerhaften Optik zu allen Dingen, man knüpft das gute Gewissen an
das Falsch-sehen, - man fordert, dass keine andre Art Optik mehr Werth
haben dürfe, nachdem man die eigne mit den Namen "Gott" "Erlösung"
"Ewigkeit" sakrosankt gemacht hat. Ich grub den Theologen-Instinkt
noch überall aus: er ist die verbreitetste, die eigentlich
unterirdische Form der Falschheit, die es auf Erden giebt. Was ein
Theologe als wahr empfindet, das muss falsch sein: man hat daran
beinahe ein Kriterium der Wahrheit. Es ist sein unterster
Selbsterhaltungs-Instinkt, der verbietet, dass die Realität in irgend
einem Punkte zu Ehren oder auch nur zu Worte käme. So weit der
Theologen-Einfluss reicht, ist das Werth-Urtheil auf den Kopf
gestellt, sind die Begriffe "wahr" und "falsch" nothwendig umgekehrt:
was dem Leben am schädlichsten ist, das heisst hier "wahr", was es
hebt, steigert, bejaht, rechtfertigt und triumphiren macht, das heisst
"falsch" ... Kommt es vor, dass Theologen durch das "Gewissen" der
Fürsten (oder der Völker -) hindurch nach der Macht die Hand
ausstrecken, zweifeln wir nicht, was jedes Mal im Grunde sich begiebt:
der Wille zum Ende, der nihilistische Wille will zur Macht ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
10.
Unter Deutschen versteht man sofort, wenn ich sage, dass die
Philosophie durch Theologen-Blut verderbt ist. Der protestantische
Pfarrer ist Grossvater der deutschen Philosophie, der Protestantismus
selbst ihr peccatum originale. Definition des Protestantismus: die
halbseitige Lähmung des Christenthums - und der Vernunft ... Man hat
nur das Wort "Tübinger Stift" auszusprechen, um zu begreifen, was die
deutsche Philosophie im Grunde ist - eine hinterlistige Theologie ...
Die Schwaben sind die besten Lügner in Deutschland, sie lügen
unschuldig ... Woher das Frohlocken, das beim Auftreten Kants durch
die deutsche Gelehrtenwelt gieng, die zu drei Viertel aus Pfarrer- und
Lehrer-Söhnen besteht -, woher die deutsche Überzeugung, die auch
heute noch ihr Echo findet, dass mit Kant eine Wendung zum Besseren
beginne? Der Theologen-Instinkt im deutschen Gelehrten errieth, was
nunmehr wieder möglich war ... Ein Schleichweg zum alten Ideal stand
offen, der Begriff "wahre Welt", der Begriff der Moral als Essenz der
Welt (- diese zwei bösartigsten Irrthümer, die es giebt!) waren jetzt
wieder, Dank einer verschmitzt-klugen Skepsis, wenn nicht beweisbar,
so doch nicht mehr widerlegbar ... Die Vernunft, das Recht der
Vernunft reicht nicht so weit ... Man hatte aus der Realität eine
"Scheinbarkeit" gemacht; man hatte eine vollkommen erlogne Welt, die
des Seienden, zur Realität gemacht ... Der Erfolg Kant's ist bloss ein
Theologen-Erfolg: Kant war, gleich Luther, gleich Leibnitz, ein
Hemmschuh mehr in der an sich nicht taktfesten deutschen
Rechtschaffenheit - -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
11.
Ein Wort noch gegen Kant als Moralist. Eine Tugend muss unsre
Erfindung sein, unsre persönlichste Nothwehr und Nothdurft: in jedem
andren Sinne ist sie bloss eine Gefahr. Was nicht unser Leben bedingt,
schadet ihm: eine Tugend bloss aus einem Respekts-Gefühle vor dem
Begriff "Tugend" wie Kant es wollte, ist schädlich. Die "Tugend", die
"Pflicht", das "Gute an sich", das Gute mit dem Charakter der
Unpersönlichkeit und Allgemeingültigkeit - Hirngespinnste, in denen
sich der Niedergang, die letzte Entkräftung des Lebens, das
Königsberger Chinesenthum ausdrückt. Das Umgekehrte wird von den
tiefsten Erhaltungs- und Wachsthums-Gesetzen geboten: dass jeder sich
seine Tugend, seinen kategorischen Imperativ erfinde. Ein Volk geht zu
Grunde, wenn es seine Pflicht mit dem Pflichtbegriff überhaupt
verwechselt. Nichts ruinirt tiefer, innerlicher als jede
"unpersönliche" Pflicht, jede Opferung vor dem Moloch der Abstraktion.
...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Dass man den kategorischen Imperativ Kant's nicht als
lebensgefährlich empfunden hat! ... Der Theologen-Instinkt allein nahm
ihn in Schutz! - Eine Handlung, zu der der Instinkt des Lebens zwingt,
hat in der Lust ihren Beweis, eine rechte Handlung zu sein: und jener
Nihilist mit christlich-dogmatischen Eingeweiden verstand die Lust als
Einwand ... Was zerstört schneller als ohne innere Nothwendigkeit,
ohne eine tief persönliche Wahl, ohne Lustarbeiten, denken, fühlen?
als Automat der "Pflicht"? Es ist geradezu das Recept zur décadence,
selbst zum Idiotismus ... Kant wurde Idiot. - Und das war der
Zeitgenosse Goethes! Dies Verhängniss von Spinne galt als der deutsche
Philosoph, - gilt es noch! ... ich hüte mich zu sagen, was ich von den
Deutschen denke ... Hat Kant nicht in der französischen Revolution den
Übergang aus der unorganischen Form des Staats in die organische
gesehn? Hat er sich nicht gefragt, ob es eine Begebenheit gebt, die
gar nicht anders erklärt werden könne als durch eine moralische Anlage
der Menschheit, so dass mit ihr, Ein-für-alle Mal, die "Tendenz der
Menschheit zum Guten" bewiesen sei? Antwort Kant's: "das ist die
Revolution." Der fehlgreifende Instinkt in Allem und jedem, die
Widernatur als Instinkt, die deutsche décadence als Philosophie - das
ist Kant.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
12.
Ich nehme ein Paar Skeptiker bei Seite, den anständigen Typus in der
Geschichte der Philosophie: aber der Rest kennt die ersten Forderungen
der intellektuellen Rechtschaffenheit nicht. Sie machen es allesammt
wie die Weiblein, alle diese grossen Schwärmer und Wunderthiere, - sie
halten die "schönen Gefühle" bereits für Argumente, den "gehobenen
Busen" für einen Blasebalg der Gottheit, die Überzeugung für ein
Kriterium der Wahrheit. Zuletzt hat noch Kant, in "deutscher"
Unschuld, diese Form der Corruption, diesen Mangel an intellektuellem
Gewissen unter dem Begriff "praktische Vernunft" zu
verwissenschaftlichen versucht: er erfand eigens eine Vernunft dafür,
in welchem Falle man sich nicht um die Vernunft zu kümmern habe,
nämlich wenn die Moral, wenn die erhabne Forderung "du sollst" laut
wird. Erwägt man, dass fast bei allen Völkern der Philosoph nur die
Weiterentwicklung des priesterlichen Typus ist, so überrascht dieses
Erbstück des Priesters, die Falschmünzerei vor sich selbst, nicht
mehr. Wenn man heilige Aufgaben hat, zum Beispiel die Menschen zu
bessern, zu retten, zu erlösen, wenn man die Gottheit im Busen trägt,
Mundstück jenseitiger Imperative ist, so steht man mit einer solchen
Mission bereits ausserhalb aller bloss verstandesmässigen Werthungen,
- selbst schon geheiligt durch eine solche Aufgabe, selbst schon der
Typus einer höheren Ordnung! ... Was geht einen Priester die
Wissenschaft an! Er steht zu hoch dafür! - Und der Priester hat bisher
geherrscht! Er bestimmte den Begriff "wahr" und "unwahr"! ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
13.
Unterschätzen wir dies nicht: wir selbst, wir freien Geister, sind
bereits eine "Umwerthung aller Werthe", eine leibhafte Kriegs- und
Siegs-Erklärung an alle alten Begriffe von "wahr" und "unwahr". Die
werthvollsten Einsichten werden am spätesten gefunden; aber die
werthvollsten Einsichten sind die Methoden. Alle Methoden, alle
Voraussetzungen unsrer jetzigen Wissenschaftlichkeit haben
Jahrtausende lang die tiefste Verachtung gegen sich gehabt, auf sie
hin war man aus dem Verkehre mit "honnetten" Menschen ausgeschlossen,
- man galt als "Feind Gottes", als Verächter der Wahrheit, als
"Besessener". Als wissenschaftlicher Charakter war man Tschandala ...
Wir haben das ganze Pathos der Menschheit gegen uns gehabt - ihren
Begriff von dem, was Wahrheit sein soll, was der Dienst der Wahrheit
sein soll: jedes "du sollst" war bisher gegen uns gerichtet ... Unsre
Objekte, unsre Praktiken, unsre stille vorsichtige misstrauische Art -
Alles schien ihr vollkommen unwürdig und verächtlich. - Zuletzt dürfte
man, mit einiger Billigkeit, sich fragen, ob es nicht eigentlich ein
ästhetischer Geschmack war, was die Menschheit in so langer Blindheit
gehalten hat: sie verlangte von der Wahrheit einen pittoresken Effekt,
sie verlangte insgleichen vom Erkennenden, dass er stark auf die Sinne
wirke. Unsre Bescheidenheit gieng ihr am längsten wider den Geschmack
... Oh wie sie das erriethen, diese Truthähne Gottes - -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
14.
Wir haben umgelernt. Wir sind in allen Stücken bescheidner geworden.
Wir leiten den Menschen nicht mehr vom "Geist", von der "Gottheit" ab,
wir haben ihn unter die Thiere zurückgestellt. Er gilt uns als das
stärkste Thier, weil er das listigste ist: eine Folge davon ist seine
Geistigkeit. Wir wehren uns anderseits gegen eine Eitelkeit, die auch
hier wieder laut werden möchte: wie als ob der Mensch die grosse
Hinterabsicht der thierischen Entwicklung gewesen sei. Er ist durchaus
keine Krone der Schöpfung, jedes Wesen ist, neben ihm, auf einer
gleichen Stufe der Vollkommenheit ... Und indem wir das behaupten,
behaupten wir noch zuviel: der Mensch ist, relativ genommen, das
missrathenste Thier, das krankhafteste, das von seinen Instinkten am
gefährlichste<n> abgeirrte - freilich, mit alle dem, auch das
interessanteste!
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Was die Thiere betrifft, so hat zuerst Descartes, mit
verehrungswürdiger Kühnheit, den Gedanken gewagt, das Thier als
machina zu verstehn: unsre ganze Physiologie bemüht sich um den Beweis
dieses Satzes. Auch stellen wir logischer Weise den Menschen nicht bei
Seite, wie noch Descartes that: was überhaupt heute vom Menschen
begriffen ist, geht genau so weit als er machinal begriffen ist.
Ehedem gab man dem Menschen als seine Mitgift aus einer höheren
Ordnung den "freien Willen": heute haben wir ihm selbst den Willen
genommen, in dem Sinne, dass darunter kein Vermögen mehr verstanden
werden darf. Das alte Wort "Wille" dient nur dazu, eine Resultante zu
bezeichnen, eine Art individueller Reaktion, die nothwendig auf eine
Menge theils widersprechender, theils zusammenstimmender Reize folgt:
- der Wille "wirkt" nicht mehr, "bewegt" nicht mehr ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Ehemals sah man im Bewusstsein des Menschen, im "Geist", den Beweis
seiner höheren Abkunft, seiner Göttlichkeit; um den Menschen zu
vollenden, rieth man ihm an, nach der Art der Schildkröte, die Sinne
in sich hineinzuziehn, den Verkehr mit dem Irdischen einzustellen, die
sterbliche Hülle abzuthun: dann blieb die Hauptsache von ihm zurück,
der "reine Geist".  Wir haben uns auch hierüber besser besonnen: das
Bewusstwerden, der "Geist", gilt uns gerade als Symptom einer
relativen Unvollkommenheit des Organismus, als ein Versuchen, Tasten,
Fehlgreifen, als eine Mühsal, bei der unnöthig viel Nervenkraft
verbraucht wird, - wir leugnen, dass irgend Etwas vollkommen gemacht
werden kann, so lange es noch bewusst gemacht wird. Der "reine Geist"
ist eine reine Dummheit: rechnen wir das Nervensystem und die Sinne
ab, die "sterbliche Hülle", so verrechnen wir uns - weiter nichts! ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
15.
Weder die Moral noch die Religion berührt sich im Christenthume mit
irgend einem Punkte der Wirklichkeit. Lauter imaginäre Ursachen
("Gott", "Seele", "Ich" "Geist", "der freie Wille" - oder auch "der
unfreie"); lauter imaginäre Wirkungen ("Sünde", "Erlösung", "Gnade",
"Strafe", "Vergebung der Sünde"). Ein Verkehr zwischen imaginären
Wesen ("Gott" "Geister" "Seelen"); eine imaginäre Naturwissenschaft
(anthropocentrisch; völliger Mangel des Begriffs der natürlichen
Ursachen) eine imaginäre Psychologie (lauter Selbst-
Missverständnisse, Interpretationen angenehmer oder unangenehmer
Allgemeingefühle, zum Beispiel der Zustände des nervus sympathicus mit
Hülfe der Zeichensprache religiös-moralischer Idiosynkrasie, - "Reue",
"Gewissensbiss", "Versuchung des Teufels", "die Nähe Gottes"); eine
imaginäre Teleologie ("das Reich Gottes", "das jüngste Gericht", "das
ewige Leben"). - Diese reine Fiktions-Welt unterscheidet sich dadurch
sehr zu ihren Ungunsten von der Traumwelt, dass letztere die
Wirklichkeit wiederspiegelt, während sie die Wirklichkeit fälscht,
entwertete, verneint. ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Nachdem erst der Begriff "Natur" als Gegenbegriff zu "Gott" erfunden
war, musste "natürlich" das Wort sein für "verwerflich", - jene ganze
Fiktions-Welt hat ihre Wurzel im Hass gegen das Natürliche (- die
Wirklichkeit! -), sie ist der Ausdruck eines tiefen Missbehagens am
Wirklichen ... Aber damit ist Alles erklärt. Wer allein hat Gründe
sich wegzulügen aus der Wirklichkeit?  Wer an ihr leidet. Aber an der
Wirklichkeit leiden heisst eine verunglückte Wirklichkeit sein ... Das
Übergewicht der Unlustgefühle über die Lustgefühle ist die Ursache
jener fiktiven Moral und Religion: ein solches Übergewicht giebt aber
die Formel ab für décadence ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
16.
Zu dem gleichen Schlusse nöthigt eine Kritik des christlichen
Gottesbegriffs. - Ein Volk, das noch an sich selbst glaubt, hat auch
noch seinen eignen Gott. In ihm verehrt es die Bedingungen, durch die
es obenauf ist, seine Tugenden, - es projicirt seine Lust an sich,
sein Machtgefühl in ein Wesen, dem man dafür danken kann. Wer reich
ist, will abgeben; ein stolzes Volk braucht einen Gott, um zu opfern
... Religion, innerhalb solcher Voraussetzungen, ist eine Form der
Dankbarkeit. Man ist für sich selber dankbar: dazu braucht man einen
Gott. - Ein solcher Gott muss nützen und schaden können, muss Freund
und Feind sein können, - man bewundert ihn im Guten wie im Schlimmen.
Die widernatürliche Castration eines Gottes zu einem Gotte bloss des
Guten läge hier ausserhalb aller Wünschbarkeit. Man hat den bösen Gott
so nöthig als den guten: man verdankt ja die eigne Existenz nicht
gerade der Toleranz, der Menschenfreundlichkeit ... Was läge an einem
Gotte, der nicht Zorn, Rache, Neid, Hohn, List, Gewaltthat kennte? dem
vielleicht nicht einmal die entzückenden ardeurs des Siegs und der
Vernichtung bekannt wären? Man würde einen solchen Gott nicht
verstehn: wozu sollte man ihn haben? ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Freilich: wenn ein Volk zu Grunde geht; wenn es den Glauben an
Zukunft, seine Hoffnung auf Freiheit endgültig schwinden fühlt; wenn
ihm die Unterwerfung als erste Nützlichkeit, die Tugenden der
Unterworfenen als Erhaltungsbedingungen in's Bewusstsein treten, dann
muss sich auch sein Gott verändern. Er wird jetzt Duckmäuser,
furchtsam, bescheiden, räth zum "Frieden der Seele", zum
Nicht-mehr-Hassen, zur Nachsicht, zur "Liebe" selbst gegen Freund und
Feind. Er moralisirt beständig, er kriecht in die Höhle jeder
Privattugend, wird Gott für Jedermann, wird Privatmann, wird
Kosmopolit ... Ehemals stellte er ein Volk, die Stärke eines Volkes,
alles Aggressive und Machtdurstige aus der Seele eines Volkes dar:
jetzt ist er bloss noch der gute Gott ... In der That, es giebt keine
andre Alternative für Götter: entweder sind sie der Wille zur Macht -
und so lange werden sie Volksgötter sein - oder aber die Ohnmacht zur
Macht - und dann werden sie nothwendig gut...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
17.
Wo in irgend welcher Form der Wille zur Macht niedergeht, giebt es
jedes Mal auch einen physiologischen Rückgang, eine décadence. Die
Gottheit der décadence, beschnitten an ihren männlichsten Tugenden und
Trieben, wird nunmehr nothwendig zum Gott der
physiologisch-Zurückgegangenen, der Schwachen. Sie heissen sich selbst
nicht die Schwachen, sie heissen sich "die Guten" ... Man versteht,
ohne dass ein Wink noch Noth thäte, in welchen Augenblicken der
Geschichte erst die dualistische Fiktion eines guten und eines bösen
Gottes möglich wird. Mit demselben Instinkte, mit dem die Unterworfnen
ihren Gott zum "Guten an sich" herunterbringen, streichen sie aus dem
Gotte ihrer Überwinder die guten Eigenschaften aus; sie nehmen Rache
an ihren Herrn, dadurch dass sie deren Gott verteufeln. - Der gute
Gott, ebenso wie der Teufel: Beide Ausgeburten der décadence. - Wie
kann man heute noch der Einfalt christlicher Theologen so viel
nachgeben, um mit ihnen zu dekretiren, die Fortentwicklung des
Gottesbegriffs vom "Gotte Israels", vom Volksgotte zum christlichen
Gotte, zum Inbegriff alles Guten sei ein Fortschritt? ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Wenn die Voraussetzungen des aufsteigenden Lebens, wenn alles Starke
Tapfere, Herrische, Stolze aus dem Gottesbegriffe eliminirt werden,
wenn er Schritt für Schritt zum Symbol eines Stabs für Müde, eines
Rettungsankers für alle Ertrinkenden heruntersinkt, wenn er
Arme-Leute-Gott, Sünder-Gott, Kranken-Gott par excellence wird, und
das Prädikat "Heiland", "Erlöser" gleichsam übrig bleibt als
göttliches Prädikat überhaupt: wovon redet eine solche Verwandlung?
eine solche Reduktion des Göttlichen? - Freilich: "das Reich Gottes"
ist damit grösser geworden.  Ehemals hatte er nur sein Volk, sein
"auserwähltes" Volk. Inzwischen gieng er, ganz wie sein Volk selber,
in die Fremde, auf Wanderschaft, er sass seitdem nirgendswo mehr
still: bis er endlich überall heimisch wurde, der grosse Cosmopolit, -
bis er "die grosse Zahl" und die halbe Erde auf seine Seite
bekam. Aber der Gott "der grossen Zahl", der Demokrat unter den
Göttern, wurde trotzdem kein stolzer Heidengott: er blieb Jude, er
blieb der Gott der Winkel, der Gott aller dunklen Ecken und Stellen,
aller ungesunden Quartiere der ganzen Welt! ... 
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche (Der Antichrist)
%
Und er [Gott] selbst, so blass, so schwach, so décadent ...
Selbst die Blassesten der Blassen wurden noch über ihn Herr, die
Herrn Metaphysiker, die Begriffs-Albinos. Diese spannen so lange um
ihn herum, bis er, hypnotisirt durch ihre Bewegungen, selbst Spinne,
selbst Metaphysicus wurde. Nunmehr spann er wieder die Welt aus sich
heraus - sub specie Spinozae -, nunmehr transfigurirte er sich ins
immer Dünnere und Blässere, ward "Ideal", ward "reiner Geist", ward
"absolutum", ward , Ding an sich ... Verfall eines Gottes: Gott ward
"Ding an sich"...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche (Der Antichrist)
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
18.
Der christliche Gottesbegriff - Gott als Krankengott, Gott als Spinne,
Gott als Geist - ist einer der corruptesten Gottesbegriffe, die auf
Erden erreicht worden sind; er stellt vielleicht selbst den Pegel des
Tiefstands in der absteigenden Entwicklung des Götter-Typus dar. Gott
zum Widerspruch des Lebens abgeartet, statt dessen Verklärung und
ewiges Ja zu sein. In Gott dem Leben, der Natur, dem Willen zum Leben
die Feindschaft angesagt! Gott die Formel für jede Verleumdung des
"Diesseits", für jede Lüge vom "Jenseits"! In Gott das Nichts
vergöttlicht, der Wille zum Nichts heilig gesprochen!
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
19.
... Zwei Jahrtausende beinahe und nicht ein einziger neuer Gott!
Sondern immer noch und wie zu Recht bestehend, wie ein ultimatum und
maximum der gottbildenden Kraft, des creator spiritus im Menschen,
dieser erbarmungswürdige Gott des christlichen Monotono-Theismus! dies
hybride Verfalls-Gebilde aus Null, Begriff und Widerspruch, in dem
alle Décadence-Instinkte, alle Feigheiten und Müdigkeiten der Seele
ihre Sanktion haben! - -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
20.
Mit meiner Verurtheilung des Christenthums möchte ich kein Unrecht
gegen eine verwandte Religion begangen haben, die der Zahl der
Bekenner nach sogar überwiegt, gegen den Buddhismus. Beide gehören als
nihilistische Religionen zusammen - sie sind décadence-Religionen -,
beide sind von einander in der merkwürdigsten Weise getrennt. Dass man
sie jetzt vergleichen kann, dafür ist der Kritiker des Christenthums
den indischen Gelehrten tief dankbar. - Der Buddhismus ist hundert Mal
realistischer als das Christenthum, - er hat die Erbschaft des
objektiven und kühlen Probleme-Stellens im Leibe, er kommt nach einer
Hunderte von Jahren dauernden philosophischen Bewegung, der Begriff
"Gott" ist bereits abgethan, als er kommt. Der Buddhismus ist die
einzige eigentlich positivistische Religion, die uns die Geschichte
zeigt, auch noch in seiner Erkenntnisstheorie (einem strengen
Phänomenalismus -), er sagt nicht mehr "Kampf gegen Sünde", sondern,
ganz der Wirklichkeit das Recht gebend, "Kampf gegen das Leiden". Er
hat - dies unterscheidet ihn tief vom Christenthum - die
Selbst-Betrügerei der Moral-Begriffe bereits hinter sich, - er steht,
in meiner Sprache geredet, jenseits von Gut und Böse. ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Die zwei physiologischen Thatsachen, auf denen er [der Buddhismus]
ruht und die er ins Auge fasst, sind: einmal eine übergrosse
Reizbarkeit der Sensibilität, welche sich als raffinirte
Schmerzfähigkeit ausdrückt, sodann eine Übergeistigung, ein
allzulanges Leben in Begriffen und logischen Prozeduren, unter dem der
Person-Instinkt zum Vortheil des "Unpersönlichen" Schaden genommen hat
(- Beides Zustände, die wenigstens Einige meiner Leser, die
"Objektiven", gleich mir selbst, aus Erfahrung kennen werden) Auf
Grund dieser physiologischen Bedingungen ist eine Depression
entstanden: gegen diese geht Buddha hygienisch vor. Er wendet dagegen
das Leben im Freien an, das Wanderleben, die Mässigung und die Wahl in
der Kost; die Vorsicht gegen alle Spirituosa; die Vorsicht insgleichen
gegen alle Affekte, die Galle machen, die das Blut erhitzen; keine
Sorge, weder für sich, noch für Andre. Er fordert Vorstellungen, die
entweder Ruhe geben oder erheitern - er erfindet Mittel, die andren
sich abzugewöhnen. Er versteht die Güte, das Gütig-sein als
gesundheitfördernd. Gebet ist ausgeschlossen, ebenso wie die Askese;
kein kategorischer Imperativ, kein Zwang überhaupt, selbst nicht
innerhalb der Klostergemeinschaft (- man kann wieder hinaus -) Das
Alles wären Mittel, um jene übergrosse Reizbarkeit zu verstärken.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Eben darum fordert er [der Buddhismus] auch keinen Kampf gegen
Andersdenkende; seine Lehre wehrt sich gegen nichts mehr als gegen das
Gefühl der Rache, der Abneigung, des ressentiment (- "nicht durch
Feindschaft kommt Feindschaft zu Ende": der rührende Refrain des
ganzen Buddhismus ... ) Und das mit Recht: gerade diese Affekte wären
vollkommen ungesund in Hinsicht auf die diätetische Hauptabsicht. Die
geistige Ermüdung, die er vorfindet, und die sich in einer
allzugrossen "Objektivität" (das heisst Schwächung des
Individual-Interesses, Verlust an Schwergewicht, an "Egoismus")
ausdrückt, bekämpft <er> mit einer strengen Zurückführung auch der
geistigsten Interessen auf die Person. In der Lehre Buddha's wird der
Egoismus Pflicht: das "Eins ist Noth", das "wie kommst du vom Leiden
los" regulirt und begrenzt die ganze geistige Diät (- man darf sich
vielleicht an jenen Athener erinnern, der der reinen
"Wissenschaftlichkeit" gleichfalls den Krieg machte, an Sokrates, der
den Personal-Egoismus auch im Reich der Probleme zur Moral erhob.)
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
21.
Die Voraussetzung für den Buddhismus ist ein sehr mildes Klima, eine
grosse Sanftmuth und Liberalität in den Sitten, kein Militarismus; und
dass es die höheren und selbst gelehrten Stände sind, in denen die
Bewegung ihren Heerd hat. Man will die Heiterkeit, die Stille, die
Wunschlosigkeit als höchstes Ziel, und man erreicht sein Ziel. Der
Buddhismus ist keine Religion, in der man bloss auf Vollkommenheit
aspirirt: das Vollkommne ist der normale Fall. ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Im Christenthume kommen die Instinkte Unterworfner und Unterdrückter
in den Vordergrund: es sind die niedersten Stände, die in ihm ihr Heil
suchen. Hier wird als Beschäftigung, als Mittel gegen die Langeweile,
die Casuistik der Sünde, die Selbstkritik, die Gewissens-Inquisition
geübt; hier wird der Affekt gegen einen Mächtigen, "Gott" genannt,
beständig aufrecht erhalten (durch das Gebet); hier gilt das Höchste
als unerreichbar, als Geschenk, als "Gnade". Hier fehlt auch die
Öffentlichkeit; der Versteck, der dunkle Raum ist christlich. Hier
wird der Leib verachtet, die Hygiene als Sinnlichkeit abgelehnt; die
Kirche wehrt sich selbst gegen die Reinlichkeit (- die erste
christliche Massregel nach Vertreibung der Mauren war die Schliessung
der öffentlichen Bäder, von denen Cordova allein 270 besass).
Christlich ist ein gewisser Sinn der Grausamkeit, gegen sich und
Andre; der Hass gegen die Andersdenkenden; der Wille, zu verfolgen.
Düstere und aufregende Vorstellungen sind im Vordergrunde; die
höchstbegehrten, mit den höchsten Namen bezeichneten Zustände sind
Epilepsoïden; die Diät wird so gewährt, dass sie morbide Erscheinungen
begünstigt und die Nerven überreizt. Christlich ist die Todfeindschaft
gegen die Herren der Erde, gegen die "Vornehmen" - und zugleich ein
versteckter heimlicher Wettbewerb (- man lässt ihnen den "Leib", man
will nur die "Seele" .. .) Christlich ist der Hass gegen den Geist,
gegen Stolz, Muth, Freiheit, libertinage des Geistes; christlich ist
der Hass gegen die Sinne, gegen die Freuden der Sinne, gegen die
Freude überhaupt ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
22.
Dies Christenthum, als es seinen ersten Boden verliess, die niedrigsten Stände, die Unterwelt der antiken Welt, als es unter
Barbaren-Völkern nach Macht ausgieng, hatte hier nicht mehr müde Menschen
zur Voraussetzung, sondern innerlich verwilderte und sich zerreissende, -
den starken Menschen, aber den missrathenen. Die Unzufriedenheit mit sich,
das Leiden an sich ist hier nicht wie bei dem Buddhisten eine übermässige
Reizbarkeit und Schmerzfähigkeit, vielmehr umgekehrt ein übermächtiges
Verlangen nach Wehethun, nach Auslassung der inneren Spannung in feindseligen
Handlungen und Vorstellungen. Das Christenthum hatte barbarische Begriffe
und Werthe nöthig, um über Barbaren Herr zu werden: solche sind das
Erstlingsopfer, das Bluttrinken im Abendmahl, die Verachtung des Geistes und
der Cultur; die Folterung in allen Formen, sinnlich und unsinnlich; der
grosse Pomp des Cultus. Der Buddhismus ist eine Religion für späte Menschen,
für gütige, sanfte, übergeistig gewordne Rassen, die zu leicht Schmerz
empfinden (Europa ist noch lange nicht reif für ihn -): er ist eine
Rückführung derselben zu Frieden und Heiterkeit, zur Diät im Geistigen,
zu einer gewissen Abhärtung im Leiblichen. Das Christenthum will über
Raubthiere Herr werden; sein Mittel ist, sie krank zu machen, -
die Schwächung ist das christliche Rezept zur Zähmung, zur "Civilisation".
Der Buddhismus ist eine Religion für den Schluss und die Müdigkeit der
Civilisation, das Christenthum findet sie noch nicht einmal vor, -
es begründet sie unter Umständen.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
23.
Der Buddhismus, nochmals gesagt, ist hundert Mal kälter, wahrhafter,
objektiver. Er hat nicht mehr nöthig, sich sein Leiden, seine
Schmerzfähigkeit anständig zu machen durch die Interpretation der
Sünde, - er sagt bloss, was er denkt "ich leide". Dem Barbaren dagegen
ist Leiden an sich nichts Anständiges: er braucht erst eine Auslegung,
um es sich einzugestehn, dass er leidet (sein Instinkt weist ihn eher
auf Verleugnung des Leidens, auf stilles Ertragen hin) Hier war das
Wort "Teufel" eine Wohlthat: man hatte einen übermächtigen und
furchtbaren Feind, - man brauchte sich nicht zu schämen, an einem
solchen Feind zu leiden. -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Das Christenthum hat einige Feinheiten auf dem Grunde, die zum Orient
gehören. Vor allem weiss es, dass es an sich ganz gleichgültig ist, ob
Etwas wahr <ist>, aber von höchster Wichtigkeit, sofern es als wahr
geglaubt wird. Die Wahrheit und der Glaube, dass Etwas wahr sei: zwei
ganz auseinanderliegende Interessen-Welten, fast Gegensatz - Welten -
man kommt zum Einen und zum Andren auf grundverschiednen Wegen.
Hierüber wissend zu sein - das macht im Orient beinahe den Weisen: so
verstehn es die Brahmanen, so versteht es Plato, so jeder Schüler
esoterischer Weisheit. Wenn zum Beispiel ein Glück darin liegt, sich
von der Sünde erlöst zu glauben, so thut als Voraussetzung dazu nicht
noth, dass der Mensch sündig sei, sondern dass er sich sündig fühlt.
Wenn aber überhaupt vor allem Glaube noth thut, so muss man die
Vernunft, die Erkenntniss, die Forschung in Misskredit bringen: der
Weg zur Wahrheit wird zum verbotnen Weg.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Die starke Hoffnung ist ein viel grösseres Stimulans des Lebens, als
irgend ein einzelnes wirklich eintretendes Glück. Man muss Leidende durch
eine Hoffnung aufrecht erhalten, welcher durch keine Wirklichkeit
widersprochen werden kann, - welche nicht durch eine Erfüllung abgethan
wird: eine Jenseits-Hoffnung. (Gerade wegen dieser Fähigkeit, den
Unglücklichen hinzuhalten, galt die Hoffnung bei den Griechen als übel
der Übel, als das eigentlich tückische Übel: es blieb im Fass des Übels
zurück). - Damit Liebe möglich ist, muss Gott Person sein; damit die
untersten Instinkte mitreden können, muss Gott jung sein. Man hat für die
Inbrunst der Weiber einen schönen Heiligen, für die der Männer eine
Maria in den Vordergrund zu rücken. Dies unter der Voraussetzung, dass
das Christenthum auf einem Boden Herr , werden will, wo aphrodisische
oder Adonis-Culte den Begriff des Cultus bereits bestimmt haben. Die
Forderung der Keuschheit verstärkt die Vehemenz und Innerlichkeit des
religiösen Instinkts - sie macht den Cultus wärmer, schwärmerischer,
seelenvoller. - Die Liebe ist der Zustand, wo der Mensch die Dinge am
meisten so sieht, wie sie nicht sind. Die illusorische Kraft ist da
auf ihrer Höhe, ebenso die versüssende, die verklärende Kraft. Man
erträgt in der Liebe mehr als sonst, man duldet Alles. Es galt eine
Religion zu erfinden, in der geliebt werden kann: damit ist man über
das Schlimmste am Leben hinaus - man sieht es gar nicht mehr. - So
viel über die drei christlichen Tugenden Glaube, Liebe, Hoffnung: ich
nenne sie die drei christlichen Klugheiten. - Der Buddhismus ist zu
spät, zu positivistisch dazu, um noch auf diese Weise klug zu sein. -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
24.
... Die Juden sind das merkwürdigste Volk der Weltgeschichte, weil sie,
vor die Frage von Sein und Nichtsein gestellt, mit einer vollkommen
unheimlichen Bewusstheit das Sein um jeden Preis vorgezogen haben:
dieser Preis war die radikale Fälschung aller Natur, aller
Natürlichkeit, aller Realität, der ganzen inneren Welt so gut als der
äusseren. Sie grenzten sich ab gegen alle Bedingungen, unter denen
bisher ein Volk leben konnte, leben durfte, sie schufen aus sich einen
Gegensatz-Begriff zu natürlichen Bedingungen, - sie haben, der Reihe
nach, die Religion, den Cultus, die Moral, die Geschichte, die
Psychologie auf eine unheilbare Weise in den Widerspruch zu deren
Natur-Werthen umgedreht. Wir begegnen demselben Phänomene noch einmal
und in unsäglich vergrösserten Proportionen, trotzdem nur als Copie: -
die christliche Kirche entbehrt, im Vergleich zum "Volk der Heiligen",
jedes Anspruchs auf Originalität. Die Juden sind, ebendamit, das
verhängnissvollste Volk der Weltgeschichte: in ihrer Nachwirkung haben
sie die Menschheit dermaassen falsch gemacht, dass heute noch der
Christ antijüdisch fühlen kann, ohne sich als die letzte jüdische
Consequenz zu verstehn.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Um Nein sagen zu können zu Allem, was die aufsteigende Bewegung des
Lebens, die Wohlgerathenheit, die Macht, die Schönheit, die
Selbstbejahung auf Erden darstellt, musste hier sich der Genie
gewordne Instinkt des ressentiment eine andre Welt erfinden, von wo
aus jene Lebens-Bejahung als das Böse, als das Verwerfliche an sich
erschien.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Javeh ist der Gott Israels und folglich Gott der Gerechtigkeit:
die Logik jedes Volks, das in Macht ist und ein gutes Gewissen davon hat.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche (Der Antichrist)
%
Der alte Gott konnte nichts mehr von dem, was er ehemals konnte. Man
hätte ihn fahren lassen sollen. Was geschah? Man veränderte seinen
Begriff, - man entnatürlichte seinen Begriff: um diesen Preis hielt
man ihn fest. - Javeh der Gott der "Gerechtigkeit", - nicht mehr eine
Einheit mit Israel, ein Ausdruck des Volks-Selbstgefühls: nur noch ein
Gott unter Bedingungen ... Sein Begriff wird ein Werkzeug in den
Händen priesterlicher Agitatoren, welche alles Glück nunmehr als Lohn,
alles Unglück als Strafe für Ungehorsam gegen Gott, für "Sünde",
interpretiren: jene verlogenste Interpretations-Manier einer angeblich
"sittlichen Weltordnung", mit der, ein für alle Mal, der Naturbegriff
"Ursache" und "Wirkung" auf den Kopf gestellt ist. Wenn man erst, mit
Lohn und Strafe, die natürliche Causalität aus der Welt geschafft hat,
bedarf man einer widernatürlichen Causalität: der ganze Rest von
Unnatur folgt nunmehr.  Ein Gott, der fordert - an Stelle eines
Gottes, der hilft, der Rath schafft, der im Grunde das Wort ist für
jede glückliche Inspiration des Muths und des Selbstvertrauens ... Die
Moral, nicht mehr der Ausdruck der Lebens- und Wachsthums-Bedingungen
eines Volk<s>, nicht mehr sein unterster Instinkt des Lebens, sondern
abstrakt geworden, Gegensatz zum Leben geworden, - Moral als
grundsätzliche Verschlechterung der Phantasie, als "böser Blick" für
alle Dinge. Was ist jüdische, was ist christliche Moral? Der Zufall um
seine Unschuld gebracht; das Unglück mit dem Begriff "Sünde"
beschmutzt; das Wohlbefinden als Gefahr, als "Versuchung"; das
physiologische Übelbefinden mit dem Gewissens-Wurm vergiftet ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche (Der Antichrist)
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
26.
Der Gottesbegriff gefälscht; der Moralbegriff gefälscht: - die
jüdische Priesterschaft blieb dabei nicht stehn. Man konnte die ganze
Geschichte Israels nicht brauchen: fort mit ihr! - Diese Priester
haben jenes Wunderwerk von Fälschung zu Stande gebracht, als deren
Dokument uns ein guter Theil der Bibel vorliegt: sie haben ihre eigne
Volks-Vergangenheit mit einem Hohn ohne Gleichen gegen jede
Überlieferung, gegen jede historische Realität ins Religiöse
übersetzt, das heisst, aus ihr einen stupiden Heils-Mechanismus von
Schuld gegen Javeh und Strafe, von Frömmigkeit gegen Javeh und Lohn
gemacht. Wir würden diesen schmachvollsten Akt der
Geschichts-Fälschung viel schmerzhafter empfinden, wenn uns nicht die
kirchliche Geschichts-Interpretation von Jahrtausenden fast stumpf für
die Forderungen der Rechtschaffenheit in historicis gemacht hätte.
...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Und der Kirche sekundirten die Philosophen: die Lüge "der sittlichen
Weltordnung" geht durch die ganze Entwicklung selbst der neueren
Philosophie. Was bedeutet "sittliche Weltordnung"? Dass es, ein für
alle Mal, einen Willen Gottes giebt, was der Mensch zu thun, was er zu
lassen habe; dass der Werth eines Volkes, eines Einzelnen sich darnach
bemesse, wie sehr oder wie wenig dem Willen Gottes gehorcht wird; dass
in den Schicksalen eines Volkes, eines Einzelnen sich der Wille Gottes
als herrschend, das heisst als strafend und belohnend, je nach dem
Grade des Gehorsams, beweist.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Die Realität an Stelle dieser erbarmungswürdigen Lüge heisst: eine
parasitische Art Mensch, die nur auf Kosten aller gesunden Bildungen
des Lebens gedeiht, der Priester, missbraucht den Namen Gottes: er nennt
einen Zustand der Dinge, in dem der Priester den Werth der Dinge bestimmt,
"das Reich Gottes"; er nennt die Mittel, vermöge deren ein solcher
Zustand erreicht oder aufrecht erhalten wird, "den Willen Gottes";
er misst, mit einem kaltblütigen Cynismus, die Völker, die Zeiten,
die Einzelnen darnach ab, ob sie der Priester-Übermacht nützten oder
widerstrebten. Man sehe sie am Werk: unter den Händen der jüdischen
Priester wurde die grosse Zeit in der Geschichte Israels eine
Verfalls-Zeit; das Exil, das lange Unglück verwandelte sich in eine
ewige Strafe für die grosse Zeit - eine Zeit, in der der Priester noch
nichts war ... Sie haben aus den mächtigen, sehr frei gerathenen Gestalten
der Geschichte Israels, je nach Bedürfniss, armselige Ducker und Mucker
oder "Gottlose" gemacht, sie haben die Psychologie jedes grossen
Ereignisses auf die Idioten-Formel "Gehorsam oder Ungehorsam gegen Gott"
vereinfacht.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Ein Schritt weiter: der "Wille Gottes", das heisst die
Erhaltungs-Bedingungen für die Macht des Priesters, muss bekannt sein,
- zu diesem Zwecke bedarf es einer "Offenbarung". Auf deutsch: eine
grosse litterarische Fälschung wird nöthig, eine "heilige Schrift"
wird entdeckt, - unter allem hieratischen Pomp, mit Busstagen und
Jammergeschrei über die lange "Sünde" wird sie öffentlich gemacht. Der
"Wille Gottes" stand längst fest: das ganze Unheil liegt darin, dass
man sich der "heiligen Schrift" entfremdet hat ... Moses schon war der
"Wille Gottes" offenbart ... Was war geschehn? Der Priester hatte, mit
Strenge, mit Pedanterie, bis auf die grossen und kleinen Steuern, die
man ihm zu zahlen hatte (- die schmackhaftesten Stücke vom Fleisch
nicht zu vergessen: denn der Priester ist ein Beefsteak-Fresser) ein
für alle Mal formulirt, was er haben will, "was der Wille Gottes ist"
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Von nun an sind alle Dinge des Lebens so geordnet, dass der
Priester überall unentbehrlich ist; in allen natürlichen Vorkommnissen
des Lebens, bei der Geburt, der Ehe, der Krankheit, dem Tode, gar
nicht vom Opfer ("der Mahlzeit") zu reden, erscheint der heilige
Parasit, um sie zu entnatürlichen: in seiner Sprache zu "heiligen" ...
Denn dies muss man begreifen: jede natürliche Sitte, jede natürliche
Institution (Staat, Gerichts-Ordnung, Ehe, Kranken- und Armenpflege),
jede vom Instinkt des Lebens eingegebne Forderung, kurz Alles, was
seinen Werth in sich hat, wird durch den Parasitismus des Priesters
(oder der "sittlichen Weltordnung") grundsätzlich werthlos,
werth-widrig gemacht: es bedarf nachträglich einer Sanktion, - eine
werthverleihende Macht thut noth, welche die Natur darin verneint,
welche eben damit erst einen Werth schafft ... Der Priester
entwerthet, entheiligt die Natur: um diesen Preis besteht er
überhaupt. - Der Ungehorsam gegen Gott, das heisst gegen den Priester,
gegen "das Gesetz" bekommt nun den Namen "Sünde"; die Mittel, sich
wieder "mit Gott zu versöhnen", sind, wie billig, Mittel, mit denen
die Unterwerfung unter den Priester nur noch gründlicher gewährleistet
ist: der Priester allein "erlöst" ... Psychologisch nachgerechnet
werden in jeder priesterlich organisirten Gesellschaft die "Sünden"
unentbehrlich: sie sind die eigentlichen Handhaben der Macht, der
Priester lebt von den Sünden, er hat nöthig, dass "gesündigt" wird ...
Oberster Satz: "Gott vergiebt dem, der Busse thut" - auf deutsch: der
sich dem Priester unterwirft. -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
27.
Auf einem dergestalt falschen Boden, wo jede Natur, jeder Natur-Werth,
jede Realität die tiefsten Instinkte der herrschenden Klasse wider
sich hatte, wuchs das Christenthum auf, eine Todfeindschafts-Form
gegen die Realität, die bisher nicht übertroffen worden ist. Das
"heilige Volk", das für alle Dinge nur Priester-Werthe, nur
Priester-Worte übrig behalten hatte, und mit einer
Schluss-Folgerichtigkeit, die Furcht einflössen kann, Alles, was sonst
noch an Macht auf Erden bestand, als "unheilig", als "Welt", als
"Sünde" von sich abgetrennt hatte - dies Volk brachte für seinen
Instinkt eine letzte Formel hervor, die logisch war bis zur
Selbstverneinung: es verneinte, als Christenthum, noch die letzte Form
der Realität, das "heilige Volk", das "Volk der Ausgewählten", die
jüdische Realität selbst. Der Fall ist ersten Rangs: die kleine
aufständische Bewegung, die auf den Namen des Jesus von Nazareth
getauft wird, ist der jüdische Instinkt noch einmal,- anders gesagt,
der Priester-Instinkt, der den Priester als Realität nicht mehr
verträgt, die Erfindung einer noch abgezogneren Daseinsform, einer
noch unrealeren Vision der Welt, als sie die Organisation einer Kirche
bedingt. Das Christenthum verneint die Kirche ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Ich sehe nicht ab, wogegen der Aufstand gerichtet war, als dessen
Urheber Jesus verstanden oder missverstanden worden ist, wenn es nicht
der Aufstand gegen die jüdische Kirche war, Kirche genau in dem Sinn
genommen, in dem wir heute das Wort nehmen. Es war ein Aufstand gegen
"die Guten und Gerechten", gegen "die Heiligen Israels", gegen die
Hierarchie der Gesellschaft - nicht gegen deren Verderbniss, sondern
gegen die Kaste, das Privilegium, die Ordnung, die Formel; es war der
Unglaube an die "höheren Menschen", das Nein gesprochen gegen Alles,
was Priester und Theologe war. Aber die Hierarchie, die damit, wenn
auch nur für einen Augenblick, in Frage gestellt wurde, war der
Pfahlbau, auf dem das jüdische Volk, mitten im "Wasser", überhaupt
noch fortbestand, die mühsam errungene letzte Möglichkeit, übrig zu
bleiben, das residuum seiner politischen Sonder-Existenz: ein Angriff
auf sie war ein Angriff auf den tiefsten Volks-Instinkt, auf den
zähesten Volks-Lebens-Willen, der je auf Erden dagewesen ist. Dieser
heilige Anarchist, der das niedere Volk, die Ausgestossnen und
"Sünder", die Tschandala innerhalb des Judenthums zum Widerspruch
gegen die herrschende Ordnung aufrief - mit einer Sprache, falls den
Evangelien zu trauen wäre, die auch heute noch nach Sibirien führen
würde, war ein politischer Verbrecher, so weit eben politische
Verbrecher in einer absurd-unpolitischen Gemeinschaft möglich waren.
Dies brachte ihn an's Kreuz: der Beweis dafür ist die Aufschrift des
Kreuzes. Er starb für seine Schuld, - es fehlt jeder Grund dafür, so
oft es auch behauptet worden ist, dass er für die Schuld Andrer starb.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
28.
...
Ich bekenne, dass ich wenige Bücher mit solchen Schwierigkeiten lese
wie die Evangelien. Diese Schwierigkeiten sind andre, als die, an
deren Nachweis die gelehrte Neugierde des deutschen Geistes einen
ihrer unvergesslichsten Triumphe gefeiert hat. Die Zeit ist fern, wo
auch ich, gleich jedem jungen Gelehrten, mit der klugen Langsamkeit
eines raffinirten Philologen das Werk des unvergleichlichen Strauss
auskostete. Damals war ich zwanzig Jahr alt: jetzt bin ich zu ernst
dafür. Was gehen mich die Widersprüche der "Überlieferung" an? Wie
kann man Heiligen-Legenden überhaupt "Überlieferung" nennen! Die
Geschichten von Heiligen sind die zweideutigste Litteratur, die es
überhaupt giebt: auf sie die wissenschaftliche Methode anwenden, wenn
sonst keine Urkunden vorliegen, scheint mir von vornherein verurtheilt
- blosser gelehrter Müssiggang ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Was mich angeht, ist der psychologische Typus des Erlösers. ...
Die Versuche, die ich kenne, aus den Evangelien sogar die Geschichte
einer "Seele" herauszulesen, scheinen mir Beweise einer verabscheuungswürdigen
psychologischen Leichtfertigkeit. Herr Renan, dieser Hanswurst in
psychologicis, hat die zwei ungehörigsten Begriffe zu seiner Erklärung
des Typus Jesus hinzugebracht, die es hierfür geben kann: den Begriff
Genie und den Begriff Held ("héros").  ...
Aus Jesus einen Helden machen! - Und was
für ein Missverständniss ist gar das Wort "Genie"! Unser ganzer
Begriff, unser Cultur-Begriff "Geist" hat in der Welt, in der Jesus
lebt, gar keinen Sinn. Mit der Strenge des Physiologen gesprochen,
wäre hier ein ganz andres Wort eher noch am Platz: das Wort Idiot.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche (Der Antichrist)
%
Wir kennen einen Zustand krankhafter Reizbarkeit des Tastsinns, der dann
vor jeder Berührung, vor jedem Anfassen eines festen Gegenstandes
zurückschaudert. Man übersetze sich einen solchen physiologischen
habitus in seine letzte Logik - als Instinkt-Hass gegen jede Realität,
als Flucht in's "Unfassliche", in's "Unbegreifliche", als Widerwille
gegen jede Formel, jeden Zeit- und Raumbegriff, gegen Alles, was fest,
Sitte, Institution, Kirche ist, als Zu-Hause-sein in einer Welt, an
die keine Art Realität mehr rührt, einer bloss noch "inneren" Welt,
einer "wahren" Welt, einer "ewigen" Welt ... "Das Reich Gottes ist in
euch" ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche (Der Antichrist)
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
30.
Der Instinkt-Hass gegen die Realität: Folge einer extremen Leid- und
Reizfähigkeit, welche überhaupt nicht mehr "berührt" werden will, weil
sie jede Berührung zu tief empfindet.

Die Instinkt-Ausschliessung aller Abneigung, aller Feindschaft, aller
Grenzen und Distanzen im Gefühl: Folge einer extremen Leid- und
Reizfähigkeit, welche jedes Widerstreben, Widerstreben-Müssen bereits
als unerträgliche Unlust (das heisst als schädlich, als vom
Selbsterhaltungs-Instinkte widerrathen) empfindet und die Seligkeit
(die Lust) allein darin kennt, nicht mehr, Niemandem mehr, weder dem
übel, noch dem Bösen, Widerstand zu leisten, - die Liebe als einzige,
als letzte Lebens-Möglichkeit ...

Dies sind die zwei physiologischen Realitäten, auf denen, aus denen
die Erlösungs-Lehre gewachsen ist. Ich nenne sie eine sublime
Weiter-Entwicklung des Hedonismus auf durchaus morbider Grundlage.
Nächstverwandt, wenn auch mit einem grossen Zuschuss von griechischer
Vitalität und Nervenkraft, bleibt ihr der Epicureismus, die
Erlösungs-Lehre des Heidenthums. Epicur ein typischer décadent: zuerst
von mir als solcher erkannt. - Die Furcht vor Schmerz, selbst vor dem
Unendlich-Kleinen im Schmerz - sie kann gar nicht anders enden als in
einer Religion der Liebe ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
31.
Ich habe meine Antwort auf das Problem vorweg gegeben. Die
Voraussetzung für sie ist, dass der Typus des Erlösers uns nur in
einer starken Entstellung erhalten ist. Diese Entstellung hat an sich
viel Wahrscheinlichkeit: ein solcher Typus konnte aus mehreren Gründen
nicht rein, nicht ganz, nicht frei von Zuthaten bleiben. Es muss
sowohl das milieu, in dem sich diese fremde Gestalt bewegte, Spuren an
ihm hinterlassen haben, als noch mehr die Geschichte, das Schicksal
der ersten christlichen Gemeinde: aus ihm wurde, rückwirkend, der
Typus mit Zügen bereichert, die erst aus dem Kriege und zu Zwecken der
Propaganda verständlich werden. Jene seltsame und kranke Welt, in die
uns die Evangelien einführen - eine Welt, wie aus einem russischen
Romane, in der sich Auswurf der Gesellschaft, Nerven leiden und
"kindliches" Idiotenthum ein Stelldichein zu geben scheinen - muss
unter allen Umständen den Typus vergröbert haben: die ersten Jünger in
Sonderheit übersetzten ein ganz in Symbolen und Unfasslichkeiten
schwimmendes Sein erst in die eigne Crudität, um überhaupt Etwas davon
zu verstehn, - für sie war der Typus erst nach einer Einformung in
bekanntere Formen vorhanden ... Der Prophet, der Messias, der
zukünftige Richter, der Morallehrer, der Wundermann, Johannes der
Täufer - ebensoviele Gelegenheiten, den Typus zu verkennen ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Einstweilen klafft ein Widerspruch zwischen dem Berg-, See-
und Wiesen-Prediger, dessen Erscheinung wie ein Buddha auf einem sehr
wenig indischen Boden anmuthet, und jenem Fanatiker des Angriffs, dem
Theologen- und Priester-Todfeind, den Renan's Bosheit als "le grand
maitre en ironie" verherrlicht hat. Ich selber zweifle nicht daran,
dass das reichliche Maass Galle (und selbst von esprit) erst aus dem
erregten Zustand der christlichen Propaganda auf den Typus des
Meisters übergeflossen ist: man kennt ja reichlich die
Unbedenklichkeit aller Sektirer, aus ihrem Meister sich ihre Apologie
zurechtzumachen. Als die erste Gemeinde einen richtenden, hadernden,
zürnenden, bösartig spitzfindigen Theologen nöthig hatte, gegen
Theologen, schuf sie sich ihren "Gott" nach ihrem Bedürfnisse: wie sie
ihm auch jene völlig unevangelischen Begriffe, die sie jetzt nicht
entbehren konnte, "Wiederkunft", "jüngstes Gericht", jede Art
zeitlicher Erwartung und Verheissung ohne Zögern in den Mund gab. -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
32.
Ich wehre mich, nochmals gesagt, dagegen, dass man den Fanatiker in
den Typus des Erlösers einträgt: das Wort impérieux, das Renan
gebraucht, annullirt allein schon den Typus. Die "gute Botschaft" ist
eben, dass es keine Gegensätze mehr giebt; das Himmelreich gehört den
Kindern; der Glaube, der hier laut wird, ist kein erkämpfter Glaube, -
er ist da, er ist von Anfang, er ist gleichsam eine ins Geistige
zurückgetretene Kindlichkeit. Der Fall der verzögerten und im
Organismus unausgebildeten Pubertät als Folgeerscheinung der
Degenerescenz ist wenigstens den Physiologen vertraut. - Ein solcher
Glaube zürnt nicht, tadelt nicht, wehrt sich nicht: er bringt nicht
"das Schwert", - er ahnt gar nicht, in wiefern er einmal trennen
könnte. Er beweist sich nicht, weder durch Wunder, noch durch Lohn und
Verheissung, noch gar "durch die Schrift": er selbst ist jeden
Augenblick sein Wunder, sein Lohn, sein Beweis, sein "Reich Gottes".
Dieser Glaube formulirt sich auch nicht - er lebt, er wehrt sich gegen
Formeln.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Freilich bestimmt der Zufall der Umgebung, der Sprache, der
Vorbildung einen gewissen Kreis von Begriffen: das erste Christenthum
handhabt nur jüdischsemitische Begriffe (- das Essen und Trinken beim
Abendmahl gehört dahin, jener von der Kirche, wie alles jüdische, so
schlimm missbrauchte Begriff) Aber man hüte sich darin mehr als eine
Zeichenrede, eine Semiotik, eine Gelegenheit zu Gleichnissen zu sehn.
Gerade, dass kein Wort wörtlich genommen wird, ist diesem
Anti-Realisten die Vorbedingung, um überhaupt reden zu können. Unter
Indern würde er sich der Sankhyam-Begriffe, unter Chinesen der des
Laotse bedient haben - und keinen Unterschied dabei fühlen. - Man
könnte, mit einiger Toleranz im Ausdruck, Jesus einen "freien Geist"
nennen - er macht sich aus allem Festen nichts: das Wort tödtet, alles
was fest ist, tödtet. Der Begriff, die Erfahrung "Leben", wie er sie
allein kennt, widerstrebt bei ihm jeder Art Wort, Formel, Gesetz,
Glaube, Dogma. Er redet bloss vom Innersten: "Leben" oder "Wahrheit"
oder "Licht" ist sein Wort für das Innerste, - alles übrige, die ganze
Realität, die ganze Natur, die Sprache selbst, hat für ihn bloss den
Werth eines Zeichens, eines Gleichnisses. - 
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Man darf sich an dieser Stelle durchaus nicht vergreifen, so gross auch die
Verführung ist, welche im christlichen, will sagen kirchlichen Vorurtheil
liegt: Eine solche Symbolik par excellence steht ausserhalb aller Religion,
aller Cult-Begriffe, aller Historie, aller Naturwissenschaft, aller
Welt-Erfahrung, aller Kenntnisse, aller Politik, aller Psychologie,
aller Bücher, aller Kunst - sein "Wissen" ist eben , die reine
Thorheit darüber, dass es Etwas dergleichen giebt. Die Cultur ist ihm
nicht einmal vom Hörensagen bekannt, er hat keinen Kampf gegen sie
nöthig, - er verneint sie nicht ... Dasselbe gilt vom Staat, von der
ganzen bürgerlichen Ordnung und Gesellschaft, von der Arbeit, vom
Kriege - er hat nie einen Grund gehabt, "die Welt" zu verneinen, er
hat den kirchlichen Begriff "Welt" nie geahnt ... Das Verneinen ist
eben das ihm ganz Unmögliche. - Insgleichen fehlt die Dialektik, es
fehlt die Vorstellung dafür, dass ein Glaube, eine "Wahrheit" durch
Gründe bewiesen werden könnte (- seine Beweise sind innere "Lichter",
innere Lust-Gefühle und Selbstbejahungen, lauter "Beweise der Kraft"
-) Eine solche Lehre kann auch nicht widersprechen, sie begreift gar
nicht, dass es andre Lehren giebt, geben kann , sie weiss sich ein
gegentheiliges Urtheilen gar nicht vorzustellen ... Wo sie es
antrifft, wird sie aus innerstem Mitgefühle über "Blindheit" trauern,
- denn sie sieht das "Licht" -, aber keinen Einwand machen ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
34.
...
Ich schäme mich daran zu erinnern, was die Kirche aus diesem Symbolismus
gemacht hat: hat sie nicht eine Amphitryon-Geschichte an die Schwelle des
christlichen "Glaubens" gesetzt? Und ein Dogma von der "unbefleckten
Empfängniss" noch obendrein? ... Aber damit hat sie die Empfängniss
befleckt ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
35.
Dieser "frohe Botschafter" starb wie er lebte, wie er lehrte - nicht
um "die Menschen zu erlösen", sondern um zu zeigen, wie man zu leben
hat. Die Praktik ist es, welche er der Menschheit hinterliess: sein
Verhalten vor den Richtern, vor den Häschern, vor den Anklägern und
aller Art Verleumdung und Hohn, - sein Verhalten am Kreuz. Er
widersteht nicht, er vertheidigt nicht sein Recht, er thut keinen
Schritt, der das Äusserste von ihm abwehrt, mehr noch, er fordert es
heraus... Und er bittet, er leidet, er liebt mit denen, in denen, die
ihm Böses thun ... Die Worte zum Schächer am Kreuz enthalten das ganze
Evangelium. "Das ist wahrlich ein göttlicher Mensch gewesen, ein Kind
Gottes" sagt der Schächer. "Wenn du dies fühlst - anwortet der Erlöser
- so bist du im Paradiese, so bist auch du ein Kind Gottes ..." Nicht
sich wehren, nicht zürnen, nicht verantwortlich-machen ... Sondern
auch nicht dem Bösen widerstehen, - ihn lieben...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
36.
Erst wir, wir freigewordenen Geister, haben die Voraussetzung dafür,
Etwas zu verstehn, das neunzehn Jahrhunderte missverstanden haben, -
jene Instinkt und Leidenschaft gewordene Rechtschaffenheit, welche der
"heiligen Lüge" noch mehr als jeder andren Lüge den Krieg macht ...
Man war unsäglich entfernt von unsrer liebevollen und vorsichtigen
Neutralität, von jener Zucht des Geistes, mit der allein das Errathen
so fremder, so zarter Dinge ermöglicht wird: man wollte jeder Zeit,
mit einer unverschämten Selbstsucht, nur seinen Vortheil darin, man
hat aus dem Gegensatz zum Evangelium die Kirche aufgebaut ...

Wer nach Zeichen dafür suchte, dass hinter dem grossen Welten-Spiel
eine ironische Göttlichkeit die Finger handhabte, er fände keinen
kleinen Anhalt in dem ungeheuren Fragezeichen , das Christenthum
heisst. Dass die Menschheit vor dem Gegensatz dessen auf den Knien
liegt, was der Ursprung, der Sinn, das Recht des Evangeliums war, dass
sie in dem Begriff "Kirche" gerade das heilig gesprochen hat, was der
"frohe Botschafter" als unter sich, als hinter sich empfand - man
sucht vergebens nach einer grösseren Form welthistorischer Ironie -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Der Antichrist. Fluch auf das Christenthum.
37.
- Unser Zeitalter ist stolz auf seinen historischen Sinn: wie hat es
sich den Unsinn glaublich machen können, dass an dem Anfange des
Christenthums die grobe Wunderthäter - und Erlöser-Fabel steht, - und
dass alles Spirituale und Symbolische erst eine spätere Entwicklung
ist? Umgekehrt: die Geschichte des Christenthums - und zwar vom Tode
am Kreuze an - ist die Geschichte des schrittweise immer gröberen
Missverstehns eines ursprünglichen Symbolismus. Mit jeder Ausbreitung
des Christenthums über noch breitere, noch rohere Massen, denen die
Voraussetzungen immer mehr abgiengen, aus denen es geboren ist, wurde
es nöthiger, das Christenthum zu vulgarisiren, zu barbarisiren, - es
hat Lehren und Riten aller unterirdischen Culte des imperium Romanurn,
es hat den Unsinn aller Arten kranker Vernunft in sich eingeschluckt.
Das Schicksal des Christenthums liegt in der Nothwendigkeit, dass sein
Glaube selbst so krank, so niedrig und vulgär werden musste, als die
Bedürfnisse krank, niedrig und vulgär waren, die mit ihm befriedigt
werden sollten. Als Kirche summirt sich endlich die kranke Barbarei
selbst zur Macht, - die Kirche diese Todfeindschaftsform zu jeder
Rechtschaffenheit, zu jeder Höhe der Seele, zu jeder Zucht des
Geistes, zu jeder freimüthigen und gütigen Menschlichkeit. - Die
christlichen - die vornehmen Werthe: erst wir, wir freigewordnen
Geister, haben diesen grössten Werth-Gegensatz, den es giebt,
wiederhergestellt! - -
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Ich unterdrücke an dieser Stelle einen Seufzer nicht. Es giebt Tage,
wo mich ein Gefühl heimsucht, schwärzer als die schwärzeste
Melancholie - die Menschen-Verachtung. Und damit ich keinen Zweifel
darüber lasse, was ich verachte, wen ich verachte: der Mensch von
heute ist es, der Mensch, mit dem ich verhängnissvoll gleichzeitig
bin. Der Mensch von heute - ich ersticke an seinem unreinen Athem ...
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Gegen das Vergangne bin ich, gleich allen Erkennenden, von einer
grossen Toleranz, das heisst grossmüthigen Selbstbezwingung: ich gehe
durch die Irrenhaus-Welt ganzer Jahrtausende, heisse sie nun
"Christenthum", "christlicher Glaube", "christliche Kirche" mit einer
düsteren Vorsicht hindurch, - ich hüte mich, die Menschheit für ihre
Geisteskrankheiten verantwortlich zu machen. Aber mein Gefühl schlägt
um, bricht heraus, sobald ich in die neuere Zeit, in unsre Zeit
eintrete. Unsre Zeit ist wissend ... Was ehemals bloss krank war,
heute ward es unanständig, - es ist unanständig, heute Christ zu sein.
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Und hier beginnt mein Ekel. - Ich sehe mich um: es ist kein Wort von
dem mehr übrig geblieben, was ehemals "Wahrheit" hiess, wir halten es
nicht einmal mehr aus, wenn ein Priester das Wort "Wahrheit" auch nur
in den Mund nimmt. Selbst bei dem bescheidensten Anspruch auf
Rechtschaffenheit muss man heute wissen, dass ein Theologe, ein
Priester, ein Papst mit jedem Satz, den er spricht, nicht nur irrt,
sondern lügt, - dass es ihm nicht mehr freisteht, aus "Unschuld", aus
"Unwissenheit" zu lügen. Auch der Priester weiss, so gut es Jedermann
weiss, dass es keinen "Gott" mehr giebt, keinen "Sünder", keinen
"Erlöser", - dass "freier Wille", "sittliche Weltordnung" Lügen sind:
- der Ernst, die tiefe Selbstüberwindung des Geistes erlaubt Niemandem
mehr, hierüber nicht zu wissen ... Alle Begriffe der Kirche sind
erkannt als das was sie sind, als die bösartigste Falschmünzerei, die
es giebt, zum Zweck, die Natur, die Natur-Werthe zu entwerthen; der
Priester selbst ist erkannt als das, was er ist, als die gefährlichste
Art Parasit, als die eigentliche Giftspinne des Lebens
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Wir wissen, unser Gewissen weiss es heute -, was überhaupt jene unheimlichen
Erfindungen der Priester und der Kirche werth sind, wozu sie dienten,
mit denen jener Zustand von Selbstschändung der Menschheit erreicht
worden ist, der Ekel vor ihrem Anblick machen kann - die Begriffe
"Jenseits", "jüngstes Gericht", "Unsterblichkeit der Seele", die
"Seele" selbst; es sind Folter-Instrumente, es sind Systeme von
Grausamkeiten, vermöge deren der Priester Herr wurde, Herr blieb ...
Jedermann weiss das: und trotzdem bleibt Alles beim Alten. Wohin kam
das letzte Gefühl von Anstand, von Achtung vor sich selbst, wenn
unsere Staatsmänner sogar, eine sonst sehr unbefangne Art Menschen und
Antichristen der That durch und durch, sich heute noch Christen nennen
und zum Abendmahl gehn? ... Ein junger Fürst, an der Spitze seiner
Regimente<r>, prachtvoll als Ausdruck der Selbstsucht und
Selbstüberhebung seines Volks, - aber, ohne jede Scham, sich als
Christen bekennend! ... Wen verneint denn das Christenthum? was heisst
es "Welt"? Dass man Soldat, dass man Richter, dass man Patriot ist;
dass man sich wehrt; dass man auf seine Ehre hält; dass man seinen
Vortheil will; dass man stolz ist ... Jede Praktik jedes Augenblicks,
jeder Instinkt, jede zur That werdende Werthschätzung ist heute
antichristlich: was für eine Missgeburt von Falschheit muss der
moderne Mensch sein, dass er sich trotzdem nicht schämt, Christ noch
zu heissen!
		-- Friedrich Wilhelm Nietzsche
%
Amerika ist wahrscheinlich das einzige Land, daß den Schritt von
der Barbarei zur Dekadenz ohne den Umweg über die Zivilisation
vollzogen hat.
		-- John O'Hara
%
Der Computer ist die logische Weiterentwicklung des Menschen:
Intelligenz ohne Moral.
		-- John Osborne
%
Für den Optimisten ist das Leben kein Problem, sondern bereits die
Lösung.
		-- Marcel Pagnol
%
Das Herz hat seine Gründe, die die Vernunft nicht kennt
		-- Blaise Pascal
%
Der Mensch, welcher nur sich liebt, fürchtet nichts so sehr,
als mit sich allein zu sein.
		-- Blaise Pascal
%
Die letzte Erkenntnis bei der Erledigung einer Arbeit ist die,
was man zuerst hätte tun sollen.
		-- Blaise Pascal
%
Wenn ich nur mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich Dir einen kürzeren
Brief geschrieben.
		-- Blaise Pascal
%
Wir erfassen ein Bild der Wahrheit und besitzen nichts als Falschheit.
		-- Blaise Pascal, "Gedanken"
%
Es sind nur zwei Gesellschaftsformen zu unterscheiden: Solche, in denen
es den Regierten ohne Gewalt möglich ist, die Regierenden auszutauschen
und solche, in denen das nicht möglich ist.
		-- Karl Popper, in "Verbreitete Irrtümmer" zum Thema Demokratie
%
"Mehrere Ausrufungszeichen," setzte er kopfschüttelnd fort, "sind ein
sicheres Zeichen für einen krankhaften Geist."
		-- Terry Pratchett, "Eric"
%
Ich begreife sehr wohl, warum manche ihren Körper so wenig den
Befehlen der Weisheit untertänig machen können. Der, dessen Herz bei
jedem neuen Vorfall zu pochen anfängt, wird über dasselbe anfangs
wenig mit seiner Weisheit vermögen. Denn das Bestreben, den Fehler zu
vermeiden, bringt ihn hervor.
		-- Jean Paul
%
Es ist der Wahrheit nicht zuträglich, wenn ein großer Kopf mit einem
dummen Gegner streitet. Da jener diesen für zu gering ansieht, so wird
er ihm auch da nicht Recht lassen, wo er's hat.
		-- Jean Paul
%
Wenn der Feige vor andern sich an seinem Feinde zu rächen drohet oder
schon gerächt zu haben lüget, so folget er hierin weniger seinem
Stolze, für tapfer zu gelten, als seinem Zorne, zu dessen Auslassung
der ganze Körper kein anderes Glied als die Zunge anbietet, und der
sich mutig zu machen sucht, indem er's scheinen will.
		-- Jean Paul
%
Man hat nicht bei jeder Person denselben Witz. Es gibt Leute, bei
denen es unmöglich ist, witzig zu sein. Ein Witziger ist es selten bei
einem Witzigen, am wenigsten bei höheren Personen.
		-- Jean Paul
%
Man lobt den andern lieber in Briefen als ins Gesicht.
		-- Jean Paul
%
Wer nicht den Mut hat, auf seine eigne Art närrisch zu sein, hat ihn
schwerlich, auf seine eigne klug zu sein.
		-- Jean Paul
%
Der Skeptiker liebt den Orthodoxen mehr als den Heterodoxen.
		-- Jean Paul
%
Nur recht berühmte Leute kann man leicht fein loben.
		-- Jean Paul
%
Das System, das ein großer Mann erfunden, können kleine nicht
verteidigen; auch zum letzteren gehört ein großer.
		-- Jean Paul
%
Wir suchen der Nachwelt bekannt zu werden und grämen uns doch nicht,
es der Vorwelt nicht zu sein.
		-- Jean Paul
%
Der Professor schreibt seine Lektionszettel flüchtig, weil er seine
Unabhängigkeit von Studenten zeigen will.
		-- Jean Paul
%
Der lügt am sichersten, der die Wahrheit nur verfälscht und keine
ganze Lüge erdichten darf; bei jedem nimmt er ein andres Stück
Wahrheit weg und setzt eine andre Lüge hinzu.
		-- Jean Paul
%
Die Nacht ist so zu Träumen eingerichtet, daß man auch wachend in
Träume gerückt wird; man wird von ihr traumtrunken.
		-- Jean Paul
%
Jeder Mensch hat seine Lieblingsausdrücke, das Schöne zu loben.
		-- Jean Paul
%
Die Satire bessert selten. Darum sei sie nicht bloß lächelnd, sondern
bitter, um die Toren, die sie nicht bessern kann, wenigstens zu
bestrafen.
		-- Jean Paul
%
Kritik lernt man mehr von eignen Arbeiten als von Kunstrichtern.
		-- Jean Paul
%
Die Schriftsteller, welche ihre Schriften mit der Feile in der Hand
verfertigen, werden im gemeinen Leben wenig oder schlecht sprechen.
Sie sind zu sehr gewohnt, gut zu sprechen, um geschwind zu sprechen.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor sollte unter die Schönheiten, die nur Kenner fühlen, immer
solche mit mischen, die auch der schlechte Leser fühlt.
		-- Jean Paul
%
Man erwartet in den Anmerkungen eines Buches schlechtern Stil.
		-- Jean Paul
%
Vor Frauenzimmern darf man bloß Männer loben.
		-- Jean Paul
%
In einer schlechten Kleidung gelingt das Artigtun weniger als in einer
guten.
		-- Jean Paul
%
Der gefällt nicht, der fürchtet, nicht zu gefallen; denn die
Ungezwungenheit, die allen übrigen Schönheiten des Umgangs erst ihren
Wert und oft ihr Dasein gibt, verschwindet mit der Furcht.
		-- Jean Paul
%
Eine witzige Schmeichelei verzeiht sogar der Bescheidenste.
		-- Jean Paul
%
Bei der Geliebten nur darf man von sich reden.
		-- Jean Paul
%
Die Verstellung hilft unter Leuten, denen wir ähnlich sind, nichts.
		-- Jean Paul
%
Welcher Unterschied, ob wir mit dem abgenommenen Hute einen Halbzirkel
beschreiben oder ihn senkrecht bis zur Brust herunternehmen.
		-- Jean Paul
%
Wenn der andre sich mit allen seinen Fehlern, die er noch besser kennt
als ich, erträgt, warum sollte ich ihn nicht ertragen?
		-- Jean Paul
%
In unsern Gesprächen verweilen wir bei einem witzigen Gedanken und
bestreiten den ernsthaften, anstatt es umzukehren.
		-- Jean Paul
%
Ein einziger Geruch weckt ganze Gruppen von alten Empfindungen wieder
auf; wirkt mehr auf die Phantasie als selbst das Auge.
		-- Jean Paul
%
Man freuet sich über die Standhaftigkeit des Missetäters, weil er
dadurch unser Gefühl der Unterwürfigkeit unter die Obrigkeit mildert.
		-- Jean Paul
%
Man verteidiget oft eine Sache mit schwachen Gründen, weil man die
stärksten sich nicht zu sagen getraut.
		-- Jean Paul
%
Mit zu großer Traurigkeit sympathisieren wir leichter als mit zu
großer Freude, die Sympathie wächst mit jener, nicht mit dieser.
		-- Jean Paul
%
Ganz anders und besser versteht und goutiert man einen Autor, wenn man
ihn über eine Sache lieset, über deren Aufklärung man eben jetzt
verlegen ist.
		-- Jean Paul
%
Den Unmut über unsre Fehler lassen wir an der Art aus, mit der der
Freund sie uns entdeckte. Geschah es frei, so zürnen wir über seine
Unbescheidenheit, Plumpheit und Grobheit; geschah es fein, über seine
Verstellung.
		-- Jean Paul
%
Man ist neugierig, die Stellen im Buche zu lesen, die ein andrer
unterstrichen hat.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch gehet allezeit, wenn er sich noch so lange gegen eine
Meinung gesträubt, endlich zu ihr mit Leidenschaft über.
		-- Jean Paul
%
Man läßt sich herunter zu denen, die man liebt, wenn sie klein sind,
bis auf einen gewissen Grad, zu dem man sich nie aus Liebe gegen
Größere herablassen würde, und Sokrates ritt wohl mit seinen Kindern,
aber nicht mit Größern auf dem Steckenpferd.
		-- Jean Paul
%
Wenn man die Verteidigung nicht widerlegen kann, tadelt man die Art
derselben.
		-- Jean Paul
%
Ein Dummer mit Lebhaftigkeit ist das lächerlichste Geschöpf.
		-- Jean Paul
%
Wenn einer alle die Hindernisse überdenkt, die sein ganzes Leben durch
seine Entwicklung bestritten hatten, so ruft er aus: »Was hätt ich
nicht werden können!«
		-- Jean Paul
%
Es ist falsch, daß gewisse Laster einen großen Geist beweisen. Nicht
das Laster selbst, sondern die Mittel, durch die man es ausübt,
bestätigen die Größe.
		-- Jean Paul
%
Wenn Seneca sagt, Gott könne nichts lieber sehen als einen
tugendhaften Mann im Widerstande gegen das Unglück, so setzte ich
hinzu: als einen im Genusse einer erlaubten Freude.
		-- Jean Paul
%
Es ärgert einen, wenn man ihm die zu lesende Zeitung voraussagt.
		-- Jean Paul
%
Man kann gegen ein Laster mit dem größten Nachdruck predigen und es
doch ausüben, ohne zu heucheln.
		-- Jean Paul
%
Es gibt Leute, die, um tugendhaft zu sein, erst Gelegenheit brauchen.
		-- Jean Paul
%
Die Republik zeugt und ermordet große Männer; die Monarchie tut das
erstere nicht; jene lässet sie große Taten tun und belohnet mit
Undank, diese verbeut große Taten.
		-- Jean Paul
%
Niemand denkt über den verschiedenen Wert großer Autoren verschiedener
als große selbst.
		-- Jean Paul
%
Eine Frau kann einem Achtung für ihr Geschlecht einflößen, aber
mehrere auf einmal vermindern sie.
		-- Jean Paul
%
Manche können nur fremde Meinungen, nicht ihre eignen berichtigen.
		-- Jean Paul
%
Wenn man von gewissen Sekten etc. höret: glaubt man, sie wären
unsinnig, so etwas zu glauben. Aber wenn man mit ihnen bekannt wird:
findet man wenigstens Zusammenhang in ihren Irrtümern.
		-- Jean Paul
%
Zuviel Enthusiasmus in der Tugend macht auf den folgenden Augenblick
desto kälter und schadet also.
		-- Jean Paul
%
Wenn ich in der Jugend jemand seine Nase mit Geräusch reinigen sah,
hoffte ich es einst auch tun zu können und beneidete ihn.
		-- Jean Paul
%
Bei den gemeinen Leuten ist man vornehm delikat, bei den Vornehmen
zynisch.
		-- Jean Paul
%
Die Personen können sich am leichtesten verstellen, die vorher gut
waren; wie Schauspieler die Rollen, die ihrer natürlichen am nächsten
kommen, gut spielen.
		-- Jean Paul
%
In der Einsamkeit wird der gute Teil des Menschen, in der Menge der
schlechte vergrößert; jener bekommt dort die Waffen, dieser fühlt sie
hier. In der Gesellschaft lernt man die Tugend nicht.
		-- Jean Paul
%
Wenn man fragt: »Würde mit der Leidenschaft nicht manche gute Tat
wegfallen?« so heißt das: »Würde der, der, weil er keinen Zorn hätte,
eine gute Tat unterließe, nicht Trägheit an dessen Statt haben?« Das
heißt aber: »Welches ist besser, dieses oder jenes Laster?« und unsre
Frage war doch: »Ist's nicht überhaupt besser, kein Laster zu haben?«
		-- Jean Paul
%
Die Gewohnheit der Vollkommenheit des Freundes macht gegen ihn
ungerecht. Man denke sich dieselbe an einem andern, wie würde man ihn
lieben!
		-- Jean Paul
%
Wenn man in einem wirksamen Helfen begriffen ist, wird man von den
Seufzern des Leidenden minder gerührt.
		-- Jean Paul
%
Wenn der andre ein wenig Genie zeigt, so werden wir neidisch und
ungerecht gegen ihn sein; wenn er aber uns zu sehr übertrifft, nicht.
		-- Jean Paul
%
Je sinnlicher die Seelenkraft, worin man hervorsticht, desto
origineller; daher sind am meisten originell die Musiker, weniger die
Maler, noch weniger die Poeten, und am wenigsten die Philosophen.
		-- Jean Paul
%
Das Schönste, was wir in der Vergangenheit antreffen, ist die
Hoffnung.
		-- Jean Paul
%
Wenn man sich etwas erinnern will, hebt man den Kopf in die Höhe.
		-- Jean Paul
%
Kleiner Schmerz ist in Augenblicken leidlich, aber nicht in der
Fortdauer; also liegt die Ursache unserer Ungeduld darin, daß er uns
immer unterbricht.
		-- Jean Paul
%
Die Vernunft kann, wenn sie einer Leidenschaft oder Empfindung ihren
Ungrund und ihre Narrheit noch so deutlich zeigt, sie doch nie
aufheben, sondern höchstens schwächen.
		-- Jean Paul
%
Wenn einer an einem großen Mann einen Fehler, den er selbst nicht hat,
wahrnimmt, so wünschet er sich sofort Glück, daß er solcher nicht ist.
		-- Jean Paul
%
Jeder Mensch ist in einer Sache ordentlich.
		-- Jean Paul
%
Jeder bewundert den Mut des andern und findet seine Freiheit edel;
treffen beide ihn, dann erregen sie seinen Zorn.
		-- Jean Paul
%
Mit wieviel tausend kleinen Mitteln muß sich der Mensch abgeben, ehe
er mit etwas Großem sich beschäftigen kann.
		-- Jean Paul
%
Man würde die Menschen leichter kennen, wenn man nicht jede Handlung
als die Folge von Grundsätzen ansähe; man hält zu selten eine für
Kaprize, aus der nicht auf den Hauptcharakter zu schließen ist.
		-- Jean Paul
%
Ein großer Schritt zur Tugend ist, daß man nicht alles an sich liebt,
seine Kleinigkeiten, Geschmack im Essen etc.
		-- Jean Paul
%
Jede Verleumdung, wenn man sie auch verwirft, läßt eine geringere
Meinung vom Verleumdeten auf kurze Zeit zurück.
		-- Jean Paul
%
Wenn man beim Erzählen eines fremden Scherzes selbst sehr lacht, so
gewinnt er; bei dem eines eignen, so verliert er.
		-- Jean Paul
%
Man wird mit weniger Anstoß über Glaubenssachen spotten als streiten,
weil man im ersteren Falle doch noch daran zu glauben scheint.
		-- Jean Paul
%
Das Lob einer besondern Eigenschaft setzet dem Verdachte der
Schmeichelei aus, da der andre sich seiner Schwäche darin vielleicht
bewußt ist; aber ein allgemeines Lob wird für keine gehalten, weil
jeder sich vortrefflich im Ganzen hält.
		-- Jean Paul
%
Um zur Wahrheit zu gelangen, sollte jeder die Meinung seines Gegners
zu verteidigen suchen.
		-- Jean Paul
%
Die Mutter liebt der Art Menschen, von der ihr Sohn ist; gibt dem
Handwerksburschen, wenn ihr Sohn einer, mehr.
		-- Jean Paul
%
Jeder Mensch wünscht sich im Frühling zu verlieben.
		-- Jean Paul
%
Die Finger, wenn sie beschmutzt sind, auseinandergebreitet tragen.
		-- Jean Paul
%
Der Wirt ist stets aufrichtiger als der Gast.
		-- Jean Paul
%
Wer in einer Gesellschaft ein Bonmot erklärt, hat seine Feinheit nicht
verstanden.
		-- Jean Paul
%
Die Bewunderung nützt nicht sowohl dem Gegenstande als dem Subjekt am
meisten; man freuet sich über die Größe des Menschen und daß man sie
empfindet.
		-- Jean Paul
%
Wenn ich mit einem Freunde zürne, werd ich sogleich wieder gut, sobald
ich eine Gelegenheit bekomme, ihm einen Dienst zu erweisen etc.
		-- Jean Paul
%
An andern liebt man Vollkommenheiten, an sich sich.
		-- Jean Paul
%
Er lobt mit Vergnügen die Tugenden des andern und rügt mit Vergnügen
seine Fehler.
		-- Jean Paul
%
Alles Vergnügen kommt von ungefähr und fället aus den Wolken; an dem,
das man lange erwartet, ist selten viel.
		-- Jean Paul
%
Wir schämen uns mehr vor uns selber, wenn wir uns einer Torheit, als
eines Lasters erinnern.
		-- Jean Paul
%
Jeder sieht nun ein, daß die Verleumdung von ihm lüge; und doch
vermutet er nicht, daß sie auch von andern Leuten lügen könne.
		-- Jean Paul
%
Ein witziger Kopf ist nirgends vergnügter und glänzender, als wo ein
Narr mit ist.
		-- Jean Paul
%
Wenn euch ein feiner Kopf etwas Alltägliches zu sagen scheint: so
glaubt gewiß, daß ihr ihn nicht verstanden und daß er zu fein gewesen.
		-- Jean Paul
%
Nach einer großen Sünde begeht jeder die kleine, die sie verdeckt,
ohne alles Bedenken.
		-- Jean Paul
%
Er hatte Lebensart, nicht um sie zu zeigen, sondern aus Menschenliebe
und Schonung: denn Lebensart ist die Tugend auf kleine Gegenstände
angewandt.
		-- Jean Paul
%
Solang einer noch kein System hat und die Wahrheiten ungeordnet in
seinem Kopfe liegenlässet, so lange liebt [er] schwerlich die
Wahrheit: ich glaube, zuweilen ist ihm wahrhaftig eine Lüge noch
lieber.
		-- Jean Paul
%
Nicht alle Menschen bedürfen notwendig des Wechsels der Moden (denn
die Araber sind auch Menschen); aber wohl die Franzosen unter ihnen.
		-- Jean Paul
%
Kein Autor sollte sich über etwas zu schreiben hinsetzen, dem es nicht
unbeschreiblich ärgert, daß er keinen Folioband darüber schreiben
kann. Wehe ihm, wenn er einen Gedanken sucht und nicht jede Minute 10
abweiset.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat eine andre Art, das Geld zu zählen; der eine nach 4, der
andre nach 5 Groschen.
		-- Jean Paul
%
Es ist beinahe noch schwerer, gut zu schreiben, als ebensogut zu
reden: denn zu jenem hab ich nicht mehr Zeit als bei diesem, weil gute
Gedanken doch schnell entstehen.
		-- Jean Paul
%
Habe für alle menschl(iche) Meinungen eine Ehrfurcht und glaube, daß
ihr zu sehr Wesen einerlei Art seid, als daß du über eine ganz lachen
könntest, die ein Wesen deiner Art geglaubt und zu der es gewiß Gründe
nötigten. Der Weise spüret alle Tage mehrere Irrtümer der Menschen und
mehrere Scheingründe, durch die sich jene Irrtümer einschmeichelten,
zum Gegengifte der Selbstgenügsamkeit auf.
		-- Jean Paul
%
Sich eines philosophischen Satzes zu erinnern, braucht man mehr Zeit
als eines historischen: jenen schafft man beinahe wieder mit.
		-- Jean Paul
%
Wenn uns das Böse als Böses Reue macht und nicht als Wirkung der
Strafe: warum bereuen wir einen bösen Willen, einen bösen Entschluß,
der nicht ausgeführt wurde, nicht ebensosehr als eine böse Handlung?
		-- Jean Paul
%
Er zog sein schlechtestes Kleid an, wenn er mit einem ausging, der
ärmer als er war.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch ist gut und will nicht, daß man vor einem andern als ihm
selber krieche.
		-- Jean Paul
%
Es gehört schon zu den Widersprüchen des Menschen, daß er welche zu
haben glaubt.
		-- Jean Paul
%
Der Dumme denkt, man hat keine andern Wege, ihn auszulisten, als
seine.
		-- Jean Paul
%
Man will nicht nach seinem Äußerlichen geschätzt sein, und andre
schätzt man doch mit den Augen.
		-- Jean Paul
%
Die 11. Gefälligkeit für den, dem du 10 erwiesen, ist die Gelegenheit,
dir eine zu vergelten.
		-- Jean Paul
%
Gestorbne Freunde sind Ketten, die uns von der Erde ziehen und fester
mit einer bessern Welt verknüpfen.
		-- Jean Paul
%
Die Empfindungen sind nur mit Empfindungen zu besiegen.
		-- Jean Paul
%
Wienach kann im Traume die Seele über eine Person nachdenken, indessen
s(elber) die Person ein Gedanke von ihr ist? -
		-- Jean Paul
%
Wer nicht immer weiser wird, der ist nicht einmal weise.
		-- Jean Paul
%
Es ist Eitelkeit, wenn man denkt, gute Bücher nützen nicht; wir bilden
uns ein, andre könnten nicht den Epiktet so gut nützen wie wir.
		-- Jean Paul
%
Wer weiß, daß er uns gefället, dem gefallen wir.
		-- Jean Paul
%
Schwere Bücher machen eben denen Vergnügen, die sonst das wenigste
genießen, eklen Kennern.
		-- Jean Paul
%
Unbeständigkeit gegen seinen Vorsatz heißet sich selber das Wort
brechen, welches man sowenig wie gegen einen andern darf: da dieselbe
schädliche Folge des Mißtrauens daraus entsteht.
		-- Jean Paul
%
Was hat man für Recht dazu, dem Pöbel, dem größern Teil der Menschen,
die Aufklärung vorzuenthalten? Wer gab uns das Recht, der Richter
seiner Einsicht und seines Schicksals zu sein? Wenn er die Aufklärung
mißbraucht: so wird er es nicht mehr tun als die, die jetzt aufgeklärt
sind. Freilich der Übergang von Finsternis zu Licht geschieht allemal
in einem Orkan. - Man regiert, um sie dumm zu erhalten: und erhält sie
dumm, um sie zu beherrschen.
		-- Jean Paul
%
Den Schlimmen vertritt der Argwohn die Stelle des Verstandes, und
[sie] sind eben darum vor Überlistung beschützt.
		-- Jean Paul
%
Schlimme Leute befinden die guten am ersten falsch, weil diese jene
nicht bei andern billigen können.
		-- Jean Paul
%
Verwandtschaft d(er) besten mit d(en) falschen Syst(emen): Es gibt
schwerlich einen wahren Satz, um den nicht verwandte Bastarde stehen;
um den Stoizismus steht der Quietismus und Foismus. Wie nahe grenzt
die Enthaltung des Mönchtums an das Christentum! Dies gibt uns die
Regel: da, wo wir einen wahren Satz so weit treiben, daß er mit allen
unsern Empfindungen und Denkart zu kriegen anfängt, zu stutzen und
zurückzukehren.
		-- Jean Paul
%
Worauf gründen denn die höhern Stände ihr Vorrecht an alle Wahrheiten,
die dem Volk entstehen? Etwan, weil sie schon die Vorkenntnisse haben,
die sie vor dem Mißbrauche neuer Wahrheit bewahren? Nun so gebe man
dem Volke die Vorkenntnisse. Oder darum, weil sie regieren und nicht
gehorchen dürfen? Unmöglich kann Aufklärung den Gehorsam gegen
nützliche und gerechte Befehle aufheben: aber wohl gegen ungerechte.
Sie sagen, sie können nicht regieren, wenn das Volk aufgeklärt würde,
und sie regieren bloß, damit es es wird. Freilich gehorcht das mündige
Kind dem Vater nicht mehr, sondern seinem eignen Verstand, den eben
der Gehorsam dazu bildete.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat etwas, worin er selbst denkt, und etwas, worin er nachbetet.
		-- Jean Paul
%
Es gibt verbindende und trennende Köpfe. Jene erfinden Systeme oder
Epopäen, kurz, sie reißen mit schöpferischer Hand auseinanderstehende
Ideen zusammen. Der philosophische Erfinder braucht so gut die Flügel
der Dichtungskraft als der poetische. Die trennenden Köpfe brauchen
bloß Scharfsinn, sie werfen ähnlich scheinende Ideen auseinander und
sind keine Systematiker, lieber Skeptiker, Bayle.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch schneidet nicht seine Handlungen und Neigungen nach seinen
Grundsätzen, sondern diese nach jenen zu, und die Neigung ist eher als
die Maxime da. Der Mann nach und der ohne Grundsätze sind nur darin
verschieden, daß jener seine Neigung in e(inen) allgemeinen Satz
verdolmetscht.
		-- Jean Paul
%
Nicht die wenigen Strahlen von Vergnügen, die in dieses Leben fallen,
machen es uns so wert: sondern das unnennbar süße Gefühl, zu sein, das
Leiden kaum stören, machts.
		-- Jean Paul
%
Fehler aus relativen Schlüssen: z. B. das Übel und den Wert eines
Menschen verkleinern, indem man beide mit größern vergleicht.
		-- Jean Paul
%
Feigheit macht so gut dem Menschen das Schlimmste zutrauen als Argwohn
und eigne Bosheit.
		-- Jean Paul
%
Nichts hasset man so, als die erste Äußerung eines Lasters, das man
nicht erwartet.
		-- Jean Paul
%
Die Tugend des andern fühlen und ehren seine Untergebnen am meisten,
weil sie sie beglückt - seine Gleichen und Obern nicht, weil sie ihnen
widersteht.
		-- Jean Paul
%
Man sollte untersuchen: was eigentlich in uns die Wahrheit entdeckt?
Scharfsinn ist's nicht, ein gutes Herz mehr - Mangel des Scharfsinns
ist's nicht, wenn man die feinsten Irrtümer begeht und doch nicht auf
die feinere Widerlegung kommt, aber vielleicht Fehler des Herzens.
		-- Jean Paul
%
Bloß die Großen schreiben wie die Alten, ohne Brotgier, ohne Rücksicht
auf Leser, bloß in den Gegenstand versenkt.
		-- Jean Paul
%
Indem man oft zu neuen Erfahrungen und Kenntnissen den Namen suchen
will: findet man, daß man den Namen schon längst, aber ohne Idee, bei
sich getragen.
		-- Jean Paul
%
Von der Gleichförmigkeit der Seele. Dem Witzigen wird es ebensoschwer,
einen Einfall eines Dummen zu verstehen als umgekehrt. Für jeden
Menschen gibt es nur eine gewisse Art Menschen, die für ihn passet;
bei den andern befindet er sich immer in einem Grade unbehaglich und
gedrückt. Der mit einem großen Herzen leidet in den
Alltagsgesellschaften mehr als diese von ihm; denn diesen macht er
wenig(er) Langeweile, weil sie ihn für neu und närrisch halten.
		-- Jean Paul
%
Um in Gesellschaft etwas zu erfahren, muß man die Antwort nicht durch
eine Frage, sondern eine Veranlassung herauslocken.
		-- Jean Paul
%
Dem Fürsten durch ein Gesetz die gesetzgebende Gewalt geben heißt sich
selber vernichten - soviel, als wollt einer seiner Geliebten alles
aufopfern, sogar seine Liebe. Man kann nichts bewilligen und geben,
als was man kannte und wollte; man kann also dem Fürsten keine Gewalt
zu den Gesetzen gegeben haben, die man nicht wußte und die uns
schaden. Aber auf der andern Seite: wie weit erstreckt sich der
Nachkommenschaft Verbindlichkeit, unter Gesetze sich zu bücken, die
sie nicht gegeben? Sowenig ein Volk einem andern Volk Gesetze geben
kann: sowenig die Mitwelt der Nachwelt.
		-- Jean Paul
%
Ironie ist der Weg und Übung zur Laune.
		-- Jean Paul
%
Wir können keine Leidenschaft etc. ohne ihre immerwährende Dauer
fühlen. Wir können nicht glauben, jemand aufhören zu lieben, den wir
lieben. Vielleicht ist's das nämliche, als was man >glauben< oder für
wahr halten hält.
		-- Jean Paul
%
Ein Hauptfehler, daß man d(em) andern nicht zutrauet, zu bemerken, was
wir bemerken.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man sich in seine Materie hineinarbeitet und jede Ideenfaser
wieder zerfasert: desto origineller und ungenießbarer wird man, z. B.
Sterne.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man mit einer Empfindung, Bemerkung vertraut ist: desto
allegorischer und versteckter drückt man sie aus.
		-- Jean Paul
%
Da kein Geschmack früher als der Gegenstand da sein kann, den er
genießt und der ihn bildet: so muß die Tristramische Laune erst
mißfallen, eh sie gefället, und den Geschmack zeugen, der sie
goutiert.
		-- Jean Paul
%
Wir haben nichts darwider, was der andre von sich hält, wenn er nur
von uns noch mehr hält.
		-- Jean Paul
%
Wenn es keine Freiheit [gibt] und unsre Triebe bloß uns stoßen: woher
kömmt's denn, daß uns der erste beste Trieb nicht fortreis[s]et? was
ist denn das Vermögen, Entschließungen abzuwägen, oder vielmehr das
Vermögen, sich zur Anwendung jenes Vermögens ins Äquilibrium zu
setzen?
		-- Jean Paul
%
Oft sind am besten Menschen dessen größte Tugenden und größte Flecken
unbekannt.
		-- Jean Paul
%
Wir sagen >das Leben nehmen<, während nur Jahre genommen werden.
		-- Jean Paul
%
Nichts macht die Menschen vertrauter und gegeneinander gutgesinnter
als gemeinschaftliche Verleumdung eines dritten.
		-- Jean Paul
%
Die Leute hassen am wenigsten, die ihren Haß in Spott und Laune
auslassen.
		-- Jean Paul
%
Man muß seine Behauptungen nie entscheidend in Gesellschaft
aufstellen, weil man sonst andern Mut und Lust benimmt, sie
anzufechten. Einer, der alle seine Sätze mit einem >vielleicht<
entkräftet, lockt aus andern ihre Widersprüche und Meinungen.
		-- Jean Paul
%
Außer der Einsamkeit macht nichts so stolz als eine Gesellschaft, die
sich immer untereinander lobt.
		-- Jean Paul
%
Gegen den Bekanntesten fühlt man größere Achtung, wenn andre sie ihm
erzeigen.
		-- Jean Paul
%
Ein Genie, das nachgeahmt wird, hat ebendeswegen viele Fehler: denn
sonst schreckt' es ab. (Ramler, Goethe jetzt und sonst)
		-- Jean Paul
%
Man schämt sich eines Sprachfehlers mehr als eines Denkfehlers - eines
Gedächtnisfehlers mehr als eines Schluß-Fehlers.
		-- Jean Paul
%
Zeige nie in Reden Trotz und Mut, sondern in Taten - weniger Feinde
machst du.
		-- Jean Paul
%
Wenn es keine Freiheit gibt: wie kömmt denn der ganz Lasterhafte zum
Gefühl, daß er sie verloren? »Bloß weil er das starke Gewicht der
einen Gründe fühlt« - allein der Tugendhafte fühlt auch seines, aber
keinen Freiheitsverlust.
		-- Jean Paul
%
In Frauen wird man oft aus Langweile verliebt - man weiß nichts mit
ihnen weiter anzufangen.
		-- Jean Paul
%
Wenn das, was du dem andern sagst, nicht entweder ein Merkwort zur
Erinnerung oder ein Funke zur Erfindung ist: so versteht er dich
nicht; ihr müßt euch voneinander bloß in der Zeit der Erfindung
unterscheiden.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat mehr Selbstliebe, als man ihm zutraut.
		-- Jean Paul
%
Alle große Torheiten, Schwärmereien etc. kamen daher, daß man - zu
konsequent war, immer fortschloß, ohne Rücksicht auf Menschenverstand;
z. B. Mönchtum; Skeptizismus etc.
		-- Jean Paul
%
Nicht die Fühlsamkeit und der Enthusiasmus der jüngern Jahre ist in
ältern vermindert, sondern man kann nur, bei erweitertem Ideenkreis,
von andern, bessern, also seltnern Gegenständen gerührt werden.
		-- Jean Paul
%
Nichts erkältet Liebe so leicht als Beschämung.
		-- Jean Paul
%
Die toleranten Menschen haben nicht die meiste Liebe.
		-- Jean Paul
%
Freude macht aufrichtig.
		-- Jean Paul
%
Große Seelen fallen am ersten in Selbstverachtung.
		-- Jean Paul
%
Keine Absichten werden leichter und allgemeiner erraten als die des
Eiteln. Dies setzt allgemeine Eitelkeit voraus.
		-- Jean Paul
%
Denken lernt man nicht an Regeln zum Denken, sondern am Stoff zum
Denken.
		-- Jean Paul
%
Wie verschieden, ob man sich in die Ober- oder Unterlippe beißet!
		-- Jean Paul
%
In jeder neuen Lage tritt man ein wenig aus der Philosophie heraus.
		-- Jean Paul
%
Man wird am leichtesten verschwiegen unter Leuten, die es nicht sind.
		-- Jean Paul
%
Beredsamkeit ist bloß Deutlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Im nämlichen poetischen Kopf verschönert sich neben der Tugend auch
das Laster.
		-- Jean Paul
%
Der Autor vermengt das Vergnügen, das ihm ein Buch als Künstler gibt,
mit dem, das es andern als Lesern gibt.
		-- Jean Paul
%
Alle, die nur für Leute eines Fachs schreiben, z. B. Theologen,
schreiben deswegen elend.
		-- Jean Paul
%
Solang ein Mensch ein Buch schreibt, kann er nicht unglücklich sein.
		-- Jean Paul
%
Aus Instinkt übt man die feinsten Umgangsregeln aus, über die man
erstaunt, wenn man sie liest.
		-- Jean Paul
%
Was man selbst erfahren, kann man auch andern vortragen, obgleich es
ihnen etwas Altes ist.
		-- Jean Paul
%
Es ist die größte Weisheit, sich über die Menschen hinauszusetzen,
ohne sie zu hassen oder zu verachten.
		-- Jean Paul
%
Mit manchen Dingen muß man prahlen, um sich ihrer nicht zu schämen.
		-- Jean Paul
%
Ein Mann liebt Keusche und ist es selbst nicht; bei Weibern ist's
umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Ich wäre am begierigsten, die Fehler der Engel zu wissen.
		-- Jean Paul
%
Der denkende Teil in mir entdeckt in der Welt überall Ordnung, nur der
empfindende nicht, der nicht der Zuschauer, sondern ein Glied dieser
Kette ist.
		-- Jean Paul
%
Bloß darum müssen wir soviel lesen, weil wir alles in 10 Büchern lesen
müssen, anstatt es aus 1 zu merken.
		-- Jean Paul
%
Der neueste Gedanke altert unter der Hand eines gemeinen
Schrift(stellers), der älteste verjüngt sich unter der Hand eines
guten.
		-- Jean Paul
%
Dem Talent und Körper verzeiht man alles, der Tugend nichts.
		-- Jean Paul
%
Man hat eine Wahrheit lange gehört, verstanden, gelobt, eh man sie
verdauet und zum Teil seines Ichs macht.
		-- Jean Paul
%
Die Kunst des Arztes wohnt zwischen der Ohn- und Allmacht der Natur
mitten.
		-- Jean Paul
%
Die Situation wird nicht durch die Worte gehoben, sondern diese durch
jene.
		-- Jean Paul
%
Zur Freundschaft gehört: daß wir einander gleichen, einander in
einigem übertreffen, einander in einigem nicht erreichen.
		-- Jean Paul
%
Ich habe nie eine einzige Bemerkung allein gemacht, sondern es fiel
mir allezeit noch eine zweite ein.
		-- Jean Paul
%
Ich bedaure nichts, was ich auf der Erde verloren, keine Jugend und
keine Freude - außer dem Verlust der hohen Vorstellung, die ich von
allen diesen gehabt.
		-- Jean Paul
%
Es gibt nichts Wollüstigeres, als einen Freund zu loben.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Jüngling und ein Mädgen miteinander einen Fehltritt begehen,
so werden beide nur von dem Geschlecht entschuldigt, zu dem sie nicht
gehören.
		-- Jean Paul
%
Man verdirbt unter Leuten, die einen nicht übertreffen.
		-- Jean Paul
%
Man fühlt das Bedürfnis zu unterhalten nie, wenn man interessante
Gedanken hat oder zutraut; - nicht bloß in der Liebe.
		-- Jean Paul
%
Das Gefühl findet, der Scharfsinn wägt die Gründe.
		-- Jean Paul
%
Eitelkeit ist darum so schwer abzulegen, weil man sie, unter allen
Lastern allein, den ganzen Tag genießen kann.
		-- Jean Paul
%
Zwischen dem Betragen eines orientalischen und eines monarchischen
Untertanen ist ein geringerer Unterschied als zwischen dem eines
monarchischen und eines republikanischen.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch hält jede Veränderung seines Innern, jede Verbesserung und
sogar jede Verschlimmerung für größer, als sie ist; er wird klüger,
aber nicht weiser, er ändert mehr seine Handlungen als seine Gefühle,
mehr seine Einsichten als seine Meinungen, und bloß sein Gedächtnis
ändert sich am meisten. Gleichwohl ist einer, der nicht den Tag, die
Stunde angeben kann, wo er gut geworden, es auch nicht. Die Besserung
gibt oder nimmt uns nicht Gefühle, sondern beherrscht nur die eignen -
und in jedem Menschen hat die Tugend andere Neigungen zu ordnen.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt, man erhebe sich über alle die Leute, über die man
nachdenkt und Reflexionen macht.
		-- Jean Paul
%
Es ist schöner, eine schöne Gegend zu betrachten als zu betreten.
		-- Jean Paul
%
Wenn man sich in Kleidern niederlegt, fällt die Melancholie der Nacht
weg.
		-- Jean Paul
%
Wir wollen gern den Wert des Genies anerkennen, aber es selbst soll's
nicht.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat in seiner Jugend etwas von einem poetischen Genie, seine
Narrheit und seine Entzückung; - das poetische Genie selbst aber lebt
in einer ewigen Jugend.
		-- Jean Paul
%
Man kann die feinsten Bemerkungen über den Menschen und über
Individuen machen und doch von ihnen betrogen werden, d. h. sie nicht
kennen.
		-- Jean Paul
%
Die Sucht, seinen Charakter zu zeigen, sieht oft ebenso falsch aus als
die, ihn zu verbergen.
		-- Jean Paul
%
Im kraftvollen Zustand ist man am meisten ärgerlich, z. B. bei
Arbeiten des Geistes.
		-- Jean Paul
%
An der größten Tugend ist nichts zu bewundern, weil uns das Gefühl
ihrer Erreichung bleibt - aber am Talent.
		-- Jean Paul
%
Es ist leichter, eine Tugend zu übertreiben, als sie zu haben,
leichter, das Gelübde immerwährender Keuschheit zu tun, als in der Ehe
zu leben.
		-- Jean Paul
%
An alles Körperliche ist Geistiges geknüpft, an Eigennutz
Freundschaft, an Wollust Liebe, an den Gaumen Erinnerung, an Trank
Tugend.
		-- Jean Paul
%
Eine Freude darüber, daß man was Neues entdeckt, heißt eine über einen
6000jährigen Irrtum.
		-- Jean Paul
%
Ohne Philosophie steigen und sinken die Gefühle zu weit.
		-- Jean Paul
%
Es sind verschiedene Talente, eines Charakter und eines Gesinnungen
und Gedanken zu erraten.
		-- Jean Paul
%
Man drückt lieber die Augen zu, als daß man die Finsternis sähe.
		-- Jean Paul
%
Gerade Unparteiische, die alle Seiten sehen, finden weniger Beifall
und Freunde, als die gegen eine Seite heftig sind.
		-- Jean Paul
%
Leute mit offenliegenden Vorzügen - Schöne, Witzige und Kenner vieler
Sprachen - sind eitel; mit verborgenen - Tugend, Weisheit - sind
stolz.
		-- Jean Paul
%
Man widerlegt lieber den, der zu schwer, als der zu leicht zu
widerlegen ist.
		-- Jean Paul
%
Daß Verstand erst mit den Jahren kommt, sieht man nicht eher ein, als
bis der Verstand und die Jahre da sind.
		-- Jean Paul
%
Der hohe Haß ist wie die Tugend, ohne Worte und Hitze, aber handelnd.
		-- Jean Paul
%
Die Erde als Erde ist auch dem Sinnlichsten nichts, sondern seine
Ideen darüber.
		-- Jean Paul
%
Es ist ein Irrtum, daß die edlern Neigungen vernünftiger seien als die
unedlern.
		-- Jean Paul
%
Kleine Seelen fühlen in ihrem Unglück nur ihren Zustand, große noch
Zusammenhang, ihr Ich.
		-- Jean Paul
%
Der Blinde kann keine solchen Schrecken haben wie wir, da er keine
Finsternis kennt.
		-- Jean Paul
%
Aufopferung ist leichter als Rechtschaffenheit.
		-- Jean Paul
%
Man kann keinen Gedanken gut ausdrücken, als den man oft gehabt.
		-- Jean Paul
%
Eine humoristische Stelle glänzt am meisten in einem ernsthaften Buch
zitiert.
		-- Jean Paul
%
Ein Roman ist eine veredelte Biographie.
		-- Jean Paul
%
Jeder Autor dient in seinem ersten Buch bloß seinen Neigungen - im
zweiten dem Geschmack.
		-- Jean Paul
%
Der vollkommene Philosoph muß ein Dichter mit sein und umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Von einem in Begeisterung könnte man sogar das drucken, was er denkt.
		-- Jean Paul
%
Keiner denkt mehr frei, der ein System hat.
		-- Jean Paul
%
Warum sollt es verwegen sein, dem Kant zu widersprechen? Dann wär's
auch, ihm zu glauben; weil zu einem, der seine Gründe fassen will,
ebenso viel gehört als zu einem, der sie widerlegen will.
		-- Jean Paul
%
Es gehört zur Tugend und Lebensart, von andern nicht zu sehr sein
Recht zu fodern.
		-- Jean Paul
%
Aus einer Frau ohne Torheiten wäre weiter nichts zu machen als - ein
Mann.
		-- Jean Paul
%
Weiber und Große bleiben ewig zu klug für den Weisen.
		-- Jean Paul
%
Weiber halten die Leiden besser aus als Männer; nur die der Liebe
schlechter.
		-- Jean Paul
%
Eine Frau findet zwischen zwei Männern nicht soviel Unähnlichkeit als
wir zwischen zwei Weibern.
		-- Jean Paul
%
E. lobt am andern nichts, was er nicht glaubt; aber um es zu loben,
glaubt er's vorher.
		-- Jean Paul
%
Gewisse Menschen wären Engel, wenn sie stärker wären, und gewisse
keine Teufel, wenn sie schwächer wären.
		-- Jean Paul
%
Ein Prophet (Autor) wird von seinem Vaterland zuwenig, von seinen
Freunden zuviel geschätzt.
		-- Jean Paul
%
Es stärkt einen fast, daß einem die Eitelkeit der Dinge kleiner
vorkömmt, wenn wir sie geschildert, d. h. durch das Medium der Poesie
erblicken.
		-- Jean Paul
%
Feine Menschenkenntnis und Beobachtung ist verschieden von
ausgebreiteter und vollständiger.
		-- Jean Paul
%
Ein gewöhnlicher Kopf wagt selten etwas Kindisches.
		-- Jean Paul
%
Man errät den andern mehr durch Vermutungen als durch Beobachtungen.
		-- Jean Paul
%
Die Dummen halten alle Feinen für falsch.
		-- Jean Paul
%
Eine starke Phantasie ist jed(es) großen Entschluss(es) fähig, aber
sie macht auch - weil sie die Sache auf einer andern Seite betrachtet
- desto unfähiger, ihn auszuführen.
		-- Jean Paul
%
Sanfte, weiche Menschen beweisen zum Schutz anderer einen größeren
Zorn und Mut als für sich, z. B. Mütter.
		-- Jean Paul
%
Wir zeigen mit weniger Scham die Leidenschaften des Hassens als des
Liebens.
		-- Jean Paul
%
Man hört, wegen der Gewöhnlichkeit, das Prügelgeschrei eines Kindes
mit weniger Rührung als eines Hunds.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Buch nicht wert ist, 2 mal gelesen zu werden, so ist's auch
nicht wert, 1 mal gelesen zu werden.
		-- Jean Paul
%
Die Liebe mindert die Feinheit der Weiber und mehrt die der Männer.
		-- Jean Paul
%
Nichts sichert (zumal die Weiber) mehr gegen Beleidigungen als die
Gewißheit, daß man sie nicht vergibt.
		-- Jean Paul
%
Jakobi(s) Schriften verstand ich mehr, indem ich mich ihrer erinnerte,
als indem ich sie las.
		-- Jean Paul
%
Ein Jüngling, der mit dem bürgerlichen Leben zufrieden wäre, wäre sehr
mittelmäßig.
		-- Jean Paul
%
Mehr Sachen auf einmal merkt man leichter als eine.
		-- Jean Paul
%
Für einen von viel Witz und Belesenheit gibt's gar keine
Unähnlichkeiten mehr.
		-- Jean Paul
%
Die Mannspersonen, die wir weibisch nennen, haben vom Weib nur die
Fehler und gefallen Weibern so wenig als Weiber.
		-- Jean Paul
%
Bei manchen zerfließet alles so sehr ins Ganze, daß sie bei eignen
Fehltritten die Schwäche der menschlichen Natur bedauern.
		-- Jean Paul
%
Manche wollen nur, daß, nicht wie, man sich entschuldige.
		-- Jean Paul
%
Die Eitelkeit des Umgangs wächst am meisten durch Leute, an denen man
kein Interesse nimmt und mit denen man doch spricht.
		-- Jean Paul
%
Er hält sich noch nicht für tugendhaft genug, um sich kleine Sünden zu
verbieten.
		-- Jean Paul
%
Der Weise rechnet das Mißvergnügen zu seinen Sünden.
		-- Jean Paul
%
Der schönste, edelste, freimachende Gehorsam ist der gegen sich - man
muß nicht wollen, was man tut, sondern tun, was man will.
		-- Jean Paul
%
Übertriebner Tadel schadet Guten mehr als übertriebnes Lob.
		-- Jean Paul
%
Wenn man bei Mädgen etwan wie bei Männern auf ein schneidendes Ja oder
Nein dringt: so gewinnt man sicher das Unangenehmere - sie haben eine
aus Ja und Nein zusammengesetzte Antwort gewohnt.
		-- Jean Paul
%
Ferne Berge sind erhabner als nahe.
		-- Jean Paul
%
An ungebildeten Leuten ärgert e(inen) Eigennutz nicht.
		-- Jean Paul
%
Eine gewisse Seelengröße macht zur Menschenkenntnis unfähig.
		-- Jean Paul
%
Liebe ist ein Auszug aus allen Leidenschaften auf einmal.
		-- Jean Paul
%
Wenn man lang ein Kleidungsstück ansieht, kömmt's einem närrisch vor.
		-- Jean Paul
%
Eine einzige Selbstüberwindung stärkt mehr als 20 Gefühle und
200000 Predigten.
		-- Jean Paul
%
Es gibt 2 ganz verschiedene Satiren, eine gegen Laster, eine gegen
Torheiten.
		-- Jean Paul
%
Eltern schlagen stärker, wenn das Kind nicht schreiet.
		-- Jean Paul
%
Unsre schlimmen Taten bleiben uns mehr im Gedächtnis als unsre guten.
		-- Jean Paul
%
Um sich von einer zu großen Liebe oder Duldsamkeit für etwas zu
heilen, muß man nicht die Feinde davon lesen, sondern die Freunde.
Lavater
		-- Jean Paul
%
Die größere Stärke wäre, bei der Kraft, wie ein ungewöhnlicher Mensch
zu leben, der Entschluß, zu leben wie ein gewöhnlicher.
		-- Jean Paul
%
Wenn man keine besondere Gelegenheit hat, jemand seine Liebe zu
zeigen: denkt man zuletzt, man fühle sie schwächer.
		-- Jean Paul
%
Manche wollen ihre Freunde nur von sich gelobt wissen.
		-- Jean Paul
%
In der Jugend hält man von hinten jede für schön.
		-- Jean Paul
%
Die meisten reden origineller, als sie schreiben.
		-- Jean Paul
%
In Leidenschaft machen wir nicht falsche Beobachtungen, sondern
falsche Schlüsse daraus.
		-- Jean Paul
%
Jede Freude füllt, jeder Schmerz leert dich, aber in jener hat noch
Sehnsucht Platz, in diesem noch Zuversicht.
		-- Jean Paul
%
Jeder Zustand, den eine gegenwärtige äußere Lage uns gibt, ist nicht
rein, sondern ein Gemisch aus ihr und d(er) vergangnen - daher kann
uns die gemeinste Lage einen ungewöhnlichen Zustand nach einer
ungewöhnlichen Vergangenheit geben.
		-- Jean Paul
%
Ein Mensch, der uns bloß in unsern eignen Talenten übertrifft, erhebt
uns - einer, der in ganz fremden groß ist, demütigt uns.
		-- Jean Paul
%
Man muß etwas Bessers sein als sein Stand, um ihn zu erfüllen.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man mit d(em) andern bekannt wird, desto mehr hört man auf,
den Verstand zu zeigen, und beginnt, das Herz zu zeigen.
		-- Jean Paul
%
Friedrich II. hätte vielleicht keinen Fehler gehabt und wäre ein
größerer Mann gewesen, wär er kein König gewesen.
		-- Jean Paul
%
Kleine Mädgen grüßen mehr als Knaben.
		-- Jean Paul
%
Ein Narr ist nie so lächerlich, als man ihn macht.
		-- Jean Paul
%
Ein Staat ist leichter zu regieren als ein Mensch.
		-- Jean Paul
%
Warum lieben wir die Tugend an andern zehnmal mehr als an uns? Warum
fühlen wir so viel Wärme gegen einen Aufopfernden und halten's für
Schuldigkeit bei uns? Einmal müssen wir uns irren.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber lieben einander nicht so sehr, weil sie sich nicht in den
schönsten Augenblicken je sehen - des Gebets und der Liebe.
		-- Jean Paul
%
Das, was er nicht verbergen konnte, ließ er nicht erst erraten,
sondern sagte es selbst, um das Opfer der Aufrichtigkeit zu bringen.
		-- Jean Paul
%
Manche Menschen macht man durch die größten Wohltaten nicht so warm
als durch das kleinste Lob.
		-- Jean Paul
%
Einer kann uns ohne Egoismus sein Leben mit Interesse nur schriftlich,
aber nicht mündlich erzählen.
		-- Jean Paul
%
4erlei gute Mädgen, die mit, die ohne Ehre - mit, ohne allgemeine
Betrachtungen.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Mensch eine gewisse Anzahl Wohltaten empfangen: hört er auf,
sie zu zählen.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Menschen immer Versuchungen zu großen Sünden hätten: sie
blieben gut; aber die täglichen Kämpfe gegen kleine gewöhnen an
Niederlagen.
		-- Jean Paul
%
Scharfsinn ohne Empfindung ist Mühlstein ohne Korn.
		-- Jean Paul
%
Manche geben allen großen Wahrheiten Kleinheit, wenn sie sie nur
sagen.
		-- Jean Paul
%
Man wird zuletzt tolerant, denkt man, gegen die Menschen; aber man ist
nur gleichgültig.
		-- Jean Paul
%
Bei jeder neuen Lage fängt man eine neue Jugend an, man verjüngt sich,
wenn man sich verändert. Ein Konrektor ist älter als ein Rektor, der
er wird.
		-- Jean Paul
%
Man kann Liebe selten zu spät, immer zu bald gestehen.
		-- Jean Paul
%
Unterschied unter Männern und Weibern, daß diese in der Leidenschaft
keine Gründe annehmen.
		-- Jean Paul
%
Man gewinnt mehr, wenn man Mädgen etwas für sich tun lässet, als wenn
man etwas für sie tut.
		-- Jean Paul
%
Schwerlich kennt die Frau unter der Liebe etwas größers als die Liebe
- der Mann kennt mitten darunter noch seine Lieblingsarbeit, seine
Philosophie als das Größere. Bei ihr ist sie Ziel; bei uns ist sie
Spaliergewächs an den Schranken zum Ziel.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch genießet den jetzigen Augenblick nicht, wenn er nicht gewiß
weiß, daß der künftige auch Glück zuführt. Daher quälet er sich mit
der Jagd nach Hoffnungen und mit der Flucht vor Befürchtungen. Um nun
eine störende Befürchtung loszuwerden, bequemet er sich lieber zu den
tollsten Hoffnungen.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch erträgt ein neues Übel darum unwilliger als ein größeres
altes, weil sie es, aus Mangel an Wiederholung, noch für kein
notwendiges halten.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch kann nicht eher wissen, wie gut er ist, als bis einmal sein
halbes Glück von einer großen Sünde abhing.
		-- Jean Paul
%
Das Alter ist trüber als die Jugend, nicht, weil seine Freuden,
sondern weil die Hoffnungen erloschen sind.
		-- Jean Paul
%
Wem eine Frau gleichgültig wird, bei dem fängt die Sinnlichkeit an.
		-- Jean Paul
%
Feinheit des Ausdrucks ist verschieden von Feinheit der Gesinnung.
		-- Jean Paul
%
Vielleicht die männliche Herrschsucht daher, weil Weiber keine Gründe
annehmen.
		-- Jean Paul
%
Man errät die Menschen am besten, wenn man sie bei Erzählungen um ihre
Vermutungen der unerzählten Zukunft fragt.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber beherrschen Männer mehr als umgekehrt, weil nur diese
Gründe annehmen.
		-- Jean Paul
%
Keinem Gesichte steht ein häßliches übler als einem schönen.
		-- Jean Paul
%
Wie leichtsinnig Weiber sind, [sieht man] daraus, weil der Gedanke des
Todes bei der Schwangerschaft nicht mehr Einfluß auf sie hat.
		-- Jean Paul
%
Wenn man etwas hört, das einen in Erstaunen und zugleich in Verwirrung
wegen der Antwort setzt: so muß man kalt eine kurze einsilbige Frage
tun, die eine lange Antwort braucht.
		-- Jean Paul
%
Wenn man bezahlt wird, denkt man, man arbeitete zu wenig - wenn man
arbeitet, man bekomme zu wenig.
		-- Jean Paul
%
Ich begreife nicht, wie ein Mann sagen oder glauben kann, er sei
schön, ohne rot zu werden.
		-- Jean Paul
%
Wenn sich einer nur einmal zwingt nachzugeben: so sieht er, daß er
nicht viel nachzugeben braucht und daß der andere auch nachgibt.
		-- Jean Paul
%
Es ist unbegreiflich, wenn man in den höhern Ständen sieht, wie viel
eine Frau braucht, um keine Langweile zu haben - in unsern, wie wenig.
		-- Jean Paul
%
Man unterlässet zu viel Gutes, weil der Nutzen, und begeht so viel
Böses, weil der Schaden zweifelhaft ist.
		-- Jean Paul
%
Man verbindet sich oft einen Menschen, wenn man nach dem Namen seines
Hundes fragt.
		-- Jean Paul
%
Nur ein Mann, keine Frau, kann eine Stunde vor einem Ball in einem
philosophischen Buche lesen, oder darin gar daran denken.
		-- Jean Paul
%
Voltaire widerlegt den Pascal und hat überall recht - nur darin nicht,
daß er ihn nicht verstand.
		-- Jean Paul
%
Derselbe Scharfsinn findet an allen Behauptungen das Wahre, der an
allen das Falsche entdeckt - er weiß kaum, wo er anfangen soll, zu
widerlegen oder beizutreten.
		-- Jean Paul
%
Im Sommer ist man menschlicher, im Winter bürgerlicher.
		-- Jean Paul
%
Bei Mangel an Talent ist's besser zu sprechen als zu schreiben.
		-- Jean Paul
%
Nur in 1 Fall sind Weiber Weibern lieber als Männer - wenn sie nämlich
als Gäste kommen: mit Männern können sie nichts reden. -
		-- Jean Paul
%
Sogar in unserer Erinnerung ist uns die Vergangenheit als Fülle
früherer Erinnerung schön.
		-- Jean Paul
%
Manche können leichter die Lehrer der besten als der guten Menschen
sein.
		-- Jean Paul
%
Leidenschaft macht, daß man besser und schlechter handelt als die
Vernunft täte.
		-- Jean Paul
%
Man entschuldigt seinen Fehler bei sich dadurch, daß man ihn sogleich
bereuet, und setzt doch bei [einem] andern nicht voraus, daß er den
kleinen sogleich nach dem Begehen bereue.
		-- Jean Paul
%
Der Stand erhebt die Großen über die Urteile, die die Kleinen über
ihre Tugenden fällen - aber nicht über ihre Vorzüge. Sie rächen nicht
die beleidigte Achtung, sondern die beleidigte Eitelkeit.
		-- Jean Paul
%
Kluge halten das Gewöhnliche, Dumme das Ungewöhnliche für toll.
		-- Jean Paul
%
Wir täuschen uns über den Wert eines Autors, da wir nicht an die
vielen Minuten denken, wie er das Werk Glied vor Glied
zusammengeschoben.
		-- Jean Paul
%
In einem Vormittage, wo man reiset, ein ungewöhnliches Geschäft hat -
kurz in jeder neuen Lage - lebt man mehr, sieht das Leben anders,
fühlt sich mehr als in 4 gewöhnlichen Wochen.
		-- Jean Paul
%
Es ist ebenso fehlerhaft, nicht überall die Sinnlichkeit, als überall
ihren Sieg voranzusetzen.
		-- Jean Paul
%
Feinheit überall wirkender als Kraft.
		-- Jean Paul
%
Ich ärgerte mich über den Menschenlärm unter mir und konnte nicht eher
schlafen, als bis ich wußte, es seien Pferde.
		-- Jean Paul
%
Jede Arbeit, auch philosophische, poetische, lenkt den Menschen vom
Ich und oft vom Bessern ab.
		-- Jean Paul
%
Fehler, daß man den andern nur widerlegen, nicht überreden will.
		-- Jean Paul
%
Gegen Liebe ist man nie undankbar, nur gegen Wohltaten.
		-- Jean Paul
%
Eigentlich müßte man für jedes Individuum ein besonderes Buch
schreiben.
		-- Jean Paul
%
Menschen beweisen sich in Gesellschaft Sachen, die jeder glaubt.
		-- Jean Paul
%
Eine nie auf die Probe gesetzte Frau denkt stets von sich zu gut und
von dem Sieg zu leicht.
		-- Jean Paul
%
Es verlohnt sich nicht, daß man alle Bücher widerlegt. Exzerpieren
isoliert und hebt eine Sache heraus.
		-- Jean Paul
%
Der Gelehrte erwirbt sich mehr blindes Zutrauen als der Scharfsinnige,
weil jenem nur der Gelehrtere, diesem jeder widersprechen kann.
		-- Jean Paul
%
Es ist leichter, die Menschen zu lieben, als zu ertragen - viele
heftig zu lieben, als keinen zu hassen.
		-- Jean Paul
%
In den Weibern ist der höchste Kontrast der Aufopferung und der
Schwäche - der Tugend und der Kleinlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Die Schwätzer von lohnendem Bewußtsein guter Taten haben wenig getan -
sie hätten sie sonst vergessen -, sie hätten sich sonst erinnert, daß
die Gewissensbisse mit der Stärke des Gewissens steigen und daß die
besten Menschen sich mehr vorwerfen als die schlimmsten.
		-- Jean Paul
%
Ein ganz Tugendhafter muß viel Geist oder Feuer haben, um nicht
langweilig zu sein.
		-- Jean Paul
%
Man legt leicht die großen Unarten ab und hat noch immer die kleinen
der Gewohnheit und Erziehung.
		-- Jean Paul
%
Uns greift ein auf der Straße verwesetes Vogelgerippe an, aber keines,
das auf unserm Teller liegt.
		-- Jean Paul
%
Man liebt die Menschen mehr, wenn man den Entschluß, ihnen eine
Wohltat zu erweisen, fässet, als nachdem er ausgeführt ist.
		-- Jean Paul
%
Ein Volk kann nicht auf seine Genies, sondern auf das Volk, auf die
Menge stolz sein - die Genies können auf die Genies es sein.
		-- Jean Paul
%
Bei der Besserung sieht man, daß man eine Menge Dinge im Umgang, die
man aus Höflichkeit und Mode tat, aus Tugend nun tut und leichter.
		-- Jean Paul
%
Ein Mann von Verstand gibt Leuten von Verstand zu leicht sein Herz.
		-- Jean Paul
%
An Weibern ist alles Herz, sogar der Kopf.
		-- Jean Paul
%
Man sagt zu Ochsen >dummer Esel< und umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Man liebt noch den Ort der Liebe, wenn man gegen die Person keine mehr
hat.
		-- Jean Paul
%
Man sollte nie mit dem Edeln zugleich einen unschuldigen, aber
nied(rigen) Zweck erreichen - es ist nichts gefährlicher für die Moral
(Tugend), als von ihr zu leben.
		-- Jean Paul
%
Menschen erraten heißet nichts als sich ähnl(icher) Erfahrungen
besinnen. Mit einem ganz neuen Charakter kömmt der größte
Menschenkenner nicht aus.
		-- Jean Paul
%
Es ist leichter zu schmeicheln, als zu loben.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen, besonders die Weiber, wollen lieber gelobt als geliebt
sein.
		-- Jean Paul
%
Ein anderes ist der Mut, d(er) Gefahr nicht zu achten, ein anderes,
sie nicht zu sehen, zu verachten, ihr zu trotzen.
		-- Jean Paul
%
Zwischen 4 Wänden sind alle Menschen Sonderlinge, nur nicht offen.
		-- Jean Paul
%
Man sagt leise: »ich empfehle mich Ihnen«, wenn man den Hut von weitem
zieht.
		-- Jean Paul
%
Keine Fehler sind von den Besten schwerer zu verzeihen als die der
besten Menschen.
		-- Jean Paul
%
Es ist ein geringer Unterschied zwischen dem Stolz auf wahre Vorzüge
und dem auf keine.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt oft, man könne nicht gut sprechen, da einem doch nichts
fehlt als der Stoff zu sprechen.
		-- Jean Paul
%
Genuß der Ehre hindert den der Natur.
		-- Jean Paul
%
Goethe, so dramatisch und in fremdem Namen redend, daß er sich nicht
finden kann, wenn er etwas im eignen sagen soll.
		-- Jean Paul
%
Wenn zwei körp(erlich) zusammenstoßen, denkt jeder, nur der andere
habe Schmerz und Recht - bei moralischem Zusammenstoßen das Gegenteil.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wären alle bescheidener und demütiger, trieben sie alle
nur eine Kunst.
		-- Jean Paul
%
Jeder kömmt sich selber leer und mager vor (ausgenommen wenn er sich
vergleicht), weil er sich ganz auskernt und erschöpft mit der Idee.
Keiner kann seine eigne Gelehrsamkeit bewundern, weil er sie ganz
kennt.
		-- Jean Paul
%
Die höchste Liebe glaubt und fodert höchste Vollkommenheit, daher ist
sie ihrem Ende am nächsten.
		-- Jean Paul
%
Ehrgeiz ist verschieden von Ehrliebe - diese sündigt nie gegen die
Ehre, aber jener, der nach Schande nichts fragt, um berühmt zu sein -
diese will eigne Achtung, jener fremde, diese ist bei Weibern, jener
[bei] Männern.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist an Rousseau so groß - der sich selber kleiner darstellet,
als er war, wie bei jedem großen Mann der Fall sein müßte, wenn er uns
in alle Ecken seiner Seele blicken ließe - als dieses, daß er mitten
im Leben der großen Welt und in Paris seine hohen Grundsätze
entwickelte und behielt. Diese Festigkeit gegen die untergrabende
Zerstörung der äußern Welt ist die höchste Stärke der Seele.
		-- Jean Paul
%
Die Keuschheit wohnt weder in den obern noch untern Ständen - sondern
in den mittlern.
		-- Jean Paul
%
Das Einfältigste sagt man im Anfang in einer Gesellschaft, das Beste
zuletzt.
		-- Jean Paul
%
Ein rechtschaffener Menschenf(ein)d sagt im Zorn mehrere und
nützlichere Wahrheiten als in der Liebe.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt einem Mann von Talent mehr, was er versichert, als was er
beweiset - Hier untersucht man erst seine Beweise, dort ist er einer.
		-- Jean Paul
%
Wir sind begieriger, fremde Menschen zu observieren und auszuspähen
als tägliche und nahe.
		-- Jean Paul
%
Man kann gewiß sein, dem andern nicht viel Vergnügen gemacht zu haben,
wenn man lauter Sachen sagte, die uns eines machten und so umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Nonnen mager, Mönche fett, Beweis der weiblichen Mäßigkeit.
		-- Jean Paul
%
Niemand ändert sich schwerer, als der stets unter andern oder in
Geschäften lebt, d. i. träumt - die andringende, überhäufende
Gegenwart ersticket jeden stillen Keim.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor bringt durch Selbstdefension(en) seine Anklagen auf und in
die Nachwelt. Für die Mitwelt sind sie entbehrlich; seine Freunde
glauben den Anklagen nicht, seine Feinde den Defensionen nicht.
		-- Jean Paul
%
Man denkt, jeder gehe dahin, wohin man geht.
		-- Jean Paul
%
Die Schwachheiten großer Menschen werden von kleinen so leicht erraten
als die der Lehrer von Kindern.
		-- Jean Paul
%
Nichts führt von aller innerer Beschauung weiter ab und vom Blick
gegen die verschleierte Welt als Ehrgeiz.
		-- Jean Paul
%
Niemand könnte sich verhaßter und langweiliger machen als einer, der
in allen Sozietäten Menschen nur lobte.
		-- Jean Paul
%
Man ist gerechter gegen seine Feinde als gegen seine Freunde.
		-- Jean Paul
%
Um froh zu sein, muß man einen langen Geschäftsplan haben, der doch
die Freuden nicht aussperret, sondern einschließet: am besten wenn die
Geschäfte und Freuden in eins fallen (bei mir).
		-- Jean Paul
%
Wenn an den Großen alles erstirbt, sogar der Ehrgeiz, grünet doch die
Eitelkeit noch.
		-- Jean Paul
%
Es hilft wenig, daß uns das Schicksal reich macht: unsere Wünsche
machen uns wieder arm.
		-- Jean Paul
%
Der Schlechteste kennt einen Preis, wofür er seine Rechtschaffenheit
nicht hingibt; er unterscheidet sich vom Guten durch den kleinern
(nicht vom Besten).
		-- Jean Paul
%
Jedes Geschlecht vergibt bloß die Fehler des seinigen dem andern
Geschlecht nicht.
		-- Jean Paul
%
Man tut oft bloß stolz, weil man vermutet, der andere denke stolz.
		-- Jean Paul
%
Der aus dem gemeinen kriechenden Stand Emporgekommene will stolz sein
und kann es nicht, und ihm entfährt immer Höflichkeit gegen die alten
Gegenstände.
		-- Jean Paul
%
Eheweiber sind scharfsichtig, wenn ein Mensch sich den Ehemännern
empfehlen will, und diese, wenn ein Mensch sich der Frau.
		-- Jean Paul
%
Ein berühmter Autor sollte auch Sätze, die andere gesagt, wiederholen,
um der Wahrheit sein Gewicht hinzuzutun.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man Menschen kennt, desto weniger schildert man Individuen.
		-- Jean Paul
%
In den Augen des Bewunderten ist der Bewunderer nicht stets klug, wie
Helvetius sagt, aber doch gut.
		-- Jean Paul
%
Jeder hält seine Verstellung für feiner als die fremde und wird daher
betrogen.
		-- Jean Paul
%
Den meisten Menschen gilt Bewunderung, Schätzung so viel als Liebe,
sie vermengen beide.
		-- Jean Paul
%
Werke, die man schreibt und die man tut, kann man erst lange nach
ihrer Vollendung korrigieren.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen hassen und merken in der Liebe leicht das Gefühl der
Unabhängigkeit.
		-- Jean Paul
%
Die Geschichten, die man in der Kindheit las, nehmen etwas vom Zauber
unserer eignen Kindheit an.
		-- Jean Paul
%
Die erste Wiedererblickung lang ersehnter Menschen gibt diesen etwas
von der Idealität der Vorstellung.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist bei der häufigen Lektüre schädlicher, als daß uns die
Lehren der Weisheit - ohne daß eine gegenwärtige Erfahrung sie auf uns
bezöge - so wiederholet werden, daß wir sie nie auf uns anwenden.
		-- Jean Paul
%
Man muß nicht seine Vorzüge auskramen, um den andern zu gewinnen,
sondern ihn gewinnen, um jene auszukramen. Die Höflichkeit etc., womit
ich jemand aufnehme, ist die Grundierung, worauf er mein Bild
aufträgt.
		-- Jean Paul
%
Gewisse Dinge (Mode, Kleider, Lebensart) muß man früher verachten als
achten.
		-- Jean Paul
%
Wir halten die Leichtigkeit zu sündigen für die Erlaubnis dazu.
		-- Jean Paul
%
Der Spott über Abscheulichkeit (wenn es nicht juvenalischer ist), z.B.
Päderastie, mindert den Abscheu mehr, als er ihn mehrt.
		-- Jean Paul
%
Ein berühmter Autor und ein Fürst brauchen nur zu reden, nicht gut zu
reden, um zu gefallen.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber ändern ihre Meinungen schwerer als die Männer, weil sie
mehr Gefühle als Schlüsse sind.
		-- Jean Paul
%
Kein Enthusiasmus der Liebe ist so groß als der der Zusammengewöhnung,
der auf jenen folgt.
		-- Jean Paul
%
Sprachmaschine ist wegen MenschenÄhnlichkeit so fürchterlich als
Wachsbild.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber halten sich für besser als die Männer; jene fehlen ohne
Bewußtsein des Fehlers, diese mit.
		-- Jean Paul
%
In der Sprache der Liebe gibt es keine Pleonasmen.
		-- Jean Paul
%
Weiber sprechen lieber von als in ihrer Liebe, Männer umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Den berühmten Mann freuet kein anderes Lob weiter als ein größeres.
		-- Jean Paul
%
Sanftmut muß stets nach der Kraft (Jugend) kommen, sonst Schlaffheit.
		-- Jean Paul
%
Mit Intoleranz muß der Jüngling anfangen, nicht enden, nicht
umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Wenn man zuviel wichtige Dinge zu sagen hat, fängt man mit den
unwichtigen an.
		-- Jean Paul
%
In einer ewigen Meßstadt würde alle Menschenliebe aufhören.
		-- Jean Paul
%
Man ist in der Liebe darum ungerecht, weil man den andern für
vollkommen hielt.
		-- Jean Paul
%
Das Reden mehrt die eigne Rührung mehr als fremde.
		-- Jean Paul
%
Ein wiederholtes Abschiednehmen entkräftet das letzte.
		-- Jean Paul
%
Manche halten ihre veränderte Ansicht eines Menschen für eine
Veränderung desselben.
		-- Jean Paul
%
Man kann wohl einen Schwarm Mücken im Zimmer sumsen hören, aber nicht
eine.
		-- Jean Paul
%
Den Verstand, Witz etc. des andern (Ehe) kriegt man satt, nie sein
gutes Herz: nur dieses ist unerschöpflich.
		-- Jean Paul
%
In einer neuen Stadt sind die ersten begegnenden Mädgen am
interessantesten.
		-- Jean Paul
%
Die kleinen Gründe erschaffen den Entschluß nicht, sondern man waffnet
sich mit ihnen nur gegen äußere Anfechtungen desselben.
		-- Jean Paul
%
Ewige Unart, aus Gelehrsamkeit oder Tugend in einem Falle [und] Fache,
auf sie in andern Fällen und Teilen zu schließen.
		-- Jean Paul
%
Statt einen Scheffel Salz(es) mit einem Freund zu essen, braucht man
nur 6 Meilen mit ihm zu reisen.
		-- Jean Paul
%
Das Landleben ist in, nicht außer uns.
		-- Jean Paul
%
Äußerer gemäßigter Stolz gibt dem Verdienst einen größern Schein.
		-- Jean Paul
%
Ein Torheit, über die viele Satiren gemacht worden und bei der jede
neue Satire verliert, ist in der Wirklichkeit desto komischer.
		-- Jean Paul
%
Hat einmal ein Mann alle männliche Tugenden: so verschönert ihn eine
kleine weibliche, z. B. Reinlichkeit, unendlich in weiblichen Augen;
und so umgekehr[t] mit Weib.
		-- Jean Paul
%
Wenn man sich eines Fehlers anklagt, so hat man ihn stets größer, als
man ihn malt.
		-- Jean Paul
%
Gewisse Dinge, z. B. Entführung, sind uns in Büchern alt und [im]
Leben neu und letzt(ere) wund(ern) uns dann.
		-- Jean Paul
%
Der Pöbel achtet Pedanten.
		-- Jean Paul
%
Der Mann bequemt sich zuweilen, um frei zu werden - die Frau muß sich
ewig bequemen.
		-- Jean Paul
%
1 Kuß ist mehr wert als 2 oder gar 20.
		-- Jean Paul
%
Man beruft sich immer auf die Nachwelt, als ob sie nicht oft
ebensoviel Lob nähme als gäbe.
		-- Jean Paul
%
Man muß sich immer einen Rat geben lassen - wenn man ihn auch nicht
befolgt, so benützt man ihn doch.
		-- Jean Paul
%
Die Höflichkeiten der gemeinen Leute sind immer vom nächsten Stande
über ihnen geborgt.
		-- Jean Paul
%
Der Uneigennützige hasset Egoisten nicht so sehr als der Egoist.
		-- Jean Paul
%
Vernunftgründe wirken nur auf Affekt, wenn sie ihn befödern.
		-- Jean Paul
%
In unserer Menschenliebe ist nicht bloß die Süßigkeit des Gefühls der
Liebe, sondern auch die Süßigkeit des Gefühls des Rechttuns.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber lieben den ganzen Tag; den Männern fällt das verdrüßlich,
sie möchten es gern haben, daß jene gerade zur Stunde mit der Liebe da
wären, wo sie sie haben.
		-- Jean Paul
%
Es ist oft sehr gefährlich, von seinem Verstande und Herzen zu
schlecht zu denken - der Irrtum schafft die Wahrheit.
		-- Jean Paul
%
Man schreibt sich leichter falsche Vorzüge zu, als man seine wahren
errät.
		-- Jean Paul
%
In feinen Gesellschaften wird nur der abwesende persifliert, in
gemeinen spaßet man über d(en) gegenwärtigen.
		-- Jean Paul
%
Verachtung ist mehr als Haß; jene kann der Weise haben, sie ist
unwillkürlich.
		-- Jean Paul
%
Die Wettergespräche [kommen] nicht von Langweile, sondern weil der
Mensch immer eine starke fortdauernde Empfindung mit Worten äußern und
geben will - wäre Krieg, so gäb's Kriegsgespräche.
		-- Jean Paul
%
Berühmte Leute, Fürsten, Schöne kann man selten durch ein Lob
einnehmen, aber durch jeden Tadel erzürnen.
		-- Jean Paul
%
Wie Deutsche Straßenraub außer Landes für erlaubt hielten, so Mord im
Krieg 18/12; so überall; Fehler, die man sich nicht gegen seine
Familie etc. und Anhänger erlaubt, verstattet man sich gegen Fremde.
		-- Jean Paul
%
In höhern Ständen wirken die Weiber mehr auf fremde Männer, in
nied(ern) auf eigne.
		-- Jean Paul
%
Die Verstellung und Eitelkeit durchgreift manche so, daß sie unbewußt
es tun und es nicht mehr anders machen können.
		-- Jean Paul
%
In einer großen Stadt sein, heißet Reisen und umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Weiber argwöhnischer als wir.
		-- Jean Paul
%
Ein Mensch, dem zu lang die Liebe verweigert worden ist, findet dann
in einer wirklichen zu wenig Reiz, aus Mangel an Verweigern.
		-- Jean Paul
%
Warum will der Mensch, wenn er nicht alle bekehren kann, nicht
wenigstens einige Menschen ändern?
		-- Jean Paul
%
Mancher ist im Namen eines Lieblingsautors eifersüchtig - freuet sich
über jedes Lob auf ihn -, aber bloß, weil er in sich eine Ähnlichkeit
mit diesem ahnet.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt stets, nur dieser Autor sei in der persönlichen Erscheinung
schlecht, aber alle ungesehene herrlich.
		-- Jean Paul
%
Anfangs macht man das Buch nach sich, dann sich nach dem Buch.
		-- Jean Paul
%
Weiber sind rein menschlicher, weil der Staat ihnen keine einseitige
Bildung aufdringt.
		-- Jean Paul
%
Je älter man wird, desto toleranter gegen das Herz und intoleranter
gegen den Kopf.
		-- Jean Paul
%
Nichts wird weniger in Gesellschaft erraten als die Empfindsamkeit,
besonders die männliche.
		-- Jean Paul
%
Die Kinder erraten die Eltern besser als diese jene.
		-- Jean Paul
%
Tätige Leute weniger Ordnung als müßige.
		-- Jean Paul
%
Ein Wirt >Zum Erbprinzen< denkt nie, wenn er seinen Erbprinz sieht,
daß er dessen Namen [führt] - so verschiedne Bedeutungen hat 1 Wort.
		-- Jean Paul
%
Ich will lieber lieben, ohne geliebt zu werden - als ohne zu lieben,
geliebt werden.
		-- Jean Paul
%
Weiber behalten eigne Geheimnisse, Männer fremde.
		-- Jean Paul
%
Die Männer machen sich von großen Männern eben jene romanhaften
Vorstellungen als die Mädgen von ihren künftigen Romanhelden.
		-- Jean Paul
%
Das Verstecken der Eitelkeit ist eine größere (gehaßtere) als jede.
		-- Jean Paul
%
Ungleich den Franzosen und Engländern, loben die Deutschen nichts (an
einem Autor, Menschen), ohne alles zu loben; sie glauben parteiisch
sein zu müssen.
		-- Jean Paul
%
Die Eitelkeit besteht nicht in der Kleidung, oft kaum im Handeln,
sondern in der ewigen unmerklichen Stellung jedes Worts, damit es
höheres Lob abwerfe.
		-- Jean Paul
%
Da die Männer viel origineller sind, was kein Mädgen errät: so sind
oft diese in der Ehe unglücklich, weil sie es nicht voraussehen und
fassen.
		-- Jean Paul
%
Wenn das Schicksal 10 günstige Umstände vereinigt, so wundert man sich
über den Mangel des 11., nicht das Dasein der 10.
		-- Jean Paul
%
Bei den Männern Unterschied bestimmter Anlagen - zu Mathematik,
Botanik, Musik, Philosophie -; bei Weibern nicht.
		-- Jean Paul
%
Weiber gewöhnen sich Gleichgültigkeit und Unaufmerksamkeit gegen
Wissenschaft und Taubheit an, weil die Männer zu oft vor ihnen von
wissenschaftlichen Dingen reden, die ihnen unbekannt.
		-- Jean Paul
%
Man begeht entweder Fehler des Stolzes oder des Kriechens, wenn man
nicht die Anerkennung des eignen Werts voraussetzt.
		-- Jean Paul
%
Der geheimste Geist eines Autors verrät sich nicht in den bösen,
sondern in den schönsten Charakteren, die er immer mit der Schwäche
seiner Natur unwillkürlich begabt.
		-- Jean Paul
%
Der Spaß ist unerschöpflich, nicht der Ernst.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber sind so verschieden von uns, daß der erfahrenste Mann immer
noch 3 Zeiten durchgeht, wo er sie 1) über, 2) neben, 3) unter sich
setzt.
		-- Jean Paul
%
Selber Kinder haben wieder etwas Kindisches, worüber sie selber
lachen.
		-- Jean Paul
%
Bei den Ursachen unbekannter wichtiger Begebenheiten raten wir immer
auf angenehme oder unangenehme, selten auf wahrscheinliche und
natürliche.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen (zumal Weiber) verraten leichter (zumal spät), daß sie
Absichten verfehlen, als daß sie sie haben.
		-- Jean Paul
%
Wir irren in nichts mehr als in unsern Prophezeiungen, daß künftig
etwas werde schlimmer (z.B. kränker) oder besser (reicher) werden. Die
Neigung, systematisch zu schließen (sein), schieben wir der Natur
unter; und diese leichtere Verkettung halten wir für
Wahrscheinlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Die Mädgen verstellen sich besser als die Weiber.
		-- Jean Paul
%
In den besten Reisebeschreibungen interessiert uns doch der Reisende
am meisten, wenn er sich nur zeigen mag. Wer eine Reise beschreibt,
beschreibt damit sich immer auch selber.
		-- Jean Paul
%
Es ist nicht halb so ungesund, Philosophie zu lehren, als zu lernen,
e(ine) Philos(ophie) zu machen als zu lesen.
		-- Jean Paul
%
Es gibt Menschen, die man nicht hasset und nicht sehr liebt, aber ein
wenig, die verschwinden, ohne daß man es merkt, wiederkommen ohne
Freude - Für Große gibt es keine andern, und sie sind keine andern.
		-- Jean Paul
%
Man fragt den andern um Rat, nicht, weil man nicht weiß, was man tun
soll, sondern weil man es weiß, aber nicht gern tut - der andere soll
dann einer guten oder bösen Neigung den Ausschlag [geben].
		-- Jean Paul
%
Die Deutschen nennen alle ihre Freuden ausländisch: Ressource, Casino,
Klub, Cercle etc. Assemblée, Hôtel, Table d'Hôte, Harmonie, Museum.
		-- Jean Paul
%
Die Engländer gefallen uns in Büchern, weil uns der Stolz in der
Darstellung gefällt, aber nicht in der Wirklichkeit.
		-- Jean Paul
%
Das Beste in einem Menschen ist das, was er selber nicht kennt.
		-- Jean Paul
%
Niemand hat die Kraft - wenn er auch will -, in einem fort unglücklich
zu sein, sondern er wird glücklich.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe müssen die Männer die Liebe mehr durch Worte, die Weiber
durch Taten beweisen.
		-- Jean Paul
%
Der schönen Aktrice rechnet man immer ein wenig den Geist ihrer Rolle
zu ihrem.
		-- Jean Paul
%
Je älter, desto mehr entschuldigt, desto weniger achtet man d(ie)
Menschen.
		-- Jean Paul
%
Man spricht und dichtet viel eher von der Leerheit und Nichtigkeit des
Lebens, als man sie kennt; man spricht ungern oder nicht freudig
davon, wenn man sie kennt.
		-- Jean Paul
%
Der Dichter ist freier als der Philosoph.
		-- Jean Paul
%
Die Liebe ist, ihr Ende ausgenommen, sich überall gleicher, als man
sagt.
		-- Jean Paul
%
Das Lob, das man im Enthusiasmus einer Frau über eine Eigenschaft
gibt, gefällt ihr wenig, wenn man diese für eine der Weiblichkeit, des
Geschlechts, ausgibt.
		-- Jean Paul
%
Weiber haben große Kräfte für, aber kleine gegen die Liebe etwas zu
tun.
		-- Jean Paul
%
Jeder modisch Gekleidete hält sich für den Repräsentanten des
Jahrhunderts oder Dezenniums.
		-- Jean Paul
%
Wer die Menge unbedeutender ungenial(ischer) Bücher sieht, hält die
Menschen für noch unbedeutender.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen haben überall die Neigung, alles auf etwas Höheres zu
deuten, so die Linien in der Hand.
		-- Jean Paul
%
Die Jugend ist die Periode der Nachahmung.
		-- Jean Paul
%
Anfangs verträgt der Autor Lob mit Tadel vermischt. Dann hat er das
Lob so oft gehört, daß er ein neues fodert und liebt; und so soll
immer mehr vom Tadel aufgehoben werden, bis er gar keinen mehr leidet.
(Gilt auch für Leute in Ämtern.)
		-- Jean Paul
%
Manche drücken durch lautes Lachen ihren Enthusiasmus, z. B. über
herrliche Musik, aus.
		-- Jean Paul
%
Im Traum kann man (wenigstens ich) sich der tiefsten Gefühle aus der
Kindheit erinnern.
		-- Jean Paul
%
Die Natur bestraft alles, an den Besten auch die kleinsten Fehler und
gerade diese am härtesten.
		-- Jean Paul
%
Um ein guter Gesellschafter zu sein, ist es sehr gut, etwas zu
treiben, was die Gesellschaft selbst interessiert. Daher ist ein
Jurist, Kaufmann unter Bürgerlichen an und für sich ein besserer als
ein Philosoph oder gar Dichter.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber kommen jetzt durch das Sprechen der Männer um ihre
religiösen Meinungen, ohne zu wissen wie.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber sind mitleidiger bei männlichen Schmerzen als bei
weiblichen.
		-- Jean Paul
%
Begebenheiten, die im Roman nicht mehr romantisch sind, sind's in der
Wirklichkeit, z. B. Entführung.
		-- Jean Paul
%
Um die Menschen recht zu lieben, muß man sie immer aus einem noch
höhern Punkt als dem unserer Verhältnisse (der Freundschaft etc.)
ansehen, nämlich aus dem der Menschheit oder Moralität.
		-- Jean Paul
%
Bei schönen Stellen im Theater hustet niemand, es ist also
willkürlich.
		-- Jean Paul
%
Man muß die guten Weiber glauben, um sie zu finden, wie die Tugend
üben, um sie zu kennen: wer im Steinsalzbergwerk wohnt, kann leicht
die Welt über ihm leugnen.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen glauben sich nach einem zu richten, indes sich der eine
nach ihnen richtet.
		-- Jean Paul
%
Der stille Egoismus der jetzigen Gefühlsmänner liegt schon darin, daß
sie dem Helden Briefe an einen Freund diktieren, gegen den er keine
Liebe zeigt und den er nur hat, um eine Adresse für seine
Publikums-Briefe zu haben.
		-- Jean Paul
%
Ein witziger, launiger Autor ist's am Anfang des Buchs am meisten.
		-- Jean Paul
%
Man denkt beim Spotten und Widerlegen mehr daran, es denen, die schon
auf unserer Seite, deutlich zu machen, als den Widersachern.
		-- Jean Paul
%
Nur der Hofmann könnte bürgerliche Sitten schildern und wir seine.
		-- Jean Paul
%
Die Liebe der Menschen ist leichter zu erlangen als wiederzuerlangen.
		-- Jean Paul
%
In den alten deutschen Anleitungen zur Höflichkeit stehen ebenso viele
Chesterfield Gebote der Falschheit etc.; aber bei ihrer Dummheit merkt
man die Immoralität nicht.
		-- Jean Paul
%
Es ist der größte Fehler in einem Leben, das man entweder schreibt
oder führt, in der Ferne eine unentwickelte Knoten-Dunkelheit zu sehen
und nicht jetzt gehörig zu entwickeln, sondern mit zugedrückten Augen
zu hoffen, sie gebe sich schon.
		-- Jean Paul
%
Bücher wirken wenig auf Individuen, aber doch auf das Jahrhundert und
mithin auch auf jene.
		-- Jean Paul
%
Ein Mensch kann so wenig den ganzen Geschmack haben als ein Mensch die
Wahrheit - die Menschheit hat beides.
		-- Jean Paul
%
In einer kleinen Stadt ist es hart zu heiraten, die Lotterie ist klein
und d(er) Nieten viel - es ist schwer, unter wenigen das Beste zu
finden. 30. Jun./1801.
		-- Jean Paul
%
Um sich etwas zu erklären, nimmt die große Welt lieber die
entsetzlichste Sünde als eine gewöhnliche an.
		-- Jean Paul
%
Da man bei der Lektüre geistreicher Werke seinen Verstand tätiger und
leichter-wirkend fühlt: so trägt man diese Leichtigkeit in den Autor
über, es sei ihm leicht und süß geworden - umgekehrt, wenn es einem
schwer wird.
		-- Jean Paul
%
Autoren vermengen Freude am Hervorbringen mit der am Hervorgebrachten
und denken eine kurze Zeit von sich zu gut.
		-- Jean Paul
%
Wie wenig der Mensch Anteil an fremdem Unglück nimmt: sieht man, weil
der gefällt, der eines erzählt.
		-- Jean Paul
%
In der großen Liebe glaubt man alles opfern zu können; und das kann
sie auch, wenn das Opfer sie zugleich nährt und befriedigt. Aber die
andern Opfer - z.B. des Verzeihens etc. - entkräften die Liebe selbst,
die opfern will; und daher hängt das Glück nicht von der Heftigkeit
der Liebe, sondern von der Energie des ganzen Charakters ab.
		-- Jean Paul
%
In die Stelle eines andern sich zu setzen - oder in die eigne vorige -
ist zu schwer, weil die Phantasie nicht bloß einige Handlungen etc. zu
erneuern oder nachzuahmen hat, sondern dessen ganze körperliche Lage,
dunkle Ideen, unbewußte Einflüsse.
		-- Jean Paul
%
Der eitle, selbstgefällige Autor verrät sich durch den Helden, den er
zuviel Rücksicht auf sich selber nehmen lässet.
		-- Jean Paul
%
Man hält es halb für unmöglich, wie man einen Fürsten etc. durch seine
Gewohnheiten, Launen regieren könne, da er sie und diese Absicht doch
kennen müsse; allein in der Minute der Laune etc. ist er so von ihr
befangen, daß er sie für keine hält, und wenn es ist, doch keine Kraft
des Widerstehens hat. Die Frau sagt es ihrem Manne und regiert ihn
doch.
		-- Jean Paul
%
Der kalte Mensch - immer, in Wahrheit - ist viel seltner als man
glaubt.
		-- Jean Paul
%
Der Liebende ist so strenge-fodernd gegen die Liebende nicht
seinetwegen, sondern (ihretwegen) damit die rechte Liebe und (oder)
ihr Gegenstand sei.
		-- Jean Paul
%
Jeder kennt noch ein Zeremoniell, über das er schimpft, und eines, das
er behalten wissen will.
		-- Jean Paul
%
Die Trunkenheit vermehrt schön 2 schöne Dinge, Mut und Liebe.
		-- Jean Paul
%
Man muß bei den andern voraussetzen - was man selber so oft tut - daß
die Ungereimtheiten, die ihnen entfahren, von ihnen in der Stille
gemißbilligt, zurückgenommen werden.
		-- Jean Paul
%
Der Kopf ändert sich ewig, das gute Herz wenig.
		-- Jean Paul
%
Ein großes Unglück darf man leichter unmotiviert dem Helden begegnen
lassen als ein großes Glück, so sehr setzt man das Mißverhältnis
zwischen Glück und Wert voraus.
		-- Jean Paul
%
Am Tage, wo man Geld bezahlt bekommt, gibt man ein wenig mehr aus.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen werden mehr voneinander verschieden durch die inn(ern)
Anlag(en) zur Freude als durch die äußern Verhältnisse, in denen jene
wirken.
		-- Jean Paul
%
Die bloße, nackte Wahrheit wird für die meisten Unwahrheit; durch ihr
Kleid wird sie wahrer.
		-- Jean Paul
%
Man will von fremden Wesen sein Ich recht geliebt haben, nicht aus
Eigennutz, sondern um es wieder recht lieben zu können.
		-- Jean Paul
%
Man hofft, daß der andere glauben soll, unser Gesicht sei nicht
getroffen, da wir selber doch immer fremden Kupferstichen glauben; so
Rezension und Verleumdung.
		-- Jean Paul
%
Manchen gibt man das Gefühl, wodurch man es andern nimmt, durch
Schlüsse.
		-- Jean Paul
%
Sich selber Wort halten schwerer als andern.
		-- Jean Paul
%
Die Philosophen halten immer im stillen den Wert und die Ausdehnung
ihres Objekts für die ihrer Kraft und ihres Amts und ihre Anstrengung
für die größte, weil diese alle andern deduziert.
		-- Jean Paul
%
Jeder Autor, auch sogar [der] mißfallende, reißet uns in sein
Lehrgebäude hinein, daß wir vor dessen Mauern die ganze Welt eine
Zeitlang nicht sehen; schon das lange feurige Vorstellen seiner Sätze
verdunkelt uns fremde und wird ein halb(es) Glauben.
		-- Jean Paul
%
Man imponiert und gewinnt mehr, wenn man über eine Sache lange
spricht, als viel (kurz); die Ausdehnung der Rede gilt für Ausdehnung
der Kenntnis.
		-- Jean Paul
%
Wer sich nur halb verstellt: hat zugleich den Nachteil der Verstellung
und der Offenherzigkeit.
		-- Jean Paul
%
Es gibt eine Zeit in der Jugend, wo - wegen der Kraft etc. - uns der
Skeptizismus gefällt, der uns nachher, näher am Grabe, peinigt.
		-- Jean Paul
%
Ein Rezensent lieset alle Satiren gegen Rezensenten, die früher als er
geschaffen worden, kalt.
		-- Jean Paul
%
Weit mehr sind aus Schwäche Schmeichler der Fürsten und a(nderer) als
aus Eigennutz; die Wahrheit ist leichter zu hören als zu sagen.
		-- Jean Paul
%
Um die Aristokraten, Großen recht zu erraten, betrachte man ihr
Betragen gegen ihre Bediente; es gibt mehr großmütige Bediente und
Arme als Herren und Reiche.
		-- Jean Paul
%
Wir fühlen den Weg zum Bösewicht schwerer hinab als zum Heiligen
hinauf.
		-- Jean Paul
%
Dichterinnen klüger als Dichter.
		-- Jean Paul
%
Nicht gegen die Treulosigkeit der Menschen sollte man eifern, sondern
gegen die anfängliche Blindheit auf der einen und Verstellung auf der
andern Seite; allmählig trägt der schönblühende Freund giftige
Früchte, und dann fliehen wir ihn freilich.
		-- Jean Paul
%
Bei dem Jüngling, der sich an einen neuesten Lehrer hängt, ist's ein
Zeichen der Schwäche; des Greis(es), ders tut, ein Zeichen der Stärke.
		-- Jean Paul
%
Weiber sind weder Realisten noch Idealisten, sondern verbinden beides.
		-- Jean Paul
%
Anfangs treiben sie das Haushalten des Geliebten wegen, dann des
Haushaltens wegen.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist gefährlicher als eine unvollendete Versöhnung, sie
erschwert die vollendete mehr als keine.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen sind nie schlaffer, als wenn sie sich oder andere
trösten; ihr absichtlich kahles Gemenge von Widersprüchen.
		-- Jean Paul
%
>Unter den Männern sind die meisten gemein, nur jede Frau hat etwas
Eigenes< - Die Frau hingegen sagt wieder dasselbe von den Männern.
		-- Jean Paul
%
Nicht durch Angreifen, sondern durch Behaupten zeigt man die eigne
Kraft und Individualität am besten. Bei jenem muß man sich zu sehr
nach den andern richten und verliert bei Sieg und Niederlage.
		-- Jean Paul
%
Die Stöße, die uns der Wagen des Schicksals gibt, lassen unser Inneres
noch in Ruhe und Gleichmut. Aber Wunden, die uns der Mensch, seine
Meinung und Betragen gegen uns gibt, wirren in uns alles
durcheinander. Das Ich fühlt sich von seinesgleichen erschüttert.
		-- Jean Paul
%
An einem Glück oder Unglück ist man nie schuld, aber am
wiederkehrenden.
		-- Jean Paul
%
Zerstreuete Gedanken lieset man wieder zerstreuet und blättert in
ihnen herum.
		-- Jean Paul
%
Je kürzer solche sind, desto noch kürzer will man sie haben; und
Längen, die uns in andern Büchern Kürzen wären, sind uns zu große.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch findet nichts dagegen, daß in der Vergangenheit immer eine
Veränderung der Gesetze und Staaten nach der andern kommt - nur in der
Gegenwart will er nicht daran.
		-- Jean Paul
%
Jedes uns erzählte Menschenleben hat etwas Erbärmliches,
Eingeschränktes. Wir wundern uns, als müss ein gehörtes anders sein
als ein geführtes.
		-- Jean Paul
%
Je mehr man getrunken, desto mehr lobt man den Wirt und sein Bier.
		-- Jean Paul
%
Vollendete Rechtschaffenheit ist fast Genialität (erhebt ohnehin über
jede Gemeinschaft) oder doch ein Ersatz derselben.
		-- Jean Paul
%
Die Ordnung wie der Geiz keine Grenzen.
		-- Jean Paul
%
So viele fingen mit der Liebe an, mit der sie wirken wollten, und
mußten aufhören mit der Furcht, die sie gaben.
		-- Jean Paul
%
Viele Tugenden des Alters sind nur Folgen gestillter Wünsche und
verengter oder erweiterter Schranken.
		-- Jean Paul
%
Wer einen nur zum Werkzeug gebraucht, sei sicher, daß ihn dieser auch
nur dazu brauche.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch hat mehr Scham über einen scheinbaren (unwirklichen)
Fehler, den der andere ihm vorwirft, als über einen wahren, den man
sich selber endlich eingesteht.
		-- Jean Paul
%
Im Alter ist einem der Nutzen des Ruhms lieber als der Ruhm.
		-- Jean Paul
%
Aus der bloßen Begierde zu gefallen ist der weibliche Sinn für
Kleidung und Schönheit nicht abzuleiten, der Mann hat jene ohne
diesen.
		-- Jean Paul
%
Der Eitle ließe in der Minute seine Stellung, Kleidung weg, wo er
wüßte, daß man sie als Eitelkeit bemerkte.
		-- Jean Paul
%
Wenn man über etwas spricht oder schreibt, sieht man, daß man mehr
weiß, als man dachte.
		-- Jean Paul
%
Ordnung und Unordnung kann man lernen, es ist Gewohnheit.
		-- Jean Paul
%
Die französischen, gallischen Irrtümer über Gott, Uneigennützigkeit,
Unsterblichkeit etc. müßten unglücklich machen, wenn sie nicht das
Schicksal aller Ideen, auch der Wahrheiten teilten, wenig gegen
Gefühle zu wirken.
		-- Jean Paul
%
Die größere Kraft gegen Verleumdung zeigt man, nicht wenn man sie
verachtet, sondern nicht zu hören sucht, wenn man's haben könnte.
		-- Jean Paul
%
Eine lange Zeit lernt man darum die Menschen nicht kennen, weil man
sie überall für besser hält als sich.
		-- Jean Paul
%
In großen Städten vergisset man den eignen Tod so leicht und kalt wie
den fremden.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wollen einen niederdrücken, und dann wollen sie ihm erst
Gutes tun - aber nie, ihn erheben und dann bekränzen.
		-- Jean Paul
%
Das Lob darf man nicht hinter dem Rücken des Gegenstands ändern, aber
den Tadel.
		-- Jean Paul
%
Wenn der Mensch etwas Edles am andern findet, so träumt er ihm gleich
sein eignes Edle gar an.
		-- Jean Paul
%
Auch der reiche Autor stiehlt oft, weil er denkt, er hätt es ebensogut
erfinden können, und der andere denk auch das.
		-- Jean Paul
%
Nichts zeigt die Menschen falscher und schöner als d(ie) Leiden; im
Glück werfen sie die Schleier weg.
		-- Jean Paul
%
Die Besonnenheit richtet sich nach dem geistigen Reichtum d(es)
Menschen.
		-- Jean Paul
%
Wer wahr sein will, ist's schon nicht ganz mehr, er muß es gar nicht
wissen.
		-- Jean Paul
%
Mädgen denken besser als die Frauen, aber auch Jünglinge besser als
die Männer.
		-- Jean Paul
%
Wir müssen Hoffnung haben, um die Gegenwart zu genießen. Wir wollen
lieber eine schlimme Gegenwart mit schöner Aussicht als umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Man ist zu oft bescheiden und denkt nicht daran, wie oft ein eignes
Wort als ein Menschen Wort lange über unsere Meinungen hinaus
fortwirke. Man betrachte immer, wie stark der Redende - wie schwach
(jung, eingenommen) der Hörende sei.
		-- Jean Paul
%
Ein Weiberfeind ist auch ein Menschenfeind.
		-- Jean Paul
%
Um nicht veränderlich zu scheinen, muß man nur seine Entschlüsse so
lange verschweigen, bis man einen davon ausführt.
		-- Jean Paul
%
Viele glauben bloß darum an die Schwachheiten (Niederlagen) des Weibs
nicht, weil sie sie zu unmoralisch halten.
		-- Jean Paul
%
Nach einer kühnen Tat muß man fort kühn sein, sonst geht man unter.
		-- Jean Paul
%
Menschenhaß und Härte verträgt sich mit weich(em) liebend(en) Gefühl.
		-- Jean Paul
%
Die Bischöfe etc. (Clerus) des Mittelalters ließen sich so leicht wie
Höfe jetzt, ihre Verderblichkeit verlachen; aber es war nicht
Toleranz, sondern vollend(ete) Verderbnis.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe gibt's keine größern Fehler als die wiederkommenden.
		-- Jean Paul
%
Man kann sehr ehren-fein sein und doch keine Ehre haben.
		-- Jean Paul
%
Um zu sehen, welche Fehler deine Braut als Frau am meisten haben wird,
gib auf den Tadel der Eltern gegen sie acht, der sie nennen wird.
		-- Jean Paul
%
Warum halten sich die Menschen für scharfsichtiger, wenn sie das
geheime Böse entdecken, als das geheime Gute?
		-- Jean Paul
%
Der Mutige erschrickt nach der Gefahr, der Furchtsame vor ihr, der
Feigste in ihr.
		-- Jean Paul
%
Je älter man wird, desto gesünder, glaubt man, wolle (werde) man sich
immer machen, da man doch nur Krankheiten entgegenlebt.
		-- Jean Paul
%
Es gibt feige Nachsprecher an Höfen und in der Literatur, durch die
man die stillen Meinungen ihrer Herren errät.
		-- Jean Paul
%
Im Alter liebt man Personalien, in der Jugend Realien.
		-- Jean Paul
%
In der moralischen Welt verbreitet sich Licht langsamer als Wärme;
anders als in der physischen.
		-- Jean Paul
%
Wenn der Major ein Oberst wird, wundert er sich bloß, daß er etwas
anders zu tun hat; an die Charge dacht er gar nicht, nur an die
Pension.
		-- Jean Paul
%
Die Aufklärung, Licht etc. wirkt bei Fürsten und einzelnen Menschen
immer wohltätig für Moralität, wenn sie eben ankommt - sieh
katholische Länder - aber dauert die Einsicht, Klugheit etc. lange,
wird sie gerade zu einem Werkzeug der Immoralität verbraucht.
		-- Jean Paul
%
Ein Gelehrter gilt so lange für unfehlbar, bis er vor uns den ersten
Irrtum begangen und nachgeben müssen; dann tritt man ihm ohne Gnade
keck entgegen.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber wissen an uns mehr das Individ(uum), wir an ihnen das
Geschlecht zu behandeln.
		-- Jean Paul
%
An gewissen verstellten Menschen ist nichts so unerträglich als ihre
halb un- und halb willkürliche Herzlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Um zu wissen, wie gut oder schlimm eine Nation (deutsche) von sich
denkt, muß man nicht auf das Schlimme hören, das sie von sich, sondern
auf das, das sie von fremden Nationen sagt.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor wird am dunkelsten, wenn er Sätze sagt, die er 1000mal
dachte und die, in seinem Innern lang erzogen, er nicht erst auf dem
Pulte erfand, wo er sie gab. Andere entwickeln sich und dem Leser
zugleich die Sache.
		-- Jean Paul
%
Die Bücher machen nicht gut oder schlecht, nur besser oder schlechter.
		-- Jean Paul
%
Schlechte Autoren sollte man vor, gute nach ihren Büchern
kennenlernen, um jenen die Bücher zu vergeben, und diese den Büchern.
		-- Jean Paul
%
Die Kinder sagen unzählige zarte Gefühle heraus, die die Erwachsenen
auch haben, aber nicht sagen.
		-- Jean Paul
%
Was die Kraft-Menschen so wild gegen ihre Gegner macht - Herder,
Fichte - ist, daß sie nie mit ihresgleichen kriegen müssen, sondern
mit den untergeordneten.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch schenkt am leichtesten nach dem Schenken.
		-- Jean Paul
%
Die zu gewissenhaften Autoren, die nichts wagen, haben den fast nicht
bescheidnen Glauben, daß ihnen kein zweiter Autor entgegenarbeiten daß
man ihnen aufs Wort glaube - dem Schreiber wie dem Sprecher steht
stets ein anderer entgegen.
		-- Jean Paul
%
Wenn man nur einmal recht ins Bewundern hineingekommen - Moritz gegen
Goethe - so gewinnt man so viel, als sei man selber der Gegenstand und
mehr und reiner, weil man seine höchste Idee nun außer sich realisiert
antrifft.
		-- Jean Paul
%
Wer bloß bürgerliche Steigerungen seines Glücks hat, muß immer
größ(eres) wünschen; der Dichter etc. hat gleich das unendliche Glück
vor sich.
		-- Jean Paul
%
Niemand glaubt leichter, in der Philosophie etwas verstanden zu haben
- etwas sehr Schweres nämlich - als die Weiber.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber wollen zu erziehen anfangen, wenn schon alles verzogen ist.
		-- Jean Paul
%
Weltumgang gibt nicht Erfahrung, höchstens diese jenen.
		-- Jean Paul
%
Die kleine Stadt sagt von der kleineren, sie sei noch nicht so
verdorben - und so Tugend immer im Verhältnis der Kleinheit.
		-- Jean Paul
%
Wer ein rechtes Ideal, das er ins Leben ziehen will, im Geiste hegt,
ist gegen d(as) Gift der Mode geschirmt, wie Schwangere gegen
ansteckende Krankheiten.
		-- Jean Paul
%
Feststehende philosophische Worte sind gefährlich - man bringt sein
ganzes Anschauungssystem darunter - und dann versteht man fremde Worte
nicht, die man sonst verstände.
		-- Jean Paul
%
Wer sagt, er verachte, fängt's kaum an und hasset noch.
		-- Jean Paul
%
Wo die Menschen an Verstand übertroffen werden, glauben sie, es sei
nur an Wissenschaft.
		-- Jean Paul
%
Weiber fragen soviel nach Sentenzen, weil sie kein System haben.
		-- Jean Paul
%
Der gute Mensch sogar drückt seine guten Maximen noch schärfer aus,
als er sie übt.
		-- Jean Paul
%
Das Unglück der Weiber ist, daß sie nicht imstande sind, Männer so
keck zu verachten als Weiber.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Verleumdung oder das Gerücht schon das Unschuldigste falsch
auslegt: wie schlimm (verdreht) muß sie erst sorglose Handlungen der
Menschen, die sich absichtlich um keinen Schein bekümmern, ja gegen
den Schein leben, aufnehmen und zusammensetzen. Glaube, Sorgloser, sie
wird noch etwas Schlimmeres daraus machen als du scheinen wolltest.
		-- Jean Paul
%
Glückliche Mädgen in der Ehe lieben schon Romane nicht mehr, weil sie
nichts mehr auf sich beziehen können.
		-- Jean Paul
%
Eine Handlung ist fast eher durch eine entgegengesetzte aufzuheben als
ein Wort durch ein Wort, wovon man das erste wieder für eine Handlung
erst ausgeben muß.
		-- Jean Paul
%
Gelehrsamkeit auch darum so imponierend, weil man sie sich nicht durch
eine willkürliche Anstrengung ersetzen (verschaffen) kann als das
Gefühl, Genieblick usw.
		-- Jean Paul
%
Ein Dichter hat zwar die schnellsten Irrtümer, aber auch dafür die
schnellsten Bekehrungen. Andere haben keinen Standort, um ihre Fehler
zu übersehen, die sich von einem Tal ins andere verlieren.
		-- Jean Paul
%
Ein Schmeichler ist's selten aus bloßem Eigennutz, sondern aus
Charakter; denn er schmeichelt Niedrigen wie Hohen.
		-- Jean Paul
%
Die Fürsten und alle Menschen lieben es weit mehr, wenn man etwas aus
persönlicher als allgemeiner Rücksicht für sie tut, weil das
Allgemeine leicht ebensogut ihr Feind werden kann.
		-- Jean Paul
%
Eigne Anmerkungen findet man zum Aufzeichnen oft bloß darum zu
unbedeutend, weil man sie durch langes Herumtragen und Handeln darnach
sich selber gemein gemacht.
		-- Jean Paul
%
Daß sich die Männer wundern über weibliche Niederlage, ist ein Lob für
die Weiber; diese wundern sich nicht über den Angriff, ein Tadel für
uns.
		-- Jean Paul
%
Man gebe manchem Selbstvertrauen, so ist er ein Weltmann.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen widerlegen einander ewig nur Irrtümer, die der Gegner
nicht behauptet.
		-- Jean Paul
%
Alle Menschen suchten die Wahrheit, wenn sie nur gewiß wüßten, daß sie
sie fänden - z. B. in einem von einem Engel geschriebnen Buch.
		-- Jean Paul
%
Erstlich zur Seltenheit muß man sich machen, und damit man es bleibe
in der Gesellschaft, zuweilen hintereinander keine Seltenheit sein.
		-- Jean Paul
%
Viele Handlungskühnheiten (z. B. Konferenz) kommen uns nur kühn und
schwer vor, weil wir in der Ruhe sind, wie schlechtes Wetter
unerträglich, wenn man aus der warmen Stube hinaussieht - ist man
draußen, fragt man nichts darnach, weil man die Rüstung entgegensetzt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe ist es schädlich, wenn man, wegen Zank, sich seine Liebe,
die man doch hat, zu äußern schämt, wie gegen Eltern.
		-- Jean Paul
%
Gerade die Menschen, die nicht verstanden werden, sprechen nicht gern
davon oder doch traurig - hingegen die Jugend prahlt damit.
		-- Jean Paul
%
Bedeutende Menschen, die uns aber böse geschildert worden, nehmen uns,
da wir ihnen stets ein unmoralisches Äußeres dazu liehen, stets bei
der ersten Bekanntschaft ein wenig ein.
		-- Jean Paul
%
Oft gehört nichts dazu, den Ehemann zu stillen, der 100 Fehler
vorwirft, als sie alle rein-denkend zuzugestehen.
		-- Jean Paul
%
Man liebt am schönsten und reinsten die Wesen, die nicht wiederlieben,
Hunde, Kinder; Geliebte, von denen man nichts fodern kann.
		-- Jean Paul
%
Jede gute Neigung wirkt stärker, wenn sie sich durch Tun, als wenn
[sie] sich durch Meiden zeigen muß.
		-- Jean Paul
%
Gerade der Freie sucht den Schein der Freiheit am wenigsten.
		-- Jean Paul
%
Die meisten achten sich nicht eher, als bis andere sie achten.
		-- Jean Paul
%
Kein Autor hört so gern das Lob eines fremden Autors als der, der ihn
nachahmt.
		-- Jean Paul
%
Wer nicht sucht, wird bald nicht mehr gesucht.
		-- Jean Paul
%
Der rechte Charakter ist nicht mit Standhaftigkeit anfangen und nach
den Umständen sich zu fügen - sondern wie die Römer, in jeder
Verschlimmerung nicht um einen Fußbreit zu weichen.
		-- Jean Paul
%
Zur Lebensart gehört, daß man auch gegen sich höflich sei.
		-- Jean Paul
%
Nicht Dicke, aber 1 Fuß Länge mehr gibt immer ein Übergewicht des
Ansehens.
		-- Jean Paul
%
Fremde sehen Eheweiber in Rücksicht des Gatten so falsch-verschönernd
an wie Liebhaber die Mädgen.
		-- Jean Paul
%
Eine kurze Enthaltsamkeit ist schwerer als eine lange. Besser, von
Sachen als von Menschen abzuhängen.
		-- Jean Paul
%
Nur in der höchsten Gleichgültigkeit oder höchsten Wärme (Hasse) kann
man sich über Menschen irren; in beiden bemerkt man zu wenig.
		-- Jean Paul
%
Man vergibt ungern dem Demütigen ein gerechtes höheres Gefühl bei
seinem Glückswechsel.
		-- Jean Paul
%
Die Eitelkeit nur hassenswert, wenn sie große Gegenstände zu ihrem
Dienst mißbraucht, das Große um ihrentwillen affektiert; mit Kleinem
darf man eitel sein, mit einer Schnalle, nicht mit einer großen
Empfindung oder mit Mangel an Eitelkeit; daher man sie kleinen
Menschen eher vergibt.
		-- Jean Paul
%
Das Individuelle entscheidet überall. Wie wenig kann jeder vom besten
Helden brauchen! - Der Dichter gibt überall nur sittliche Momente, die
jeder anwende!
		-- Jean Paul
%
Seltner und schwerer streitet man, um den andern zu bessern, als um
die Wahrheit zu befriedigen (daher das Feindliche), als ob man nicht
durch jenes sie am meisten befriedigte.
		-- Jean Paul
%
Alle weiche gegen Fremde nachgebende Menschen suchen sich eine Lüge
ihrer Selbständigkeit durch Härte gegen die Ihrigen weiszumachen.
		-- Jean Paul
%
Wo viel Ehrgefühl, da ist viel Ehrgeiz; aber gar nicht umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Die kühnsten Autoren im Urteil über andere oder über Wissenschaften
sind junge, die dadurch Autorität zu erlangen hoffen; da die alten
dadurch ihre zu verscherzen fürchten.
		-- Jean Paul
%
Nirgends noch Vaterlandsliebe als bei gemeinen Leuten.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch wird wie der Stahl hart - durch öfteres Abkühlen nach
Erhitzung.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch nimmt es schon übel (im ersten Anstoß), wenn man ihm
überhaupt etwas übelnimmt.
		-- Jean Paul
%
Manche handeln poetischer als sie schreiben.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt es gar nicht für möglich - daher die Zuversicht -, daß man
etwas vergessen werde, wenn man sich dess(elben) eben erinnert.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Mädgen früher in der Liebe Gründe anzunehmen scheinen: so
handeln sie doch nur aus Liebe gegen den Gegenstand, der sie gibt,
nicht aus Überzeugung - Ohne Liebe keine Gründe.
		-- Jean Paul
%
Man scheuet sich, dem jungen Kind den lateinischen Namen eines Tiers
zu sagen, als wär ihm der erste deutsche Name nicht ebenso fremd.
		-- Jean Paul
%
Man kann vom Menschen Geschlechte zu schlecht denken und doch vom
einzelnen immer zu gut.
		-- Jean Paul
%
Vielleicht wirft sich niemand mehr Schwäche vor als ein starker
Mensch.
		-- Jean Paul
%
Die feinste Aufgabe im tätigen Leben ist die, ob man einer Sache
zuvor-, oder erst nachzukommen habe.
		-- Jean Paul
%
Eine Frau läßt Geld herumliegen, nicht Kaffee.
		-- Jean Paul
%
Der, der einen Rat begehrt, hat meistens - schon durch die Zeit - eine
Sache von allen Seiten beschauet; der Ratgeber von der ersten, die
vortrat, da man ihn fragte. Und doch muß man fragen, um eben alle
Seiten durch mehre(re) Augen kennenzulernen.
		-- Jean Paul
%
Der erste Bettler nach einer Feuersbrunst bekommt am meisten.
		-- Jean Paul
%
Weiber schildern gern dem Arzte alle Symptomen recht stark, als ob er
dadurch besser kurierte oder lieber.
		-- Jean Paul
%
Man muß nie einen Tadel in ein Schimpf- oder Entscheidungswort
kleiden, weil ein Wort - z. B. Schurke - den ganzen Menschen umfaßt
und ein Leben abspricht, da der Mensch sich doch so vieler besserer
Ziele bewußt ist und überhaupt, weil hier der Prozeß mit der Exekution
angefangen und der Beweis vorausgesetzt wird, der erst bei dem
Menschen zu führen ist. So muß man nie sagen: ich habe dir etwas
Unangenehmes zu sagen, weil dieses die ganze Welt des Jammers umfaßt,
von der uns doch nur eine glühende Kohle gegeben wird.
		-- Jean Paul
%
Gegen den Egoismus - zumal den feinsten - gibt es nun kein Mittel
weiter als - Republik, Anteil an allem.
		-- Jean Paul
%
Wer irgendeine von diesen Bemerkungen weder in seinem Leben noch die
Antizipation in seiner Seele hat: findet sie bloß leer oder nichts.
Etwas anderes ist, wenn einer eine falsch findet.
		-- Jean Paul
%
Wenn sich ein großer Kopf euch zu unbedeutend darstellt: so glaubt
nur, daß ers ist, weil er euch dafür hält.
		-- Jean Paul
%
Wer die Menschen nicht mehr liebt, findet wieder Liebe und Interesse
an einem, der leidet. Der Schmerz führt uns die alte Liebe des ganzen
Geschlechts zurück.
		-- Jean Paul
%
Die Begierde nach Geld kann sich sogar in einer edeln Seele
entschuldigen - um nämlich von Menschen (nicht bloß von Sachen) frei
zu bleiben, um gegen jene niederwerfende Ungleichheit eine Stütze zu
haben.
		-- Jean Paul
%
Unter allen Arten von Liebe, die der Mensch hat - Eigen-, Kinder-,
Menschen-Liebe - ist keine so schwach als die Wahrheitsliebe, für die
er nicht einmal kleine Wunden der Eitelkeit sich gefallenläßt.
		-- Jean Paul
%
Wenn man in sich eine Veränderung gegen Irrtümer der vorigen Zeit
bemerkt: so hält man sich nicht für irrfähiger darum, sondern jetzt
für kräftiger, als ob die Vergangenheit nicht der Zukunft drohe.
		-- Jean Paul
%
Die Schwachheit (das Nachgeben, Verändern) der Männer macht die Weiber
listig.
		-- Jean Paul
%
Man kann vieles als so scharfe Axiomen sagen, wodurch durch ein Leben
gehandelt worden und werden soll, wenns recht geht, und welche
unmöglich gerade bei Anlaß des Gesprächs können erfunden sein und
werden - und die es doch sind.
		-- Jean Paul
%
Durch übertriebnes Lob (aus wahrem Herzen) wird niemals vor dem
Gegenstand übertriebner Tadel (aus wahrem Herzen) gut und süß gemacht.
		-- Jean Paul
%
Alles ist eher in einem Staate ins Reine und Vollkommene zu bringen,
Ausübung der Justiz - Rechte - Kammer -; nur die Besetzung der
Stellen, zumal der hohen, offenbart sich als Fleck jedes Staats.
		-- Jean Paul
%
Nicht Mangel an Ideen - denn man hat immer welche -, sondern an neuen
macht Langweile.
		-- Jean Paul
%
Man (ein Mann) kann zu leicht Anmerkungen, die auf die Menschheit
passen, auf die Weiber allein machen und beziehen, weil diese mehr
außer uns gehören und wir sie anschauen, die Männer aber in uns.
		-- Jean Paul
%
Der Wegreisende glaubt stets, weiter zu sein als der Dableibende.
		-- Jean Paul
%
Ach, aller Zank und Haß wäre geschlossen, wenn man sich bei dem
Beleidiger mehr hell dächte, was er sich ist, als was er uns ist; wie
er seinen Wert behauptet, wenn er irrend unsern bekriegt. Der Ehemann
muß sich der Liebe seiner Frau gegen ihn erinnern, aber nicht als
Liebe gegen ihn, sondern als Zeichen ihres Werts.
		-- Jean Paul
%
Nicht sowohl der Verstand kommt nicht vor den Jahren als die rechte
geistige DenkFreiheit.
		-- Jean Paul
%
Derselbe Mann, der uns anfangs mit seinem Nachsprechen unserer Ideen
Freude macht, wird uns in schwierigen Fällen lästig und verhaßt, wo er
unserer Furcht nicht widerspricht und uns keinen Rat erteilt oder
keine Hoffnung.
		-- Jean Paul
%
Mangel an Verschwiegenheit entsteht meistens aus Mangel an Redestoff.
		-- Jean Paul
%
Die Worte des Ehemanns wirken höchstens auf die Ehefrau, wenn er sie
einer fremden vorsagt.
		-- Jean Paul
%
Das Altertum schrieb reiche, große, edle Worte auf - die Neuen mehr
witzige. - Die jetzigen moralischen Anekdoten zeichnen mehr die
Menschenliebe; die alten die Tapferkeit und jede Größe. Wir können
überhaupt jetzt leichter einen Historiker als einen Plutarch ernähren.
		-- Jean Paul
%
Ein Mann hält die Bücher rein, nicht die Westen, Weiber umgekehrt etc.
		-- Jean Paul
%
Nicht die Frau, die Kinder binden den wagenden Mut, weil wohl jene mit
uns tragen kann, da sie sich mit uns entschließt, diese aber noch
keine Kräfte zum Entschließen und Tragen haben.
		-- Jean Paul
%
Menschen von einigem Talent (wie Erhard) haben sich so sehr mit den
gestickten Gewändern des Jahrhunderts umhangen, so viel Fremdes, was
schön ist, umlegt ihr Eignes, das auch schön ist, daß man kaum zum
eigentlichen Wesen durchdringen kann. Nehmt ihnen die Zeit ab: wie
wenig sind sie von denen verschieden, auf die sie herabsehen! - Es
sollte eine Abschälungstheorie geben, um den, der viel von der Zeit
geborgt, doch nicht über den zu setzen, der wenig geborgt.
		-- Jean Paul
%
Eine Stadt imponiert anfangs, als wären ihre großen Häuser und Gassen
eine Masse zum Befehlen - bis man endlich sieht (und zu ihr gehört),
daß alles sich wie im Dorfe in Einzelne zerteilt.
		-- Jean Paul
%
Keinen Titel zu haben schadet oft darum bei Bekannten, weil sie nicht
mit unserer Freundschaft prahlen können.
		-- Jean Paul
%
Nicht die Jünglinge sollten so oft klagen, daß sie einsam wären, keine
verwandte Seele fänden - sie meinen nur eine weibliche -, sondern die
Männer und Alten sind und werden einsam - niemand ist einsamer als ein
Mann, es müßte denn ein Greis sein. Der Jüngling hat sich noch nicht
in sich abgeschlossen und lässet sich von jeder Windseite bilden,
beugen und Blumenstaub zublasen; hingegen der Mann hat sich gegen
Männer, Welt gegen Welt fest gegründet, und sie können nicht mehr
aneinanderlaufen.
		-- Jean Paul
%
Lust und Not - durch beides zugleich ist freilich jedes Weib zu
gewinnen.
		-- Jean Paul
%
Die Urteile der Männer über Menschen wägen den Gehalt bloß ab, um
Kenntnis zu haben; die der Weiber über Menschen, um zu lieben oder zu
hassen; daher jene vielseitiger sind.
		-- Jean Paul
%
Leichter heiratet ein Mann eine Frau aus niederem Stande hinauf als
eine aus höherem herab; die Hof-(Stadt-)kunst ist bald gelernt, aber
nicht so die Küchen- und Haushaltungskunst, sogar bei der Lehre des
Vaters.
		-- Jean Paul
%
In Gesellschaft macht der Witz eine Lücke und Finsternis durch
Blenden; hingegen Laune ergötzt in einem fort.
		-- Jean Paul
%
Gäb es nur eine höhere Gattung Tiere: schwerlich würden wir sie
martern; so sehr nimmt uns die herabsteigende Stufenfolge oder d(ie)
Grenzenlos(igkeit) den Maßstab.
		-- Jean Paul
%
Ich kenne sehr geschmackvolle Leute, welche die langweiligsten
Gesellschafter sind, weil sie immer nur zu fühlen und zu schmecken
gewohnt sind und andern folglich nichts zu fühlen und zu schmecken
geben.
		-- Jean Paul
%
Jeder Freund hält es für den größten Genuß, dem andern die Wahrheit zu
sagen - am Hören findet keiner einen sonderlichen.
		-- Jean Paul
%
Die Einschaltung des Mannes in die Staats-Fachwerke gewöhnt die
nachfühlende Frau an eine ähnliche Einschaltung ins Ehe-Fach. Ein
freier Dichter hingegen hat es schwerer, zu seiner Frau zu sagen:
»bedenke!«-
		-- Jean Paul
%
Es ist schlimm, daß man vor lauter heißerer Liebe zu Freunden ihnen
gerade das Bestimmteste über ihre ganze Lage zu sagen wagt.
		-- Jean Paul
%
Keine Frau könnte durch das Ankleiden so viel gewinnen als sie
verliert, wenn man ihr dabei zusieht.
		-- Jean Paul
%
Die einfachsten Menschen hör ich die feinsten Vermutungen äußern, wenn
der Schritt etc. eines Gesandten, Ministers politisch zu erklären ist.
		-- Jean Paul
%
Einer kann stets sein Wort halten, seine Vorsätze ausführen und doch
veränderlich sein; er führt nämlich nur die gesagten aus; aber in den
gedachten ist er veränderlich; und niemand weiß es.
		-- Jean Paul
%
Man muß, um einen Menschen zart und fein zu behandeln, nicht bloß nach
der hohen Achtung messen, die man für ihn hat, sondern auch die
(vielleicht irrige) Achtung erraten, die er für uns hegt und nach
deren Größe ihn unsere Vernachlässigungen schmerzen.
		-- Jean Paul
%
Es gibt gewiß bloß darum vieler glücklichen Ehen mehr, weil der Mann
nicht mit zu erziehen suchte.
		-- Jean Paul
%
Ein Lehrer, Hausvater ärgert sich gerade über die wiederkommenden
Fehler am meisten, da ers als über in der Natur gegründete am
wenigsten sollte.
		-- Jean Paul
%
Nirgends ist mehr Kriegsenthusiasmus als in der Hauptstadt, weil nie
oder selten der Krieg dahin kommt. Eine Provinzialstadt voll
Kriegslust wäre etwas Höheres.
		-- Jean Paul
%
Man tadelt den eignen Hund, der an jedem Fremdling aufhüpft, liebt es
aber, wenn es uns geschieht; so hassen wir unsern Schmeichler nicht so
sehr als einen fremden.
		-- Jean Paul
%
Durch Tadel wird man öfter mehr vorsichtig und klug als besser.
		-- Jean Paul
%
D(er) Treulose macht Treulose; wer kein Wort hält, findet keinen
Worthalter mehr.
		-- Jean Paul
%
Wenn man in Gesellschaft ein lobendes Urteil fällt, darf man es in
starke Ausdrücke zusammenfassen. Hingegen bei einem Tadel muß man nur
die Gründe, keine Benennungen sagen, 1) weil man dem fremden Urteil
vorgreift 2) weil der andere leicht an unsern frohen, aber nicht [an]
zornigen Ausbrüchen Anteil nimmt 3) weil der Gegenstand des Tadels
nicht Gründe, nur Namen rächt. Man darf sagen: A. ist ein Engel! - nie
aber: A. ist ein Teufel!
		-- Jean Paul
%
Ein Mann wie Voltaire taugt(e) zu keinem ewigen Hofmann, weil seine
Kraft die Ebene und Leichtigkeit der Geselligkeit unterbrach.
		-- Jean Paul
%
Durch Trinken vor der Ehe gewöhnt der Mann die Geliebte an übermäßige
Liebeszeichen; in ihr hat es entgegengesetzte Folgen.
		-- Jean Paul
%
Weiber hassen an Weibern, nicht an Männern Eitelkeit und Stolz.
		-- Jean Paul
%
Fiel einer einmal in den Verdacht der Eitelkeit: so wickelt er sich
nicht mehr daraus heraus, er handele, wie er will.
		-- Jean Paul
%
Die Toleranz ist leichter gegen den, der schlecht handelt und sich
dafür hält, als gegen den, der gemein egoistisch etc. handelt und sich
für edel nimmt.
		-- Jean Paul
%
Durch übermäßiges Lob wird der Autor nicht für übermäßigen Tadel
entschädigt. Jenes nimmt das halbe Vergnügen (und gibt weniger als
gerechtes Lob) durch die Unvollkommenheit des Lobredners und durch die
Erinnerung an die gelobten Vorzüge, deren man eben entbehrt.
Überm(äßiger) Tadel verwundet 1) durch Nachsprechen 2) fremde
Unvollkommenheit 3) eigne Geneigtheit, ihm zu glauben 4) Gefühl der
Beleidigung.
		-- Jean Paul
%
Man muß nie dem einen leidenschaftlichen Ausbruch zeigen, der dessen
Ursache nicht kennt.
		-- Jean Paul
%
Ein berühmter Mann schreibe ein Buch mit Gründen, z. B. gegen den Eid
- man vergißt, zitiert, widerlegt das Buch - aber er lasse in einem
ganz davon fremden Werke, z. B. wie Lessing, Schiller etc. ein Wort
dagegen fallen ohne Gründe: man zitiert ihn als Autorität.
		-- Jean Paul
%
Dies ist die Probe, wie hoch man einen andern Menschen stelle und
liebe, inwieweit man von ihm in Rücksicht der Glücksgüter abhängig
sein will. Nur dies Gefühl entscheidet über die Ansicht fremden
Gehalts.
		-- Jean Paul
%
Darum, weil es eine erste Liebe gibt - und Flitterwochen - und Ideal
der Jugend und Kindesliebe: so gibt es auch erste Freundschaft; aber
der Gegenstand ist nicht sein Wert.
		-- Jean Paul
%
Kein Mensch nennt sich dümmer als den andern; kein Zeitalter nennt ein
voriges klüger, sich bloß schlimmer und klüger.
		-- Jean Paul
%
Nicht nur zu einem Lügner - oder zu einem Spieler - gehört Gedächtnis,
sondern besonders zu einem Weltmann und Gesellschafter.
		-- Jean Paul
%
Man fühlt in sich zweierlei Tugenden 1) moralische Anlagen
(Tendenzen), welche man (dies ist man sich bewußt) in allen andern
Verhältnissen und Umgebungen erhalten und bewahrt hätte -
2) gewonnene, gleichsam klimatische Sittlichkeit, für deren Bestand in
ganz anderem Boden der Erziehung etc. uns unser Gefühl nichts
verbürgen will.
		-- Jean Paul
%
Man denkt sich fremden Haß gegen uns viel heller und ergreifender als
das fremde Lieben. Besonders stellt man sich in der Ehe jenen heller
vor als dieses.
		-- Jean Paul
%
Man bereuet mehr die Feigheit als die Kühnheit des Handelns, insofern
jede von beiden echt gewesen.
		-- Jean Paul
%
Warum hängt auch dem redlichst-liebenden Mann, der sein Seelenglück in
einer weiblichen Seele gefunden, noch etwas von dem Bestreben an, auch
eine zweite ebenso edle Seele für sich zu haben, als obs nicht an
einer genug wäre? -
		-- Jean Paul
%
Die größte Schlechtigkeit der Menschen hab ich in Predigten gefunden -
nicht über jene, sondern an diesen. In Kant, Fichte, Schelling find
ich nichts, als was rein stärkt oder erhebt oder begeistert.
		-- Jean Paul
%
Bücher und Anstalten etc. wirken zwar wenig auf einzelne Menschen,
aber dadurch, daß sie zur Sitte arten, auf Völker.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber halten Bücher nicht viel reinlicher als wir Schals etc.
		-- Jean Paul
%
Man muß seine Frau lieben - oder seinen Mann - wie die Kinder; man
findet bessere und schönere; aber man vertauscht doch nicht. Man
schlägt die Kinder und verläßt sie doch nicht.
		-- Jean Paul
%
Man idealisiert jeden, den man zum ersten Male sieht - entweder auf-
oder abwärts.
		-- Jean Paul
%
Nie sollte der Mann zärter gegen die Frau sein als nach einem
Geschenk, um ihr jetzt das Gefühl der Verbindlichkeit zu erleichtern.
		-- Jean Paul
%
Entweder das Neueste oder das Älteste (aus der Jugend) gefällt auf
Reisen. Am Ende gibts kein Neuestes mehr, aber das Älteste wird älter.
		-- Jean Paul
%
Bei weiblichen Gesprächen hört man von weitem ewig(es) Lachen.
		-- Jean Paul
%
Ich habe wohl eine männliche Gesellschaft nacheinander reden hören,
aber keine weibliche.
		-- Jean Paul
%
Der bessere Sonntagsanzug gibt bei dem Volke der Kirche Heiligkeit und
predigt früher als der Mantel des Pfarrers.
		-- Jean Paul
%
Oft besteht die größ(ere) Kraft eines Mannes weniger darin, wie er ein
Amt verwaltet, als wie [er] in dasselbe gelangte.
		-- Jean Paul
%
Man läßt in (nach) langen Disputationen so gern die Beisätze und Sätze
des andern gelten, wenn unsere vorher gegolten.
		-- Jean Paul
%
Bei dem weiblichen Geschlecht wöchentlich wenigstens 1 Tag des Neids,
der h[eilige], der Sonntag.
		-- Jean Paul
%
Sosehr man über die Unfähigkeit der Weiber lärmt, mehr bloßen Verstand
zu verstehen, als Gefühle nachzufühlen: so ärgert man sich doch wieder
- wenn man ihnen eben diese Bemerkung gesagt -, daß die Hoffnung der
Besserung nicht eintrifft, die sich ja nur auf das Gegenteil der
Bemerkung gründet.
		-- Jean Paul
%
Jeder, der Unsterblichkeit auf seinem Wege errang, begreift nicht die
Anstrengungen eines andern, z. B. Bonaparte, der sie auf einem andern
sucht, und tadelt die Anstrengung.
		-- Jean Paul
%
Der Geizige ist eine beinah poetische Besonnenheit der Gegenwart; er
sieht alles, wenn auch zu anderm Zweck als der Naturforscher und
Dichter.
		-- Jean Paul
%
Der Ehemann sollte bei allen Tadlungen und Befehlen an seine Frau
vorzüglich bedenken, daß ihr, da sie sich untergeordnet und
unterwürfig dem Recht oder der Gewalt fühlt, alles viel härter
vorkomme.
		-- Jean Paul
%
Wie anders ist die Bewunderung im 20. und die im 40. Jahre! Jene nimmt
man oft zurück, und sogar bei dem höchsten Grade hat man noch eine
geheime Hoffnung, den Gegenstand zu erreichen. Wen ich aber jetzt
bewundere, hoff ich nie zu erreichen und bewundere ihn desto mehr.
		-- Jean Paul
%
Die rechte unwillkürliche Originalität ärgert sich, daß nicht jeder
ist wie sie -, die scheinbare will gar nicht, daß andere sind wie sie.
		-- Jean Paul
%
Man kann ziemlich seinen eignen innern Menschen - den moralischen,
sogar den intellektuellen - kennen; aber [nicht] das Ensemble unsers
äußern, den Eindruck, den unser ganzes Reden und Erschein(en) auf
andere macht.
		-- Jean Paul
%
Auch die größten Menschen, die uns jetzt mit ihrer Kühnheit und
Gleichgültigkeit gegen Urteile ergreifen, waren als Jünglinge
furchtsam - man kommt nur allmählich zu Mut gegen und über Urteile
hinaus.
		-- Jean Paul
%
Wenn von 2 Menschen der eine [ich] zum andern [Cloeter] sagt: wir
verstehen uns nicht: so hat er sich eben verstanden.
		-- Jean Paul
%
Die Ärzte haben auch darum weniger Schein des Mitleids, weil sie
Anschläge des Helfens haben; die Trostlosigkeit, nicht helfen zu
können, hat keinen Trost als den zu weinen.
		-- Jean Paul
%
Eheweiber nehmen (vom Manne) wohl eine Belehrung, eine Voraussagung
an, nie eine Widerlegung.
		-- Jean Paul
%
Zwei Irrtümer setzen unsere Handlungen für (vor) den andern in
falsches Licht. 1) Je mehr wir unser Ich und den rächenden Stolz
desselben genießen und zeigen, desto mehr glauben wir, unsere Freude
erzeuge die fremde. 2) Je weher uns Nachgeben und Zuvorkommen tut,
desto weniger setzen wir voraus, daß es den andern oder den Feind um
so mehr gewinne und befriedige, und wir glauben nicht, daß unserem
Gefühle gerade das entgegengesetzte antworte.
		-- Jean Paul
%
Man fürchtet den Gerechten, noch mehr den Ungerechten.
		-- Jean Paul
%
Fast alle Menschen sind gut, wenn man ihnen die Qual des Bedürfnisses,
der Verhältnisse, oder der Not wegnimmt. Sie wollen alle das Beste,
ohne die Kraft, es zu holen.
		-- Jean Paul
%
Ein anderes ist, wenn ein Mensch das Geld häuft, um etwas zu brauchen
- ein anderes, wenn er's häuft, um es noch höher zu häufen; denn hier
beginnt der Geiz; das Aufhäufen hat keine Grenze, da es selber das
Ziel ist.
		-- Jean Paul
%
Es ist nicht Stolz, daß der Negersklave gegen seine Frau so herrisch
ist oder jeder Oberbediente gegen den Unterbedienten - Wut und Zorn
ist's gegen die höhere Ungerechtigkeit und Ungleichheit. - Der
Kutscher und Jäger peitschet seine Tiere am meisten, wenn er
ausgescholten worden - so die Mutter die Kinder.
		-- Jean Paul
%
Es ist physisch viel leichter, eine Nonne zu sein als ein Mönch;
moralisch viel schwerer.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist unbegreiflicher als die Ursache, warum dasselbe Weib - zu
verschiednen Zeiten - so viel versagt und gewährt.
		-- Jean Paul
%
Weswegen jetzt die Ehen unglücklicher sind gegen sonst, ist, weil die
mehr empfindsamen Männer die Frauen mehr zur Empfindung aufregen, die
dann nach ihrer Ungemessenheit ins Unendliche geht. Sonst zeigte ein
Mann seine Empfindung durch Tat im Leben; und da war es vorbei; jetzt
fodert ein Wort das andere.
		-- Jean Paul
%
Der edlere Mensch verschlimmert sich mehr durch das Unterlassen guter
Menschen (Freunde) als das Unternehmen böser.
		-- Jean Paul
%
Auch in der Ehe etc. gilt's, ein Wort ist giftig-durchgreifender als
eine Tat, weil diese viel-, jenes nur eindeutig ist. Jene offenbart
nur den Augenblick, dieses das Herz. Es gibt in der Ehe etc. Worte,
die man zu entschuldigen nicht braucht, aber auch nie vermag und denen
[man] nichts vorwerfen kann als ihr Dasein. Doch die rechten
eigentlichen Donnerworte sind nicht die in Leidenschaft - dann gehören
[sie] ja zur Tat selber -, sondern die in der Ruhe und Unbefangenheit
gesagten.
		-- Jean Paul
%
Je älter man wird, desto mehr schätzt man Ordnung.
		-- Jean Paul
%
So treulos auch die Frauen gegen Männer scheinen, so sind sie es doch
mehr gegen Frauen. - Keine ist gegen die andre ehrlich (auf Kosten der
Männer und ihrer). - Kurz, sie wissen doch zu schweigen.
		-- Jean Paul
%
Eine Gattin verzeiht leichter Untreue und Freude an fremden Reizen,
als Kälte gegen ihre.
		-- Jean Paul
%
Man erzürnt sich immer mehr gegen einen, für den man erst den Zorn
einige Zeit aufheben muß - und genade ihm dann Gott!
		-- Jean Paul
%
Ich begreife, wie man ein Tyrann sein kann; aber nicht, wie man einer
einen ganzen Tag lange sein kann.
		-- Jean Paul
%
Das Unrecht, das dir geschieht, treibe rächend ab, aber nicht als
Individuum, sondern als Menschheit; diese soll sich nichts gefallen
lassen.
		-- Jean Paul
%
In der Politik errät sogar das Publikum stets das Listige und Feine;
nur das Große und Reine allein ist dazu gemacht, nicht geahnet zu
werden.
		-- Jean Paul
%
So lange man lieset, besinnt man sich auf all(es), nur nicht auf sich.
		-- Jean Paul
%
Man sollte niemand über Furchtsamkeit tadeln, bis man weiß, wie wenig
oder viel er dagegen gearbeitet.
		-- Jean Paul
%
Ein Buch ist für das Volk ein Stück Kirche oder Religion.
		-- Jean Paul
%
Je älter man wird, desto mehr will man gewöhnlicher erscheinen, um nur
nicht die Mühe zu haben, bemerkt zu werden.
		-- Jean Paul
%
Was der Mensch von Menschen erfährt, erträgt er weniger, weil ers mehr
der Freiheit als dem Schicksal zuschreibt.
		-- Jean Paul
%
Wenn du in der Hitze glaubst, du sprächest stark in der Gesellschaft
oder zu einem Menschen: so sei versichert, du sprichst zu stark.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber sind verdrüßlich (eigentlich herrisch und auffahrend wie
bei dem Anputz, daher die Römerinnen da so viele Grausamkeiten
verübten), wenn sie Wäsche haben; die Männer, wenn sie nur waschen
sehen, besonders die Zimmer.
		-- Jean Paul
%
Man hält so oft den Vorsatz des Autors, nicht mehr so zu schreiben wie
in der Jugend, für Unvermögen, so fortzufahren.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch gibt leichter das Leben auf, als die Mittel zu leben. (In
Belagerungen sind sogar Weiber mutig, im Frieden nie.)
		-- Jean Paul
%
Im jüngsten Kinde ist am meisten zu gewinnen durch Gewohnheit -
unterwegs bis zur Mannbarkeit ist, glaub ich, weder durch Gewöhnen
noch sonst viel zu bestimmen. - Hingegen mit der Mannbarkeit oder der
Jünglingsschaft fängt ein neuer Frühling an, der nicht einmal im Manne
wiederkehrt und der alles bestimmt, oft in einem Tage oder durch einen
Menschen. Die Lebenszeiten der Menschen gleichen Jahreszeiten; in
ihrem Anfange säe; der Fortgang reift bloß.
		-- Jean Paul
%
Man sage nicht, daß man einen Menschen kenne, geschweige eine Frau,
ohne in ein Handels Verhältnis damit gekommen zu sein. Schaue eine
schöne, milde, liebende Frau wochenlang an; und höre ihre Worte: sie
sagt doch nur ihre Vorsätze, Poesien, Wünsche und alles, was sie in
ihrer Kraft selber glaubt. Aber sie handle im Ungestüm der
Verhältnisse und im Widerstreit zwischen sich und außen und dir: dann
zeigt sichs.
		-- Jean Paul
%
Der große Unterschied zwischen verheirateten Männern und Frauen ist
noch der: jene haben ein ganzes Werk zu machen, das in einer
bestimmten Zeit fertig sein muß - diese können spielend an ihrem Werke
fortschaffen, ungehindert.
		-- Jean Paul
%
Die schwachen Menschen widersetzen sich einem Ent- und Einwurf gegen
ihr Leben am stärksten, aus Bewußtsein ihrer ewigen Nachfolgsamkeit; -
schweigt man darauf, so tun sie, was sie verneinten.
		-- Jean Paul
%
Das meiste und Gewöhnlichste, was Jugendfreunde nach spätem
Wiedersehen aneinander bemerken, ist, daß sie dicker geworden.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch fodert nach jeder Unterwerfung noch eine tiefere;
unrechtm(äßiger) Widerstand ist ihm verhaßter als unrecht(mäßiges)
Nachgeben.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe gilt Verstand (zumal des Weibs) weit mehr als Liebe. Diese
hält nicht lange nach, wird leicht gestört und bringt nie in Ordnung.
Also bildet eure Töchter verständig, nicht bloß liebend.
		-- Jean Paul
%
Was für Weiber Romane, können für Männer leicht Geschichts- und
Reisewerke werden, ja noch anziehender; ein sanftes Unterhalten des
Geistes ohne Anstrengung; noch unterhaltender durch die Wahrheit,
durch Schlüsse daraus - aber man kann darüber das eigentliche schwere
Arbeiten vergessen. In jeder Geschichte steckt ein Roman, aber nicht
in jedem Roman Geschichte.
		-- Jean Paul
%
Warum man die Weiber so haßt, ist, weil jede Schönheit nicht eine,
sondern alle Tugenden verspricht - weibliche Schönheit ist gleichsam
poetische Darstellung des Sittengesetzes - und weil man zwar die Liebe
findet und dann viel schließt, aber so oft weiter nichts findet. Dazu
kommt noch, daß der Mann sogar den Verstand voraussetzt, als im Kaufe
dreingegeben.
		-- Jean Paul
%
Vielleicht entsteht Menschen-Verachtung weniger aus Beobachtung ihrer
Schlechtigkeit als ihrer ewigen Wiederholung, nämlich der Wiederkehr
von Glanz in Schatten.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen und Kinder bedecken beschämt nicht das Gesicht, um es
andern zu verbergen, sondern um andere sich zu verbergen, da in der
Scham menschliche Gegenwart zu hart anfaßt.
		-- Jean Paul
%
Daß im Ganzen die Menschen nicht im Glücke besser, sondern schlechter
werden - leichter umgekehrt im Unglück - beweist hart gegen sie.
		-- Jean Paul
%
Bei den Weibern, ja allen Menschen löscht die letzte Handlung tausend
vorhergehende Wohltaten aus, so sehr sind die Gefühle nur Geschöpfe
des neuesten Augenblicks.
		-- Jean Paul
%
Überall ist die Zeit der Jugend die der Tugend; später und älter geben
sich die Weiber hin; so in Ehrenstellen die Männer.
		-- Jean Paul
%
Es gibt Menschen, denen jedes Lob Tadel ist, das nicht das größte ist.
		-- Jean Paul
%
Im Moralischen darf man um keinen Rat fragen; nur fragen, wie, nicht
ob man zu handeln habe. Aber der Mensch versteckt gern das Ob und Wie
hintereinander. So will er stets nur Bestätigungen (Ratifizierungen)
seines Entschlusses, nicht Angaben desselben.
		-- Jean Paul
%
Einen Menschen beobachten heißt nicht, sehr aufmerken auf ihn, sondern
ihn rück- und vorwärts mit seiner Gegenwart vergleichen - und ihn
nicht mit mir und umgekehrt vergleichen.
		-- Jean Paul
%
Das Entscheidende bei Autoren und Fürsten ist weder die Kenntnis der
Menschen noch die des Menschen, noch weniger die des einzelnen,
sondern die Vereinigung davon.
		-- Jean Paul
%
Weibliche Energie ist oft dem Gatten schädlich, wenn er 1) schwach ist
- dann beherrscht und entzweiet sie ihn - und dann 2) wenn er stark
ist; denn selten bringt er durch bloße Gründe ihr seine Vernunft bei,
und die Klügere widerstrebt unklüger als die Dumme.
		-- Jean Paul
%
Jedes Tun in der Ehe und Gesellschaft wird stärker, wenn man den
andern nicht darauf hinweist und ihm die eigne Reflex(ion) darauf
verrät; eigne Handlungen soll man so wenig erklären als eigne Bonmots.
		-- Jean Paul
%
Woher kömmt's, daß das gelesene oder erlebte Beispiel der größten
moralischen Aufopferung etwas Süßes und bloß Liebenswürdiges und
Anziehendes für uns hat, das Gebot selber aber in einer Sittenlehre
etwas Zurückstoßendes?
		-- Jean Paul
%
Wie man kein Prophet im eignen Vaterland ist, so auch kein Redner und
Beredner gegen die eigne Frau.
		-- Jean Paul
%
Die Ehen werden so schlecht, weil die Männer sich nicht entschließen
können, Liebe an die Stelle der Kraft und der Gründe zu setzen und nur
mit Recht und Stärke wirken wollen.
		-- Jean Paul
%
Man kommt in der Ehe am besten aus, wenn man nicht liebt; sowie am
besten, wenn man bloß liebt.
		-- Jean Paul
%
Viel läßt sich von einem Mann erraten, wenn man ihn das einem andern
erzählen hört, was man mit ihm selbst erlebte als Augenzeuge.
		-- Jean Paul
%
Die Liebe will 1 Menschen; die Wollust alle Menschen; nur hat diese
dann nicht genug; jene aber an 1 die Unendlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Man muß, schon aus Welt, dem andern auch nicht das geringste
Unangenehme sagen, sobald man nicht ihn oder sich bessern damit will
oder kann. »Sage nicht zum Mietsherrn, deine Zimmer haben keine
Morgensonne.«
		-- Jean Paul
%
Den Männern sind in der Ehe (auch von Fremden) nur Gründe nötig, den
Eheweibern Autoritäten; denn der Mann ist, gegenüber ihrem Willen,
keine mehr.
		-- Jean Paul
%
Im Buche oder Lebensbeschreibung verliert ein Corneille oder
Lafontaine nichts dadurch, daß er im wirklichen Leben nicht reden
kann; aber im Leben können wir uns nicht daran gewöhnen und tragen
mehr den Menschen in den Autor als diesen in den Menschen hinein.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen rechnen einem nicht an, wo man ihnen Recht gibt, sondern
nur, wo man ihnen Unrecht gibt.
		-- Jean Paul
%
100 000 etc. gute Handlungen können das Herz nicht für eine böse
entschädigen, schuldlos machen oder beruhigen - so sehr sind wir zum
Guten geboren.
		-- Jean Paul
%
Wer Ruhm hat, fragt nach der Ehre weniger.
		-- Jean Paul
%
Die körperliche Liebe begehrt Wechsel, die geistige dieselbe Person.
		-- Jean Paul
%
Manche suchen aus Eitelkeit stolz zu sein.
		-- Jean Paul
%
Um geistreich zu sprechen, habe man - wenn man es auf irgendeine Art
ist - nur den Mut, alles auszusagen. An der Furcht stirbt das Genie.
		-- Jean Paul
%
In bösen Augenblicken der Ehe rechnet der Mann immer die eignen
Tugenden auf 1 Summe zusammen; nun so rechne er auch die seiner Frau
so auf.
		-- Jean Paul
%
Viel Zänkereien in der Ehe kommen davon, daß man verlangt (fordert),
der Gatte soll die Liebe erraten, die man auszusprechen zu stolz oder
zu schamhaft ist.
		-- Jean Paul
%
Für Kinder fällt Lob und Liebe der Eltern in eins: 'das ist schön, daß
du den Schlüssel aufhebst.' Hier zugleich Gefühl fremder Achtung und
Liebe und eignen Werts.
		-- Jean Paul
%
Die nüchternen Weiber sollten einmal es versuchen, so nüchtern zu
urteilen als die Männer, wenn sie selber und jene es nicht sind.
		-- Jean Paul
%
Der Kritikus sollte bloß das einzelne oder die Werk-Teilchen tadeln,
aber den Werkmeister möglichst loben. Der einzelne Tadel samt dem Lobe
des Verfassers erhebt diesen zu höherem; das Übrige ist umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Willst du die männlichen Deutschen zu einem ordentlichen Gespräche
bringen: veranlasse eine Disputation über eine Wissenschaft etc. -
Rein, gesellig sprechen können sie nicht. Nur die Weiber höchstens
können in einigen Gegenden (z. B. sächsischen) ein Gespräch über alles
spielend führen wie ein Franzose.
		-- Jean Paul
%
Noch keine fromme, alle Pflichten treu erfüllende Hausfrau hat je
gesagt: ich bin zu gut für die Erde - höchstens: ich verdiene sie
nicht ganz -, aber die empfindsam zarten, die nichts tun, sagen es.
		-- Jean Paul
%
Es ist ein fast unvermeidlicher Trug, daß man desto mehr auf den
andern zu wirken (wärmen) glaubt mit Zornfeuer, weil uns dies selber
so viel zu genießen gibt - indes den andern gerade unsere größte Ruhe
und Kälte am meisten erwärmt und für uns gewinnt.
		-- Jean Paul
%
Seltsam sind die Weiber! Kein Mann wird sich eine schönere Weste von
einem andern erborgen, um mit seinem Bauche gesellig zu glänzen. Aber
eine Frau trägt ohne Bedenken entlehnte Perlen, Hüte etc.
		-- Jean Paul
%
Schwerlich wird irgendein Ehemann die Minute für schön und liebevoll
empfinden, wo er mit ihr nach ihrem Anziehen in eine große
Gesellschaft geht - aus dieser zurück, denkt sichs leichter.
		-- Jean Paul
%
Was am Menschen das Reinste ist, ist vielleicht sein Streben nach
immer schärferem Wissen, wobei er sich vergißt und jeden Ruhm. Nur
hier erscheint die Menschheit im großen Schritt zur Größe.
		-- Jean Paul
%
Der große Unterschied zwischen Weibern, 1) die Talent, Scharfsinn,
Philosophie sogar haben, ja Empfindung und 2) die Verstand,
Hausverstand haben, Berechnung zwischen sich und Mann und Kind, und
überhaupt Berechnung. Nr. 1 gefällt vor, Nr. 2 in der Ehe.
		-- Jean Paul
%
Den (inländischen) Ruhm großer Minister, Feldherrn, Fürsten stürzt
eine einzige Staatsumwälzung oder Eroberung.
		-- Jean Paul
%
Man hat oft eine prosaische Unterredung selber mit fortspinnen helfen,
die man ungerecht tadelt, daß sie der andere fortsetzt, wenn man in
einer poetischen Stimmung ist.
		-- Jean Paul
%
Man wird zwar für die Verhältnisse, worin man betrogen wurde, künftig
klüger; aber man bildet sich dann fälschlich ein, man sei es auch für
die geworden, worin man noch nicht betrogen worden.
		-- Jean Paul
%
Wenn das Genie schon in seiner Jugend, vor der Erfahrung so viele
Erfahrungen antizipiert hat: was wird es erst im Alter zu sagen haben
nach den Erfahrungen; aber es sagt eben da leider so wenig mehr, und
das Seltenste wird eingesargt.
		-- Jean Paul
%
Auch die geistreichen Menschen suchen - sobald sie einander nur einige
Male zuerst gesehen - dann mehr die Bücher als deren Verfasser.
		-- Jean Paul
%
Ist man einmal aus dem rechten Gesichtspunkte (Fokus) eines Menschen
gekommen: so werden, zumal in der Ehe, gerade Strahlen seine Flecken -
z. B. Festigkeit gegen Freunde und Fremde und dann wieder
Nachgiebigkeit sonst, beide Dinge werden so abgeleitet, daß eines
Egoismus heißt, das andere Schlaffheit.
		-- Jean Paul
%
Die Arbeit ist ein Vergnügen, das als Widerspiel schlecht anfängt und
dann immer mehr erfreuet und das am Ende gerade zu allen andern
Vergnügen einlädt.
		-- Jean Paul
%
Wenn man bei einem Fürsten durch große Sittlichkeit den höchsten
Posten eines Günstlings erobert; so fodert jener leise und spät, daß
man ihn durch einige Flecken oder Abweichungen von jener behaupte.
		-- Jean Paul
%
Man glaubt immer, der Mensch, der eine neue, die erste Meinung über
das ganze Ideen-System gehabt, z. B. Leibniz, müsse auch eine neue
über jedes einzelne, z. B. den Stiefelknecht, haben; daher die Liebe
zu Biographien.
		-- Jean Paul
%
Ein Jüngling ist viel kühner und furchtsamer als ein Mann. Kühn tritt
er z. B. ins Publikum oder vor jeden großen Mann; ein Nein macht ihn
oft auf immer zaghaft. Der Mann hingegen wagt weniger, und nach Nein
fragt er weniger.
		-- Jean Paul
%
Argwohn argwöhnen ist nicht darum immer selber einer.
		-- Jean Paul
%
Wer irgendeinen tiefen Verstand herauswittert, hat den tieferen; jener
schrieb ungebildeter, dieser las gebildeter.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber sind gut, aber schwer werden sie besser.
		-- Jean Paul
%
Vielleicht erriete man gewisse Menschen besser, wenn man sich dächte,
als Dichter sie darstellen zu müssen.
		-- Jean Paul
%
Das erste Mal liest man einen Roman etc. der Geschichte wegen, das 2.,
3. etc. des Inhalts (Gehalts), Bemerkungen etc. wegen.
		-- Jean Paul
%
Ist man in der Liebe und Freundschaft darin, so rechnet man ihr sogar
gewöhnliche Tugenden als Reize an - dem Unbekannten aber fordert man
sie ab ohne Dank.
		-- Jean Paul
%
Ich kann mir denken, daß die rechten Ehen in Republiken etc. sind, wo
der Mann selten gesehen wird zu Hause, außer zurückkommend mit dem
Glanze, den schon vorher Volk und eigne Neigung des Weibs verkündigt
hat - hier ist's leicht, zu scheinen, was man ist.
		-- Jean Paul
%
Kurz nach einem Fehler ist der bereuende Mensch am besten, weil er
demütig ist.
		-- Jean Paul
%
Man muß nur nicht Menschen lieben, d. h. Gegenliebe fodern, so kann
man alles erdulden von ihnen, von Weib, Kind etc. - aber wer kann's,
wer darf's, wer mag's? -
		-- Jean Paul
%
Ein ganz neues Verhältnis zwischen 2 unverheirateten Freunden und so
zwischen 10 - wenn alle heiraten; denn die Weiber und ihre eheliche
Liebe und außereheliche Abneigung kommen doch auch in das frühere
leichte, feste, warme Verhältnis.
		-- Jean Paul
%
Es gibt 2erlei ganz verschiedne Töne, um nach dem Lobe den Tadel
folgen zu lassen. Der erste macht das Lob zur Hauptsache, nicht zur
Entschuldigung und ist weitläufig; dann fügt er vorbeiläufig den Tadel
an. Der zweite ist, daß man - im Tone liegt schon ein Zwar für das
künftige Aber - das Lob als Entschuldigung des nahenden Tadels
ausspricht.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat für seine Besonnenheit seine besondern Gegenstände; der eine
schweigt darüber, der andere darüber.
		-- Jean Paul
%
Gegenwärtiges Unglück verdau ich in wenig(en) Stunden; aber künftiges
bleibt mir im Magen liegen.
		-- Jean Paul
%
Bei allem Rechte zu Achtung und Lob ertrotze diese nicht gewaltsam -
nichts wird leichter der Gewalt versagt als dies.
		-- Jean Paul
%
Die Koketten gewinnen - wenigstens für einen Abend - sogar ernste
Männer nicht durch ihre Reize oder das starke Vorspiegeln derselben,
sondern durch das Vorspiegeln ihres Liebens. Dem Geliebtsein
widersteht man sogar in einem Alter schwer, wo man der Schönheit
widersteht.
		-- Jean Paul
%
Der Hagestolz hat das Unglück, daß ihm niemand seine Fehler frei sagt;
aber der Ehemann hat dies Glück.
		-- Jean Paul
%
Gerade dem, der vielen Ruhm hat, erlaubt man nicht die Anmaßung
irgendeines kleinsten Verdienstes (Nebenrühmchens), das vielleicht
andere haben, sobald er es nicht wirklich verdient. Man hält es für
Geiz und Raubsucht.
		-- Jean Paul
%
Die Einmischung der französischen Sprache soll den Adeligen in ihrer
platten deutschen so etwas sein wie Witz; sie ekeln sich selber ihres
Gesprächs.
		-- Jean Paul
%
Man sollte nie schweigen, wenn man nur einigen Ruf hat; Schweigen wird
für Verachtung und Zurückziehen angesehen, und man [wird] gehaßt bloß
für Schüchternheit.
		-- Jean Paul
%
In kleinen Städten, Hof weiß man die neuesten Moden in Kleidern, nicht
in Büchern.
		-- Jean Paul
%
Die Freundschaft hat so gut ihre Blüte - die aber Jahrzehnte lange
steht - als die Liebe, die kürzer ist. - Aber ist jene abgebrochen: so
ist viel und unersetzliches dahin, und Gott bewahre jeden davor.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Lehrer immer weiter lehrt und lernt; wenn er das Gelesene
sogleich zu einem Gelehrten vor Schülern machen kann: so muß ihn jedes
neue Buch unendlich heben, weil er damit andere hebt und die erkauften
Gewinste für kräftige Eroberungen ansieht.
		-- Jean Paul
%
Habe dasselbe Entzücken über 2 Bücher, aber über das eine in der
Jugend, über das andere im Mannsalter: nur dort bei dem ersten hängt
sich dem Buche ein Glanz an, den das zweite nie bekommt.
		-- Jean Paul
%
Der Maler muß eine Frau heiraten, - der Musiker - der Philosoph -
Diplomatiker - Theologe - Jurist etc.: wie soll nun ein Geschlecht so
verschiednen Tendenzen genugtun und sie erraten? - Folglich muß der
weibliche Geist voraus ein allgemeiner sein, der sich in jeden
besondern fügt; jeder bestimmte weibliche zerrüttet die Ehe, oder es
müßte der Maler die Malerin ehlichen? Und doch!
		-- Jean Paul
%
Langweile ist nicht, wenn man nichts Besonderes hat, sondern wenn man
es erwartet. - Ruhig, ja seelig liegt der Türke ohne ein fremdes Wort;
aber sobald es ihm versprochen ist, kann er kaum mehr sitzen.
		-- Jean Paul
%
Fände der gute Mensch oder Ehemann nur immer das Gute: o wie würd er
sich gleichbleiben! - Aber im Kampfe gegen das Böse wird er sich
selber unkenntlich und am Ende - wegen der Ausweichungen des Bösen -
selber zu diesem und sich unähnlich.
		-- Jean Paul
%
Je mehr eine weibliche Physiognomie der männlichen [sich] nähert -
desto richtiger schließt sich aus ihr. Hingegen die echt weibliche,
milde, schöne verbirgt den starken Engel oder schwachen Teufel
zugleich.
		-- Jean Paul
%
Der Jüngling habe einen lebendigen Großen-Mann, aber nicht in seinem
Fache und Triebe vor sich - sondern nur Größen seitwärts in andern
Wissenschaften; denn jener gäb ihm ewige Richtung und verschläng ihn.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wollen immer vom Autor etwas Großes im Stoffe, um sich zu
entschuldigen, daß sie kein Großes in der Form finden; und um zu
verhehlen, daß sie eben das rechte Große, das überall sein kann, nicht
kennen.
		-- Jean Paul
%
Je höher die Stände, desto mehr hat der Mann zu tun und desto weniger
die Frau. Der König muß doch wenigstens bedenken und unterschreiben.
Die Königin lebt von ihm. In untern Ständen ist es wie bei Wilden fast
umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Nichts ist leichter, als die Kinder dazu zu erziehen, daß sie
gehorchen, gefallen, aufwarten und alles tun, was Eltern und andere
Erwachsene begehren. Freilich sind dann die Kinder nichts, nicht mehr
als die Eltern. Aber schwerer ist es, Gehorsam und Freiheit zu
vereinigen, die Kraft dazulassen und doch zu lenken und sich selber
einen Gegner der besten Art zu erziehen.
		-- Jean Paul
%
Wer sich der Eitelkeit recht bewußt ist, verbirgt sie stark und doch
ohne Erfolg; wer nicht, ist geradehin und vielleicht angenehmer eitel.
		-- Jean Paul
%
Keine Frau ist zur Vernunft zu bekehren; doch die gutmütige durch
Liebe ohne Gründe; die geniale durch beides nicht.
		-- Jean Paul
%
Ich habe zuweilen gefunden, daß das einzige Gute, was noch in großen
adeligen Familien nachwuchs - z. B. bei Gieg - bloß dem bürgerlichen
Hofmeister zu danken war.
		-- Jean Paul
%
Alles ist am Weibe leichter zu erraten - z. B. Treue, Wahrheit,
Keuschheit haben feste Zeichen - als Milde oder Wilde. Vielleicht aber
nur darum, weil beides Lieben und Hassen zugehört und sie hoch von
einem ins andere überspringen.
		-- Jean Paul
%
Noch mehr Kinder gehen verloren durch zu vieles Erziehen als durch zu
weniges. Grönländer, Wilde, Goten etc., Hake's Kind gut, trotz aller
Vernachlässigung.
		-- Jean Paul
%
Um sich recht zu erkennen, muß man nur sich seiner Jugend recht scharf
erinnern, ohne Gegenwart etc. einzumischen. Dort gab sich dir dein
Umriß.
		-- Jean Paul
%
Die Probe des Feinen ist nicht, gegen den Feinen fein zu sein - sie
wäre zu leicht - aber wohl gegen den Groben es zu bleiben.
		-- Jean Paul
%
Der Eitelkeit oder ihrem Scheine entgeht niemand, wenn ihn nicht eine
große Idee erfüllt, die ihn gegen sein Selbst verblendet.
		-- Jean Paul
%
Willst du das Verdorren deines jugendlichen Ideals außer dir sehen: so
geh in die Stadt, wo du als Jüngling gewohnt - alle Körper sind dicker
geworden, die Weiber in die Wirtschaft eingewunden, kein Mensch denkt
voriger Zeit als mit Sehnsucht ohne Willen, alles Zarte der Gestalten
und Züge und Ziele ist verschwunden - hinter das Glück der Kinder
versteckt sich jede prosaische Erniedrigung - Bäuche und Vollwangen
gehen hin und her - die Weiber als die Zärtesten haben am meisten
verloren und sind in Haushaltungsfleisch verquollen. -
		-- Jean Paul
%
Wer Kraft hat, aber keine, mit der er ein Werk erschüfe, gebe nur, wie
Arndt, Reisebeschreibungen. Alles ist hier zufällig - was begegnet -
und unter dem Begegnenden noch, was der Verfasser nur aufnehmen will
-, und dann kann er über jedes Individuelle, das ihm als Folie dient,
seinen, kleinen Juwel von Gedanken legen. Ein Reisebeschreiber kann
der unterhaltendste witzigste Mann mit den kleinsten Kosten des Kopfes
sein, wenn er's recht macht.
		-- Jean Paul
%
Der Unsinn: daß man durch alle Vorsicht und Glücksfälle je dahin
gelangen könne, daß einem eine zufriedne schon gefundne Lage nicht
mehr gestört werde - Aus höherem Glück erwächst höheres Unglück usw.
		-- Jean Paul
%
Jeder hat seine Weise, sagt man. Aber man wundert sich weniger, daß
man nicht die fremde, als daß der andere nicht die unsrige hat.
		-- Jean Paul
%
Wer kein Weiberhasser werden will, höre nie 2 Weiber miteinander
zanken.
		-- Jean Paul
%
Gewissen Menschen, z.B. dem Fischer, die Verachtung auszudrücken, die
man gegen sie hat, müßte man ihnen erst alle die Kenntnisse und
Gesinnungen geben und beibringen, die uns eben von ihnen
unterscheiden.
		-- Jean Paul
%
Alle Klarheit, die man über fremde Charaktere habe, gibt doch noch
keine Sicherheit vor Selbsttäuschung und fremder Schmeichelei; das
Unglück ist eben, daß man drei schwere seltene Kenntnisse haben muß,
die von sich, die von andern, die von der Ansicht des andern gegen
uns. - Man sollte geradezu voraus-[setzen, daß] einem jeder ein wenig
mehr Gutes sage, als wir glauben.
		-- Jean Paul
%
Zur Ehe gehört nicht bloß, daß man das Mädchen, sondern auch, daß man
sich prüfe - ob nämlich 2 Vortreffliche dennoch sich einander nicht
fügen.
		-- Jean Paul
%
In der Liebe wird der Ernst der Jungfrau bezaubern; in der Ehe, die
selber ein langer Ernst ist, möchte leichtes Scherzen und Bescherzen
der Welt besser einschlagen.
		-- Jean Paul
%
Durch manche Gesichter scheinet jede innere Bewegung so hell durch,
daß es nicht genug ist, wenn sie nichts äußern; zu ihrer Verstellung
ist sogar das Anstellen des Entgegengesetzten nötig.
		-- Jean Paul
%
War man zu sanft und stoisch im ehlichen Zank, so braust's nachher
auf, und man vergibt schwerer. War man zu wild: so bereuet man und
vergibt leichter.
		-- Jean Paul
%
Je länger man lebt, desto kürzer werden uns die Jahre. Denke an das
Reisen: ein Vormittag auf der Reise zugebracht ist länger als
10 Vormittage zu Hause; aber warum? Die Menge neuer Gegenstände
vervielfacht die Aufmerksamkeiten oder die Ideen, als Zeitmesser.
Ebenso scheint uns die Jugend länger, weil in ihr alles neu ist und
also die Zeit verdoppelt, im Alter aber alles einförmig wiederkehrt.
		-- Jean Paul
%
Wenn nur eine erste Liebe recht glühend da war: so schadet ihr
Untergang, ihr Töten mit Wasser nichts; ewig ragen die Türme der
überfluteten Stadt empor. Aber es gibt Menschen, die keine erste Liebe
hatten.
		-- Jean Paul
%
Ich weiß nicht, was Eifersucht ist in der Ehe beim Manne -; in der
Minute der Einsicht hätt er b(ei) d(er) Entscheid(ung), nur sich oder
die Frau zu verachten -
		-- Jean Paul
%
Es ist unendlich verschieden, einen Menschen lieben und etwas an ihm
lieben, und sei dieses Etwas das Edelste; er wird doch Mittel; aber
das Lieben des ganzen Menschen macht ihn mir nur zum Ziel seiner und
meiner selber.
		-- Jean Paul
%
Je älter ich werde, desto mehr glaub ich, wer äußerlich auf lange
unglücklich ist - denn ein Brand, Krieg gehört nicht hieher - der
verdient's durch Mangel an Klugheit und Beharrlichkeit.
		-- Jean Paul
%
Tod und Geburt lernt man nur in einem Dorfe kennen, in keiner Stadt.
		-- Jean Paul
%
Wollt ihr Originale im Handeln, sucht sie bei Leuten, die nicht ihre
Kraft wegschreiben und die ohne Reflekt(ieren) forthandeln - die
schreibenden Genies sind matte Handler.
		-- Jean Paul
%
Erst dann, wenn der Gelehrte weiß, daß er einsam bleibt, fühlt er sich
recht und genießend einsam.
		-- Jean Paul
%
Auch die Möbeln gehören zum weiblichen Anzug, z.B. ein schwarzes
Kanapee ist ein gutes Unterfutter für einen weißen Arm.
		-- Jean Paul
%
Um froh, frei, leicht und reich Einfälle in Gesellschaft zu haben, muß
man nicht mit einem andern wetteifern oder gar kämpfen, sondern ohne
Gegner über das Allgemeine sprechen. Repartien sind ein lästiger,
aufhaltender Zwang. Sogar der fremde Witz regt mehr unser Genießen als
unser Erfinden an.
		-- Jean Paul
%
Jeder Jüngling glaubt, ein Philosoph oder ein Dichter zu werden, weil
beide zu den Kräften der allg(emeinen) menschlichen Natur gehören, und
es kommt auf Akademien oder in der Lektüre nur auf den Reiz an, den
vorwiegend das eine oder das andere macht. Erst später macht er dies
Allgemeine bloß zur Unterlage seiner besondern andern Kräfte, sobald
jenes nicht zugleich auch seine Individualität ist.
		-- Jean Paul
%
Das Gespräch der meisten Humanisten (Gelehrten) untereinander ist
weiter nichts als ein gegenseitiges heimliches, höfliches Examen;
daher colloquium sogar bei den Theologen = Examen.
		-- Jean Paul
%
Die ewigen langweiligen leeren Vorübungen zum Kriege müssen dem
Soldaten ordentlich Sehnsucht nach einem freiern und treffenden
Realschießen machen.
		-- Jean Paul
%
Die meisten Ehekriege [kommen] nicht davon, daß man die Wahrheit der
Person sagt, sondern daß man sie, unbekümmert um jede Zeit, sogleich
sagt.
		-- Jean Paul
%
So viel man Kinder hat, so viele Frauen hat man auf einmal mehr
geheiratet. Jedes Kind ist eine neue Laune der Frau. - Hast du
3 Kinder: hast du 4 Weiber.
		-- Jean Paul
%
Wer sagt, daß die schönen Weiber im Alter häßlich werden, vergißt bloß
die guten schönen.
		-- Jean Paul
%
Gerade die Idyllenfreude, die nur aus Kleinigkeiten besteht, leidet so
leicht von den Kleinigkeiten die Unterbrechung.
		-- Jean Paul
%
Imponieren kann mir niemand anders als moralisch, weil er hier den
ganzen Menschen trifft; hingegen jede einzelne Übermacht z.B. des
Scharfsinns, Gelehrsamkeit etc. trifft auch an mir nur einen Teil.
		-- Jean Paul
%
Wir Menschen lieben nicht, um zu hassen; aber wohl hassen wir, um zu
lieben.
		-- Jean Paul
%
Gewissen höhern Weibern (Linda) ist nicht zu helfen, aber wohl
tiefern; fallende Menschen, nicht fallende Engel wurden erlöset.
		-- Jean Paul
%
Ich mag mit niemand umgehen, der mich nicht wenigstens in etwas
übertrifft, in Kenntnissen, Erfahrung etc. oder im Moralischen. Die
mir ähnlichen oder meinesgleichen sind nicht meine Leute.
		-- Jean Paul
%
Man (z. B. der Gelehrte, Dichter) gewinnt in Gesellschaft nicht so
viel, wenn man durch Stärke die Feinheit ersetzen will, als andere,
die es umkehren.
		-- Jean Paul
%
Ein Trost besteht nicht darin, daß man dem andern Gründe gegen sein
Unglück sagt - denn er wußte sie alle selber vorher und konnte
ebensogut zurücktrösten -, sondern darin, daß eine fremde Seele durch
Darstellen sie alle in der andern belebte und beseelte, damit sie
durch Empfindung das Gleichgewicht hielten der leidenden Empfindung.
		-- Jean Paul
%
Unter allen Eigenschaften einer Braut sieht man am wenigsten auf die
größte, ob sie Kinder erziehen kann - und freilich ist sie am
schwersten zu erraten.
		-- Jean Paul
%
Ein Mann deutet recht deutlich (als sein Selbst-Rhapsodist) seinen
Charakter durch das Tragen seines Stockes an, sobald er ihn,
unwissend, bemerkt zu werden, trägt und schwenkt und hält.
		-- Jean Paul
%
Ein berühmter Mann verliert nicht, gewinnt vielmehr durch eine
Lächerlichkeit, die man von ihm erzählt oder lieset -; aber begeht er
sie vor unsern Augen, so verliert er. Allein warum? Hier wirkt die
Gegenwart zu mächtig, und der Mann, erscheinend darin, nur stückweise
aufglänzt; hingegen in der Erzählung herrscht und glänzt die Idee des
Ganzen über den Mann.
		-- Jean Paul
%
Hat man eine kleine Bitte: muß man mit dem Allgemeinen anfangen, man
habe was zu bitten, weil der andere dann froh ist, daß es nichts
Größeres ist. Eine große Bitte aber tue man ohne dies.
		-- Jean Paul
%
Man habe sich noch so frei gemacht, und noch so gleichgültig gegen die
Welt und alle Feinde; wer kann uns denn noch tiefe Schmerzen geben?
Eine Gattin durch ein Wort, man müßte sie denn nicht lieben.
		-- Jean Paul
%
Daß die Menschen einen Kerker für eine Strafe halten, beweist, daß sie
Geselligkeit für Belohnung halten; denn sonst wäre ja im Kerker alles
zu haben, wenn man Menschen ausnimmt.
		-- Jean Paul
%
>Ich werfe die Pflaumen, die ich nicht will, in ein anderes Gefäß und
gefalle mir - die Frau tut dasselbe bei etwas, das sie nicht will -
Dort tut mir meine Handlung wohl, hier dieselbe Handlung weh.<
Gesetzt, ich halte beide Handlungen für recht: worin liegt der Grund
des Mißfallens? Daß dort ich, hier es ein anderer tut.
		-- Jean Paul
%
Die Lebhaftigkeit des Gesprächs macht nur Männer schneller gehen,
nicht Weiber, diese bloß schneller stricken.
		-- Jean Paul
%
Einer Liebhaberin wird die Treue viel leichter als einer Gattin.
		-- Jean Paul
%
Warum werden uns denn Menschen, welche einzeln wir übersehen und
überwinden, in einer Gesellschaft so wichtig und herrschend? Die bloße
Bestechung der Augen durch eine längere Reihe entschiede nicht bei den
kräftigern Menschen; und wo liegt diese Vielheit nicht vor ihm. -
Schon ein Grund: der Mensch, obwohl sich seiner und seiner Gründe
recht sehr bewußt, will sogar von einem tiefern den Beifall; es muß
also durch das fremde Ich etwas Höheres ausgesprochen werden, das nun
durch die Vervielfältigung noch bedeutender wird.
		-- Jean Paul
%
Man muß sich, um den andern gerecht zu beurteilen, nicht in dessen
nächste Minute an die Stelle setzen, sondern in sein Jahr, Leben,
Wochen.
		-- Jean Paul
%
Man erfreuet sich nicht an den äußern Zuständen d(er) Vergang(enheit),
sondern an den innern, man wünscht nicht das alte Leben zurück, das
meist seichter ist und das man jetzt gar nicht ertrüge, sondern die
alte Seele.
		-- Jean Paul
%
Wenn man ein Kind einen Menschen hassen lehrt, der ihm nichts getan:
so lernt es die übrigen Menschen daran hassen.
		-- Jean Paul
%
Ein Autor bringt sich darum nicht ganz in seinen Roman, weil [er] eine
Menge Züge von sich übriglassen muß, um sie andern Leuten darin zu
leihen.
		-- Jean Paul
%
Wer für Freiheit ficht und spricht (z. B. der Ungar), dem ist der
Gegenstand und Anlaß gleichgültig - er streitet nicht für das Haar,
woran manch(er) hängt, sondern für oder wider den Kopf, woraus es
kommt.
		-- Jean Paul
%
Es ist mir bei der Kinderfreude zu Weihnachten nicht an der
gegenwärtigen Freude gelegen - so groß und innig sie wegen der noch
eingehüllten Natur auch ist -, sondern an der unvergänglichen,
unzerstörlichen Über- und Zauberfreude künftigen Erinnerns, das nicht
die Gegenstände verschönert (nur entfärbt), sondern die höchsten
Gefühle zum zweiten Mal erhöht und verschönert.
		-- Jean Paul
%
Für das Volk ist freilich Essen bei Festen die Hauptsache, aber darum,
weil eben die Ruhe zugleich zum Genusse tritt - die Losgebundenheit
zum Sprechen und von Arbeit.
		-- Jean Paul
%
Sind die Weiber an leidenschaftliche Verweise oder Ausbrüche des Manns
gewöhnt: so werden sie nachher durch stilles Vernunftbetragen nur noch
erbittert(er).
		-- Jean Paul
%
Das Unmoralische, was man an sich am meisten tadelt, sieht die Welt
gar nicht, oder es fällt ihr nicht auf; aber Handlungen, die man vor
dem Gewissen auf Kosten des Verstandes verantwortet, trägt die Welt
uns als unsittlich nach.
		-- Jean Paul
%
Die Fremden hören in der Ehe wohl den Sturm, aber nicht die Windstille
oder den Zephyr.
		-- Jean Paul
%
Die leichte Niederlage mancher Weiber kommt vielleicht nicht sowohl
von Sinnlichkeit, Übermannung und dergleichen her, sondern von
Phantasien, die lange in einem zügellosen Reiche hinter Stirn und
Lippe spielten und schweiften und welche in einem Mehr der Phantasie
ansässig wurden, das freilich leicht mit dem Minder der Wirklichkeit
aussöhnt.
		-- Jean Paul
%
Wenn einem ein Werk am Ende gefällt wie mir Tristram, so kann man sich
gar nicht erklären, warum es einem früher mißfallen. Hingegen, warum
uns ein später mißfallendes Werk anfangs gefallen, erklärt sich
leicht.
		-- Jean Paul
%
Allgemeine Amtnamen wie die Polizei, die Regierung wirken mehr auf die
Furcht und Achtung als die einzelnen Namen der Beamten. So auch
L[iteratur] Z[eitung] statt eines genannten Rezensenten.
		-- Jean Paul
%
Gefährlich für die Menschenliebe, das Talent zu sehr zu achten und in
jedem Herzen, das man lieben will, einen besondern Kopf zu suchen. Das
Talent zeigt sich bald erschöpft - und dann wird's die Liebe auch.
Eine festhaltende Liebe ist die gegen Menschen, gegen Tugend, die
nicht wie das Talent bei Wiederholung (Wiederkehr) verliert, sondern
gerade gewinnt.
		-- Jean Paul
%
Der Stolz und die Eigensucht mancher edeln Menschen verbirgt und
erträgt sich leichter in ihrem Glücke als in ihrem Unglück. -
		-- Jean Paul
%
Etwas anders ist, wenn ein Begeisterter sich lobt oder wenn ein
Kalter; jener ist nicht eitel, er vermischt [sich] mit der Sache,
dieser macht die Sache zu sich.
		-- Jean Paul
%
Daran erkenne deine historische oder poetische Kraft: was dir so
leicht wird, daß du ordentlich nach einer andern Kraftübung dich
umsiehst, dies ist deine Kraft - Und das Angeborne achtet eben nicht
das Angeborne, sondern das Anerzogne.
		-- Jean Paul
%
Wenn eine Frau sagt, sie habe diesen Mann schon von weitem am Gang
erkannt: so haben beide den Genuß einer kleinen Selbergefälligkeit,
jene, daß sie so erkannte, dieser über seine Eigenheit.
		-- Jean Paul
%
Man ist leichter standhaft, wenn das Unglück zu höherem steigt, als
wenn man von einer großen Hoffnung auf einmal zu einer kleinen Furcht
herabgeworfen wird.
		-- Jean Paul
%
Wie Erfinden angenehmer als Ausarbeiten, so ist's Sprechen mehr als
Schreiben.
		-- Jean Paul
%
Es ist lächerlich, wenn ein Trunkner sein Zu-viel-Trinken verbergen
will; denn sobald er selber es merkt, so merken es andere gewiß noch
eher.
		-- Jean Paul
%
Die Hölle läßt sich als ein unendliches ewiges Schmachten nach
Errettung leichter in und durch ihre Schrecken malen, als der Himmel
in einem Dasein fester Wonne, welche auch die Hoffnung endigt, da sie
jede übertrifft.
		-- Jean Paul
%
Es gibt eine doppelte sehr verschiedne Hoffnung, die, welche auf
Ankunft neuer Güter hinweiset und wartet; die andere wichtigere,
welche Heilung und Vorübergang der Übel erwartet.
		-- Jean Paul
%
Unter allen Menschen hat ein Fürst die meiste Veranlassung und
Entschuldigung, ein Menschenfeind zu werden; die Menschen taugen
nichts, wenn man sie, anstatt zu Freunden, zu Untertänigen, Suchenden
hat.
		-- Jean Paul
%
Ich kann keine Freude über mein Rechttun haben - z. B., daß ich einem
andern sein Eigentum zurückgebe -, dies setzte etwas Schlimmes voraus;
aber ich kann eine Freude über mein Wohltun haben; aber dann ist's
nicht etwan eine über mein Tun und Gutsein, sondern über das fremde
Glück und insofern ein Wert mehr.
		-- Jean Paul
%
Liebe, es sei eheliche oder jungfräuliche, ist ein noch besseres
Schirm(Sieg)mittel gegen jeden Anfall auf ihre Tugend als diese
selber.
		-- Jean Paul
%
Die deutschen Damen lassen das französische Sprechen schon darum
nicht, weil es das einzige Wissenschaftliche ist, womit sie glänzen
können; so auch der gemeine Edelmann.
		-- Jean Paul
%
Wenn die Namen der Soldaten abgelesen werden; antwortet jeder mit
einer andern Stimme: hier!, die bezeichnend ist.
		-- Jean Paul
%
Was dem berühmtesten Manne wie dem mittelmäßigsten es so schwer macht,
einen andern so zu behandeln, daß dieser zufrieden ist, ist, daß er
selten bestimmt wissen kann, was dieser andere nicht bloß für eine
Meinung von sich selber hat, sondern auch von ihm. Denn nach dieser
zweifachen Schätzung richtet sich das Urteil über das Behandeln.
Derselbe berühmte Mann kann bei einem anstoßen, bei welchem er eine
große Verehrung voraussetzt, bei einem andern, wo er eine zu kleine
annimmt usw.
		-- Jean Paul
%
Fürstinnen regierten immer gut, weil sich Weiber von niemand lieber
Rat geben lassen als von Männern, die eignen ausgenommen.
		-- Jean Paul
%
Je größer die Stadt, desto mehr Enthusiasmus für einzelne
(individuelle) Fälle - sowie desto mehr Kälte für allgemeine.
		-- Jean Paul
%
Ist einer als ein Mann von großem Verstande bekannt: so gewinnt er in
Gesellschaft durch Schweigen mehr als durch Reden; fängt er aber
dieses an, so muß er mit dem Besten beginnen.
		-- Jean Paul
%
Verdorbne Frauen reden untereinander oder mit Männern tadelnd von
fremden unkeuschen Handlungen, bloß um sie länger sich vorzustellen
und vorstellen zu hören.
		-- Jean Paul
%
Eigentlich bestechen gegen die Wahrheit rechtlose Beleidigungen weit
mehr als rechtlose Schmeicheleien.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch ist nie besser und wärmer, als wenn er dem andern eine
Freude vorbereitet.
		-- Jean Paul
%
Kinder über Eltern ausfragen spionierend: heißt Briefe erbrechen, ja
noch schlimmer, da man (in Briefen) gegen den Freund nicht so viel
Schwachheiten zeigt als gegen Kinder.
		-- Jean Paul
%
Wie anders ist das Los eines Helden oder Kollegiumsmenschen oder
Fürsten, welcher seine schönsten Ideale nur mit fremden Beihülfen
erreichen kann, gegen den Dichter und Weltweisen, der nur eigne
braucht. Ein Held ist in ewigem Doppelzank mit außen.
		-- Jean Paul
%
Leider gewöhnt man sich immer mehr an die Tugenden des Bekannten und
haßt entwöhnt immer mehr dessen Fehler, je länger man mit ihm umgeht.
		-- Jean Paul
%
Nicht die einzelnen Anreden, sondern die zufälligen Äußerungen der
Eltern und die absichtlose Fortsetzung und Offenbarung eines
Charakters wirken so unglaublich auf die Kinder, denen durch ihre
Verehrung alles so fest anfliegt.
		-- Jean Paul
%
Was Freundschaft, Ehe, Dienstbotenliebe so bald schwächt, ist, daß man
alle die Tugenden, womit jemand anfängt, nur kurz im Anfange, aber
später nur als notwendige Basis schätzt, von der man anfängt, die
Fehler und die Tugenden zu berechnen. Ein kleiner Fehler oder Abgang
wird einem Tugendreichen schwerer verziehen als einem Tugendarmen
seine ganze Armut. An nichts leichter gewöhnt sich der Mensch bis zur
Vergessenheit und Undankbarkeit als an den Wert des andern. - So
können 2 Eheleute ihre Verdienste steigern; da es aber beide tun,
rechnet es kein Teil dem andern zum Verdienst an.
		-- Jean Paul
%
Kleine Mädchen scheinen am leichtesten gut erzogen, weil ihre Natur
nicht heftig, sondern immer furchtsam ist und also jeden Schein der
Erziehung leichter nachspiegelt.
		-- Jean Paul
%
Zum Ausführen braucht man 1 Mann (General), der die Entschlüsse von
hundert realisiert; aber zum Entwerfen, zur Ansicht einer ganzen Zeit
ist 1 Fürst nicht hinlänglich; an 1 falschen Idee gehen Völker
verloren. Daher von jeher Konsilien; daher Republiken. 100 Augen sehen
mehr als 2; aber 2 Arme tun mehr als 100.
		-- Jean Paul
%
Wer seine Gesinnungen verbergen will, langt mit bloßem Verstellen
(dissim(ulare)) nicht aus, sondern er muß Anstellen (simul(are))
dazunehmen; ihr Ausdruck wird am besten durch einen Widerschein und
Annäherung der entgegengesetzten verborgen.
		-- Jean Paul
%
Ich erziehe Kinder nicht zu etwas, sondern in etwas.
		-- Jean Paul
%
Den meisten Menschen, besonders den Gelehrten, fehlt zum Gutsprechen
nichts als die Freiheit zu sprechen.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe besonders - aber eigentlich überall - ist der große Irrtum,
daß man glaubt, sobald man seinen Wert, sei es schreibend oder
handelnd, dem andern feurig gezeigt und eingeprägt, man habe in den
matten Tagen des Lebens dieselbe feurige Darstellung des Innern nicht
zu wiederholen, sondern auf die erste zu bauen. Das Wiederkommen der
Zeit fodert Erneuerung des ersten Eindrucks und um so mehr, je größer
er war.
		-- Jean Paul
%
Ich fühle im Hassen des Bösen meine Seele so sehr erhoben als im
Lieben des Guten. Und jenes Hassen hat nicht(s) Unangenehm(es) bei
sich, sondern nur Kraft.
		-- Jean Paul
%
Wie man durch Beisammensein fortliebt unter der Rinde die Frau, so
auch den Freund; nur die Unterbrechung zeigt uns, wie so stark wir
lieben.
		-- Jean Paul
%
Das größte Vorurteil, daß Dichter, die sich selber hingeben und
vergessen, nicht das fremde Sich auffaßten und bemerkten. Sie sehen
alles, weil sie sich sehen lassen; der andere sieht wenig, weil er
wenig sehen läßt.
		-- Jean Paul
%
Wenn das bloße Lesen die Leser so ausbildete: so müßte man im
6. Jahrtausend zehn mal besser schreiben als im 2. Jahrtausend.
		-- Jean Paul
%
Jedes Leben, zumal eines Autors, ist wert, beschrieben zu werden, aber
nicht jeder ist wert und fähig, es selber zu beschreiben.
		-- Jean Paul
%
Knechtschaft der Völker ist nicht so schlimm als Knechtschaft ihrer
Herrscher unter einem Oberherrscher, denn seine Knechtschaft müssen
sie bei ihrer alten unter ihm tragen.
		-- Jean Paul
%
Feinheit setzt Verständnis voraus, [ist] also nur gegen Feine möglich
und zu üben.
		-- Jean Paul
%
Man fodert von Kindern das Unmögliche, daß sie Ehe, Kinder und alles
sehen, und rein nichts erraten, auch von weitem her.
		-- Jean Paul
%
In jedem Falle wird bei gleicher Anlage das falsche Vertrauen auf
Talente mehr hervorbringen als das falsche Mißtrauen in sie; jenes
spannt, dieses lähmt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe helfen große geistige Vorzüge wenig zum Glück, da sie nur
selten einwirken; aber kleine Achtsamkeiten und Angewohnheiten und
nachgebender Verstand bereiten Glück.
		-- Jean Paul
%
Jede spricht von Hämorrhoiden und niemand von Menses, kein Mann und
Weib.
		-- Jean Paul
%
Man sagt doch seine Meinung, die dem andern entgegen ist, sanfter,
mäßiger, wenn man sie in dessen Hause sagt, als wenn man mit ihm im
fremden ist.
		-- Jean Paul
%
Die Männer müssen den Weibern egoistischer erscheinen, weil sie
behaupten, erkämpfen, bekämpfen, herschaffen müssen und diese nur
benützen. Jede Kraft nimmt den Schein der Ichsucht an, denn im Ich
wohnt sie ja.
		-- Jean Paul
%
An Kindern sieht man am öftersten und stärksten, wie wenig die
Vorstellung der Zukunft über anreizende Gegenwart siegt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe schämt man sich mehr, der Gattin die geistige Liebe zu
offenbaren als die körperliche; vor der Ehe natürlich umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Jeder Mensch (z. B. Einsiedel) bildet in seiner Persönlichkeit auch
bei allem Wert etwas feines Komisches für d(ie) andern.
		-- Jean Paul
%
Ich kann mir denken, daß ein reiner Dichter einen reinen Kaufmann
begreift und schätzt sogar; aber nicht umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Wenn der Mensch seine schlimmen Anteile der Natur untersucht: so wird
er sie immer klein und fast nicht unmoralisch finden, z. B. Hitze,
Bequemlichkeit, Genußliebe, Lobsucht, und er wird mit Recht von sich
denken, daß er damit nie dem andern recht verhaßt oder gefährlich sein
könne. Indes, wenn diese schlimmen Partikeln durch Umstände, Zeit,
Menschen sich verdichten, durch Zorn, Übereilung aufbrausen, so kann
er den andern verhaßt scheinen, ohne es sich selber zu werden; oder er
kann bereuen und doch seine alte Achtung sich bewahren. Daher denn
sein Selbbewußtsein. Wir bedenken gar nicht, wie die kleinste
unsittliche Partikel in uns durch Zusammenströmen mehrerer Umstände zu
einer Lastertat sich ausdehnen kann.
		-- Jean Paul
%
Bloß bei den Tieren kann ich rein rechnen, daß sie je besser gegen
mich sind, je besser ich gegen sie; bei den Menschen nicht, ja oft
umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Das Schöne, was man für den Freund im Enthusiasmus ausgedacht, gebe
man ihm nachher.
		-- Jean Paul
%
Schrittschuhfahren = jeder Schuh ist ein Schrittschuh; aber der
eiserne Schlittenschuh ist eben ein Schlittschuh.
		-- Jean Paul
%
Der Leser leiht dem Autor gewöhnlich die schöne etc. Lage, in der er
ihn zum ersten Male las.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen - dies beweiset die Liebe der Kinder - werden nicht zu
den Menschen erst hingewöhnt, sondern nur spät(er) von ihnen
abgewöhnt.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe will jeder Teil, daß bloß der andere anfange, pflichtmäßig
und edel zu sein, dann woll er sehr erwidern, ja mehr geben als nur
gegeben werde; - und unter diesem Wollen zanken sich beide fort, und
keines fängt an.
		-- Jean Paul
%
Einer kann bloß dadurch, daß er alle Wetterinstrumente, Regenmesser in
jeder Stunde bemerkt und aufschreibt, sich gegen alle Wetter
gleichgültig machen und froh erhalten.
		-- Jean Paul
%
Die Kinder sind nie so gehorsam, als wenn sie den Eltern etwas
geschenkt oder sonst eine Freude gemacht haben.
		-- Jean Paul
%
Man sollte nur die Gegenmeinungen des andern nicht entgegengesetzt den
eignen betrachten, sondern als Meinungen für sich: so würde man sie
ebenso leicht dulden, als man allen Aberglauben der Wilden und der
Kirchengeschichte vergibt.
		-- Jean Paul
%
Das Streben nach Wahrheit macht uns zu sehr offen für jede neue
Ansicht.
		-- Jean Paul
%
Ein Kritiker verdeckt seine Dürftigkeit des Urteils am besten, wenn er
ein ganzes ästhetisches Jahrhundert mustert und durch kurze Urteile
über bedeutende Größen deren Motivierung verbirgt oder ersetzt, weil
man das Interesse an seinem Gegenstande mit dem Interesse an ihm
vermengt.
		-- Jean Paul
%
Man denkt vom Verstand eines Menschen zu hoch, dessen Idiom man nur
halb versteht.
		-- Jean Paul
%
Mancher sollte sich fragen, was er mit dem Leben machte, wenn ihm Gott
Hunger, Durst und alle Lust- und Schmerzgefühle nähme, ob er es nur
begehrte oder ob er nicht lieber Lücken begehrte, um sie nur zu
füllen.
		-- Jean Paul
%
Man darf nur grob sein, so wird's der andere auch; nichts wird
leichter auf der Stelle sogar dem Feinde nachgeahmt als Grobheit.
		-- Jean Paul
%
Man verteile und zersäe eine schwere Arbeit nicht in verschiedne
Zeiträume - die Wichtigkeit beginnt und drückt immer von neuem -,
sondern man mache sie auf einmal ab, da die Räume ohnehin mehr
neuanfangenden Kraftaufwand begehren.
		-- Jean Paul
%
Nicht durch Dichter, sondern durch Leben muß man sich zum Dichter
bilden, wie man nicht auf dem glatten Eise zu schnellem Fahren
ausholt, sondern auf dem holper(ichten) Boden.
		-- Jean Paul
%
Das eigentlich Originelle am äußern Leben ist alles, was man Fremdes
tut, ohne das Gefühl, daß es andern fremd vorkommen werde.
		-- Jean Paul
%
Ich komme leichter mit wahren Spitzbuben aus zu meinem Vorteil als mit
wahren liberalen Menschen, welche mich zu meinem Nachteile bezaubern;
denn ich kann ihnen nicht unähnlich sein.
		-- Jean Paul
%
Die meisten Menschen schließen aus einer Begebenheit und Handlung die
Zukunft; aber die rechten Historiker schließen daraus die
Vergangenheit. Jene gehen nur vor-, diese rückwärts, erraten aber
desto mehr vorwärts.
		-- Jean Paul
%
Die meisten glauben durch die Heftigkeit ihrer Behauptung, diese
stärker dem andern einzudrücken - und ihr eignes heftiges Gefühl
mitzuteilen -; aber umgekehrt, durch einfach kaltes Behaupten teilt
man das eigne stärker mit.
		-- Jean Paul
%
Im Leben ist der Engländer freier, im Schreiben pedantischer als der
Deutsche, der gerade auf dem Papier die republikanische Rolle spielt.
		-- Jean Paul
%
Bei Leidenschaft errat ich den Menschen mehr aus dem Ton als aus der
Rede, der Stimme-Ton ist schwer zu verbergen oder zu verheucheln.
		-- Jean Paul
%
Freiheit.
Ich fühle etwas in mir, daß ich sogar der Religion und des Himmels
wegen nicht sklavisch sein wie ein Hermes, sondern Freiheit behalten
würde, auf Kosten verdammt zu werden. Kein Wesen mit Bewußtsein kann
seinen Wert - woher er auch sei - verleugnen, und sogar das Hingeben
ist nur freier und also freibleibender Entschluß.
		-- Jean Paul
%
Man hüte sich, irgendeinen Vorzug, z.B. die Dienstfertigkeit der
Barner, zu einem ganzen Charakter zu erheben - jede bedeutende
Eigenschaft ist im Zusammenklang mit dem Ganzen zu erklären und zu
würdigen; und so wird manche Tugend bleicher werden und mancher Fehler
sanfter sich verflößen.
		-- Jean Paul
%
Zehn Küsse werden leichter vergessen als ein Kuß.
		-- Jean Paul
%
An und für sich ist jeder originell, weil er individuell ist; aber
nicht jeder hat den Mut, er selber zu sein und zu scheinen; nur der
Kräftige oder Berühmte oder Reiche hat ihn, weil er des Scheins
entübrigt sein kann.
		-- Jean Paul
%
Junge Leute sehen in ihrer Entwicklung das Neue des Zeitalters auch
für Entwicklung an und verwechseln sich mit der Zeit und halten daher
alles Neue für so gut als sich und ergreifen es.
		-- Jean Paul
%
Wie[viel] Genies mögen erst unter dem weiblichen Pöbel verlorengehen,
da doch die männlichen einige Mittel der Emporhebung haben.
		-- Jean Paul
%
Jeder weiß es, wo er sein Rechtes Kräftiges hat - und daraus wär er
auch nicht zu treiben - aber eben darum will er von seiner Höhe herab
noch fremde Ebenen erobern, zu seinem Höchsten noch allerlei dazu
gewinnen - und dadurch, durch ohnmächtiges Streben einer vorigen
Macht, wird er lächerlich.
		-- Jean Paul
%
Der Gelehrsamkeit ist keine Grenze d(er) Vergröß(erung)
vorgeschrieben; aber wohl dem Scharfsinn.
		-- Jean Paul
%
Man sollte denken, wenn ein Professor die ganze Woche in abstrakten
Lehren zubringt, daß sein Tiefsinn unendliche Tiefe gewinnen müßte und
der Scharfsinn Schärfe; aber es trifft nicht zu; Jahre, nicht Übungen
setzen die Grenze.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber gehen gern, um bessern Platz zu gewinnen, eine Stunde
früher in Konzert und Theater; aber eigentlich fangen beide für sie
schon an, sobald sie nur ankommen und sich niedersetzen; denn ihr
Sprechen verfrühet ihnen die Musik und das allmähliche Ankommen der
Zuschauer das Schauspiel.
		-- Jean Paul
%
Kinder lieben am meisten in Märchen Vergrößerungen und Verkleinerungen
gewohnter Gegenstände; sie können dann leicht diese in alle neue
Verhältnisse setzen und der Phantasie den weitesten Spielraum auftun.
		-- Jean Paul
%
Gegen eine Fehlschlagung eines Plans gibt's keinen bessern Trost, als
auf der Stelle einen neuen zu machen oder bereitzuhalten.
		-- Jean Paul
%
Begeht ein Mensch (oder Mann) einen wirklichen Fehler, so sagt er,
dies ist eine Ausnahme und ein seltener Fall; der andere (Frau) hat
die ähnlichen Fehler im Kopfe und zürnt durch Zusammenrechnen.
		-- Jean Paul
%
Nur die Ehe wird am glücklichsten, wo man die größten Vorzüge in ihr,
nicht vor ihr entdeckt. Daher d(as) Heirat(en) eines Dichters so
mißlich.
		-- Jean Paul
%
Das gemeine Volk, die Mägde etc. wollen durch ihre Kleidung nicht
verführen, sondern nur glänzen; daher der Stoff ihnen zehnmal lieber
als die Form.
		-- Jean Paul
%
Bei Schriftstellern in einer großen Stadt (Berlin) und Zirkeln ist
schwer nachzuweisen - sogar von ihnen selber -, wieviel ihnen von
ihren Ideen gehört, da sie täglich gedruckte kommentiert hören, neue
darüber, dagegen etc.
		-- Jean Paul
%
Sich an die Stelle eines andern setzen - wird so allgemein ohne nähere
Einschränkung gesagt. Wohl kann man sich in eine einzelne fremde
Eigenschaft und Lage setzen, z. B. eines Zornigen; aber jenes Wort
bedeutet noch 2erlei, a) sich in den ganzen moralischen Charakter
eines andern setzen, was nur ein Dichter kann, b) sich in dessen
intellektuellen setzen, was ebenso schwer; setze dich z. B. in den
ganzen Umfang gelehrter, philosophischer, ästhetischer Anschauungen
eines Menschen.
		-- Jean Paul
%
Jeder sollte sich eine Überseh-Stunde seines Tags oder Treibens
wählen, und zwar nicht eine spazierende im Freien, sondern eine dunkle
in der Dämmerung, wo nichts ihn durch seine Sinnen unterbricht.
		-- Jean Paul
%
Gründe (z. B. bei Max über kurzen Rock) wirken nur gegen Gründe, aber
nicht gegen Empfindungen, gegen die wieder nur Empfindungen wirken.
		-- Jean Paul
%
Manche Autoren zeigen sich der Welt kälter und schärfer, als ihr
Mensch ist, z. B. Lichtenberg; desto wärmer bleibt die bedeckte
Quelle. Andere treiben ihre Wärme heraus und erkälten sich durch
fremdes Erwärmen.
		-- Jean Paul
%
Kein Mensch kann durch sein Leben so viel intensive Freude machen als
sein Verlust intensiven Schmerz, weil das Leben jene ausdehnt, der Tod
diesen konzentriert. Alle Freuden, die einer gegeben, und die
zukünftigen dazu vereinigen sich bei dem Verlust zu 1 Schmerz.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe (wie in der Freundschaft und überall) hilft kein Wohltun
und Beschenken, sobald die Persönlichkeit beleidigt ist anstatt
verehrt. Keine langen Geschenke machen wörtliche Verkennungen des
Augenblicks gut.
		-- Jean Paul
%
Schönheit gar kein Zeichen der Milde - höchstens im Alter.
		-- Jean Paul
%
Nur die Jugend ist offenherzig über sich und wahr; das Alter verbirgt
aus Anstand.
		-- Jean Paul
%
Man ist nie liebenswürdiger, als wenn man geliebt wird.
		-- Jean Paul
%
Nicht die Freuden, sondern die Leiden verbergen die Leere des Lebens.
		-- Jean Paul
%
Bemerkungen über den Menschen.
Alle die in Rochefouc(auld), la Bruyère sind unmöglich zu behalten, zu
ordnen, anzuwenden, sondern sie sollen bloß im allgemeinen den Blick
schärfen und ihm eine gewisse Richtung geben.
		-- Jean Paul
%
- Schnee, der sich leicht ballen läßt, schmilzt bald.
		-- Jean Paul
%
Das Selblob mißfällt, sogar wenn es die Wahrheit ausspricht, doch
darum, weil man voraussetzt, der Sprecher verberge aus Bescheidenheit
noch etwas, nämlich ein größeres Lob, als ihm gehört.
		-- Jean Paul
%
Man muß nie vor einem ein Wortspiel mit seinen Namen (z. B. Markus)
machen, da jedes ihm längst im Leben vorgekommen sein muß.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen wollen immer, die Zeiten (Länder) sollen besser werden
(sich bessern), und klagen doch, sobald sie anders werden (sich
ändern), als könnte eines ohne das andere sein.
		-- Jean Paul
%
Zum bestechendsten Beweis einer Meinung wird uns oft ihre Neuheit,
sobald diese alte Ansichten nicht verschließt, sondern weiter öffnet.
		-- Jean Paul
%
Die Tugend, sogar eines gemeinen Mädchens, ist verschieden, ob man
sich für verheiratet oder unverheiratet ausgibt.
		-- Jean Paul
%
Einer, der aus stillem Egoismus uns überall lobt und alles an uns,
verlöre alle seine Unparteilichkeit, die wir ihm wegen seines Lobs für
uns zuschreiben, wenn wir ihn die andern loben hörten, d. h. jeden.
		-- Jean Paul
%
Kurz vor dem Abreisen sowie kurz nach dem Ankommen verschönert sich
uns unser Wohnort.
		-- Jean Paul
%
Die Jungfrau heiratet im Dichter den Dichter, im Künstler den
Künstler; aber in der Ehe weiß sie so wenig von diesem als ein Mann,
der eine Sängerin geheiratet hätte; alle Verhältnisse sind nur die
eines Mannes. Nur einige Weiber - wie Wielands, Dürers - schätzen und
pflegen im Manne den Künstler, je weniger sie selber von seiner Kunst
verstehen, aber von ihr erwarten ökonomisch.
		-- Jean Paul
%
Die Ehemänner müssen so oft in Begeisterungen oder Exaltation entweder
durch Arbeiten oder durch Trunk, welche bei den Weibern wegfallen, mit
diesen verkehren.
		-- Jean Paul
%
Auf das Volk muß die vornehme Busenblöße so wirken wie auf den
Vornehmen die gemeine Wadenblöße.
		-- Jean Paul
%
Sogar nach Belügen traut man doch wieder Wahrheit zu. Aber nach
Grausamkeit erwartet man keine Milde mehr.
		-- Jean Paul
%
Alte, wie Montaigne, sprechen leicht zu obszön, weil sie keine
Versuchung mehr fühlen und überhaupt mit den Ideen zu vertraut und
dabei alt geworden sind.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber machen über die Empfindungen ihrer Liebe die feinsten
Bemerkungen; ohne sich doch eigentlich selber anzuschauen - so wie ein
Psycholog darum doch nicht die größte Selbstkenntnis haben kann.
		-- Jean Paul
%
Gerade dies beweist die Kraft des Kopfes, was er aus einem kleinen
Gegenstande witzig, philosophierend macht ohne fremde Belehrung; nicht
aber sein Hinzutun von Kenntnissen, Erläuterungen usw. - z. B. über
Mädchen wird der Jurist, Arzt, etc. zu sprechen wissen; aber anders
der Witzige und Umsichtige.
		-- Jean Paul
%
Man darf immer Mißtrauen haben, nur keines zeigen.
		-- Jean Paul
%
Nicht geniale Einseitigkeit, sondern talentvolle Mehrseitigkeit (wie
bei Stainlein) führt im Geschäftleben zu hohen Posten; jene schließt
aus.
		-- Jean Paul
%
Ach das Alter gibt Einsamkeit, geistige; nur die Jugend Geselligkeit.
		-- Jean Paul
%
An d(er) Geliebten wird der alltägliche wiederkommende Wert für hoch
gehalten, die dazwischenfallenden Ausnahmen davon für klein oder nur
Laune. An der Frau - wie überhaupt an Mann und Magd und Freund - wird
das Gute, was seinen Charakter ausmacht und immer erscheint, für
notwendig gehalten und kaum berechnet (außer nach dem Tode etc.), aber
die Ausnahmen desto mehr und fast allein und überwiegend.
		-- Jean Paul
%
In der Ehe das Mißverhältnis, daß die Begeisterungen des Mannes und
der Frau nicht ineinandertreffen; der Mann von der Arbeit begeistert,
sie davon erschöpft, und so nach Tagzeiten umgekehrt.
		-- Jean Paul
%
Jeder wird wider Willen originell, der sich's bequem macht und nach
dem Scheine nichts fragt.
		-- Jean Paul
%
Die närrischen Menschen! Zum anerkannten Genie kommen sie, nicht um zu
hören, sondern um sich hören zu lassen. Zum Dunse, gleichfalls um zu
reden. Wann will denn einer hören? - Da, wo er eine Lücke findet, die
ihn am weiteren Reden hindert.
		-- Jean Paul
%
Keine schmerzhaftere Empfindung, als wenn man froh zu machen suchte
und doch nicht froh machte (wie bei Weihnachtgeschenk).
		-- Jean Paul
%
Nichts ist schöner im Enthusiasmus zu lieben, als Kinder; denn die
Liebe verlangt von ihnen nicht einmal die Liebe, sondern ihr Glück.
		-- Jean Paul
%
Der Mensch hat ein eignes selbgefälliges Wohlgefühl, wenn er eine
Beleidigung erzählen kann, die man ihm angetan.
		-- Jean Paul
%
Wer die Welt nicht kennt, setzt bei jeder, zumal scharf und gut
ausgedrückten Meinung oder Satz voraus, ihr stehe im Hinterhalte ein
langes System und Prüfen, indes sie eben jetzo erst gefunden, wiewohl
doch auch in solchem Falle viel Vorrat im Hinterhalte liegt.
		-- Jean Paul
%
Die juristische Regel, sich mit keinem überflüssigen Beweise zu
beladen, lernt man später auch in unjuristischen Fällen und Briefen
befolgen, wo man andere bestimmtere Äußerungen, die nicht eben zur
Sache gehören, unterläßt und allem noch freien Spielraum läßt.
		-- Jean Paul
%
Den mißtrauischsten Egoisten kann man stundenlang von sich zu sprechen
veranlassen, ohne daß er das Veranlassen merkt.
		-- Jean Paul
%
Was am leichtesten hartherzig macht, wenigstens das Abschlagen zu sehr
erleichtert, ist, wenn man gewiß ist, daß man nicht allen helfen kann.
		-- Jean Paul
%
Satiren können in der großen Welt nicht an der moralischen Seite
bessern, weil die Unsittlichkeit das Lächerliche verloren oder doch
leicht verschmerzt; höchstens an der intellektuellen, zu welcher auch
die moralische umzudrehen ist; denn Fehler des Verstandes bleiben
immer den Pfeilen der Satire frei. Aber Darstellung großer moralischer
Kräfte hebt die gesunknen der großen Welt.
		-- Jean Paul
%
Den Weibern merkt man nie die geheimen stolzen Ansprüche an - leichter
die eiteln -, weil sie alles gemildert und schüchtern zeigen. Eine
Sanfte kann sich für die Vornehmste und Klügste halten.
		-- Jean Paul
%
Lichtenbergisch.
Wenn man nur einmal alle die allgemeinen Bemerkungen der Diener und
Kammerjungfern über ihre Herrschaften sammelte, über ihre
Vergeßlichkeit, Unredlichkeit etc.: so wäre doch etwas von der
Ab(Gegen)seite der Welt da.
		-- Jean Paul
%
In den Aufsätzen der Primaner wird die Flucht des Lebens, die Sorge
der Männlichkeit etc. so stark geschildert, als sei der Schüler selber
darin; aber die Jugend malt die Eitelkeit und das Sterben, ohne es
anders als poetisch und nachgelesen zu empfinden. - Aber eben dies
bezeugt das Nachsprechen der Leserei; ein lebensfroher Jüngling
spricht so lebensatt wie ein Alter, indes er gerade unter dem
Schildern des Abblühens mehr erblüht. - Wie anders der Mann oder
Greis, der ungern davon spricht, weil er's schon fühlt.
		-- Jean Paul
%
Eine moralische Schamhaftigkeit - und eine der Gewohnheit. Letzte hat
der unverschämteste Mann, der sich von einem Unbekannten oder gar
einer Unbekannten nur mit Schrecken in einer natürlichen, an sich
unschuldigen Handlung betreffen läßt.
		-- Jean Paul
%
Alles in den Weibern muß sich ja auf Eitelkeit und Kleider lenken, da
sie immer nähen, also immer etwas von Kleidern in Händen haben, wenn
auch nicht am Leibe.
		-- Jean Paul
%
Man genießt und fühlt den Reichtum nur in der Minute, wo man ihn
unverhofft bekommt; darauf wird er zu Armut.
		-- Jean Paul
%
Nichts vermehrt die Liebe gegen eine ferne Person mehr, als wenn
Fremde, andere von ihr sprechen, lobend, ja nur erzählend.
		-- Jean Paul
%
Je mehr Vorzüge an einem Menschen anerkannt werden, desto mehr neue
will er dazusetzen und dichten, aus Gefühl seiner Unvollendung.
		-- Jean Paul
%
Die Gleichheit der modischen Kleidung bildet den Trägern auch
Gleichheit der Ausbildung ein.
		-- Jean Paul
%
Vergleiche einmal die Opfer und Liebezeichen, die dir die Ehefrau
bringt, und deine kalten Billigungen davon, mit den Opfern, die eine
Geliebte bringt, und mit deinem Enthusiasmus darüber.
		-- Jean Paul
%
Man wird in der Freundschaft und der Liebe leicht Heuchler, der
übertreibt, wenn man das stärkste Bedürfnis und Gefühl beider hat und
den Gegenstand dazu entbehrt; und doch falschen dafür sucht und nimmt.
		-- Jean Paul
%
Wie sehr auch jeder den Künstler, Philosophen, Helden achte (und ihm
sich opfern will) und den Weltwohltäter: so bringt er doch, sobald er
dessen Freund, Gatte etc. wird, nicht mehr das Allgemeine in Anschlag,
sondern nur sein bestimmtes Verhältnis; und derselbe Leser, der für
den Dichter sterben will, wird, wenn er dessen Freund, Frau etc. ist,
nicht die kleinste Unlust ihm ersparen. Selten weihen sich die
Menschen dem Allgemeinen, noch seltener opfern sie sich denen, die
sich ihm weihen. Daher frage kein Autor nach Briefen voll Lob.
		-- Jean Paul
%
Wenn ihr verbietet, das zu tadeln, was man nicht besser machen kann:
so darf man auch nicht loben, was man nicht nachmachen kann; denn das
Lob setzt die Kraft zu tadeln voraus.
		-- Jean Paul
%
Weiberlaunen mit Männerlaunen durcheinandergeknetet, dies gibt hohen
schwellenden Sauerteig, den jede Wärme nur hebt.
		-- Jean Paul
%
Nur der steigende, nicht der stehende Ruhm erfreuet; während des
letzten sind nur die Schmerzen des angegriffnen.
		-- Jean Paul
%
Je kleiner die Stadt, desto kleiner erscheint darin der Größere; sie
hat einen zu kleinen Maßstab.
		-- Jean Paul
%
Gefallsucht und wahre Erhebung über den Schein können beide bei drei
verschiednen Außenseiten herrschen - denn es kommt eben nur auf das
Innen an -, a) bei Schön-, b) bei Mittel-, c) bei Nieder-Anzug und
Äußerliches.
		-- Jean Paul
%
Um sich besser kennenzulernen als aus den eignen Handlungen, muß man
auf die erste plötzliche Freude oder Betrüb(nis) merken, die uns bei
einem Antrag, Erzähl(ung) etc. aufsteigt und die wir gewöhnlich
schnell besiegen.
		-- Jean Paul
%
Nur der Dichter und Philosoph sieht die Torheit im Allgemeinen und
überall - der Geschäftmann sieht nur die Torheiten und Abweichungen
seines Gewerbs, seiner Kaste, der Jurist juristische; aber nicht das
allgemeine Törichte, das allen Menschen zum Grunde liegt.
		-- Jean Paul
%
Der Mathematiker, Philosoph, Linguist etc. kann, so berühmt er auch
sei, doch nicht mit seinen Gaben jedermann und augenblicklich
erscheinen; aber von einem berühmten Dichter allein fodert man die
ganze Erscheinung des Menschen; warum? - weil er immer den Menschen
schildert, und jedes beste Geschilderte sein soll - als ob er
persönlich und augenblicklich das höchste äußerlich darstellen könnte,
was er in Begeisterung schwer aus dem Innern unter den günstigsten
Verhältnissen emporhebt. vid. 14.
		-- Jean Paul
%
Ein lange Reisender kann am leichtesten in der Verblendung über seinen
Wert bei andern bleiben, weil er bei diesen nur kurz, in wenigen
Verbindungen ist und sich sein Miß[ver]hältnis nicht so steigern kann,
daß man es ihm offenbart.
		-- Jean Paul
%
Unmittelbar nach der Ausübung eines Amtes - z. B. nach Ende einer
Predigt, einer Vorlesung, einer Gassenausrufung - hat der Mensch ein
närrisches Gefühl der Selbstausdehnung und kann gar nicht wieder recht
zu seiner vorigen kleinen Zusammenfaltung kommen, wie Regenschirme
nach dem Gebrauch ausgespannt dastehen.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Ehemann oder Vater mit dem Tadel bei kleinen
un[ab]änderlichen Unannehmlichkeiten herausfährt, der, wie er selber
weiß, zu nichts nützt: so ist diese Explosion nur die kleinere eines
Fluchs, der auch nicht helfen, nur erleichtern soll.
		-- Jean Paul
%
Die Männer haben im Zorn mehr Mitleid, die Weiber vor- und nachher.
Habt ihr je eine Frau mitten im Zorne einhalten sehen?
		-- Jean Paul
%
Seltsam ist's, daß die nied(ern) Menschen noch desto mehr Tugenden
erwarten, je höher der Stand ist, und daß sie sich über die
Ausschweifungen eines Fürsten etc. wundern, anstatt sie
vorauszusetzen. Gerade im nied(ern) Stande sollte man sich über alles
Schlechte verwundern.
		-- Jean Paul
%
Am leichtesten lernst du einen Menschen kennen, wenn du ihn tadelst,
oder - da der andere Weg offner steht - wenigstens in geringerem
Grade, wenn du ihn lobst.
		-- Jean Paul
%
Kein großer Philologe hat ein poetisches oder philosophisches
Meisterstück geschaffen; man ist nur froh, wenn er seine Sprache halb
so gut schreibt, als er die fremde versteht.
		-- Jean Paul
%
Man ist dem andern, den man tadelt, ähnlicher und dem, den man lobt,
unähnlicher, als man glaubt.
		-- Jean Paul
%
Stets rechnet und berechnet der Mensch in seine Gegenwart die Zukunft
hinein. Nach dem längsten Tage spürt er nicht die halbe Freude, als er
nach dem kürzesten fühlt, weil dort die Zukunft die Verkürzungen der
Tage, hier die Verlängerungen ansagt.
		-- Jean Paul
%
Es ist der größte Irrtum, zu lebhafte Menschen (wie Messerschmidt) für
unbefangen und wahrhaft zu halten.
		-- Jean Paul
%
Das Höchste der Humanität: über keinen Vorzug einen Fehler zu
übersehen - und über keinen Fehler einen Vorzug - und so sich falsch
weder erwärmen noch erkälten zu lassen, sondern alles einzuschichten.
		-- Jean Paul
%
Eine Sache vermögen die Weiber nicht, dieselbe Drohung 12mal
hintereinander zu erfüllen.
		-- Jean Paul
%
Den allerwenigsten Menschen ist beizubringen, daß Bücher, die viele
andere nicht verstehen, von ihnen gleichfalls unverstanden bleiben.
		-- Jean Paul
%
>Daß mein Sohn immer fleißig, rechne ich ihm gar nicht an bei der
Berechnung seiner Vorzüge - ein anderer Vater würde, wenn der Sohn
sich zum Fleiß bekehrte, die Bekehrung unter die größten Vorzüge
setzen.< So nehmen stets die Menschen in die Rechnung der Vorzüge
nicht einen alten langen Wert hinein, sondern erst von diesem datieren
sie die Rechnung. So Frau mit Mägden; Gattin mit Gatten.
		-- Jean Paul
%
Von Feinden Vorwürfe hören, lehrt und bekehrt und wirkt nicht; aber
wohl von Freunden. Ein Mann wie Emanuel kann jahrelang die härtesten
Vorwürfe seiner Feinde erfahren, sie können nicht auf ihn wirken, da
er sie verachtet und vernichtet. Aber dieselbe Rede eines
gleichgestimmten Freundes griffe anders an.
		-- Jean Paul
%
Zwei Menschen begleiten einander im Finstern gegen die
Gespensterfurcht; aber eigentlich das geheime Gefühl nicht, daß einer
dem andern gegen d(ie) Geist(er) beistehen könnte, sondern dies, daß
die Gegenwart eines Menschen die Phantasie hindert, ihre Gespenster
auszuweben und zu lebhaft auszumalen.
		-- Jean Paul
%
Weibliche Herzen = Schnee; man merkt bei der stärksten langen Wärme
kein Schmelzen, mehr ein Verdichten; plötzlich ist er aufgelöset.
		-- Jean Paul
%
In der ganzen Gelehrtenhistorie noch kein Beispiel, daß in einem
Streite - z. B. Leibniz und Clarke - einer sich von dem andern für
widerlegt erklärt hätte, nicht einmal zur Hälfte widerlegt.
		-- Jean Paul
%
In Rücksicht der Geschlechtsünden scheint auch der offenste Mensch ein
Heuchler zu sein; aber bloß weil er verbirgt, was alle verbergen,
sogar das Erlaubte, und weil jeder weniger sinnlich scheinen muß, als
er ist.
		-- Jean Paul
%
Derselbe Mann, der mich besucht, zeigt sich ganz anders, als wenn ich
ihn besuche. Beide Verhältnisse geben erst den Durchschnitt seines
Charakters. Ja wieder anders zeigt er sich im Begegnen auf der Reise,
wo er weder Gast noch Wirt ist, sondern nur Erdbürger.
		-- Jean Paul
%
Es ist weit mehr Heuchelei in der Welt, als man glaubt und als selber
die Heuchler glauben; denn sie halten nicht andere für Heuchler.
		-- Jean Paul
%
Zweimal lügen die Menschen, so oft sie sagen: »ich habe über soundso
viel verloren«, das zweite Mal: »ich habe weit unter 100 fl.
eingenommen.« Überall ist bei über, unter, nahe, weit und an gerade
das Gegenteil zu verstehen. Nur die gerade Zahl würde das Richtige
sein.
		-- Jean Paul
%
Das Übertreiben liebender Worte macht in der Ehe gar nicht das
Übertreiben tadelnder gut, sondern dieses Übermaß vernichtet die
Wirkung des andern; von allen Aufwallungen lassen nur die zornigen den
dickern Bodensatz.
		-- Jean Paul
%
Das erste, wornach ein Mensch bei irgendeinem Unfall sucht - sei er
durch Tiere, Materien oder Menschen geschehen -, ist ein lebend(es)
freies Wesen, dem er etwas davon schuld geben kann, um sich dann zu
rächen.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen geben auf den oben herab bellenden Hund acht, nicht auf
den unten.
		-- Jean Paul
%
Von der Glut eines jungen Autors - zumal mitten in seinen Schöpfungen
- hat gar kein Großer in seinem abmattenden und abgematteten Leben nur
einen Begriff; und jeder fürchtet sich doch vor der kräftigen
Erscheinung.
		-- Jean Paul
%
Der Veränderliche macht und findet Veränderliche gegen sich selber.
		-- Jean Paul
%
Wenn ein Jüngling den Taufnamen der Geliebten nicht weiß, Zeichen, daß
er sie noch nicht recht liebt.
		-- Jean Paul
%
Gerade in kleinen Städten wird der gute bescheidene Mensch am
stolzesten, weil er doch niemand hat, womit er sich vergleichen will.
		-- Jean Paul
%
Um überall geliebt zu werden, schone man nur die schwachen Seiten
d(er) Menschen; die starken schonen hälfe nichts und wäre sogar
unrecht, im Falle diese böse sind.
		-- Jean Paul
%
Man würde jedem seine Eigenheiten gern hingehen lassen, wenn er sie
nur nicht zugleich zu seinen Vorzügen adelte; erst dann fängt der
Tadel an.
		-- Jean Paul
%
Die stärksten und gefährl(ichsten) Streitigkeiten in der Ehe sind in
den ersten Jahren - teils über Kindererziehung, teils, weil die ersten
hohen Foderungen der Liebe sich noch nicht ins Gleichgewicht mit dem
Alltäglichen gesetzt haben -; später werden die Stürme kleiner und
verschwinden endlich in Ruhe oder in Gleichgültigkeit.
		-- Jean Paul
%
Man sollte glauben, da ein Leser mit solcher Teilnahme die stärksten
Liebereden zweier Liebenden aufnimmt, es müss' ihm ebenso bei dem
Anhören ähnlicher in der Wirklichkeit sein; er müsse gar vor
Entzückung nicht zu bleiben wissen, wenn er hinter einer Laube den
wahrsten Feuerstrom der Liebe anhört, oder wenn endlich der Liebende
zum Kusse gelangt. Inzwischen wird er so wenig warm davon, daß er sich
bloß erkältet. Aber der Unterschied ist: nicht bei der gehörten,
sondern nur bei der gelesenen Liebe kann er sich zum Liebhaber machen
und das Mädchen zur Geliebten. Daher kann eine gedruckte Liane
1000 Albanos beglücken - so ein gedruckter Werther 1000 Lotten.
		-- Jean Paul
%
Die Weiber bedenken nicht - um uns mehr zu schonen -, welche wilde
Herz auflösende Untersuchungen der Mann in den Wissenschaften
durchzugehen hat, wo freilich nicht so viel v(om) unbefangnen Herzen
übrigbleiben kann wie bei ihnen, die sich immer im Ganzen sehen.
		-- Jean Paul
%
Zur sinnlichen Liebe ist bei den meisten leicht zu gelangen; aber
schwer bei wenigen ist die rechte zu erwerben.
		-- Jean Paul
%
Wie wenig könnt ihr euch auf die moralische Kraft und Fortwirkung auch
der stärksten Empfindungen verlassen, wenn ihr die Entzückungen des
Wiedersehens und neuen Wiederliebens nach einer Abwesenheit
zusammenhaltet gegen den nächsten Frost und Zank der Gegenwart.
		-- Jean Paul
%
Die Menschen denken sich, um den andern zu etwas zu überreden, nur in
dessen äußere Lage mit ihrer Seele hinein, aber nicht in dessen innere
oder Seele; daher kein Begreifen und kein Einwirken.
		-- Jean Paul
%
Wenn einem Schriftsteller andere bedeutende Leute recht ihren Wert zu
zeigen suchen und des seinigen gar nicht erwähnen; so glaub er nicht,
daß sie ihn nicht achten, sondern umgekehrt glaub er, daß sie aus
Achtung für ihn, die seinige für sich zu erwerben trachten.
		-- Jean Paul
%
Evolution ist die Entwicklung vom Tümpel in den Fernsehsessel.
		-- Erwin Pelzig
%
Der Weitsprungweltrekord hat sich in hundert Jahren um 1.50m verbessert.
Ist das Entwicklung?
Wenn das so weitergeht brauchen wir etwa noch 180000 Jahre, um nennenswerte
Strecken springen zu können.
Besser ist es beim Hammerwerfen.  Da beträgt der Zuwachs 40m.
Das ist aber auch wieder typisch menschlich, denn Hammerwerfen
ist wohl eine der sinnlosesten Tätigkeiten.
Wer wirft schon Hämmer?
		-- Erwin Pelzig
%
Bill Gates wird nicht wiedergeboren.  Der wird nur neu formatiert.
		-- Erwin Pelzig
%
Wenn Bill Gates stribt ist das wie ein Warmstart.
		-- Erwin Pelzig
%
Verlassen Sie bitte das Universum so, wie sie es vorfinden möchten.
		-- Erwin Pelzig
%
Pädagogik ist die Art, wie man zuschlägt.
		-- Erwin Pelzig
%
Toleranz ist eine Geisteshaltung, die andere annehmen müssen, damit sie
endlich so denken wie ich.
		-- Erwin Pelzig
%
Image ist das, was man braucht, wenn man für andere so aussehen will,
wie man gerne wär.
		-- Erwin Pelzig
%
Marketing ist ein englisches Wort.  Zu deutsch heißt das:
Hauptsache 's Maul wackelt.
		-- Erwin Pelzig
%
Ohne Bildung kann man ja heutzutage überhaupt nichts mehr werden -
außer vielleicht amerikanischer Präsident.
		-- Erwin Pelzig
%
Biathlon-Weltcup: Sieben Deutsche unter den ersten Fünf

Im Männer-Rennen kamen sogar fünf Deutsche unter den ersten Sieben ins
Ziel. Hinter dem Olympiasieger von 1998, dem Norweger Halvard Hanevold
(1:00:38,4 Stunden) erkämpften sich Carsten Heymann (Altenberg), Sven
Fischer (Oberhof), Marco Morgenstern (Altenberg) und Peter Sendel
(Oberhof) die Plätze zwei bis fünf. Ricco Groß (Ruhpolding)
komplettierte das hervorragende Abschneiden mit dem siebten Platz.
		--  www.spiegel.de (9. März 2000)
%
Ich habe das Problem, daß ich zuviel weiß.
		-- Prof. Informationssysteme, FH Schweinfurt
%
So -- und das glauben wir jetzt mal auf religiöser Basis, d.h. wir
sehen es nicht, glauben es aber trotzdem!
		-- Prof Technische Mechanik, FH-Furtwangen
%
Ich sehe heute wieder viele, die nicht da sind.
		-- Professor am Anfang einer Vorlesung
%

Es gibt Leute, die nur deshalb keiner Fliege etwas zuleide tun, weil sie
nicht imstande sind, eine zu fangen.
		-- Helmut Qualtinger
%
Die Menschheit ist auf dem Wege, Gott das Rohmaterial für eine neue
Welt zu liefern: das Chaos
		-- Robert Quillen
%
Computer ermöglichen das Begehen von Fehlern schneller als jede andere
Erfindung in der Geschichte der Menschheit, mit Ausnahme vielleicht
von Pistolen und Tequila.
		-- Mitch Radcliffe
%
Die Klage über die Schärfe des Wettbewerbs ist in Wirklichkeit meist
nur eine Klage über den Mangel an Einfällen.
		-- Walther Rathenau
%
Wenn die Klügeren nachgeben, regieren die Dummköpfe die Welt.
		-- Jean-Claude Riber
%
Die Rentenreform ist der grüne Punkt auf dem Arbeitnehmer.
		-- Mathias Richling
%
Im Leben ist das Böse oft preiswerter als das Dumme.
		-- Mathias Richling
%
Versuchungen bekämpft man am besten mit Geldmangel und Rheumatismus.
		-- Joachim Ringelnatz
%
Alle Fehler, die man macht, sind eher zu verzeihen als die Mittel, die
man anwendet, um sie zu verbergen.
		-- Francois de La Rochefoucauld
%
Ein geistreicher Mensch wäre oft recht in Verlegenheit ohne die
Gesellschaft der Dummköpfe.
		-- Francois de La Rochefoucauld
%
Wer ohne jede Narrheit lebt, ist weniger weise als er glaubt.
		-- Francois de La Rochefoucault
%
Ich arbeite nach dem Prinzip, daß man niemals etwas selbst tun soll,
was jemand anderer für einen erledigen kann.
		-- Rockefeller
%
Es ist unmöglich, nur den Augenblick zu leben. Man steht immer mit
einem Bein in der Vergangenheit, mit dem anderen in der Zukunft.
		-- Jules Romains
%
Sicher können Maschinen Probleme lösen, Informationen speichern,
kombinieren und Spiele spielen - aber es macht ihnen keinen Spaß!
		-- Leo Rosten
%
Ein Mensch, am Ende seines Lebens, sieht ein, daß der Erfolg des
Strebens nur dürftig war, an dem gemessen, was er versoffen und
verfressen.
		-- Eugen Roth
%
Das Leben ist kurz, weniger wegen der kurzen Zeit, die es dauert,
sondern weil uns von dieser kurzen Zeit fast keine bleibt, es zu
genießen.
		-- Jean Jacques Rousseau
%
Es gibt zwei Arten von Menschen: Die toten und die tödlichen.
		-- Helen Rowland
%
Die Fähigkeit, seine Muße klug auszufüllen, ist die letzte Stufe der
persönlichen Kultur.
		-- Bertrand Russel
%
Es ist ein Jammer, daß die Dummköpfe so selbstsicher sind und die
Klugen voller Zweifel. 
		-- Bertrand Russel
%
In der Wissenschaft sollte man niemals gegen etwas wetten, daß
unwahrscheinlicher als 10^12 zu 1 ist.
		-- Ernest Rutherford
%
Wir können nicht das geringste tun, um das Eindringen einer
fortgeschrittenen Zivilisation in unser Sonnensystem zu verhindern,
denn sie wäre uns wissenschaftlich und technologisch turmhoch
überlegen.  Bösartige Absichten jedoch brauchen wir ihr dennoch
nicht zu unterstellen, scheint doch allein schon ihr langer
Bestand darauf hinzudeuten, daß ihre Vertreter mit ihresgleichen
und anderen leben gelernt haben.
		-- Carl Sagan, Unser Kosmos
%
Aus einem tiefen Weltschmerz reißt uns zuweilen sehr wohltätig ein
kleines Alltagsärgernis.
		-- Francoise Sagan
%
Sie sind ein gutes Beispiel dafür, warum manche Tiere ihre Jungen auffressen.
		-- Jim Samuels to a heckler
%
Der Weise sagt niemals, was er tut - aber er tut niemals etwas, was
er nicht sagen könnte.
		-- Jean Paul Sartre
%
Nie in die ferne Zeit verliere dich! Den Augenblick ergreife! Der ist dein.
		-- Friedrich Schiller
%
Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten.
		-- Friedrich Schiller, Wilhelm Tell
%
Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht,
nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit.
		-- Friedrich von Schiller
%
Wenn Karrieren schwindelnde Höhen erreichen, ist der Schwindel häufig
nicht mehr nachzuweisen.
		-- Werner Schneyder
%
Der Heiterkeit sollten wir, wo immer sie sich einstellt, Tür und Tor öffnen,
denn sie kommt nie zur unrechten Zeit.
		-- Schopenhauer
%
Es geht darum, daß man seine Gedanken nicht direkt vom Bauch
auf die Zunge bringt.  Der Umweg über den Kopf ist dringend
notwendig.
		-- Friedrich Schorlemmer 23.3.1992
%
Alle Menschen sind Brüder - schon seit Kain & Abel
		-- Ulla Schröder
%
Die Demokratie beginnt in der Familie, im Alltag, in der tätigen
Ehrfurcht vor allem Lebenden, sei es Mensch oder Tier.
		-- Albert Schweitzer
%
Demut ist die Fähigkeit, auch zu den kleinsten Dingen emporzusehen.
		-- Albert Schweitzer
%
Wir leben in einer Demokratie, und jeder kann frei entscheiden, 
welche Sportart er machen möchte.
		-- Michael Schumacher
%
Ein Zwerg ist klein, selbst wenn erauf einem Berge steht;
ein Riese bleibt groß, selbst wenn er in einem Tal steht.
		-- Lucius Annaeus Seneca
%
Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist viel Zeit, die
wir nicht nützen.
		-- Lucius Annaeus Seneca
%
Nicht weil die Dinge schwierig sind wagen wir sie nicht,
sondern weil wir sie nicht wagen sind sie schwierig.
		-- Lucius Annaeus Seneca
%
Bedenke Mensch, daß Dein Satz eine Tat ist.
Ich sage wenig, denke desto mehr.
		-- Shakespeare, Heinrich IV
%
Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider.
Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen
immer die alten Maßstäbe anlegen, in der Meinung, sie paßten auch
heute noch.  
		-- Georg Bernhard Shaw
%
Demokratie ist eine Einrichtung, die garantiert, daß wir nicht
besser regiert werden, als wir es verdient haben.
		-- George Bernard Shaw
%
Demokratie ist eine Form der Regierung bei der durch die Wahl einer
inkompetenten Masse eine korrupte Minderheit ernannt wird.
		-- George Bernard Shaw
%
Ein hundertprozentiger Amerikaner ist eine neunundneunzig prozentiger Idiot.
		-- George Bernard Shaw
%
Mode ist eine unerträgliche Häßlichkeit, die wir alle sechs Monate ändern
müssen.
		-- George Bernard Shaw
%
Von der Geschichte können wir lernen,
daß wir von der Geschichte nichts lernen.
		-- George Bernard Shaw
%
Es ist eine leichte Sache, hungernde Menschen zu bekehren, wenn man
ihnen entgegenkommt mit der Bibel in der einen und einem Stück Brot
in der anderen Hand.
		-- George Bernard Shaw
%
Das Leben ist zu wichtig, um es ernstzunehmen.
		-- Corky Siegel
%
Die Faulen haben keine Ahnung vom Reiz der Faulheit. Nur die Fleißigen
können den Müßiggang genießen.
		-- Georges Simenon
%
Manchmal ist es besser zu schweigen und die anderen glauben zu lassen,
man sei ein Narr, als zu reden und die letzten Zweifel zu beseitigen.
		-- L. Simpson
%
Vertrauen Sie mir. Ich weiß was ich tue.
		-- Sledge Hammer
%
Alles Wichtige lernt man von den Frauen, alles Unwichtige vergißt
man bei ihnen. 
		-- Hans Soehnker
%
Mit Unternehmen und dem Internet ist es wie mit Teenagern und Sex.  Alle sind
besessen davon.  Alle glauben, daß die anderen es machen.  Alle wollen auch,
daß alle anderen glauben, sie machten es.  Aber die wenigsten tun es wirklich
... und dann klappt es noch nicht einmal.
		-- Ron Sommer
%
Ob man jetzt zwei Stunden CNN sieht oder die gleiche Zeit in ein Aquarium
glotzt, ist, was den Informationsgehalt angeht, vollkommen identisch.
		-- Wilfried Spickler
%
Aus dem Leben eines Systemberaters:
Sorge für die rasche Behebung des Symtoms, nicht des Problems, denn 
nichts lenkt besser ab als eine rasche Reaktion an der falschen Stelle.
		-- R.K. Sprenger ("Das Prinzip Selbstverantwortung")
%
Wenn du kein Make-up trägst, gibst du den Männern das Gefühl,
ehrlich mit dir sein zu müssen, weil du ehrlich mit ihnen bist.
		-- Sharon Stone
%
Gesunder Menschenverstand ist das Talent, die Dinge zu sehen, wie sie
sind, und Dinge zu tun, wie sie getan werden sollten.
		-- Calvin Ellis Stowe
%
Der Morgen bringt etwas, das Jugend verleiht. Wenn die, welche den
Morgen verschlafen, wüßten, was sie verlieren.!
		-- August Strindberg
%
Kein Weiser hat sich je gewünscht, jünger zu sein.
		-- Jonathan Swift
%
Oft habe ich meine Worte bereut, doch niemals mein Schweigen.
		-- Publilius Syrus
%
Alle die Züge, die wir an Menschen bewundern, Freundlichkeit und
Großzügigkeit, Offenheit, Anstand, Verständnis und Mitgefühl,
garantieren in unserem System das Scheitern.  Und die Eigenschaften,
die wir verachten, Härte, Gier, Raffsucht, Gemeinheit, Egoismus und
Eigeninteresse, sind die Faktoren des Erfolgs.  Aber während
ersteren die Bewunderung der Menschen gilt, lieben sie die
Erträge der letzteren.
		-- John Steinbeck (Straße der Ölsardinen)
%
Für alles im Leben muß man bezahlen. Und je später man es tut, um so
höher werden die Zinsen.
		-- John Steinbeck
%
Man verliert die meiste Zeit damit, daß man Zeit gewinnen will.
		-- John Steinbeck
%
Mit Propheten muß man sich dreißig Jahre später unterhalten.
		-- John Steinbeck
%
Schön zu sein ist ausreichend.  Was will man mehr von einer Frau?
Wozu muß eine Rose singen können?
		-- Thackeray
%
Jedes Kind gibt uns die Gewißheit, daß Gott an der Menschheit nicht
verzweifelt.
		-- Rabindranath Tagore
%
Wer andere kennt, ist klug.
Wer sich selber kennt, ist weise.
		-- Tao te king
%
Die Sprache wurde dem Menschen gegeben, damit er seine Gedanken verhüllen
kann.
		-- Charles Maurice de Talleyrand
%
Das gute an Standards ist, daß man unter so vielen wählen kann.
		-- Andrew S. Tanenbaum
%
Einbildungskraft  ist das, was manchen Politiker glauben macht,
er sei ein Staatsmann. 
		-- Roberta Tennes
%
Das Wissen kommt und geht, die Weisheit bleibt.
		-- Alfred Lord Tennyson
%
Geographie ist Schwerkraft mit Bäumen drauf
		-- P. Terry
%
Ist es nicht interessant, daß die selben Leute, die über Science-Fiction
lächeln, der Wettervorhersage und Ökonomen glauben schenken?
		-- Kelvin Throop III
%
Die Weisheit kennt kein Ende - je mehr der Mensch in ihr
fortschreitet, desto mehr bedarf er ihrer.
		-- Leo N. Tolstoi
%
Es gilt der Satz, der mich noch nie gereut:
Der beste Freund des Menschen ist die Einsamkeit.
		-- Horst Tomayer
%
Wenn Du sagst: "Ich habe ein Programm geschrieben, daß Windows zum
Absturz bringt", so werden Dich die Menschen verständnislos anstarren
und sagen:  "Hey, ich bekam soetwas mit dem Betriebssystem und zwar
*kostenlos*."
		-- Linus Torvalds
%
Ich beobachte mit Erstaunen die große Anzahl meiner Zeitung lesenden 
Mitmenschen, die in dem Glauben leben und sterben, sie hätten von der
Zeit in der sie lebten etwas gewußt.
		-- H. Truman
%
Ich bin froh, daß Du da bist und nicht hier.
		-- Kurt Tucholsky
%
Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich
anständig benehmen muß, oder ob schon deutsche Touristen dagewesen sind.
		-- Kurt Tucholsky
%
Hering ist gut. Schlagsahne ist gut. Wie gut muß erst Hering mit
Schlagsahne sein.
		-- Kurt Tucholsky
%
Der Standesdünkel liegt in derselben Schublade wie der
Patriotismus. Vom Feuerwehrverein bis zum Vaterland sind nur wenige
Schritte. Und daher sieht bei uns der Skatverein wie ein Staat und der
Staat wie ein Skatverein aus.
		-- Kurt Tucholsky
%Alle Verallgemeinerungen sind falsch, einschließlich dieser.
		-- Mark Twain
%
Man könnte viele Beispiele für unsinnige Ausgaben nennen, aber
keines ist treffender als die Errichtung einer Friedhofsmauer. Die,
die drinnen sind, können sowieso nicht hinaus, und die, die draußen
sind, wollen nicht hinein.
		-- Mark Twain
%
Sage im Zweifelsfall die Wahrheit.
		-- Mark Twain
%
Zivilisation ist die unbegrenzte Vervielfachung von unnötigen Notwendigkeiten.
		-- Mark Twain
%
Es dauert ca. drei Wochen um eine gute Stehgreifrede auszuarbeiten.
		--  Mark Twain
%
Ein Klassiker ist ein Buch, das jeder immer schon einmal lesen
wollte und doch niemand lesen will.
		-- Mark Twain
%
Der einzige Weg, seine Gesundheit zu erhalten ist, zu essen was nicht
schmeckt, zu trinken was man nicht möchte und zu tuen, was man lieber
unterließe.
		-- Mark Twain
%
Die Wahrheit ist das größte Gut was wir besitzen  -- laßt uns
sparsam damit umgehen.
		-- Mark Twain
%
Ehe man anfängt seine Feinde zu lieben, sollte man erstmal seine
Freunde besser behandeln.
		-- Mark Twain
%
Ein Bankier ist ein Kerl, der ihnen bei schönem Wetter einen
Regenschirm leiht und ihn zurückverlangt, sobald es regnet.
		-- Mark Twain
%
Leser, nimm an, Du seiest ein Idiot.  Und nimm an, Du seiest
ein Mitglied des Kongresses.  Doch ich widerhole mich.
		-- Mark Twain
%
"Die Allgemeinheit" ist lediglich ein vervielfachtes "ich".
		-- Mark Twain
%
Zuerst schuf Gott die Idioten; das war die Vorübung.  Dann schuf er die
Schule.
		-- Mark Twain
%
Wenn wir uns bemühen, können wir auch Mißgeschick ertragen -- das andere
Menschen meine ich.
		-- Mark Twain
%
Wir danken Gott für die Gnade, daß wir in unserem Land drei große
Vorzüge haben: Die Freiheit der Rede, die Freiheit des Denkens und
die Weisheit, von beidem keinen Gebrauch zu machen.
		-- Mark Twain
%
Der Verstand ist das Gut, das am gerechtesten verteilt ist. Jeder denkt,
er hätte genug davon.
		-- Mark Twain
%
Kein Breitengrad, der nicht dächte, er wäre Äquator geworden, wenn alles
mit rechten Dingen zugegangen wäre.
		-- Mark Twain
%
Es ist besser still zu sein und für einen Narren gehalten zu werden,
als zu sprechen und damit jeden Zweifel auszuräumen.
		-- Mark Twain
%
Beim Lesen von Büchern über die Gesundheit ist Vorsicht geboten.
Möglicherweise stirbt man auf Grund eines Druckfehlers.
		-- Mark Twain
%
Die Dummen haben das Pulver nicht erfunden, aber sie schießen damit.
		-- Gerhard Uhlenbruck
%
Wer auf der Stelle tritt, kann nur Sauerkraut fabrizieren.
		-- Sir Peter Ustinov
Hast und rastlose Geschäftigkeit sind die Scheuklappen des modernen
Menschen gegenüber den Dingen, auf die es im Leben wirklich ankommt.
		-- Evelyn Vaugh
%
Wer nicht kann, was er will, muß wollen, was er kann.
		-- Leonardo da Vinci
%
Wenn es keinen Gott gäbe, müßten wir ihn erfinden.
		-- Voltaire
%
In der ersten Hälfte des Lebens opfert man seine Gesundheit,
um Geld zu verdienen.
In der zweiten Hälfte des Lebens opfert man sein Geld,
um die Gesundheit wiederzuerlangen.
%
Jeder Mensch kommt mit einer sehr großen Sehnsucht nach Herrschaft,
Reichtum und Vergnügen sowie einem starken Hang zum Nichtstun auf die
Welt.
		-- Voltaire
%
Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche.
		-- Wächter
%
C: Ich möchte nicht länger "Junge" genannt werden. Ich finde den Ausdruck
   demütigend und sexistisch.
H: Wie möchtest Du dann genannt werden?
C: Genetisch bevorzugter Jugendlicher.
		-- Watterson (aus "Calvin and Hobbes")
%
Manchmal denke ich, der beste Beweis dafür, daß es anderswo im
Universum intelligentes Leben gibt, ist der, daß noch keiner versucht
hat, Kontakt mit uns aufzunehmen. 
		-- Calvin alias Bill Watterson
%
Die Umwelt nimmt die Gestalt des Herzens an. Dem Mürrischen antwortet
die Welt mürrisch oder überhaupt nicht.
		-- Josef Magnus Weber
%
Das zweite Gesetz der Thermodummheit: In jeder geschlossenen Denkweise
bleibt die Ignoranz konstant oder nimmt zu.
		-- Richard Wein
%
Wenn man einen Hammer in die Hand nimmt,
sieht die ganze Welt wie ein Nagel aus.
		-- Joseph Weizenbaum
%
Man könnte froh sein, wenn die Luft so rein wäre wie das Bier.
		-- Richard von Weizsäcker
%
Interessante Selbstgespräche setzen einen klugen Gesprächspartner voraus.
		-- H.G. Wells
%
Kompromiß ist, wenn alle unzufrieden sind.
		-- M. Wendel
%
Der Wähler legalisiert die Handlungen, die später gegen ihn
unternommen werden.
		-- Herbert Wener
%
Wenn ich zwischen zwei Übeln wählen muß, so entscheide ich mich immer
für das, was ich bisher noch nicht kennengelernt habe.
		-- Mae West, "Klondike Annie"
%
Die gute alte Zeit ist nichts anderes als eine rückwärts datierte Utopie.
		-- Erich Wiesner
%
Ein Mord ist immer ein Fehler.  Man sollte niemals etwas tun, über
daß man nach dem Essen nicht mehr reden kann.
		-- Oscar Wilde, "The Picture of Dorian Gray"
%
Ich kann allem Widerstehen, nur nicht der Versuchung.
		-- Oscar Wilde
%
Die Menschen von heute wünschen das Leben von übermorgen zu den
Preisen von vorgestern.
		-- Tennessee Williams
%
Ironie ist eine Beleidigung in Form eines Kompliments.
		-- Edwin Whipple
%
Was auch immer Frauen tun, sie müssen es doppelt so gut wie Männer tun, um
für halb so gut gehalten zu werden.  Glücklicherweise ist das nicht schwer.
		-- Charlotte Whitton
%
Wo ein Messer einmal tief ins Fleisch geschnitten hat,
tut die Beruehrung mit einer Feder weh.
		-- Christa Wolf
%
"The New Yourk Times" wird von denen gelesen, die das Land
regieren. "The Washington Post" wird von denen gelesen, die denken,
sie regierten das Land.  "The National Enquirer" wird von denen
gelesen, die denken, Elvis würde leben und regierte das land.
		-- Robert J Woodhead (trebor@biar.UUCP)
%
Amerika ist ein Land der Gesetze, schlecht geschrieben und
willkürlich in Kraft gesetzt.
		-- Frank Zappa
